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Collection Fehrmann Jules Vernes „Voyages extraordinaires"- Band VE 14: Der Kurier des Zaren - VERFILMUNGEN Alle Bilder: © Tele München & Technosor Paris |
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FILM
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Der Titelvor- und -abspann der Serie im deutschsprachigem Fernsehen:
Serienteile / Längen: 1. Teil: 86:03 min 2. Teil: 87:13 min 3. Teil: 86:38 min 4. Teil: 81:36 min In diesen Angaben ist ab dem 2. Teil eine anfängliche Zusammenfassung enthalten, die sich auf bis zu 5 Minuten kumuliert.
Oben: Eine französische DVD, die Jahre vor der deutschen und damit deutschsprachigen, Version im Handel erhältlich war - unten: Der Soundtrack im deutschen Verleih von DECCA als Schallplatte
Oben: Der Soundtrack als Platte in Großbritannien und unten in den Niederlanden
Quellen: /1/ Oliver Kellner & Ulf Marek: Seewolf & Co.; Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf 1999; ISBN 3-89602-109-7; 216 Seiten; CF /5716/ /2/ Schriftverkehr Herbert Petz an A.F. v. 20. März und 1. April 2010; mit der freundlichen Genehmigung zur Veröffentlichung auf dieser Seite |
Der Kurier des Zaren / Filmtitel: Michael Strogoff / Verfilmung F/D 1976, TV 4-Teiler
Teil 1: Sibirien 1875: Im russischen Osten wird es unruhig, es häufen sich die Überfälle von Tataren. Da die Telegrafenleitungen gekappt wurden, ist die Verbindung nach Irkutsk unterbrochen. Abhilfe soll der Einsatz eines Kuriers bringen. Dazu wird der gut trainierte Michael Strogoff ausgewählt. Er erhält den Sonderauftrag, den Bruder des Zaren in Irkutsk eine Depesche zu überbringen. Zur Legitimation bekommt er ein Geheimsiegel des Zaren, darf aber unterwegs keine offizielle Unterstützung durch Regierungsvertreter erwarten. Geheimhaltung ist oberstes Gebot. Zeitgleich sehen wir Ogareff, in dieser Verfilmung ein Tatarenfürst, größter Widersacher des Zaren. Dieser ist in einem Gefängnis interniert, aber mit Hilfe von russischen Verrätern gelingt ihm der Ausbruch. Mit der Zigeunerin Sangarre, die seine Flucht mit vorbereitet hatte, macht er sich ebenfalls auf den Weg nach Sibirien, um sich dort mit anderen Tartarenführern zusammen zu schließen, damit sie dann gemeinsam diese Provinz dem Zaren entreißen können. Auf undurchsichtigen Wege hat die Zigeunerin erfahren, dass der Zar einen Kurier nach Irkutsk gesandt hat. Sie ahnt, dass durch diesen Kurier, der den Bruder des Zaren informieren soll, der Sache Ogareffs Gefahr droht. Inzwischen fährt Strogoff inkognito als Kaufmann in der transsibirischen Eisenbahn. Er ist dabei so „unauffällig“, dass er als Kaufmann nicht sehr überzeugend wirkt. Den anderen Reisenden erzählt er, dass er zu einer Handelsmesse fährt. Mit im Zug sind zwei Journalisten, ein Brite und ein Franzose und die attraktive Nadja, eine allein reisende Blondine. Es dauert nicht lange, da wird sie von einem „wodkaseligen“ Reisenden belästigt. Strogoff geht dazwischen und wehrt die plumpen und handgreiflichen Annäherungsversuche des Reisenden ab. Als nun die Zarenpolizei nach dem flüchtigen Ogaroff im Zug fahndet, macht der vorher durch Strogoff brüskierte Mann die Polizei auf den seltsamen Kaufmann aufmerksam. Prompt wird Strogoff kontrolliert und man findet in seinem Reisesack einen Armeerevolver. Da er dessen Herkunft nicht erklären kann, wird er kurzerhand mitgenommen, sehr zur Zufriedenheit des Denunzianten. Da sich Strogoff keine Verzögerung oder ein Aufheben seines Inkognitos leisten kann, flüchtet er aus dem Gewahrsam der Polizei, wird daraufhin aber als Ogareff gejagt.
Bei der nächsten Reiseetappe versuchen die Beteiligten via Kutsche weiter zu kommen. Da aber viele auf der Flucht vor den Tartaren sind, sind die Reisemöglichkeiten begrenzt, vor allem Pferde sind schlecht zu erhalten. Die Korruption blüht und es gibt einige Verwicklungen. Trotzdem sind die beiden erfolgreich und sie erhalten Pferde für ihre Kutsche. Schonungslos werden die Pferde über den Ural gejagt. Dabei gibt es die kuriose Situation, das die Gruppe Ogareff und zeitversetzt Nadja und Strogoff die gleichen Probleme haben: Sie dürfen nicht in Konflikt mit der zaristischen Polizei geraten. Mitten im Ural, man trotzt einem Unwetter und dem Angriff von Bären, verbünden sich Nadja und Strogoff mit den plötzlich wieder auftauchenden Journalisten. Aber schon bei der nächsten Etappe ist der eilige Strogoff wieder den beiden voraus.
Im Handgemenge stürzt Strogoff verletzt in den Fluss und er wird von Nadja getrennt. Von einem Fischer aufgenommen und gepflegt, hilft dieser ihm dann weiter. Inzwischen greifen die Tartaren Omsk an und Nadja ist nach dem Überfall der Fähre in ein Gefangenenlager der Tartaren gebracht worden. Kurz darauf wird auch Strogoff wieder aufgegriffen und im Tartarenlager erkennt er mit Schrecken seine Mutter unter den zahllosen Gefangenen Zivilpersonen. Sie darf ihn nicht erkennen, ist dann doch sein Inkognito nicht aufrecht zu erhalten. So verleugnet er öffentlich die Mutter, die ihn als ihren Sohn ansprach. Aber im Lager ist inzwischen auch Sangarre die Zigeunerin mit ihrem Ogareff eingetroffen. Zufällig wird Sangarre Zeugin der Begegnung. Sie ahnt die Zusammenhänge und macht Ogareff, der inzwischen wieder ein Führer der Tartaren ist und dem die Führung dieses Tartarenlagers obliegt, darauf aufmerksam. Als Ogareff endlich aktiv werden will ist, ist Strogoff inzwischen mit viel Mühen den Tartaren entkommen. Jetzt wird er gezielt mit Unterstützung eines Verräters, einem ehemaligen Nachbarn der Familie Strogoff, gezielt gesucht. (Szenenbild links: Strogoff kämpft gegen die Verfolger: Tartaren die auf der Suche nach ihm ein Fischerdorf niedergebrannt haben)
Feofar Khan lässt in einem Schauprozess Michael Strogoff blenden. Gleichzeitig stirbt von Michael erst unbemerkt, seine Mutter und Nadja muss sie begraben. Danach kümmert sie sich um ihren verstümmelten Partner Michael. Aber schon kurz darauf, während eines nächtlichen Angriffs der Russen, gelingt es den Beiden dem Lager zu entkommen. Mit Hilfe der Augen Nadjas kämpft sich Strogoff weiter zu seinem Ziel...
Mit Hilfe von russischen Flüchtlingen können die beiden mit einem Floß sich dem Endziel nähern. Hier sich inzwischen der falsche Kurier Ogareff eingeschlichen. Er versucht die Verteidigungslinien der Stadt durch falsche Informationen und Einweisungen zu lockern, allerdings bietet ihm der kommandierende General Paroli (Szenenbild links: Ganz links Ogareff mit dem General). Einige „Anweisungen“ des Zaren scheinen ihm nicht der Situation angepasst, ein empfohlener Ausbruch aus der Stadt lehnt er ab. Während Ogareff voller Risiko für die Sache der Tartaren versucht den Kampf zu beeinflussen, tritt der offensichtliche Zwist zwischen den Stammesfürsten immer deutlicher zu Tage. Feofar Khan der ein riesiges Steppenkönigreich, ähnlich wie unter Tamerlan unter den Gesetzen des Korans gründen will, steht konträr zu Ogareff. Diesem, als Fürst von vierzehn Tatarenstämmen, schwebt als Ziel eine selbständige Provinz Sibirien vor, durchaus europäisch orientiert, aber eben tartarisch.
Ein erbitterter Kampf Mann gegen Mann beginnt (Szenenbild rechts). Im Ergebnis bleibt Ogareff tot im Stadtinneren vor dem Stadttor liegen. Inzwischen konnten die Russen die Tartaren in die Flucht schlagen, nicht zu letzt auch durch Dynamitpatronen die der hier im Exil lebende Vater von Nadja zur Verteidigung produziert hat. Die Einstellung der Kamera als der Tote Ogareff langsam zu schneit, ist das Ende des Filmes in der deutschsprachigen Version.
Einschätzung Die über vier Teile in Spielfilmlänge erzählte Geschichte ist eine gelungen Verfilmung. Besonders das stimmiges Ambiente, die gut ausgewählten Schauplätze, dazu zählt die ungarische Puszta als sibirische Steppe und ganze Siedlungen von Holzhäusern, machen die Weite Sibiriens allen Zuschauern deutlich. Dazu gehören auch die Tartaren in ihren Jurten und viele viele ergänzende Details. Wenn das Drehbuch weniger erfolgreiche Ausbrüche Strogoffs bei den Tartaren beinhaltet hätte (ich hab dann gar nicht mehr mitgezählt wie blöd sich die Steppenkrieger verhalten haben sollen) und wenn die Geschichte der beiden Journalisten auch in der deutschsprachigen Version zu Ende erzählt worden währe, dann währe auch die Handlung noch geschlossener und glatter gewesen. Aber der angenehme Eindruck des Films, nicht zu letzt auch durch die stimmungsvolle Musik von Vladimir Cosma, die nicht zu unrecht erfolgreich auf diversen Schallplatten und Kassetten vertrieben wurde (siehe linker Seitenrand), überwiegt: Ein tolles Filmerlebnis!
Der Schluss des Filmes Eine Thematik die immer wieder Anlass zu Diskussionen unter Filmfreunden gibt, ist die unterschiedliche Gestaltung der Schlusssequenz in der nationalen und den internationalen Filmversionen. Denn den so nüchternen Schluss hat nur das deutsche Publikum gesehen. In italienischen und französischen Fernsehausstrahlungen wurde ein ziemlich prunkvolles Ende gezeigt, mit Happy End der beiden Liebenden, und einem rauschenden Ball. Unter der Überschrift „Zuschauer fühlen sich betrogen“ zitieren und erläutern Kellner und Marek in ihrem Buch Seewolf & Co.: „... »Warum gab's kein Happy-End bei Strogoff?« oder »Wer hat uns um das Happy-End betrogen?« titelten beinahe identisch die Programmzeitschriften Hörzu und GONG. Die Fernsehzuschauer waren enttäuscht, empört und verärgert darüber, von Betrug war gar die Rede, da das ZDF dem Publikum die Rückkehr Strogoffs an den Zarenhof vorenthielt.“ ... „Was waren die ausschlaggebenden Gründe dafür, dass das Ende unter die Schere geriet? Alfred Nathan, zuständiger Redakteur beim ZDF begründete die Kürzung wie folgt: »Die Hochzeit von Strogoff und Nadja in Irkutsk, die Jules Verne nur kurz erwähnt, weil er keine Liebesgeschichte schreiben wollte, ist nicht gedreht worden und konnte deshalb nicht gezeigt werden. Die glanzvolle Ballszene am Ende, die nur zeigt, wie Strogoff mit Nadja tanzt .... hätte die Härte der erlebten realen Konflikte abgewertet“ ... „Auch Produzent Walter Ulbrich fand die Szene »einfach degoutant. Das Happy-End wirkte wie eine zynische Siegesfeier. Das konnten und wollten wir unseren Zuschauern nicht bieten....«“ /1/ Der Filmfreund Herbert Petz hat eine andere Sichtweise auf die Gestaltung der Szene: „Was bei den Kommentaren auffällt, ist eine offensichtliche Fehlinterpretation der in der deutschen Fassung fehlenden Schlusssequenz. Zumeist wird behauptet, es handle sich um einen Ball am Zarenhof in St. Petersburg, der Zar unterhalte sich mit den Journalisten, während Strogoff mit seiner (zukünftigen) Frau das Tanzbein schwingt. In Wirklichkeit handelt es sich um eine Siegesfeier nach den für die Russen erfolgreichen Kampfhandlungen in Irkutsk, und zwar im Palast des Großfürsten und Zarenbruders. Nach der letzten Einstellung, in welcher der getötete Ogareff langsam zugeschneit wird – dem definitiven Schluss der deutschen Version –, schaut die Kamera durch ein Palastfenster, draußen herrscht heftiger Schneefall, mit einem Schwenk auf Jolivet und Blount, die sich mit Strogoff in Galauniform unterhalten und ihm dabei unter dem Siegel der Verschwiegenheit eröffnen, dass sie in Wirklichkeit keine Journalisten, sondern Agenten ihrer jeweiligen Regierungen sind. Währenddessen tritt General Woranzoff an den Rittmeister heran und stellt ihm Nadjas Vater vor, Wassili Fedor; dabei wird Strogoff scherzhalber wieder ein Auftrag erteilt, nämlich mit Nadja zu tanzen, zwischen den Zeilen allerdings willigt der Vater in eine Hochzeit Nadjas mit Michael ein. Als sich der Rittmeister der den Raum gerade betretenden Nadja nähern will, kommt ihm kurz der Großfürst zuvor, der Nadja seinerseits zum Tanz auffordert. Strogoff freilich tritt dazwischen und berichtet von seiner Mission, worauf der Großfürst Nadja dem Rittmeister zum Tanz überlässt und ihm – sozusagen zur Hochzeit – alles Gute wünscht. Daraufhin schwingt das überglücklich wirkende Paar für wenige Sekunden das Tanzbein, als eine neue Kameraeinstellung die tatsächlich allerletzte Sequenz des Films einleitet, die Fahrt der beiden – wohl frisch verheirateten und sehr fröhlich wirkenden – Brautleute in einer Pferdekutsche durch die verschneite leere Landschaft, bezeichnenderweise von rechts nach links, d.h. westwärts. Diese ‘Schlittenfahrt’ ist wohl analog zum Roman als Heimreise von Nadja und Michael von Sibirien ins europäische Russland zu interpretieren. In diesen letzten Minuten ist keine Spur vom Zaren und keine Rede von St. Petersburg; im Gegenteil, die Anwesenheit des Großfürsten Dimitri, von General Woranzoff und von Wassili Fedor legen zwingend nahe, dass es sich um den Abschluss der letztlich geglückten Mission in Irkutsk handelt. Blount und Jolivet beobachten das tanzende Paar und scherzen noch darüber, dass Strogoff von neuem ‘blind’ (aveugle) werde, und zwar ein Leben lang, eben durch die Liebe zu und Hochzeit mit Nadja. In diesen dramaturgisch wichtigen letzten Minuten, wo sich erst der Ring der Handlung schließt, ist kein Operettenschluss zu sehen, was ja die offizielle Begründung des ZDF für den Schnitt war. Diese – und auch andere – Verstümmelungen haben der deutschen Fassung keinen guten Dienst erwiesen.“/2/ Dem kann ich nichts hinzufügen .... |
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Hinweis: Beschrieben werden nur in meiner Sammlung befindliche Bücher und Verfilmungen. |
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Copyright © Andreas Fehrmann - 09/04, update 4. Mai 2010