Collection Fehrmann

Jules Vernes „Voyages extraordinaires*"

Jules Verne - Short Apocrypha (* Dieser Band ist nicht offizieller Bestandteil der VE)



Beispielbücher:

Im deutschsprachigen Raum erschien die Kurzgeschichte unter anderem in diesen Büchern:


Buch oben: © Diogenes Verlag AG 1967, 1977, Diogenes Taschenbuch 1977, Auflage 1991, ISBN 3 257 22416 8; detebe Band 22416 (Diese Auswahl erschien erstmals 1967 unter dem Titel Der ewige Adam und fünf andere seltsame Erzählungen bei Diogenes; siehe auch unten) CF /K0301/. Buch unten: Jules Verne: Ein Drama in den Lüften, Lizenzausgabe des Deutschen Bücherbundes GmbH & Co Stuttgart München mit Genehmigung der Diogenes Verlag AG, Zürich; © 1967 by Diogenes Verlag AG, Zürich; Die deutsche Ausgabe erschien im Diogenes Verlag unter dem Titel Der ewige Adam ...; Bücherbundnummer: -05290/2 (CF /K0401/)



Quellen:

/1/ Hier et Demain, mit den Kurzgeschichten: La Famille Raton. M. Ré-Dièze et Mlle Mi-Bémol. La Destinée de Jean Morénas. Le Humbug. Au XXXIXe siècle: La Journée d’un journaliste américain en 2889. L’Éternel Adam; Collection Hetzel, Paris im Dezember 1910 Illustrationen von: Léon Benett, Félicien de Myrbach und Georges Roux; 248 Seiten - Doppelausgabe mit Le Secret de Wilhelm Storitz (+220 Seiten) – CF /K0101/ und /8903/

/2/ Aus CF /K0401/ Der ewige Adam: zitiert von Seite 198

/3/ ebenda, Seite 203

/4/ ebenda, Seite 234

/5/ Illustration aus /1/ von Léon Benett, Seite 201

/6/ Illustration aus /1/ Seite 233

Der ewige Adam (1910)

OriginaltitelDiese Kurzgeschichte wurde 1910 von Michel Verne geschrieben, wird aber meist seinem Vater Jules Verne zugeordnet, was Michel auch bezweckte. Sie wurde unter dem Namen L 'Eternal Adam in der Zeitschrift La Revue de Paris am 1.10.1910 und in der Kurzgeschichtensammlung Gestern und Morgen (Hier et demain) zusammen mit Kurzgeschichten von Jules Verne im Nov./Dez.1910 in Frankreich veröffentlicht. (Bild rechts Frontispiz /1/). Auf Grund der Autorenschaft von Michel wird dieses Werk in der  Complete Jules Verne Bibliography by Volker Dehs, Zvi Har'El & Jean Michel Margot unter Short Apocrypha II Nr. 4.6 erfasst. (Bild links: Titelbild der Kurzgeschichte aus  /1/).

SammelbandMit dieser Kurzgeschichte bedient Michel Verne ein Genre, welches heutzutage unter Endzeitdrama klassifiziert werden würde. Interessant ist, wie sich Michel in den Schreibstil des Vaters hineinversetzte und selbst die zu dessen Lebensende zu bemerkende Skepsis widerspiegelt sich im Werk. Kein Wunder, dass man die Geschichte der Kurzgeschichtensammlung Hier et demain des Vaters unterschummeln konnte. Ich halte diese Geschichte für sehr bemerkenswert. Denn sie ist mehrschichtig aufgrund der Zeitebenen und fast philosophisch angelegt., wobei sie von der Thematik fast als Geburt eines neuen Genres angesehen werden kann.

In einem Fiktiven Land „Hars-Iten-Schu“, ringsum von vier Meeren umgeben lebt ein Volk, welches im Laufe seine Geschichte durch blutige Kriege zusammengeschmiedet wurde. Die Wurzeln des Landes liegen im Dunkeln. Der Gelehrte Dr. Zartog Sofr-Aï-Sr, dritter männlicher Vertreter der hundertsten Generation des Geschlechtes der Sofr, versucht der Frage des Ursprungs wissenschaftlich zu beantworten. Die Geschichte des Lebens ließ sich über einen Zeitraum von zwanzigtausend Jahren nachweisen. Aber erst die letzten achttausend Jahre waren zivilisatorisch geprägt, Wissen häufte sich an und die Technik entwickelte sich. Während die Historiker die Geschichte dieser Ahnenfolge der Völker, besonders auch die Auseinandersetzungen der Völkergruppen untereinander darlegten, wollte Sofr aber mehr. Ihn interessierte der eigentliche Ursprung. So arbeitete an einer Theorie zur Abstammung der Tiere aus einer ursprünglichen Lebensform, die aus dem Meere stammte.

Der ewige Adam ChromotypographieInteressant ist, dass der Autor Michel offensichtlich die Meinung Vater Vernes als Antidarwinist (siehe auch:  Das Dorf in den Lüften, besondern den Nachtrag zu Charles Darwin) und überzeugtem Katholik teilt. So stellt er seinen „Hauptdarsteller“ vor dem unlösbaren Konflikt, dass die Abstammung zwar partiell bei Fauna und Flora nachweisbar ist, die Abstammung der Menschen von anderen, niederen Lebensformen sich aber nicht nachweisen lässt. „Es wäre also dieses letzte Problem noch zu lösen, damit man der ganzen Wahrheit habhaft werden konnte: Dieser Mensch, der Herr der Welt, wer war er? Wo kam er her? Auf welch unbekannte Ziele richtete er sein unermüdliches streben?“ /2/ Das einfache Volk erklärte den Ursprung mit einer überirdischen Macht. Vor langer Zeit hatte diese Macht „aus dem Nichts Hedom und Hiva geschaffen, den ersten Mann und die erste Frau, deren Nachkommen dann die Erde zu bevölkern begannen. ...“ /3/.

Bei Ausgrabungen unter mehreren Sedimentschichten, die mindestens Zwanzigtausend Jahre dokumentieren, wurde ein seltsames Artefakt gefunden: Eine metallene Kiste die nach Öffnung alte Schriftstücke enthielt. Schriftrollen aus einer Zeit, die eigentlich ohne Intelligenz und ohne zivilisatorische Geschichte sein sollte? Sofr geht dem Rätsel nach. Nach mehreren Jahren offenbart sich das Geheimnis, er kan ndie Schrift deuten. Es ist das Tagebuch eines in Mittelamerika lebenden Franzosen (was ist ein Franzose?) aus dem Jahre 2xxx. Es offenbart eine Katastrophe riesigen Ausmaßes: Eine Sintflut nie da gewesener Dimension überschwemmt die Erde, mit wenigen Personen kann der Autor der Schriftstücke mit einem PKW in das Bergland flüchten, doch bald werden sie auch dort von den Fluten, die in Eilzugtempo kommen, eingeholt. Rettung gelingt in letzter Not durch ein gerade vorbeikommendes Schiff. Jetzt beginnt eine ziellose Kreuzfahrt durch die Weltmeere. Doch die Kontinente sind verschwunden. Die Weltzivilisation ist ausgelöscht! Die Nahrungsmittel gehen zu ende. Gibt es nirgendwo mehr Land? Jetzt wird ein kleines Eiland gefunden. Fast unbewohnbar, karg und trostlos. Man beschließt an Land zu gehen, da etwas Trinkwasser vorhanden ist. Wo sollte man auch sonst hin?

Aber jetzt geht das Drama in eine neue Richtung: Der Überlebenskampf fordert alle Kräfte, die geistigen Fähigkeiten degenerieren. - Jahre vergehen (siehe dazu Bild links /6/). Da auch Frauen bei der „Kolonisation“ dabei waren, nimmt die Bevölkerung langsam zu. Aber von der Zivilisation abgenabelt, fristet man auf der Stufe der „Wilden“ sein Leben. Mit letzter Kraft verschließt der Autor seine Aluminiumkiste und vergräbt sie.

Sofr grübelt nach der Lektüre: Ist das Leben als solches ein Zyklus? Der Fund stimmte ihn pessimistisch. Gleichzeitig hatte er auch etwas über die Ausdeutung des Wortes „Hedom“ gefunden. „Hedom war nichts anderes als die Verbiegung von Edem – und Edem wiederum die Verbiegung von Adam – und dieser Adam war vermutlich wiederum die Verbiegung eines anderen Ausdrucks, der noch älter war. Hedom, Edem, Adam – was sind sie anderes als das ewige Symbol des ersten Menschen, dessen Ankunft auf Erden damit ebenfalls geklärt ist ...“ /4/ Die Geschichte endet mit der pessimistischen Erkenntnis für den Gelehrten, dass offensichtlich immer wieder alles von neuem begonnen werden muss.

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Hinweis: Beschrieben werden nur in meiner Sammlung befindliche Bücher. Dargestellte Bücher sind Beispiele daraus.

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© Fehrmann 03/04, letzte Aktualisierung 10. Januar 2016