Collection Fehrmann

Jules Vernes „Voyages extraordinaires"

- Band VE 23 -


Beispielbuch:



© Fischer Taschenbuch Verlag GmbH, Frankfurt am Main 1992, 1. Auflage, ISBN 3-596-10942-6 (Neuausgabe und Neuübersetzung aufgrund einer Ausgabe von Hachette, 1932) CF /2301/

QUELLEN:

/1/ Jules Verne:  L'Ecole des Robinsons / Le Rayon vert Pierre-Jules Hetzel - Bibliotheque D'Education et de Recreation Paris, Ausgabe 1882 - CF /2205/

/2/ Echte Fotografie: Fingal's Cave, Staffa; Nr. 17 - 1868; G.W. Wilson, Photographer Aberdeen; Teil einer Stereoskopie-Aufnahme; CF /21100/

/3/ Bildzitat aus /1/; Seite 169

DANKE:

Ich bedanke mich bei Sabine Löhr von der Leserbriefredaktion der National Geographic, die mir mit Mail vom 14.12.2000 die Veröffentlichung von Teilen des Artikels auf meiner Homepage gestattete.

Weitere Artikel aus Zeitungen und Zeitschriften unter  Ergänzende Beiträge

Der Grüne Strahl (1882), auch Das grüne Leuchten

Franz. FrontispizDie Originalausgabe erschien am 24. Juli 1882 unter dem Titel Le Rayon vert gemeinsam mit Dix heures en chasse in einem Band bei Pierre-Jules Hetzel in Paris (Siehe dazu Frontispiz rechts /1/)

Vernes Kritiker bewerten dieses Buch als seinen einzigen Liebesroman.

Helena Champbell wird als Waisenkind von ihren Onkeln Samuel und Sebastian aufgezogen. Sie ist nicht nur jung und hübsch, sondern als echte Schottin, auch sehr romantisch veranlagt. Ihre Onkels als Junggesellen haben sich zwar selbst nie gebunden, aber kurz vor dem 18. Geburtstag von Helena wollen sie ihr nahelegen, dass sie jetzt im richtigen Alter für eine Hochzeit währe. Ein geeigneter Kandidat scheint auch vorhanden - aber Helena hat so ihre eignenen Ideen. Denn sie weigert sich zu heiraten, bevor sie nicht das „grüne Leuchten“ gesehen hat. Dies soll man sehen, wenn die Sonne bei klaren Wetter im Meer versinkt. Und nach einer alten Legende könne sich derjenige der es gesehen habe, nicht mehr täuschen, wenn er der Stimme seines Herzens folge. Zumindest stand dies so in der >Morning Post<. Trotz dessen das es sich nur um eine Legende handelt, wollen die liebenden Onkel sie bei der Suche nach dem Naturereignis unterstützen. Nur den richtigen Ort muss man noch finden ... 

Staffa 1868An dieser Stelle baut Jules Verne die Vorstellung der Schottischen Landschaft, die er nebst den dort lebenden Bewohner sehr mag, in seine Handlung ein. Bei dieser Reise lernt sie den netten jungen Mann Olliver kennen, der erwartungsgemäß die Gefühle Helenas anspricht.

Eines der Pflichtreiseziele ist die Fingalshöhle auf Staffa, eine Basalthöhle die schon zur damaligen Zeit als absoluter Höhpunkt jedes Schottlandtouristen zählte. Sie war für Besucher erschlossen und in Reiseprogrammen fest verankert. 

Mehrere Kapitel sind diesem Ort im Roman gewidmet und für einen dramatischer Zwischenfall dient die Höhle als Schauplatz. Ais diesem Grunde hat das Bildmotiv der Höhle auch im oben zu sehenden Frontispiz einen Platz gefunden. Hier im Text zeige ich links noch eine zeitgenössische Fotografie aus dem Jahre 1868 /2/.

Und als dann endlich der richtige Platz gefunden, die Sonne bei exakt dem richtigen Wetter untergeht und alle nach dem Grünen Leuchten starren - da sehen sich Helena und Olliver in die Augen ... schöööön (Siehe Bild unten.)

Wie beschreibt Jules Verne nun das grüne Leuchten? Als alle am Meer stehen um ENDLICH diesen gesuchten Sonnenuntergang zu sehen, wird die Situation wie folgt beschrieben (siehe dazu Textillustration unten links /3/). Hier das passende Zitat aus der deutschsprachigen Version:

Der entscheidende AugenblickAm gesamten Horizont gab es nicht den kleinsten Hinweis auf Bewölkung, Nebel oder Dunst. Nichts trübte die Klarheit der Kreislinie, die auch nicht feiner ausgefallen wäre, wenn man sie mit einem Zirkel auf weißem Papier gezogen hätte. Wie gelähmt und weit ergriffener, als man glauben möchte, beobachteten alle die Kugel, die auf schräger Bahn noch immer zum Horizont hinuntersank und schließlich einen Augenblick über den Abgrund zu schweben schien. Dann wurde nach und nach eine Verformung der Scheibe sichtbar, die durch Lichtbrechung entstand; sie verbreiterte sich auf Kosten ihres senkrechten Durchmessers, deren Fuß von Wasser umspült war. Es gab keinen Zweifel mehr, das gewünschte Phänomen würde eintreten. Nichts würde diesen wunderbaren Untergang des strahlenden Gestirns stören! Nicht würde sein letztes Leuchten verdecken!

Bald verschwand die Sonne zur Hälfte hinter der Horizontlinie. Einzelne Strahlenbündel trafen gleich goldenen Pfeilen die ersten Felsen Staffas.

Weiter hinter ihnen überzog ein zarter Purpurschimmer die Klippen von Mull und den Gipfel des Ben More. Schließlich schwebte nur noch ein schmaler oberer Abschnitt der Scheibe über dem Meer.

Das grüne Leuchten! Das grüne Leuchten!“ riefen die Brüder Melvill, Mrs. Bess und Partridge wie aus einem Munde, denn ihre Blicke hatten eine Viertelsekunde lang diesen unvergleichlichen reinen Jadeton erhascht....

Die Phantasie eines Jules Vernes? Nein, das Ergebnis exakter Naturbeobachtung. Hier ein Zitat aus der  NATIONAL GEOGRAPHIC (Deutsche Ausgabe, Dezember 2000, Seite 11 unter der Rubrik: Naturphänomene)

WARUM DIE SONNE MANCHMAL GRÜN WIRD

"Gibt es den „grünen Strahl“ wirklich, den Bewohner der Karibik – und manchmal auch Touristen – bei Sonnenauf- und -untergängen zuweilen gesehen haben wollen?“ ....... „Es gibt ihn. Manchmal. „Wenn Lichtstrahlen in die Athmosphäre eintreten, werden sie gebeugt. Der Beugungsgrad hängt von der Wellenlänge der Lichtstrahlen ab“, erklärt Andrew T. Young, Astronom an der staatlichen Universität von San Diego. „Der blaue und grüne Bereich des Spektrums wird stärker gebeugt als der rote und orangefarbene.“ Die Farben werden wie in einem Prisma getrennt. An einem dunstfreien, flachen Horizont und bei starken Temperaturunterschieden zwischen Meer und Luft verschwinden die roten und orangefarbenen Wellenlängen als Erste, blaues und grünes Licht bleibt übrig. Die Folge: Kurz bevor die Sonne im Meer versinkt, blitzt sie ganz kurz grün auf.“

Statement eines Jules Verne Lesers: Das haben wir doch schon immer gewusst....

Film

Das grüne Leuchten

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Hinweis: Beschrieben werden nur in meiner Sammlung befindliche Bücher und Verfilmungen. Dargestellte Bücher sind Beispiele daraus.

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© Andreas Fehrmann 07/00, letzte Aktualisierung 30. Dezember 2015