Collection Fehrmann

Jules Vernes „Voyages extraordinaires"

- Band VE 15 -




Buchbeispiele:


oben: © Verlag Neues Leben, Berlin 1974, 2. Auflage 1975, L-Nr. 303(305/206/74 – CF /1503/)


Buch oben: Teil 2 De terugtocht naar de aarde der holländischen Ausgabe: Hektor Servadac des Zyklus' Jules Verne Wonderreizen; Elsevier Amsterdam / Brussel 1964 (CF /1502/)

/1/ Jules Verne: Hector Servadac. Voyages et aventures á travers le monde solaire, J. Hetzel et Cie, Rue Jacob Paris; 1880 – (CF /1512/)

/2/ Bildzitat aus /1/

/3/ Aus meiner Sammlung alter franz. Postkarten: Mostaganem - Vue generale du quartier de la Mosquee; ca. 1910; CF/21121/

Reise durch das Sonnensystem (1877), auch Hektor Servadacs Weltraumreise oder Reise durch die Sonnenwelt

FrontispizDie Originalausgabe erschien 1877 unter dem Titel Hector Servadac. Voyages et aventures á travers le monde solaire bei Pierre-Jules Hetzel in Paris. Und zwar: Band I am 19. Juli 1877 und Band II am 7. November 1877. Links Frontispiz einer Ausgabe von 1880 /1/.

MostaganemHektor Servadac, Hauptmann im Generalstab in Mostaganem (siehe Bild rechts /3/), ist auf einsamen Posten in Nordafrika. Sein tristes Leben in der Wüste ist eigentlich nur erträglich durch das gemeinsame Leben mit seiner Ordonanz Ben-Zouf. Noch nicht lange vor Ort wird er gleich in einen Ehrenhandel verwickelt. Aber zum ausgehandelten Duell kommt es nicht mehr: Durch ein ungewöhnliches Naturereignis wird die bekannte Welt auf den Kopf gestellt. War es ein Erdbeben? Auf jeden Fall gab es eine fürchterliche Detonation und danach häuften sich physikalische und später auch noch geografische Abnormitäten. Die Masse der Körper schien sich verändert zu haben, die Sonne „ging“ plötzlich völlig falsch am Himmel und von den bekannten Landmarken war auch keine mehr wie sie vorher war.

Kurz nach dem Unglück erscheint am nahen Ufer ein Schiff mit dem Grafen Timascheff, seinem Gegner im geplanten Duell. Aber dieser Zwist muss jetzt erst einmal ruhen. Es gilt die Lage aufzuklären. Gemeinsam beginnt man eine Erkundungsfahrt. Nichts ist mehr wie es einmal war. Alles Bekannte scheint durcheinander geraten zu sein. Bei der Suche auf dem Meer finden sich noch Reste des ehemaligen Festlandes, der ehemalige englische Posten von Gibraltar und verstreut lebende Menschen. Alle unterwegs gesammelten Vorräte nutzt man, um der kurz darauf einsetzenden Kälte zu trotzen. Man muss sich auf einen strengen Winter vorbereiten. Aber die Absonderlichkeiten nehmen nicht ab. Erst friert das Meer komplett zu, dann scheint auch der gewohnte Sternenhimmel einer Veränderung zu unterliegen. Was ist denn nun wirklich passiert?

BallonDurch eine Botschaft informiert, finden sie auf der ehemaligen Insel Formentera den etwas schrulligen Astronom Palmyrin Rosette. Dieser konnte die Rätsel lösen. Er hatte einen Kometen beobachtet, der auf die Erde zustürzte. Da er sie aber nur striff, riss er dabei ein Stückchen Erde mit sich. Genau darauf befand man sich jetzt. Zwangsläufig musste man auf der Kometenbahn durch das Sonnensystem reisen. Aber es gab noch einen Lichtblick: Sollte doch der Komet wieder in die Nähe der Erde kommen. Für diese Annäherung bereitete man sich mit einem Ballon vor (Bild im Text: Der Astronom Professor Palmyrin Rosette weigert sich den Ballon zur Rettung zu besteigen, kann er doch danach nicht mehr die Himmelserscheinungen beobachten /2/). Kurz bevor sich die Himmelskörper näherten stieg man auf, in in den sich berührenden „Himmelsschichten“ konnte der Ballon, nicht ganz schadlos, dann zur Erde zurück kommen. Dort hatte man noch nicht einmal das Verschwinden ganzer Landteile bemerkt und Servadac stieß auf Unverständnis in seiner Garnison. Da der eigentlich „Grund“ des Ehrenhandels inzwischen verheiratet war, konnte auch das geplante Duell ausfallen.

Eine recht phantastische Geschichte, die an vielen Stellen überspitzt ist. Interessant ist, dass bestimmte Phänomene, wie zum Beispiel die Sachlage mit dem Gewicht und der Masse, nicht kontinuierlich beschrieben werden. Und das der Zusammenstoß nicht bemerkt wurde – na ja ... Die Region der nordafrikanischen französischen Kolonien gehörte mit zu den Lieblingsschauplätzen Vernes. In mehreren Romanen spielte sie eine Rolle. Durch seine Mittelmeerkreuzfahrt mit der  St. Michel III im Jahre 1884 konnte er seine Beschreibungen in der Realität überprüfen und in Folgeerzählungen wurde er noch präziser in der Schilderung von Land und Leuten.

Noch eine Anmerkung zur Geschichte des Romans: Passagen des Romans mussten mehrmals „abgemildert“ werden, da Verne sich im Original zu einer geschmacklosen Polemik über einen Juden hinreißen ließ. Gleichzeitig ist der Roman auch ein Beispiel, wie die Einflußnahme des Verlegers Hetzels wirksam wurde. Als Hetzel das erste Manuscript  sichtete, verlegermäßig zuerst Anfang und Ende des Romans lesend, brüskierte er Verne mit der Forderung, dass der Schluß komplett umgeändert werden muss. Die Geschichte war so fantastisch angelegt, dass im Verständnis Hetzels die Fabel des Romans eine Traumsequenz sein musste. Trotz Protest musste sich Verne fügen. Aus einer fantasievollen Utopie wurde eine abgeschwächte Version eines Traumes. Die Allmacht des Verlegers kam zum Tragen ...

Film 1

Reise durch das Sonnensystem: Verfilmung CSSR (Tschechien) 1970; Filmtitel deutsch: Auf dem Kometen

Film 2

Reise durch das Sonnensystem: Animationsfilm USA 1967; Filmtitel deutsch: Reise durch die Sonnenwelt

 NACH OBEN - SEITENANFANG

RETURN to Verne ListRETURN zurück zur Vorseite (RETURN)

Hinweis: Beschrieben werden nur in meiner Sammlung befindliche Bücher und Verfilmungen. Dargestellte Bücher sind Beispiele daraus.

Zur Seitenübersicht (Site - Map)

Copyright © Andreas Fehrmann - 07/00, letzte Aktualisierung 29. Dezember 2015