Collection Fehrmann

Jules Vernes „Voyages extraordinaires"

- Band VE 24 -

Detailseite zum Roman „Keraban, der Starrkopf“ (1883)









Quellenangaben

(Die Systematisierung bezieht sich nur auf die Nutzung für diesen Beitrag):

/1/ Kunstpostkarte: „ISTANBUL: Leander's or the Maiden's Tower“ © Ankara Cad. Muhsirbasi Istanbul (Eine Postkarte aus meiner Collection)

/2/ Kartenausschnitte aus der Karte von Konstantinopel, Society of the Diffusion of Useful Knowledge (Great Britain) 1840 by David Rumsey Collection

/3/ Stich aus einer alten Hetzelausgabe des Keraban

/4/ Kunstpostkarte; „Üsküdarda bir cadde 19. yy. Istanbul“ © KESKIN COLOR A.S. Istanbul (Eine Postkarte aus meiner Collection)



Soweit zu Keraban. Aber es gibt auch einen aktuellen Bezug zwischen Jules Verne und Istanbul: Es gibt einen Jules Verne Park! Er befindet sich auf der europäischen Seite Istanbuls im nordwestlichen Stadtteil BAKIRKÖY.

JULES VERNE IN ISTANBUL“

Auch im Roman „Kéraban le têtu“ glänzt Jules Verne wieder mit geographischen Detailkenntnissen. So nennt und beschreibt er (wie auf meiner Hauptseite zum Buch dargestellt) ganz klare Ortsbezeichnungen in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul. Dazu gehören der TOP HANE PLATZ, GALATA, die KAIS VON GALATA, der BOSPORUS, der LEANDERTURM und SCUTARI. Schon vor einiger Zeit hatte ich nach diesen Orten in alten Karten und aktuellen Reiseführern recherchiert. Im Frühjahr 2003 und im Herbst 2005 erkundete ich den Literaturschauplatz in der Realität. Um den IST-Zustand zu verdeutlichen, habe ich einen Übersichtsplan von Istanbul etwas modifiziert (Bild rechts).

Wir finden alles wieder: Der Leanderturm heisst heute Kiz Kulesi, Aus Scutari ist Üsküdar geworden – nur der Top Hane Platz fällt etwas aus der Reihe. Denn dieser befindet sich nicht wie von Jules Verne beschrieben direkt am Kai von Galata, sonder in guter Entfernung zum Ufer (mein schwarzes Quadrat mit der nebenstehenden Vergrößerung).

Fangen wir mal mit Kerabans „Heimatbezirk“ in Istanbul an: Die Illustration einer Straße in Scutari (links, /3/) aus einem alten KERABAN ist ziemlich passfähig zu dem obigen nachträglich coloriertem Foto /4/. Und was stellt die alte Postkarte dar? Eine Straße in Scutari (Üsküdar) im 19. Jahrhundert. Der Künstler Léon Benett hat das Typische des alten Istanbul richtig in seinem Stich „eingefangen“. Es macht Spaß die alten Motive auf ihre Realitätsnähe zu überprüfen (Ich habe viele Bezüge zu „Vorlagen“ der Stiche, auch bei anderen Romanen gefunden. Die Motivrecherche muss also auch sehr gewissenhaft getrieben worden sein.)

Und jetzt betrachten wir einmal die kühne Seilverbindung über den Bosporus:

Laut unserem Roman hat Keraban mit dem Hochseilartisten Storchi eine Seilverbindung vom Leanderturm zum Top Hane Platz hergestellt. Wenn wir uns jetzt die Luftlinie zum Leanderturm ansehen, so haben wir eine riesige Entfernung: Von mir auf der alten Karte ermittelt sind das 2,2 Km, als Variante (1.) eingetragen (Quelle der Karte /2/)

Etwas optimaler sieht es allerdings aus, wenn man diese Verbindung an einer anderen Stelle einzeichnet. Denn wird die Verbindung vom Leanderturm zum Topkapi Palast bzw. natürlich dessen Park und Uferpromenade hergestellt, dann sind wie in (2.) eingezeichnet, nur noch 1,4 Km zu überbrücken. Sollte Verne mit dem Finger auf der Karte sich eine falsche Stelle ausgesucht haben? Der Verdacht liegt nahe.

So wie ganz rechts zu sehen /3/ zeichnete L. Benett die Überquerung und so wie oben dargestellt sah in einem alten Stich der Leanderturm, mit Sicht vom asiatischen Ufer Scutaris gesehen, aus (Quelle /1/).

Vergleichend dazu links noch mal ein privates Foto von 2005. Ich bin entlang der fiktiven Verbindung mit einem Boot gefahren. Beide „Brückenschläge“ sind nicht unerheblich in der Entfernung. In der bildhaften Darstellung der alten Stiche des Turmes ist die Entfernung zwischen den Ufern (also zwischen dem Betrachterstandpunkt und dem Ufer hinter dem Turm) stark untertrieben. Dies kann man auf dem Bild von der Fähre in Scutari auf meiner Keraban-Hauptseite ebenfalls feststellen. Sollte ein ähnliches Bild Verne zu seinem optimistischen „Seilverbindungen“ verleitet haben? Wie dem auch sei: Die zu sehende Übereinstimmung des Romans mit der Wirklichkeit, auch mit den alten Stadtansichten, ist auf jedem Fall beeindruckend. Wieder wird bewiesen, dass trotz einer fiktiven Fabel durchaus geografisch belastungsfähige Hintergrundinformationen weitergegeben werden.

Noch detaillierter als in der oberen Karte zu sehen, rechts noch einmal eine Vergrößerung der östlichen Seite des Bosporus. Damit soll die geografische Lage ergänzend zu den obigen Bildern verständlicher werden (Quelle /2/).

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© fehrmann 03/03, update 2. März 2009

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