|
FILM
8 

Oben: Kauf-DVD des amerikanischen Marktes von
HALLMARK
Entertainment 2005. Unten: Ab 2010 auf dem deutschsprachigen Markt:
(Studio: SchröderMedia HandelsgmbH & Co KG)

|
Die geheimnisvolle Insel: Verfilmung USA
2005
Originaltitel: Mysterious Island
- Herstellung: Living Films & Silverstar Productions für
Hallmark Entertainment; Regie: Russell Mulcahy; Drehbuch: Adam Armus,
Nora Kay Foster; Darsteller: Kyle MacLachlan als Cyrus Smith; Gabrielle
Anwar als Jane und als ihre Tochter Helen: Danielle Calvert; Patrick
Stewart als Nemo; Jason Durr als Colonel Pencroff; Omar Gooding als
Neb; Vinnie Jones als Bob; Tom Mison als Blake; Chris Larkin als
Atherton; Dom Hetrakul als Sun; Nate Harrison als Lemay; Geoffrey
Giuliano als Li; Daniel O'Neill als Young; Banjong Siriwattanawong und
Dean Alexandrou als Piraten
HALLMARK hatte
schon 1999 in einer Version von Reise
zum Mittelpunkt der Erde
gezeigt, dass sie
keinen großen Respekt vor originalen Romanvorlagen haben. Im Jahre 2005
verarbeitete man dann Elemente des Verne-Klassikers „Die geheimnisvolle
Insel“ zu einem Fernsehzweiteiler, in den Staaten Miniserie genannt.
Eine
Vorgeschichte stimmt uns auf die Insel ein: Hier sollen blutrünstige
Monster und grässliche Kreaturen hausen – aber eben auch ein
sagenhafter Schatz soll hier versteckt sein. Dieser ist das Ziel einer
Piratenexpedition, die dann, wie schon einleitend angekündigt, Opfer
von irgendwelchen Bestien wird. Szenenwechsel: Bürgerkrieg in den USA,
Gefangenenlager in Richmond. Hier werden uns die zukünftigen Helden des
Filmes vorgestellt: Der Ingenieur und jetzige Captain Cyrus Smith, sein
Gehilfe Neb, der erpresserische Colonel der Südstaaten Pencroff (der
schon in einer anderen Verfilmung als Südstaatler herhalten musste),
der Soldat Lemay und die Krankenschwester Jane mit ihrer halbwüchsigen
Tochter Helen. Diese fliehen mit einem Aufklärungsballon aus der
belagerten Stadt, aber ein Sturm treibt sie über das Festland bis über
Teile des Pazifiks. Schließlich können sie auf einer Insel landen,
allerdings nur, weil Cyrus aus dem leck gewordenen Ballon springt, um
die Anderen zu retten.
Man hält sich auch nicht
lange an der eigentlichen Geschichte des Romanes auf, der der
eigentliche Inhalt des Stoffes ist – im Film ist alles anders.... So
wird Cyrus gleich in Kapitän Nemos Felsen-Residenz gebracht, eine
Mischung aus Unterwassergrotte, Märchenschloss aus 1001 Nacht und
Außenanlage von Jurassic Park – denn alles ist mit einem riesig hohem
Hochspannung-Zaun umgeben. Dieser scheint auch notwendig zu sein, denn
die anderen „Ballonbrüchigen“ müssen mit ansehen, wie Lemay gleich nach
der Landung von einer 20 Fuß großen Gottesanbeterin gefressen wird
(Bild links: Sein letztes Staunen). Überhaupt ist die Fauna der Insel
komplett überdimensioniert. Aber die Filmschöpfer wählten dafür nur
Gattungen aus, die schon in Normalgröße menschliches Unbehagen
erzeugen: Ameisen, Skorpione, Schlangen, Ratten und die Lieblinge der
Animationscrew: Spinnen.
Nemo, ein genialer aber
lebensfremder Erfinder, lebt gemeinsam mit seinem letzten Gefährten
Joseph in seinem selbst geschaffenen Inselparadies. Hier bastelt er an
der ultimativen Bombe, gefüllt mit einem radioaktiven Salz mit einer
gewaltigen Zerstörungskraft – offensichtlich eine Atombombe. Eben
dieses Salz soll auch verantwortlich für die anormale Ausprägung der
Tierwelt. In Cyrus sieht Nemo einen potentiellen Helfer für sein
Projekt. Denn mit dieser Waffe will er den Weltfrieden erreichen, sie
würde alle Nationen abschrecken, gegenseitig in den Krieg zu ziehen. Um
Cyrus zu gewinnen rettet er den Rest der Ballonmannschaft vor der
unwirtlichen Umwelt der Insel. Als sein Plan fehlschlägt, denn Smith
sieht die Entwicklung mit ganz anderen Augen, müssen alle Nemos Schloss
wieder verlassen. Sie finden in einer hochgelegenen Kalkhöhle
Unterschlupf und richten sich dort ein (Szenenbild von links nach
rechts: Pencroff, Neb, Jane, Helen und Cyrus).
Inzwischen machen die
Piraten unter Bob Harvey mobil – sie wollen den sagenhaften Schatz von
Isabella (was oder wer auch immer das ist) von der Insel holen. Mit
dabei ist auch der Rest des ersten Erkundungsteams, welches schon am
Filmanfang die Schrecknisse der Insel am eigenen Leibe erfahren musste.
Der Rest des Filmes ist schnell erzählt, wobei ich die mehrfachen
Begegnungen mit den Riesentieren gleich auslasse: Also – die Piraten
wollen die Insel besetzen, nehmen vorab dabei die sich ungeschickt
verhaltene Helen gefangen, die aber trotz Androhung so lange nicht
gefoltert und vergewaltigt wird, bis die Freunde um Smith sie wieder
befreit haben. Diese werden kurzzeitig noch durch einen „lieben“
Piraten, der sich dem Schicksal Helens annimmt verstärkt. Aber da er
dann gleich wieder erschossen wird, ist der eigentliche Zuwachs der
Crew nur der schon vor acht Jahren auf der Insel ausgesetzte Pirat
Atherton (schon bei der Verfilmung „Reise zum Mittelpunkt... „ hatte
das Produktionsteam die Originalnamen verballhornt) – sprich also
Ayrton – der inzwischen geläutert ist. Als dann der Sturm auf die Insel
beginnt, hält sich Nemo zunächst aus dem Gemetzel heraus, nur sein
Gehilfe Joseph versorgt die Kämpfenden um Cyrus mit modernen
Repetierwaffen (Bild links: Nemo und Joseph). Als dann Joseph von einer
verirrten Kugel niedergestreckt wird, ringt er seinem Chef doch die
Zusage zur Hilfe ab. Mit einer auf der Schulter aufliegenden
Raketenwaffe versenkt Nemo das Piratenschiff. Dann drängt er die
Schiffbrüchigen zur Eile, denn die Insel soll jeden Augenblick durch
einen Vulkanausbruch explodieren, sagen seine auf der Insel
installierten Sensoren. Die Freunde um Cyrus rennen zu einem kleinen
Beiboot Nemos, um sich in Sicherheit zu bringen. Während Nemo beim
Versuch seine Aufzeichnungen aus der Nautilus zu holen in der Grotte
vom ausbrechenden Vulkan überrascht wird, paddeln (!) die Anderen von
der Insel weg. Ach so, beinahe hätte ich es vergessen: Zwischenzeitlich
wollte Colonel Pencroff noch den Schatz der Isabella holen, leider
wurde er dabei von Riesenspinnen niedergemacht, obwohl der herbei
geeilte Neb massenweise davon zur Strecke brachte ....
Ich
denke die Anderen werden immer noch paddeln um das Festland zu
erreichen.
Um
es vorweg zu nehmen: Am angenehmsten war mir der ausgewählte Drehort
des Filmes - das Karobi Resort in Thailand. Passend war auch die
Besetzung der Schauspieler, dann folgt leider eine Aufzählung von
Unzulänglichkeiten, Anleihen aus diversen anderen Filmen oder schlicht
weg auch Peinlichkeiten. Oder welche Wertung sollte man vornehmen, wenn
sich zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkrieges Piraten in Dreispitz
und Säbeln, eben ausgerüstet wie im 16. oder 17. Jahrhundert, auf den
Schauplätzen tummeln? Dazu passt es dann auch, wenn Elemente aus Cyril
Endfields 1960er Verfilmung und anderer Vorabwerke erkennbar sind, wenn
der Bühnenarchitekt sich bei Jurassic Park bediente und wenn der
Drehbuchautor an Arachnophobie leidet oder eben auch noch den gleich
lautenden Filmtitel in Erinnerung hatte. Nur der Roman von Jules Verne
war von den Produzenten nicht weiter genutzt worden. Vielleicht währ
dann die Geschichte nicht so konfus gewesen und man hätte da auch
nachlesen können, dass die Pazifikinseln nur sehr schlecht mit kleinen
Ruderbooten erreichbar oder zu verlassen sind.
|