Collection Fehrmann

Jules Vernes „Voyages extraordinaires"

- Band VE 21 -



Beispielbücher:

Buch oben: © Verlag Neues Leben, Berlin 1981, Auflage 1984, L-Nr. 303(305/118/84 – CF /2101/); unten: © Verlag Neues Leben, Berlin 1981, 2. Auflage 1982, L-Nr. 303(305/82 – CF /2102/): Zitat /2/ ebenda, Seite 5




Quellenangaben:

/1/ Frontispiz der alten französischen Hetzelausgabe: La Jangada, huit cents lieues sur L'Amazone; J. Hetzel et Cie Paris 1881; CF /2107/; Siehe auch  die Vorabveröffentlichung /6/.

/2/ Detail siehe Buch oben

/3/ Dieses Foto wurde mir von meinem Namensvetter, von © Daniel Andre Fehrmann aus Curitiba (Parana) Brasilien zur Verfügung gestellt; Motiv: Florianópolis / Brasilien; DANKE DANIEL!

/4/ Illustration von L. Benett aus Quelle /1/

/5/ Rainer E. Zimmermann: Die ausserordentlichen Reisen des Jules Verne – Zur Wissenschafts- und Technikrezeption im Frankreich des 19. Jahrhunderts; mentis Verlag GmbH 2006; ISBN 3-89785-550-x; Zitat von Seite 180; weitere Infos unter QUELLE CF /5721/

Die Jangada (1881); auch 800 Meilen auf dem Amazonas

FrontispizDie Originalausgabe erschien 1881 unter dem Titel La Jangada, huit cents lieues sur L'Amazone bei Pierre-Jules Hetzel in Paris im Frühsommer des Jahres 1881im   Magasin d'Éducation et de Récréation und  dann folgten ab Juni Band 1 und wie so oft, noch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft, Band 2 der offiziellen Buchausgabe (links /1/ das Frontispiz). Alles weiteren Details dazu siehe ganz unten. Eine der deutschsprachigen Übersetzungen begann so:

H h t b j u o o k h i h y u j j c h v g g x e l e p c s u h r

u c z c v y q f i f i u u o t s g y q i i f u q l n n u d v l u h

i h r h u p p u x h f j t n s q x t j v f h i f o j i q p f d k ....

Ein Buschkapitän hielt dies Schriftstück mit der scheinbar sinnlosen Buchstabenanhäufung in der Hand, las wieder und wieder und schüttelte schließlich nachdenklich den Kopf. Das Schriftstück war vergilbt und eingerissen, es mochte schon eine ganze Reihe von Jahren alt sein; es war eng beschrieben, in den einzelnen Zeilen, etwa hundert, gab es nichts, was an einer Worttrennung erinnert hätte.“/2/ (Foto /3/)

vor OrtDies ist der kryptische Beginn einer abenteuerlichen Geschichte, die fast wie ein Kriminalstück anmutet. Torres, der schon angesprochene Buschkapitän - dies ist die klangvolle „Berufsbezeichnung“ für den schmutzigen Job der Jagd nach Sklaven- , ist ein runtergekommener, gewissenloser Kerl. Das beschriebene Schriftstück ist aus seiner Sicht der Schlüssel für seine rosige und „reiche“ Zukunft. Zielgerichtet sucht er eine bestimmte Person. Diese ist Dreh- und Angelpunkt in seinem Plan, der nichts Gutes ahnen lässt. Aber wir werden aufgeklärt: Sein Ziel ist die Fazienda von Joam Garral im peruanischen Grenzgebiet zu Brasilien.

Dort ist man guter Laune, soll doch Garrals Tochter Minha in Kürze den Freund seines Sohnes Benito, nämlich Manuel Valdez heiraten. Ein Problem trübt allerdings die Freude: Die Familie des Freundes lebt 800 Meilen (französische Landmeilen) stromabwärts am Amazonas, in Belem. Sie sollte eigentlich an der Hochzeit teilhaben, zumal sich das junge Paar dort niederlassen möchte. Doch Joam Garral ist dafür bekannt, dass er seit zwanzig Jahren seine Fazienda noch nicht verlassen hat. Und gar über die brasilianische Grenze? Aber da geschieht das Wunder: Seine Frau kann ihn überzeugen, gemeinsam mit einigem Gesinde und dem halben Hausstand auf einem riesigen Floß – einer Jangada – flussabwärts nach Belem zu reisen. So wird ein Verbund von mehreren Flößen gebaut, Häuschen werden darauf aufgestellt und diverse landwirtschaftliche Güter werden verstaut. Nach der Ankunft am Zielhafen soll alle Ware inklusive dem Holz der Flöße verkauft werden.

OriginalillustrationEndlich, mit eintretenden Hochwasser setzt sich die an Land gebaute Flottillie Amazonas-abwärts in Bewegung (siehe Bild links /4/). Unterwegs nimmt man einen ruhigen und unauffälligen Reisenden mit an Bord. Eigentlich nur eine kleine Gefälligkeit. Aber die soll sich später als Fehler herausstellen, man hat sich den finsteren Burschen Torres an Bord geholt!

Gleich nach dem Passieren der brasilianischen Grenze legt dieser seine Karten auf den Tisch: Er konfrontiert Garral mit dem Fakt, dass er gar nicht Garral heißt, jetzt unter falschen Namen lebt und das er bereits vor Jahrzehnten für ein Kapitalverbrechen zum Tode verurteilt wurde. Das rechtskräftige Urteil konnte nur nicht vollstreckt werden, da er sich kurz vor seiner Hinrichtung den Scharfrichtern durch Flucht entzog.

Was war passiert? 1826 ist in den brasilianischen Diamantenminen ein Edelsteintransport überfallen und ausgeraubt worden. Der Tat dringend verdächtigt gemacht hat sich der Minenangestellte Joam Dacosta, nur er hatte alle Informationen zum geplanten Transport. Bereits kurz nach seiner Gefangennahme wird er in einem Prozess zum Tode verurteilt.

Auch jetzt im Gespräch mit Torres steht Garral noch zu seinen Unschuldsbekenntnis. Aber das er Unschuldig ist, weiß auch Torres, denn der wahre Täter legte kurz vor seinem Tod ein chiffriertes Geständnis ab, welches sich jetzt in der Hand Torres befindet. Dieser bietet Garral einen erpresserischen Handel an: Entweder Torres erhält Garrals Tochter Minha zur Frau und damit bekommt Garral seinen Unschuldsbeweis – oder Torres zeigt Garral an, dann braucht nur noch das offene Urteil vollstreckt zu werden. Entrüstet wird Torres abgewiesen und er muss die Jangada verlassen.

Wie es nicht anders zu erwarten war, wird beim Anlaufen im ersten größeren Hafen Brasiliens eine Verhaftung Garrals durchgeführt. Der Denunziant hat seine schändliche Tat ausgeführt ...

Aber Garral hatte schon vor, sich den Behörden zu stellen. Denn er ist des Lebens unter einem falschem Namen müde und er will wieder seinen einen ehrlichen Namen Dacosta ragen. Aber er hat nur moralische Beweise – die brasilianische Justiz ist nicht von seiner Unschuld zu überzeugen. Doch Torres hat doch einen Beweis?

Der Schurke hatte sich schon zurückgezogen, doch er wird von Dacostas Sohn und dessen Freund aufgespürt. Uneinsichtig duelliert sich Torres mit Dacostas Sohn und er wird dabei getötet. Doch der Beweis mit dem Namen des wirklichen Schuldigen ist chiffriert! Ein Wettlauf zwischen Dechiffrierung und dem Eintreffen des ehemals ausgesprochenen Todesurteils beginnt ...

Ergänzend: Und wie das Leben so spielt: „Die Handlung des Romans musste nachträglich verändert werden“.... „weil nach der Veröffentlichung des ersten Bandes des auf zwei Bände angelegten Romans ein Student das Kryptogramm entziffert hatte und die Lösung öffentlich bekannt gab. Ferner wurde die Geschichte um rund 250 Seiten verkürzt, und dem Roman wurde stattdessen der Reisebericht des Verne-Bruders Paul beigegeben.“ /5/ Es handelt sich um die Kurzgeschichte De Rotterdam à Copenhague à bord du yacht à vapeur Saint-Michel. Siehe dazu vertiefend meine Seite  Von Rotterdam nach Kopenhagen – An Bord der Dampfjacht >Saint Michel<

/6/ Macé / Stahl / Verne: Magasin d'Éducation et de Récréation; 2me année 1881, 1er semestre, 33me Volume de la collection, Seite 1 – CF /6607/

/7/ James Macaulay (Supervising Editor): Boy's Own Paper; Religious Tract Society; s.l.; Nr. 118 Vol. III; 16. April 1881; geginnend ab Seite 465; CF /6790/

Die Jangada als französische VorabveröffentlichungZur Geschichte der Druckausgaben des Buches

Wie schon oben kurz erwähnt erschien die Hetzel-typische Vorabveröffentlichung des Romans vom 1. Januar des Jahres 1881 bis 1. Dezember. Es handelte sich um die  Livraisons (Lieferungshefte) Nummer 385 bis 408. Die offizielle Buchausgabe bei Hetzel erschien in zwei Bänden: Band I am 22. Juli 1881 und Band II am 10. November 1881, noch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft.  (Bild links oben: Titelblatt der Vorabveröffentlichung vom Januar 1881 /6/)

Boys Own Paper Nr. 118 Vol. III
Was aus meiner Sicht zuerst so gar nicht passen wollte, ist eine englischsprachige Veröffentlichung, die am 16. April 1881, noch vor der offiziellen französischen Buchausgabe, erschien. Das britsche Jungen-Magazin Boy's Own Paper brachte in seinen Wochenschrfiten ab der Ausgabe Nummer 188 eine Veröffentlichung heraus, von der ich anfangs annahm, dass diese auf illegalen Simultan-Übersetzungen der Livraisons Hetzels basierten. Erst bei einer fachlichen Beratung erhielt ich den Hinweis, dass die Nachdrucke, auch anderer Romane, auf Basis der Magasin-Druckfahnen geschah. Dies erklärt auch die Nachnutzung der Holzstiche., die ansonsten klischiert oder nachgeahmt hätten werden müssen. Weitere Details zu den umfangreichen Veröffentlichungen der Romane von Jules Verne sind dazu hier zu finden:
J. Verne in Boys Own Paper.
/8/ Jules Verne La Jangada; J. Hetzel et Cie Paris 1881; CF /2107/

/9/ Jules Verne Die Jangada; A. Hartleben's Verlag Wien, Pest, Leipzig 1883; CF /2106/
Jangada in Boy's Own Paper











Und so sahen die verschiedenen Publikationen aus. Chronologisch begann die Veröffentlichung mit der gerade weiter oben beschriebenen Ausgabe im Magasin d'Éducation et de Récréation. Dann folgte, wie links zu sehen ist, die britische Ausgabe The Giant Raft  in Boy's Own Paper vom 16. April 1881 /7/; dann wie weiter unten links gezeigt die französische Buchausgabe vom 22. Juli 1881 /8/ und dann eine deutschsprachige Version von Hartleben aus dem Jahre 1883 als bebilderte Version der Reihe Bekannte und unbekannte Welten /9/. Die dt. Erstausgabe erschien übrigens kleinformatig und unillustriert bei Hartleben im Jahre 1882. Wie so oft ist die Buchform in der Hartlebenreihe   Bekannte und unbekannte Welten. Abenteuerliche Reisen, also die großformatioge illustrierte Version, nicht die deutschsprachige Erstausgabe.
Jangada in der franz. BuchformJangada in einer dt. Prachtausgabe

Film 1

Verfilmung USA 1993: 800 Leagues Down the Amazon

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Hinweis: Beschrieben werden nur in meiner Sammlung befindliche Bücher und Filme. Die dargestellten Bücher sind Beispiele daraus

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© Fehrmann 07/00, letzte Aktualisierung 30. Dezember 2015