Collection Fehrmann

Jules Vernes „Voyages extraordinaires"

- Band VE 31 -






Beispielbücher:

Eine der Hetzeleditionen

Oben:: Le Chemin de France 1887; CF /3102/


Giulio Verne: La Strada Di Francia; Casa Editrice Sonzogno – Milano; ca. 1925 (CF /3101/)

/1/ Volker Dehs: Jules Verne – Eine kritische Biographie; Artemis & Winkler 2005; Zitat von Seite 315; CF /5513/

/2/ Max Popp: Julius Verne und sein Werk; A. Hartleben's Verlag Wien und Leipzig 1909; 8. Kapitel; Zitat von Seite 161-162; CF /5503/

/3/ Bild aus o.g. ital. Ausgabe - Trotz abweichendem Titelbild: Die Illustrationen sind original von George Roux


DANKSAGUNG:

Ich bedanke mich an dieser Stelle bei Stephan Bühlman aus Schwyz, der mir das italienische Buch schenkte.

Der Weg nach Frankreich

Die frz. Buch-Erstausgabe erschien unter dem Titel Le Chemin de France am 3. Oktober 1887 als einbändige Ausgabe bei Pierre-Jules Hetzel in Paris. In der Anlage des Romans wurde die Kurzgeschichte „Gil Braltar“ verlegt (Buch links oben und Frontispiz: Erstauflage wie beschrieben mit 41 Illustrationen von Roux und 2 Karten; CF /3102/)

Innerhalb des Zyklus' der Voyages Extraordinaires nahm der Roman Der Weg nach Frankreich  bis dato eine Sonderstellung ein. Denn erst 2012 wurde er erstmalig deutschsprachig verlegt. Siehe dazu die Hinweise ganz unten au dieser Seite. Noch im Jahre 2005 schrieb Volker Dehs:  „Dabei handelt es sich um einen der wenigen Romane, die nicht ins Deutsche übersetzt wurden, weil dem Romancier der moderate Patriotismus des Autorengespanns im Überschwang der Vaterlandsbegeisterung in deutschfeindlichen Chauvinismus abgeglitten war.“ /1/ Wahrscheinlich noch durch die Eindrücke des Deutsch-Französischen Krieges geprägt, hatte Verne sich hinreißen lassen, seinen sachlichen Schreibstil zu verlassen. Etwas moderater brachte es schon 1909 Vernes erster deutscher Biograph, Max Popp zum Ausdruck, wobei er in seiner Aussage den Haupthelden des Romans zitiert: „Ein (...) Urteil Vernes über die Deutschen findet sich in »Der Weg nach Frankreich«, einem geschichtlichen Romane, der nicht ins Deutsche übersetzt wurde. Er erschien im Jahre 1887 und behandelte die Zustände in Deutschland und Frankreich kurz vor und zu Beginn des ersten Koalitionskrieges 1792. Hier heißt es im 4. Kapitel: »Wenn ich nicht für die Deutschen eingenommen bin, so kommt dies daher, daß ich sie aus der Nähe betrachtet habe, als ich an der Grenze in Garnison lag. Ihr natürlicher Hochmut tritt auch bei den Gebildeten immer zutage, selbst wenn sie höflich sind, wie man es jedermann gegenüber sein muß. Ich leugne ihre guten Eigenschaften nicht, doch besitzen die Franzosen andere.«“ /2/

OriginalillustrationDer Roman schien also nicht geeignet, große Begeisterung in der deutschen Leserschaft zu wecken. Ab sofort kann man sich selbst eine Meinung dazu bilden. Hier die Geschichte in Kurzfassung:

In der Rahmenhandlung einer Rückbesinnung beschreibt der Rittmeister Natalis Delpierre eine Begebenheit, die sich vierzig Jahre vorher, in den Jahren 1792/93 erlebt hatte (Bild links: An seinem Schreibtisch /3/). Delpierre, aus einer Bauernfamilie stammend, diente damals in der französischen Armee. Um seine Schwester Irma zu besuchen, war er in den kleinen deutschen Ort Belzingen gereist. Diese lebte dort als Bedienstete der Familie Keller. Diese Familie bestand aus dem deutschen Ehemann, dessen französisch-stämmiger Frau und dem gemeinsamen Sohn Jean. Dieser ist mit der Französin Marthe de Laurany verlobt, die ebenfalls in Belzingen lebte. Doch es kommt nicht zur Heirat: Inzwischen hat Deutschland dem revolutionärem Frankreich den Krieg erklärt und die Lage spitzt sich zu. Jean soll als deutscher Soldat gegen die Franzosen kämpfen und gleichzeitig wird mit Kriegsausbruch den in Deutschland lebenden Franzosen klargemacht, dass sie nicht mehr erwünscht sind. Innerhalb von zwanzig Tagen sollen sie Deutschland verlassen. So macht sich die Gruppe Delpierre, dessen Schwester, Frau Keller und die Familie Laurany auf den Weg nach Frankreich. Etwas später stößt überraschender Weise noch Jean dazu. Der war inzwischen desertiert, nachdem er eine Auseinandersetzung mit seinem Vorgesetzten Leutnant Frantz von Grawert hatte, der ihn ständig demütigte. Trotz aller Verfolgungsversuche erreicht die Gruppe einen kleinen Ort hinter der französischen Grenze. Aber sie sind noch nicht gerettet, den inzwischen wurde der Ort von Österreichern erobert. Inmitten dieses Chaos' wurden Delpierre und Jean verhaftet – beiden drohte die Hinrichtung. Im letzten Augenblick griffen die Franzosen an und sie konnten die Eindringlinge zurückwerfen. Inmitten der Kampfhandlungen rächte sich Jean an seinen Widersacher Frantz ...

Geschichtlicher Hintergrund: Die Geschichte spielt zu Beginn des ersten Koalitionskrieges. Unter diesem Begriff versteht man insgesamt vier kriegerische Auseinandersetzungen, die in der Zeit von 1792 bis 1815 gegen die französische Republik bzw. gegen Napoleon Bonaparte geführt wurden. Der Name entstand aufgrund der unterschiedlichen Koalitionen der europäischen Mächte, die sich gegen Frankreich zusammenschlossen.

Deutschsprachige Verfügbarkeit

Deutsche ErstausgabeDie TaschenbuchausgabeNachdem die deutschsprachigen Leser lange warten mussten, war es im Jahre 2012 endlich soweit: Der Jules-Verne-Club unter dem Herausgeber Bernhard Krauth veröffentlichte die deutsche Erstausgabe, dicht gefolgt vom Verlag Dornbrunnen. Hier einige Erläuterungen zu den Ausgaben.

Die links gezeigte Ausgabe erschien als Sonderedition in einer Auflagenhöhe von 120 Exemplaren mit sämtlichen Illustrationen der französischen Orignalausgabe des Verlagshauses Hetzel, einschließlich der Chromotypographien. Das Buch orientiert sich in Farbgebung und Größe an den Hartleben-Prachtausgaben.  Es ist mit erläuternden Fußnoten und einem Nachwort zur Entstehungsgeschichte des Buches versehen. Auf dem freien Markt ist diese Ausgabe nicht erhältlich.

Den allgemeinen Bedarf der Verne-Leserschaft kann aber das rechts gezeigte Buch abdecken. In der Reihe Dornbrunnen Taschenschmöker verlegt der Herausgeber  Sven-Roger Schulz unter der ISB 978-3-943275-04-9 diese 196 seitige Ausgabe. Vom gleichen Verlag erschien auch schon   Der Humbug. Aufgrund des Charakters eines Taschenbuches ist dieses Buch nicht so aufwendig hergestellt und ausgestattet  wie das vorher vorgestellte Exemplar, aber durch eine größere Anzahl von erläuternden Fußnoten kann sich der Leser neben dem Inhalt auch zum Hintergrund einen guten Überlick verschaffen.

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Hinweis: Beschrieben werden nur in meiner Sammlung befindliche Bücher und Verfilmungen. Dargestellte Bücher sind Beispiele daraus.

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Copyright © Andreas Fehrmann - 10/07, letzte Aktualisierung 30. Dezember 2015