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FILM 7


Der
Film lief seit Ende der 40er Jahre in deutschen Kinos. Hier zwei
Programmhefte aus den 50er Jahren in Ost und West: oben die
„PROGRESS Filmillustrierte“ Nr. 38 / 1953 und unten
der „Illustrierter Film-Kurier“ Nr. 159

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Die
Geheimnisvolle Insel: Verfilmung SU 1941
Originaltitel: „Tainstwenni
Ostrow / Die Geheimnisvolle Insel“ (Таинственный
остров); UdSSR / CCCP;
s/w; Laufzeit original: 94 Minuten, wurde teilweise in Fassungen
von 75 Minuten als Kopie vertrieben; Regie: Eduard Penzlin (
Eduard Pentslin / Эдуард
Пенцлин), Buch: Boris
Schelonzew ( Boris Shelontsev / Борис
Шелонцев) und
Michail Kalinin ( M. Kalinin / Михаил
Калинин)
Darsteller:
Alexej Krasnopolski (A. Krasnopolsky / Алексей
Краснопольский)
als Captain Cyrus Smith/Jarding; Andrej
Sowa (Andrei Sova / Андрей
Сова) als Pencroft; Pawel Klianski
(Pavel Kiyansky / Павел Клянский)
als Gideon Spilett; R. Ross (Р. Росс)
als Nab; in weiteren Rollen: Juri Grammatikati (Yuri
Grammatikati / Юрий Грамматикати),
Nikolai Kommissarow (Nikolai Komissarov / Николай
Комиссаров),
Boris Schelonzew (Boris Shelontsev / Борис
Шелонцев) und
Pawel Kijanski (Pavel Kianski / Павел
Киянский)
Wenn man einen Film
betrachtet, dessen Alter man nicht nur von der Gestaltung her,
sondern auch von der Qualität der Kopie her erahnen kann,
dann verstärkt sich beim Betrachter der Eindruck, dass man
sichtbar in der Vergangenheit angekommen ist. In der Literatur
hatte ich schon einiges über diesen Film gelesen. Nach
vielen Jahren konnte ich jetzt meine Erwartung mit der realen
filmischen Umsetzung vergleichen.
Gefechtsszenen
des amerikanischen Bürgerkrieges eröffnen den Film:
Der Krieg nähert sich dem Ende, seine Heftigkeit nahm aber
noch zu. Im umkämpften Richmond wartet ein Ballon auf
besseres Wetter. Unweit von ihm spielen sich dramatische Szenen
ab: Ein Schwarzer soll nach wilder Verfolgung vom Mob gelyncht
werden. In letzter Sekunde schreiten die im Innenhof sich
bewegenden Nordstaatler unter Initiative von Cyrus Smith ein.
Nach einem Handgemenge nehmen die Beteiligten die Chance war,
ihr Leben durch eine kühne Flucht mit dem Ballon zu retten.
Gerade noch so können sie sich in die Luft erheben. Erst
nach einer gewissen Sturmfahrt stellen sie sich gegenseitig vor.
Stimmig zum Roman sind alle Hauptakteure, selbst der Hund Top,
an Bord. Dieser Aha-Effekt setzt sich jetzt verstärkt fort.
Gerade wer die Originalillustrationen der alten Hetzelausgaben
kennt, der hat jetzt ständig ein Dejavu. Denn die Macher
des Films bemühen sich, die Bildsprache der Vorlage
nachzuempfinden. Aus diesem Grunde habe fortlaufend im Text
einige Vergleiche eingefügt. Der Originalbezug fängt
beim Hund Top an, setzt sich bei der jetzt auftauchenden Insel
fort und immer wieder bei späteren Szenen muss man
unwillkürlich an die Bilder denken (Bild oben rechts: Cyrus
auf der Insel bei der Positionsbestimmung nach Auffinden des
geheimnisvollen Strandgutes).
Gerade
noch so gelangen die Flüchtenden auf die am Horizont
auftauchende Insel, Top und Cyrus stürzen vorher in das
Meer. Nach der ersten Nacht in den Schloten hören sie
Hundegebell und kurz darauf finden sie Cyrus in einer Höhle.
Nach der Namensgebung von Inselteilen und der Taufe der Insel
auf „Lincoln“ macht Pencroft den Vorschlag, dass sie
sich Neusiedler (deutsche Synchronfassung) nennen sollen, nicht
Schiffbrüchige. Darauf machen sich die Siedler das Leben
auf der Insel lebenswerter. Wir sehen die Arbeit in der
Ziegelei, die Siedler beim Töpfern und später wird das
Granite House, in der deutschen Synchronfassung „Felsenheim“
wohnlich gemacht (Die Namensgebung wird übrigens auch in
einigen älteren deutschsprachigen Literaturfassungen von
Verne und beim Schweizerischen Robinson genutzt. Bildvergleich:
links der Film, rechts die Originalillustration von der
Strandsicht des Granite House). Als dann das geheimnisvolle
Strandgut angespült wird, sind alle vom Inhalt begeistert.
Neben den wirklich nützlichen und notwendigen Dingen ist
auch noch für Harbert eine angenehme Überraschung
dabei: Bücher! Und selbst sein Lieblingsbuch ist darunter:
„20.000 Meilen unter den Meeren“ (ein Augenzwinkern
des Drehbuchs). Nur Pencroft ist enttäuscht, sein
sehnlichster Wunsch ist doch ein Pfeifchen mit Tabak.
Immer
wieder ereignen sich mysteriöse Dinge. Da ist zum einen die
ständige helfende Hand und dann taucht öfters noch
eine Schattengestalt auf, eine zerlumpte Figur. Der
Verne-erprobte Zuschauer erahnt es: Es ist Ayrton, den man
offensichtlich aus Gründen der Straffung gleich auf der
LINCOLN-Insel ausgesetzt hat. Als er Harbert durch einen
Überfall ein Gewehr abjagen will, kann man ihn überwältigen
und nach Felsenheim bringen. Aber er ist stumm und verwirrt.
Erst nach einer gewissen Zeit kommt er freiwillig zurück zu
den Kolonisten um über seine Geschichte zu erzählen.
Spontan wird er von der Gruppe aufgenommen.
Das
Gemeinwesen der Insulaner entwickelt sich zunehmend und man
richtet sich ein. Nachdem nach dem Fund des berühmten
Samenkorns nach mehreren Ernteperioden auch Ernährungsfrage
gesichert scheint, bauen die Siedler eine Windmühle. Selbst
die Onagergespanne der Romanvorlage finden sich wieder. Aber
nicht nur das: Cyrus stellt Nitroglyzerin her und sprengt einen
künstlichen Flusslauf in Richtung Meer. Dieser kann jetzt
die neueste Erfindung der Siedler antreiben: Einen Fahrstuhl zum
luftigen Einstieg in das Felsenheim (Bildvergleich: links der
Film, rechts die Originaillustration der Kaminszene im Granite
House).
Als
dann ein Jubiläum der Inselankunft gefeiert wird, erlebt
Pencroft einen der schönsten Tage auf der Insel, denn ihm
wird ein gestopftes Pfeifchen überreicht. Die urwüchsige
Freude die ihm das lang vermisste Rauchen bereitet ist so
bildhaft dargestellt, das heutzutage jeder Tabakkonzern seine
Freude daran hätte. Kurz darauf sieht Harbert vom Fenster
der Felsenwohnung ein vermeindlich zur Rettung nahendes Schiff.
Doch Ayrton bremst die Freude der Freunde: Er erkennt ein
Piratenschiff, auf dem er selbst schon „tätig“
war. Deckungsgleich zur Romanvorlage macht sich Ayrton auf dem
Weg zum Schiff. Über die Ankerkette erklimmt er es und
durch eine günstige Gelegenheit ermutigt, versucht er die
Pulverkammer in die Luft zu sprengen (siehe wieder Vergleich:
links der Film). Dieser Anschlag wird jedoch vereitelt. Ayrton
kann sich zwar verletzt, aber gerade noch so retten. Am nächsten
Morgen versuchen die Piraten ein Landemanöver um sich der
Insel zu bemächtigen. Als sich die Insulaner erbittert zur
Wehr setzen, beginnt der Rest der Piraten die Insel zu
beschießen. Das Bombardement der Piraten ist jedoch um
einiges Umfassender und Vernichtender als in der Romanvorlage.
Bald gehen die Stallungen und die Mühle nach einem
Kugelhagel in Flammen auf. Ob die Filmemacher auf die Bilder des
gerade stattfindenden Krieges reflektierten? Die sich gerade
noch in die Tiefen des Felsenheims sich retten könnenden
Siedler erleben kurz darauf das nächste Wunder: Das
Piratenschiff explodiert, wie man später feststellt, durch
ein Torpedo. Doch bei dem vorangegangen Schusswechsel hat es
Harbert schwer erwischt. Er liegt auf dem Krankenbett und
fiebert stark. Nur Chinin kann ihn noch retten. Harbert ringt
mit dem Tode, da gibt es wieder eine der mysteriösen
Handlungen – wie durch ein Wunder gelang eine Packung
Chinin inmitten des Felsenheims. Harbert kann gerette werden.
Die
Siedler beschließen ein Schiff zu bauen, schon lange trug
man sich mit diesem Gedanken. Erfolgreich setzen alle gemeinsam
diesen in die Tat um – und Pencorft wird Kapitän!
Endlich
scheint es eine Auflösung der ständigen
geheimnisvollen Dinge zu geben. Der Ticker des
Telegrafengerätes, welches die Siedler installiert haben,
meldet sich. Und dies, obwohl alle Siedler anwesend sind. Der
geheimnisvolle Retter meldet sich! Man solle doch dem Kabel
folgen. Dies wird auch getan, jedoch verschwindet wie im Roman,
das Kabel nach einigen Metern im Meer. Mit einem Boot gelangt
man bald in eine Grotte. Sofort erkennt der Leser im Film die
lichtausstrahlende Nautilus wieder, man hat die Bildvorlage des
Holzstiches von Ferat gleich im Film verwendet! (sieh Bild im
Text, rechts der Stich).
Als
die Siedler an Bord gehen ist es Smith schon klar: Sie werden
Kapitän Nemo begrüßen. …..Kurz darauf
wird die Prophezeiung Nemos war – der Vulkan bricht aus
und die Siedler müssen Hals über Kopf die Flucht
ergreifen. Im letzten Augenblick erreichen sie das offene Meer.
Sie reisen der Heimat entgegen, nicht ohne sich zu schwören,
gemeinsam an der Zukunft Amerikas zu arbeiten.
Wie anfangs schon erwähnt,
hat dieser Film eine eigenartige Ausstrahlung. Durch seine
antiquierte Darstellung und durch seine hohe Detailtreue zur
Handlung und in der Bildsprache, fühlt man sich direkt mit
dem Werk Vernes verbunden. Ohne Zusatzschnickschnack, ohne
eingefügte Personen oder spektakuläre Erfindungen, wie
oft in späteren Verfilmungen kolportiert, kommt man
trotzdem zu einem spannenden Film. Die Romanvorlage gibt es
bereits her! Wer erlöst den Film aus seinem
„Dornröschenschlaf“ und produziert daraus eine
Klassik-DVD?
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