Collection Fehrmann

Jules Vernes „Voyages extraordinaires"

- Band VE 11: Die Reise um die Erde in 80 Tagen -

VERFILMUNGEN

Bildmaterial: © Universum Film / UFA / TELEPOOL



FILM 5


Beispiel-DVD:


Angaben zur DVD: © 2004 universum film / UFA home entertainment – Auf dem deutschsprachigen Markt in Standard- und Spezial-Edition (Doppel-DVD) vertrieben. Sprachen: Deutsch, Englisch; Untertitel: Deutsch, Englisch

In 80 Tagen um die Welt: Verfilmung UK / Irland / BRD 2004

Originaltitel: Around the World in Eighty Days; Länge: 115 Minuten; Regie: Frank Coraci; Drehbuch: David N. Titcher -  Darsteller und Ihre Rollen: Jackie Chan als Passepartout und Lau Xing; Steve Coogan als Phileas Fogg; Cécile de France als die Französin Monique; Robert Fyfe als Jean Michel; Jim Broadbent als Lord Kelvin; Ian McNeice als Colonel Kitchener; David Ryall als Lord Salisbury; Roger Hammond als Lord Rhodes; Adam Godley als Mr. Sutton; Karen Mok als General Fang; Howard Cooper als Akademiemitglied; Daniel Hinchcliffe als britischer Diener; Wolfram Teufel als belgischer Würdenträger; Tom Strauss als Akademiemitglied; Kit West als als Akademiemitglied; Ewen Bremner als Inspector Fix u.v.a.m.

Einige Zeit hat es gedauert, bis sich Studios und Verleiher wieder an einen Jules Verne Kinofilm wagten. Aber warum es gerade wieder einer der meist verfilmten Plots sein musste? Vielleicht wollte man auf den Bekanntheitsgrad der Geschichte aufbauen. Das dabei nicht zu viel Bekanntes wieder zu erkennen ist, dafür sorgte der Action-Schauspieler und Mitautor des Drehbuches, Jackie Chan. Dieser rollte die Geschichte aus einem neuen Gesichtswinkel auf, verteilte scheinbar bekannte Rollen der Romanfiguren neu und wob eine völlig neue Rahmenhandlung ein.

Da ist zunächst der etwas weltfremde, aber innovative Erfinder Phileas Fogg. Dieser überrascht die Welt, aber mehr noch die britische Akademie der Wissenschaften mit Dingen, die den Lauf der menschlichen Entwicklung revolutionieren sollen. Mitten in seinem Experiment, die höchste Geschwindigkeit die ein Mensch bis dato ausgehalten hat zu überbieten, verweigert der durch Pleiten, Pech und Pannen gezeichnete bisherige Diener seinen Dienst. Lange genug hatte er als Versuchsperson bei vielen Experimenten herhalten müssen. Da kommt ihn das Anerbieten des Chinesen Lau Xing gerade recht, als Helfer und Diener einzuspringen. Aber nicht die Suche nach einem neuen Job war Motivation von Lau Xing, vielmehr sah er darin eine Chance, der Fängen der Londoner Polizei zu entgehen, denn diese jagte ihn als ein Räuber, der die Bank von England überfallen hatte. Und darauf basiert die neue Rahmenhandlung der Geschichte: Einem kleinen chinesischem Dorf wurde aus dem Dorfheiligtum ein Jade-Buddha gestohlen, der Schutzpatron des Dorfes. Neuer Besitzer ist sinniger Weise Lord Kelvin, Wissenschaftsminister und Vorsitzender der Königlich Britischen Akademie der Wissenschaften. Das wertvolle Stück hatte er in der Bank von England eingelagert. Um die Sache noch verzwickter und gefährlicher zu machen, taucht auch noch der chinesische Geheimbund des Schwarzen Skorpions auf. Dieser will die Macht über eben dieses kleine chinesische Dorf gelangen, dessen Wert offensichtlich die dort lagernden Jadevorkommen sind. Lord Kelvin unterstützt heimlich diese Pläne, sogar illegale Waffenlieferungen werden dazu organisiert.

Fogg und Passepartout4Da Lau Xing den ersten Teil seiner Aufgabe, die Entwendung des Buddhas aus der Bank gelöst hat, muss er jetzt noch den zweiten Teil zu Ende bringen: Die sichere Rückkehr in sein chinesisches Dorf. Da er sich unter dem falschen Namen Passepartout (im Film geboren während einer Polizeikontrolle aus den Namen PASSPORT und TOO) und als angeblicher Franzose bei Fogg eingeschlichen hat, kann er diesen bei einem Besuch in der Akademie der Wissenschaften (also nicht im Reformclub) zu einer folgenschweren Wette veranlassen. Dazu war es gekommen, da sich Fogg im Streit um Wissenschaft und Fortschritt vom Vorsitzenden der Akademie provozieren ließ. Wetteinsatz ist der Vorsitz des Hauses (eigentlich muss es für Briten schmerzlich sein, diese ernste Aufgabe als Wettspieleinsatz zu sehen) und im Gegenzug der lebenslange Verzicht Foggs auf weitere Forschung. Als Fogg seine Reise um die Erde in 80 Tagen öffentlichkeitswirksam formuliert, hat der neue Passepartout nun die Gelegenheit dadurch in Begleitung und gut finanziert nach China zurück zu gelangen. Der von Lord Kelvin gedungene Inspektor Fix, eine Spottfigur die meist nur als Opfer von Slapstick-Einlagen genutzt wird, verfolgt die Reisenden sofort, nachdem er deren Abreise nicht verhindern konnte (Szenenbild links: Fogg und Passepartout bei der Abreise © Universum Film / UFA / Telepol). Gleichzeitig arrangiert sich Lord Kelvin mit den Skorpionen, die von der Generalin Fang vertreten wird. Diese nehmen sofort die Verfolgung auf. Schon in Frankreich beginnen die ersten Prügelorgien, die in der Choreografie des „Martial Art“ Meisters Jackie Chan inszeniert wurden. Es fließt zwar dem Prädikat des Films entsprechend kein Blut, dass der Vernestoff aber kontinuierlich als Hintergrund fragwürdiger kämpferischer Auseinandersetzungen degeneriert, tut doch weh. Dass dies dann in China fast über einen ganzen Filmakt ausgewalzt wurde, ist aus meiner Sicht der schwächste Teil der ganzen Inszenierung.

Da sich den Reisenden schon in Paris die unverstandene Künstlerin Monique anschließt, denn durch eine Weltreise will sie ihren künstlerischen Horizont erweitern, benötigt das Buch in Indien auch nicht mehr die Rettung der Prinzessin Auda, einer der Stützpfeiler der Originalgeschichte. So nimmt Fogg also seine spätere „Prinzessin“ gleich von Paris aus mit. Durch Indien prügelt man sich zur Flucht vor den Polizeihäschern in Richtung China, denn Lord Kelvin konnte plausibel machen, dass Fogg ebenfalls ein Bankräuber ist. Bis dahin hatte man auch versucht die Chronologie der Reise mit den Einzeletappen und den Zeitspannen für den Filmbetrachter darzustellen und folgerichtig erscheinen zu lassen. Aber nach den jetzt folgenden Logikfehlern im Ablauf verzichtete man weitestgehend darauf. So bleibt es ein Geheimnis der Drehbuchautoren, wie die Reisegruppe im engen Zeitlimit über den Himalaja von Indien nach China kommt und wie Fogg nach mehrtägigem (!) Aufenthalt im chinesischem Heimatdorf des Lau Xing und den darauf folgenden Spaziergang (!) entlang der Chinesischen Mauer pünktlich einen Hafen und damit den Transfer nach Amerika erreicht. In San Franzisko, wo der allein reisende Fogg immerhin die Zeit findet (finden muss) nach einem Straßenraub zu einem abgerissenen Bettler zu degenerieren, vereint sich dann wieder das Dreigespann. Es hatte sich in China nach Foggs Erkenntnis, dass die beiden anderen ihn nur ausnutzen wollten, zerstritten. Da man, auch wieder nach einer spektakulären Prügelei in einem Hafenschuppen von New York, das reguläre Schiff nach Europa verpasste, chartert Fogg ein kleineres Schiff. Dies muss eigentlich vom restlichen Geld seiner Mitreisenden passiert sein, denn sein Geldkoffer war ihm schon an der Westküste Amerikas gestohlen worden (grübel, grübel...). Jetzt folgt endlich mal wieder eine Parallele zur Buchvorlage: Dem Schiff geht das Brennmaterial aus. Hier greift Fogg erneut in seine nicht vorhandene Geldtasche um die Aufbauten des Schiffes zu kaufen, erinnert er sich doch an seine Vision vom Fliegen, die er als Erfinder schon lange hatte. So baut man sich gemeinsam mit der Mannschaft ein mit einem Katapult zu startendes Fluggefährt, mit dessen Hilfe man genau vor den Stufen der Londoner Akademie der Wissenschaft landet. In einem Abschlussspektakel versucht Lord Kelvin das Erreichen des Hauses und damit der Wetteinlösung zu verhindern. Nach der öffentlichen Enthüllung seiner Machenschaften und einer nachfolgenden Majestätsbeleidigung muss er die Flucht ergreifen, den die Queen schaltet sich ein. Jetzt gelangen die Reisenden an ihr Ziel. Allerdings mit fünfminütiger Verspätung, aber wie im Buch stellt sich heraus – man hat ja noch einen Tag Reserve.

Auch der Film hätte noch einige Reserven gehabt. Gut in der Milieudarstellung und durchaus gelungen im komödiantischen Teil der Umsetzung, trägt er aber doch zu sehr die Handschrift des „Hau-Drauf“- Aktivisten Jackie Chan. Weniger währe durchaus mehr gewesen. Mit einer aktionsgeladenen Komödie, die durchaus die Vorlage weitest gehend ignorieren könnte, hätte ich noch leben können. Für einem Actionfilm für den man einen populären Aufhänger gesucht hat, hält sich meine Begeisterung in Grenzen.

Buch

Die Reise um die Erde in 80 Tagen - Buch und Übersicht der Verfilmungen


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Hinweis: Beschrieben werden nur in meiner Sammlung befindliche Bücher und Verfilmungen. Copyright © Andreas Fehrmann - 09/05, letzte Aktualsierung 24. Januar 2016

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