Collection Fehrmann

Jules Vernes Voyages extraordinaires

Wilhelm Storitz' Geheimnis - Ergänzungsseite

SCHAUPLÄTZE DER LITERATUR







QUELLEN:

/1/ Verne: Das Geheimnis des Wilhelm Storitz Piper Verlag GmbH München 2009; ISBN 978-3-492-26692; Vorwort von Franz Rottensteiner; Zitat von S. 13 (CF /8904/)

/2/Brief Dehs an Fehrmann 6. Juli 2009

/3/ Baedeker: Map of the Austrian Empire – showing the Railway & Steamboat Communication; eastern part; 1893; davon habe ich nur einen Ausschnitt wiedergegeben.

/4/ Ungarische Karte: Bács-Bodrog – Vármegyte von 1890; Ausschnitt südlicher Grenzbereich zur Donau

/5/ zeitgenössische Postkarte von Ujvidék um 1920

/6/ Meyers Großes Konversations-Lexikon, Leipzig 1908, Band 14 Seite 573

/7/ Ferenc Badics: Az Osztrák-Magyar Monarchia Irásban és Képben - A Bácska Budapest 1891; Digitalisierte Version 1999; Seite 2

/8/ zeitgenössische Postkarte von Ujvidék – Neusatz – Нови Сад von 1902

/9/ Karte aus Hungarian WIKIPEDIA,: Details zu „Ujvidék“ - Historical ethnical map of Novi Sad / Istorijsko-etnička mapa Novog Sada; freigegeben zur öffentlichen Nutzung durch PANONIAN am 18.2.2009; von mir nachbearbeitet und beschnitten

/10/ Ausschnitt aus /4/


Was könnte der Anlass für die Namensgebung „RAGZ“ bei Jules Verne gewesen sein?

Natürlich interessierte mich die Überlegung, wie Verne auf die Namensgebung "Ragz" gekommen sein könnte. Wichtig für die Romanhandlung ist es, dass die Stadt ein ungarisch klingenden Namen erhalten musste. Was lag näher, als einen Begriff zu wählen, den er öfters im Zusammenhang mit ungarischen Ortsangaben lesen konnte?

Bei seiner Auswahl der geographischen Vorlage für den Handlungsort seines Romans halte ich den Fakt als besonders bemerkenswert, dass die Stadt ausdrücklich eine ungarische und eine serbische Seite hatte und an den Ufern der Donau lag/liegt. Dies ist fast ein Alleinstellungsmerkmal. Nun hat aber gerade im Ungarischen eine Besiedelung durch Serben eine eigene Namensgebung. Der deutschsprachige Begriff dafür ist Ratzen, in den verschiedenen Sprachen des Balkans und Osteuropas auch Raci, Waren Rác, Rácok, Raizen, Ratzians, Rasciani, Rascians genannt. Dies ist ein Name der verwendet wird, um Serbische Bewohner zu bezeichnen. Der ungarische Ausdruck „Rác“ (sprich: Radsch) wird in Ungarn häufiger verwandt. So werden Kirchen von orthodoxen Serben in Ungarn als Raizen-Kirchen (Rác-templom) bezeichnet und in Budapest gibt es ein Stadtteil „Ráczváros“, der auf seine ursprünglichen Bewohner hinweist. „Ráczváros“ heißt wörtlich übersetzt „Ratzenstadt“ („Varoš“ ist ein ungarischer Begriff für „Stadt“). Die von mir lokalisierte Stadt Novi Sad hatte wie erläutert, auf dem gegenüberliegenden Ufer der späteren Siedlung der Altstadt eine Burganlage, genannt Petrovaradin - heute zu Novi Sad gehörend. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts unter österreichischer Herrschaft war es den Einwohner von Petrovaradin nicht möglich, dort mit orthodoxer Religion Wohnrecht zu erhalten. Damit hatten die Serben keine Möglichkeit Häuser zu errichten. Sie begannen daher 1694 eine neue Ortschaft auf dem linken Ufer der Donau zu bauen, die wie gerade oben erläutert, ebenfalls zuerst den Namen Ratzen-Stadt, „Stadt der Serben“ trug. Wenn der ursprüngliche ungarische Name der serbischen Siedlung von Novi Sad vor der Mischbesiedlung und der späteren Namensgebung Ujvidék ebenfalls „Ráczváros“ war , dann könnte Verne diesen Begriff „Rác“ oder „Rácz“ für dortige Beschreibungen gelesen haben. Gleiches gilt für die anderen genannten Bezeichnungen. Nach dieser Überlegung könnte dadurch die Ideen-Vorgabe für sein „Ragz“ gegeben worden sein. Er hatte damit einen Bezug zu den Serben hergestellt, trotzdem war der Ort noch anonym und er klang ungarisch.

Das ich damit vielleicht gar nicht so weit von der Realität entfernt war, lässt eine weitere Aussage von Dehs erahnen: „In einem anderen postumen Roman, Schöne Blaue Donau (in Michels Fassung Der Donaupilot) stammt die Hauptfigur aus dem Dörfchen Racz Becse an der Theiss, einem Zufluss der Donau, und es liegt - wörtlich - natürlich nahe, zumal der Roman in zeitlicher Nähe entstanden ist, dass Verne sich bei Ragz an Racz erinnert hat.“ Das passt zu meiner vorangegangenen Argumentation, denn "Racz Becse" heisst nichts anderes als "Serbisch-Becse" auch Alt-Becse genannt. Das war vor 1918 ein Bezirk im Kreise Neusatz. Und Neusatz ist heute „Novi Sad“. Somit hat sich der Kreis scheinbar geschlossen.

Aber das sind alles Spekulationen und Denkansätze von mir, die wirklichen Hintergründe werden wir wohl nie erfahren.

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Jules Vernes ungarische Stadt Ragz

Das Geheimnis der Identität des Handlungsortes des Romans Wilhelm Storitz ist gelüftet

Der Roman >Das Geheimnis des Wilhelm Storitz< erzählt von der unheilvollen Leidenschaft des Preußen Wilhelm Storitz aus Spremberg zu Myra Roderich, einer jungen Ungarin in der fiktiven ungarischen Stadt Ragz.“ /1/ schrieb Franz Rottensteiner in seinem Vorwort zur ersten deutschsprachigen Übersetzung des unbearbeiteten Romans von Jules Verne, welche im Jahre 2009 erstmals erschien.

Die Aussage der „fiktiven Stadt“ ließ mir keine Ruhe. Meist konnte man die geographischen Beschreibungen Vernes mit dem Finger auf der Landkarte nachvollziehen. Gerade seine Detailverliebtheit und die Aneinanderreihung von landschaftlichen Details ließen ja so manchen Text spröder wirken. Nachdem ich auch in der Neuübersetzung bei „Storitz“ solche Details wieder fand, war ich mir sicher, dass es bei der fast peniblen Beschreibung der Reiseroute nach Ragz, diese Stadt auch geben musste. Zumindest unter einem anderen Namen, denn die Fakten klangen sehr realitätsbezogen. Warum hat er aber nicht den realen Namen der Stadt verwendet? Ein Grund für eine Umbenennung einer existierenden Stadt könnte der Fakt sein, dass die beschriebenen Einwohner mit ihrer abergläubischen Angst vor dem Unsichtbaren, und dies zum Ende des 19. Jahrhunderts, nun nicht eben gut wegkamen. Vielleicht war dies auch der Grund, warum Sohn Michel in seiner „Überarbeitung“ der Geschichte, die Fabel in das 18. Jahrhundert vorverlegte.

LogoMeine Arbeitsthese war: Verne hatte aus einem Baedeker-Reiseführer (siehe dazu vertiefend meinen Beitrag:  Karl Baedeker – Vater der Reiseliteratur) oder in einem anderen Nachschlagewerk sich eine Stadt ausgewählt. Die Lage auf der Landkarte schien im passend und die Beschreibung der Stadt ließ den notwendigen Raum für seine Geschichte. Orte in der Größenordnung von nur mehreren zehntausend Einwohnern wurden damals, wenn sie nicht über außergewöhnliche Sehenswürdigkeiten verfügten, in Reiseführern meist nur mit einem Absatz beschrieben. Stadtpläne waren, wie auch heute noch, nur bei Hauptstädten oder Kulturhochburgen üblich. Dies habe ich in mehreren alten Reiseführern die gegen Ende des 19. Jahrhundert erschienen bemerken können. Leider hatte ich kein Beispiel der gesuchten Region im Zugriff. Es musste als wahrscheinlich angesehen werden, dass Lage und Charakteristik der Stadt und deren Umfeld der Realität entsprach, Straßen- und Gebäudebezeichnungen höchstwahrscheinlich von Verne kreiert wurden. Wie mir dann später vom Verne-Biographen Volker Dehs bestätigt wurde /2/, gab es in Vernes Bibliothek verschiedene Baedeker, unter anderem die Ausgabe: „Deutschland-Österreich und Anrainerstaaten von 1881“ und das von ihm öfters genutzte Werk von Elisée Reclus, die „Géographie universelle“. Nach Dehs' könnten die beschriebenen Stadtdetails, also Straßenanordnungen und bestimmte Gebäude, an Vernes Wohnort Amiens angelehnt sein. Dies kann ich mir vorstellen, verhindert doch diese Verfahrensweise das Auftreten von logischen Pannen bei den im Roman öfters beschriebenen Stadtbegehungen und Verfolgungen.

Also machte ich mich daran, die Stadt „Ragz“ zu identifizieren. Mit der vorliegenden Neuübersetzung des Jules Verne – Original - Romans ging ich allen beschriebenen Details nach, die zu einer Erkennung führen könnten. Die Übersetzerin Gaby Wurster hatte eine schwierige Aufgabe zu lösen gehabt: Die Ortsnamen waren im Original in französischer Lautung geschrieben, sie musste sich jetzt entscheiden, welche Sprachvariante der Ortsbezeichnungen sie nahm. Aus Gründen der Verständlichkeit habe ich nachfolgend immer verschiedene gängige Ortsbezeichnungen angeführt.


Die wichtigsten Hinweise ergeben sich schon aus der Reiseroute Henry Vidals (alle nachfolgenden Seitenangaben beziehen sich auf Quelle /1/, Zitate sind immer in BLAU dargestellt): „... hier in dieser südungarischen Gewerberegion“ (S. 19); „... er wohnt in Ragz, einer bedeutenden Stadt in Südungarn“ (S. 20). Da ich schon mehrmals in der beschriebenen Region war, kannte ich die bewegte Geschichte dieser Gegend. Ich konzentrierte mich von von herein auf die heutige Region der Vojvodina, ein Bezirk im Norden Serbiens, der bis 1918 zum Königreich Ungarn gehörte – denn der war damals „Südungarn“. Vielleicht ist dies auch der Grund der bisherigen ergebnislosen Suche nach der fiktiven Stadt – man muss die politischen Bedingungen gegen Ende des 19. Jahrhunderts detailliert berücksichtigen.

Reisen wir mit dem Finger auf der Landkarte der beschriebenen Route nach, so landen wir in der heutigen Region Vojvodina: „... der Donau entlang ... Graz, Budapest und Ragz an der serbischen Grenze. ... Dort wäre meine Endstation. Ich hätte keine Zeit auch noch nach Semlin oder Belgrad zu fahren“ (S. 24). Damit war die südliche Begrenzung vorgegeben. Also Donau-abwärts, aber nicht bis zur Stadt Semlin (auf ungarisch: ZIMONY, serbisch ZEMUN). Diese gehört von der geographischen Aufteilung noch zur Vojvodina, ist aber heute ein Stadtteil von Belgrad. Unsere gesuchte Stadt muss also stromaufwärts vor Semlin liegen. Der nächste Ort Belgrad gehörte bis zum 10. Türkenkrieg 1878 (auch Russischer Türkenkrieg genannt) seit mehreren Jahrhunderten zur damaligen Regierungshoheit der Türkei. Erst danach beugte sich das Osmanische Reich und nach einem Kongress der „Großmächte“ wurden Rumänien, Serbien und Montenegro unabhängig. Dies war vor dem Zeitpunkt zur Romanhandlung Jules Vernes. Heute ist Belgrad die Hauptstadt von Serbien. Da die untere „Grenze“ der Auswahl gefunden war, müssen wir nun den Bereich vom Norden her, von Budapest kommend einschränken:

... Budapest ... denn ich war nun nur noch 300 km von Ragz entfernt“ (S. 46); „...(das Schiff) legte in Mohacs an“ (S. 49); „Der Dampfer erreicht am Mittag die Höhe Sombor“ (S. 50; in der Karte unten: ZOMBOR); „Wir fuhren an der Grenze Slawoniens entlang“ (S. 51); „... nach der Anlandung in Vukovar“ (S. 51) und „... in wenigen Stunden würde das Dampfschiff Ragz erreichen“ (S. 52). Nun haben wir die letzte präzise Angabe der Städte die oberhalb der gesuchten Stadt Ragz liegen.

die Route auf der Donau

Glücklicherweise hatte ich eine Baedekerkarte von 1893 /3/. Auf dieser habe ich den jetzt eingegrenzten Bereich zwischen Vukovar und Semlin farblich markiert. Da in dieser Karte keine politischen Grenzen vorhanden sind, ist die Orientierung etwas erschwert. Zur Erläuterung: Slavonien war damals im Bereich unterhalb der Drave und der Donau eine Bezeichnung für das östliche Kroatien. Auf der oberen Karte ist oben links die Stadt Sombor zu finden, in der österreichischen Schreibweise Zombor. Dann beginnt die Passage entlang der slawonischen Grenze und südlich des Stromes taucht Vukovar auf. Da Ragz eine Stadt mit mehreren zehntausend Einwohnern sein sollte, ist nun die Auswahl ganz einfach. Aber verlassen wir die obere Karte. Ich habe mich auf einer ungarischen Karte der gleichen Region von 1890 umgesehen /4/. Dort ist im Süden Slavonien dargestellt und die im Norden davon liegenden Region, eigentlich des Komitats, heißt im Ungarischen Bács-Bodrog - der südliche Teil davon Bacska (sprich batschka). 

PostkarteVon Vukovar sind es nur noch wenige Stunden bis zum Ziel und richtig: „Gegen fünf Uhr nachmittags tauchten am linken Ufer ... Kirchen auf, die einen gekrönt von Kuppeln, die anderen überragt von Spitztürmen .... das war Ragz“ (S. 52); „Nach der nächsten Flussbiegung tauchte sie zur Gänze auf, wie sie so malerisch am Fuße hoher Hügel lag, auf einem thronte die Lehensburg ...“ (S. 52). Siehe dazu Bild rechts, allerdings mit dem Zeitversatz von 1920. Und welche Stadt tauchte nun dort auf? Es war die damals ungarische Stadt Ujvidék. Ujvidék? Selbst auf der Baedeker-Karte /3/ nicht zu finden – wo soll das sein? Dazu das passende Zitat aus „Storitz“: „... wie die meisten ungarischen Städte hat auch Ragz zu verschiedenen Zeiten verschiedene Namen gehabt: Lateinisch, deutsch, slawisch und ungarisch ...“ (S. 84)

HolzbrückeDas ungarische Ujvidék hieß auf österreichisch-deutsch Neusatz und heute ist es die serbische Stadt Novi Sad. Bis 1918 gehörte die Stadt zum Königreich Ungarn und somit seit 1867 zur Donaumonarchie. Wenn dann noch berücksichtig wird, dass es vor etwa sechzig Jahren einen Zusammenschluss mit der Festungsstadt Petrovaradin (Peterwadein; Lehensburg und Festung) gab, das heute ein Stadtteil von Novi Sad ist, dann finden wir den Ort auch auf der Karte /1/ wieder. Zu diesem schrieb das Lexikon 1908: Neusatz (magyar. Ujvidék, spr. újwidëk), königliche Freistadt mit geordnetem Magistrat im ungar. Komitat Bács-Bodrog, Station der Staatsbahnlinie Budapest-Semlin und von drei Lokalbahnen, am linken Ufer der Donau, über die eine Schiffbrücke und eine Eisenbahnbrücke nach der gegenüberliegenden Festung Peterwardein führen und an der Mündung des Franz Josephskanals in die Donau. Sie hat 14 Kirchen, darunter einen neuen Dom ...“ /6/

Details




Novi Sad / Нови Сад

(Ungarisch: Újvidék; Slowakisch: Nový Sad; Deutsch: Neusatz; heutige Lage in Serbien, Србија, Srbija, Serbia, Serbie)

Gegründet 1694, Hauptstadt der serbischen Provinz Vojvodina und gleichzeitig Verwaltungszentrum des Kreises Južna Bačka. Sie ist Universitäts- und Industriestadt im Norden Serbiens. Die Stadt besteht aus dem ursprünglichen Ort Novi Sad der nördlich der Donau liegt und dem eingemeindeten Petrovaradin südlich der Donau. Dort liegt auch die gleichnamige Festung, die von 1682 bis 1690 errichtet wurde. Novi Sad hat heute über 300.000 Einwohner.

Die Stadt Novi Sad

Bild rechts: Die Stadt Ujvidék – Neusatz – Нови Сад (Novi Sad) in einer Aufnahme von 1902 /8/. Es gibt mit den Einwohnerzahlen des deutschen Lexikons von 1901 zwar eine zahlenmäßige Abweichung zum Roman, aber die ungarisch – serbische Gemeinschaft ist vorhanden und die Stärken der ethnischen Gruppen sind in den Verhältnissen auch passend. Die Abweichung von 40.000 Einwohnern im Roman und rund 30.000 Einwohner in der Realität, würde übrigens zu V. Dehs These passen, dass sich Verne für Detailfragen der Stadt an sein gewohntes Amiens hielt. Dort passt die Einwohnergröße nämlich.

Die ungarisch-serbischen Wurzeln sind noch heute spürbar: Novi Sad ist zweisprachig, was an öffentlichen Gebäuden, aber auch am Sprachgebrauch erkennbar ist. Der historische ungarische Stadtteil, in der Karte ganz unten rechts mit „Telep“ bezeichnet. ist in der Karte der ethnischen Gruppen gut zu erkennen /9/. Für den Roman wichtig ist die Farbgebung GRÜN = heutige, noch zentrale Lage der ungarischen Minderheit, früher Zentrum der Mehrheit der ungarischen Einwohner. Die Fließrichtung der Donau ist auf dieser Karte übrigens von links nach rechts. Doch begleiten wir den Romanhelden Henry Vidal durch die Stadt: „... Mir kam die Idee, ans rechte Donauufer zu gehen ... Ich ging also zur Brücke ... und betrat das serbische Ufer. Vor meinen Augen erstreckte sich das wunderschöne Umland, Felder und Weiden, die zu dieser Jahreszeit in sattem Grün leuchteten. Es lohnte sich, die Ähnlichkeiten der ländlichen Bevölkerung in Serbien und Ungarn festzustellen. Es waren die gleichen schönen Menschen, die gleiche Haltung, der Blick der Männer war ein wenig hart, ihr Gang zackig, die Frauen waren von stattlichem Auftreten. ... (S. 223/224). Und wieder zurück zur Stadt: Die Anordnung der Stadtteile ist passfähig zur Buchbeschreibung: „Im Westen erstreckte sich die Stadt mit ihren Vororten“ (S. 79); „... regelmäßig bebaut außer der engen Unterstadt die sich ans linke Donauufer schmiegt“ (S. 86). Wem diese Beschreibungen und die Faktenfülle noch nicht reichen sollte, dem sei noch dieses Zitat auf den Weg gegeben:

Im Süden mäanderte die Donau“ (S. 79). Auch das passt. Denn während die Donau bis zum heutigen Novi Sad ziemlich geordnet fließt, verästelt sie weiter flussabwärts in mehrere Teilarme und legt sich in weiten Schleifen. Dieser passende Realitätsbezug ist auf der unteren Karte links zu sehen. Auf dem Kartenausschnitt /10/ ist deutlich hinter Ujvidék das Flusssystem erkennbar.

Vielleicht auch noch ein Nachtrag zum Zitat: „... Budapest ... denn ich war nun nur noch 300 km von Ragz entfernt“ (S. 46) – Straßengebunden sagte mein Navigationssystem: Von Budapest nach Novi Sad sind es 308 km!

Aus meiner Sicht ist damit das Rätsel um die fiktive Stadt Ragz gelöst: Wie schon in anderen Romanen Jules Vernes gibt es jetzt einen weiteren Schauplatz der Literatur: Im Norden Serbiens, in der grünen Vojvodina – die pulsierende Industriestadt Novi Sad.

Ob die Einwohner Novi Sads ahnen, dass ihnen der französische Autor Jules Verne, zwar ziemlich versteckt, aber doch nachvollziehbar, in Gedanken einen Besuch abgestattet hatte?

DANKSAGUNG:

Ich bedanke mich an dieser Stelle bei Olga Bühlmann, die mir eine kurze Zusammenfassung des Inhaltes in Serbisch übersetzte.

Eine Kurzfassung auf Serbisch / Kratki izvestaj

Roman Le Secret de Wilhelm Storitz (TAJNA VILHELMA STORITZA) od Žil Verna ležao je mnogo godina samo u obradjenom obliku njegovog sina Mišela iz 1910 godine.Roman se odigrava sredinom 18. Veka. Jedan francuski slikar zaljubljuje se u Miru, jednu mladu devojku, koja živi u mestu Ragz na jugu Madjarske. Ali jedan zlokobni hemićar Vilhelm Storitz gaji istu strast za Miru, koja ne uzvraća njegova osećanja. Ogorčeni Storitz poseže za nekorektnim i pokvarenim sredstvima. On je napravio jedan Eliksir, koji ga pravi nevidljivim Kao takav ometao je pripreme za svadbu, i izazvao paniku u celom gradu. Iznenada je Mira nestala, Storitz ju je napravio nevidljivom.Po novom prevodu orginala od Žila Verna koje nam je na raspolaganju, izašli su na videlo novi detalji koji u dosadašnjoj poznatoj varijanti od Mišela nisu postojali. Tako naprimer sad znamo da je vreme dogadjanja krajem 19 veka. Kada je u vreme svadbenih priprema brat francuza koji živi u Madjarskoj, iz Pariza nizvodno Dunavom dolazeći iz Budimpešte, putujući u Ragz, čitajuci došao sam na ideju da grad Ragz identificiram.

Sada poznati detalji koji su mi pomogli: On nije išao sa Parobrodom do Semlina / Zimony / Zemuna kod Beograda, već je izašao pre. Kao poslednje poznato mesto iznad fiktivnog grada Ragza, Parobrod je prošao usputnu luku u Vukovaru / Vukuvar / Wukuwar. Izmedju ova dva mesta, morao bi da bude grad Ragz. Sledeći fakti su još na raspolaganju: grad Ragz je imao jedan madjarski i jedan srpski deo, imao je vise desetina hiljada stanovnika, ležao je nasuprot jedne tvrdjave, i oba dela grada su bila spojena jednim drvenim mostom. Uz pomoć starih karti (mapa) i sa obzirom da sam ovaj region više puta posetio, rešenje (odgonetka) mi nije teško pala. To bi morao da bude danasnji Novi Sad, u istorijskom trenutku romana poznat pod imenom Ujvidek ili Neusatz. Svi detalji se slažu. Sa moje tačke gledišta zagonetka o fiktivnom gradu Ragzu je rešena: kao i u drugim romanima Žila Verna postoji još jedna pozornica u literaturi: na severu Srbije u zelenoj Vojvodini-industrijski grad Novi Sad.

Da li stanovnici Novog Sada naslućuju, da ih je francuski autor Žil Vern, doduše prilično skriveno ali ipak vidljivo, u mislima posetio?

Übersetzung / Prevod: Olga Bühlmann


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Copyright © Andreas Fehrmann - 07/09, letzte Aktualisierung 10. Dezember 2015