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Amazing Stories

Das Zeitalter der Sciencefiction beginnt in den Staaten u.a. mit Jules Verne 


/1/ Sciencefiction: Ich habe mich für die Duden-konforme  Schreibweise entschieden

/2/ Brian Stbleford, John Clute, Peter Nicholls: The Encyclopedia of Science Fiction; 1993 by John Clute Peter Nicholls

/3/ Hugo Gernsback: Amazing Stories; New York Oktober 1926; Titel siehe unten in Blau; CF /6790/

Oktober 1926

Weitere  Beispiele: Unten in Rot vom Juni 1926 und darunter Septemberausgabe 1926

Juni 1926

September 1926


In den frühen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts kam im englischsprachigen Raum eine völlig neue Art von Zeitschriften oder Magazinen heraus: Preiswerte Unterhaltungsware ohne hohen Anspruch – später auch Pulps, Pulp-Magazine oder Pulp-Fiction genannt. Ähnlich wie im deutschsprachigen Raum die Groschenromane, fanden sie eine große Verbreitung. Wegbereiter im Bereich der Sciencefiction /1/ (siehe dazu auch meinen Beitrag: Jules Verne - Vater der Sciencefiction?) waren die Amazing Stories, ein US-amerikanisches Magazin, welches im April 1926 von Hugo Gernsback (16. August 1884 bis 19. August 1967) erstmalig herausgegeben wurde. Es war die erste Publikation, die sich ausschließlich der Sciencefiction widmete. Als ich das erste Mal eine Ausgabe dieser Serie in der Hand hielt, war mir auch die Namensgebung des Genres völlig klar: Denn „Pulp“ leitet sich von billigen holzhaltigen Papier ab, ein Markenzeichen dieser Art von Magazinen. Mein völlig vergilbtes und an den Kanten bröckeliges Exemplar war regelrecht ein sprechender Beweis der Namensgebung. Dabei ist die Genrebezeichnung auch doppeldeutig interpretierbar - wie viele englische Begriffe - denn „Pulp“ kann auch als „Schund“ verstanden werden. Vielleicht trugen dazu die in späteren Jahren publizierten Jungautoren und Billiglizenzen bei, der Anfang wurde mit Anspruch begonnen.

VortiteleiSeit der ersten Ausgabe der Amazing Stories war Jules Verne als Stammautor dabei. Das war nicht von ungefähr denn Hugo Gernsback formulierte im Leitartikel der ersten Ausgabe: „„Mit >scientifiction< meine ich Erzählungen im Stil von Jules Verne, H. G. Wells und Edgar Allan Poe – eine reizvolle Phantasieerzählung mit wissenschaftlichen Tatsachen und prophetischen Weitblick vermischt ... Diese erstaunlichen Geschichten lesen sich nicht nur ungeheuer interessant, sie sind auch stets aufschlussreich. Sie vermitteln Wissen ... in einer ansprechenden Form ... Neue Abenteuer, die uns die heutige Scientifiction schildert, werden morgen schon nicht mehr unmöglich sein ...“ /2/ Die erste Ausgabe des Magazins startete mit Jules Vernes Reise durch das Sonnensystem. Oben links im Text zeige ich die markante Titelzeile des Inhaltsverzeichnisses mit der Grabskulptur von Jules Verne /3/. Bis 1934 hatten die Romane oder Kurzgeschichten Vernes einen festen Platz in der Publikation. Siehe dazu vertiefend die Auflistung weiter unten. Das Handicap der Verne-Veröffentlichungen war aber die Art der Wiedergabe. Die Übersetzungen basierten auf den auch in Einzelausgaben nicht eben guten englischen Übersetzungen, die durch Entstellungen, Weglassungen, politischen Korrekturen, neue Namensgebungen und falschen Hintergrunddaten gekennzeichnet waren. Die schon mangelbehafteten Grundübersetzungen wurden für das Magazin oft nochmals eingekürzt. Das Ergebnis trug zwar zur Erhöhung des Bekanntheitsgrad Vernes in den Staaten bei, aber der literarischen Beurteilung seines Werkes schadete es. Diese schlampigen Übersetzungen werden auch heutzutage noch öfters publiziert, da sie inzwischen rechtefrei sind. Die nordamerikanische Jules Verne Gesellschaft (North Amercan Jules Verne Society, Inc.), sowie bewusste Übersetzer und Literaturwissenschaftler forcieren daher seit mehreren Jahrzenten anspruchsvolle Neuübersetzungen aus dem Französischen.

Beispiel einer IllsutrationDer Pioniergeist, die Breite der fiktionalen Angebote und die reißerische Aufmachung der Amazing Stories prägte das Leseverhalten ganzer Generationen meist jüngeren männlichen Lesern im Zeitraum von fast achtzig Jahren. Die Bereitschaft der Leser sich der dem Thema Sciencefiction zu widmen, führte in der Folge auch zur Szenebildung und einer breitgefächerten Fangemeinde. Ab zirka 1965 beschränkte sich das Magazin fast ausschließlich auf Nachdrucke älterer, schon im Magazin herausgegebener Geschichten oder billig eingekaufter Druckrechte unbekannter Autoren. In den 80ziger Jahren wurden die Inhalte wieder anspruchsvoller, aber die große Zeit des Magazins war vorbei. Im Jahre 2013 begann der Versuch, den gut bekannten Namen für ein online Sciencefiction-Magazin zu nutzen.

 
Für den Verneasten sind folgende Ausgaben von Interesse: 

Erste Serie (Vol. 1)

No. 1, April 1926 
Jules Verne: Off on a Comet, or Hector Servadac (Reise durch das Sonnensystem), Teil 1

No. 2, Mai 1926 
Jules Verne: Off on a Comet, or Hector Servadac (Reise durch das Sonnensystem), Teil 2 und A Trip to the Center of the Earth (Reise zum Mittelpunkt der Erde), Teil 1

No. 3, Juni 1926 
Jules Verne: A Trip to the Center of the Earth, (Reise zum Mittelpunkt der Erde), Teil 2

No. 4, Juli 1926 
Jules Verne: A Trip to the Center of the Earth (Reise zum Mittelpunkt der Erde), Teil 3

No. 5, August 1926 
Jules Verne: Dr Ox's Experiment, in einem Teil

No. 6, September 1926 
Jules Verne: Purchase of the North Pole (Kein Durcheinander), Teil 1 - siehe dazu Illustration oben rechts im Text /3/

No. 7, Oktober 1926 
Jules Verne: Purchase of the North Pole (Kein Durcheinander), Teil 2

No. 8, November 1926 

Jules Verne: Drama in the Air (Ein Drama in den Lüften), in einem Teil

Zweite Serie (Vol. 2)

No. 9, Dezember 1926 
Jules Verne: Robur the Conqueror, or the Clipper of the Air / Clipper of the Clouds (Robur der Eroberer), Teil 1

No. 10, Januar 1928 
Jules Verne: Robur the Conqueror, or the Clipper of the Air / Clipper of the Clouds (Robur der Eroberer), Teil 2

No. 11, Februar 1928 
Jules Verne: Master of the World (Der Herr der Welt), Teil 1

No. 12, März 1928 

Jules Verne: Master of the World (Der Herr der Welt), Teil 2

Vierte Serie (Vol. 4)

No. 2, Mai 1929 
Jules Verne: The English at the North Pole (Kapitän Hatteras – erster Teil des Romans), Teil 1

No. 3, June 1929 
Jules Verne: The English at the North Pole (Kapitän Hatteras - erster Teil des Romans), Teil 2 und The Desert of Ice (Kapitän Hatteras – zweiter Teil des Romans), Teil 1

No. 4, July 1929 
Jules Verne: The Desert of Ice (Kapitän Hatteras – zweiter Teil des Romans), Teil 2

Achte Serie (Vol. 8)

No. 8, July 1933 
Jules Verne: The Watch's Soul (Master Zacharius / Meister Zacharius) in einem Teil

Jules Verne: Winter Amid the Ice, or the Cruise of the Jeune-Hardie (Eine Überwinterung im Eis), in einem Teil

Das markante TitelbildNeunte Serie (Vol. 9)

No. 1, May 1934 
Jules Verne: Measuring a Meridian (Abenteuer dreier Russen und dreier Engländer in Südafrika), Teil 1 

In dieser Ausgabe erschien sogar das Bild von Vernes Grab-Skulptur von Roziere auf der Titelseite des Magazins. Dazu gab es Innen eine Erläuterung zum Leben Vernes und dem Bezug zu Amiens für die Leser. Der Vorschlag zu dieser Cover-Gestaltung kam übrigens durch eine Leserzuschrift die im Juli 1933 in den Stories abgedruckt wurde. Siehe rechts.

No. 2, June 1934 
Jules Verne: Measuring a Meridian
(Abenteuer dreier Russen und dreier Engländer in Südafrika), Teil 2  

No. 3, July 1934 
Jules Verne: Measuring a Meridian (Abenteuer dreier Russen und dreier Engländer in Südafrika), Teil 3 

No. 4, August 1934 
Jules Verne: Measuring a Meridian
(Abenteuer dreier Russen und dreier Engländer in Südafrika), Teil 4 (Hinweis: Eigentlich sollte es nur 3 Teile geben, aber es sind 4 geworden)

 


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