Jules Verne Bücher in der DDR ...






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Bild oben: Schutzumschlag aus dem Verlag Neues Leben von 1986. Das Impressum dieses Buches dient unten rechts als Beispiel beim Abschnitt: Preise






... Impressen auswerten und Preise erkennen

Wer nicht mit diesen Büchern aufgewachsen ist, dem erschließen sich nicht immer die Informationen, die im Impressum eines Buches damaliger ostdeutscher Verlage zu finden sind. Daher habe gebe ich an dieser Stelle eine allgemeine Erläuterung, damit diese Bücher besser identifiziert werden können. Denn nicht immer sind alle Angaben die ein Sammler gerne hätte, in den Büchern eingedruckt worden. Oft fehlen die Angaben: Welche Auflage ist es? Oder: Wann wurde das Buch aufgelegt?

Die nachfolgenden Erkenntnisse aus der Struktur der Freigaben und Systematisierungen habe ich mir in mühsamer Recherche aus unterschiedlichsten Quellen zusammengesucht. Nicht die Wissenschaftlichkeit steht in meiner Zusammenfassung im Vordergrund, sondern das allgemeine Verständnis dieses Bürokratiemonsters.


Druckfreigaben, Lizenznummern und Ausgabejahre

Wenn sich eine zentrale Administration, ein überbordendes Sicherheitsbedürfnis und eine versteckte Zensur treffen, dann erlebt die sagenumwobene deutsche Bürokratie ihren Höhepunkt. Die junge ostdeutsche Republik schaffte strenge Regeln im Zeituns- und Verlagswesen, ja selbst einfache Seriendrucke von Formularen waren streng geregelt und benötigten eine Druckfreigabe. Dazu eine Hintergrundinformation: Es gab das Regelungssystem der "Ausnahmegenehmigungen" für Druckwaren/Vormulare/Vordrucke, erkenntlich in den Formularen mit einer Nummerierung die mit "Ag" begann. Das Ende dieser Nummer war immer das zweistellige Druckfreigabejahr. Dieses Jahreszahlen-System kam auch bei Büchern zur Anwendung und damit sind wir wieder beim Thema.

Schon eine Verlagsgründung bedurfte einer Verlagslizenz. Diese wurde direkt nachdem Kriege von der sowjetischen Militäradministration erteilt, anfang der 50er Jahre dann vom Amt für Literatur und Verlagswesen, welches dann später in das Ministerium für Kultur aufging.

Zeitgleich wurden in den frühen 50er Jahren in der DDR die Druckgenehmigungsverfahren eingeführt. Dazu mussten für die den Druck geplante Bücher zentral eingereicht werden und nach erfolgreicher Bestätigung innerhalb dieses Verfahrens erfolgte eine Druckfreigabe, die durch eine Druckgenehmigungsnummer erteilt wurde. Zusammen mit der Verlagslizenznummer ergab sich daraus für das konkrete Buch eine Lizenznummer. Die gestatteten Ausnahmereglungen für Volksbildung und Militär sind für unsere hier besprochenen Bücher nicht ztreffend.

Diese Regelungen galten bis Ende 1989. Bis zu diesem Zeitpunkt galt die Druckgenehmigungsnummer als Identifikationsnummer eines Buches. Da aber jede neue Auflage wieder lizensiert wurde, gab es dann stets eine neue Lizenznummer. Für uns als Sammler bedeutet das, dass man aufgrund dieser Tatsache die Auflage eines Buches erkennen kann, selbst wenn die dementsprechende Auflage (z.B. 3. Auflage) nicht in der Titelei genannt wurde. Ab Beginn der 80er Jahre begann man auch im Osten die international gebräuchliche ISBN-Nummer einzuführen, wobei schon in den 70er Jahren als Bestellhilfe des Buchhandels eine Bestellnummer eingeführt wurde. Daher konnten durchaus unterschiedlichste Nummernsysteme in einem Impressum eingedruckt worden sein.

BeispielimpressumLinks ein Beispielimpressum aus den 80er Jahren: Die Kinder des Kapitän Grant vom Aufbauverlag. Klar ausgewiesen die 1. Auflage dieses Verlages (!); Zu den Nummern: Die gezeigte Lizenznummer besteht aus folgenden Teilen: Die 301 ist die Verlagslizenznummer. Dannfolgt nach dem Punkt die Druck - Genehmigungsnummer aus der Dreierguppennummer bestehend. Diese konnte auch in Klammern gesetzt sein, wie ganz unten im Beispiel gezeigt wird. Die Druckgenehmigung bestand aus den schon erwähnten drei Teilen, jeweils durch einen Schrägstrich getrennt. Wir sehen die 120 als Verlagsnummer, dann die fortlaufende Nummer des Buches (198) in diesem Verlag und diesem Jahr und dann die Jahreszahl (89) der aktuellen Veröffentlichung. Aus einem mir nicht nachvollziehbaren Grund war die Verlagsnummer und die Verlagslizenznummer nicht gleich. Aber das interessiert uns Sammler nicht.

Unter der Lizenznummer finden wir die Bestellnummer, die aber nur für das Warenwirtschaftssystem des Buchhandels von Bedeutung war. Dann erfolgt die kryptische Zeile "I/II 00760" die ich ganz unten erläutere. Ergänzt wird unten das Impressum noch durch die schon angewandte ISBN-Nummer.


Preise

PreisbeispielIch will hier an dieser Stelle nicht über die Preispolitik des damaligen Staates philosophieren, sondern etwas zur Auspreisung sagen. Die damals üblichen Festpreise wurden im Warenverkehr als Einzelhandelsverkaufspreis oder Endverbraucherpreis (EVP) gekennzeichnet und waren auf allen Waren ersichtlich anzubringen. Bis zu den 70er  Jahren waren die Auspreisungen auf Büchern direkt erkennbar. Meist mit dem Vorangestellten Zusatz DDR. Sprich der Preis gilt in der DDR. In den 70ern gab es eine Zwischenform, die neutraler war, zu sehen im Beispiel oben rechts. Das Buch kostete 8,60 Mark. Landeszusatz und Währung hatte man weggelassen. Immer wieder sind auf dem Markt aber auch Mischformen zu finden.

Impressum 2Um 1980 wurde es üblich, die Preise in Büchern noch neutraler, also etwas verschleiert anzugeben. Meine Vermutung ist, dass die Bücher bei dieser Verfahrensweise nicht als ausgepreist erkennbar waren und dadurch konnnte man sie in dieser Form 1:1  in andere Länder verkaufen. Die Preiscodierung  erfolgte durch eine fünfstellige Zahlenfolge, die man von hinten lesen musste. Die letzten beiden Stellen waren die Pfennige, dann wurde der Mark-Betrag vorangestellt. Das linke Impressum zeigt also ganz unten den Preis von 11,80 Mark. Es handelt sich dabei um Fünf Wochen im Ballon aus der kleinformatigen NL-Serie. Interessant am Rande: Das gleiche Buch in der großformatigen Serie kostete noch 6,40 Mark. Der Wechsel der Editionen hatte also auch einen wirtschaftlichen Hintergrund.

Und ganz oben im Beispiel des Impressums der Kinder des Kapitän Grant? Die Lösung lautet: Die Bände I und II kosteten jeweils 7,60 Mark. Alles klar?

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Copyright © Andreas Fehrmann – 2/2026 letzte Aktualisierung 17. Februar 2026