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Collection FehrmannJules Vernes Voyages extraordinaires"- Band VE 27: Mathias Sandorf Detailsseite 2: Sandorfs Flucht aus dem Kastell - |
Die Flucht aus dem Kastell von Pisino (Katel Pazin)
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Es gibt zwei Hinweise auf die Ursachen der Detailtreue, denn Verne hat diesen Teil der Adria (obwohl er auch in Italien war) nicht persönlich in Augenschein genommen. In einer Tourismusinformation aus Pazin ist zu lesen, dass eine Grundlage die Beschreibung der Höhle unter Pazin und des Kastells durch die Veröffentlichungen des französischen Reiseschriftstellers Charles Yriarte waren. Der Jules Verne Club Pazin vermutet weiterhin eine umfangreiche Korrespondenz Vernes mit dem damaligen Bürgermeister von Pazin, Guisepe Cech. Die Paziner sind aufgerufen, alte Unterlagen und Archive zu durchforsten, um diesen Nachweis zu erbringen.
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Nach der Verhandlung, in der unsere Freunde zum Tode verurteilt wurden, wurde ihnen gestattet, die letzten Stunden ihres Lebens gemeinsam in einer ziemlich geräumigen Zelle des gleichen Stockwerks zu verbringen, die am Ende der großen Achse der Ellipse, die den Korridor bildete, lag. Durch eine Besonderheit der Akustik konnten die Gefangenen Mathias Sandorf, Ladislaus Szathmáry und Stefan Báthory erfahren, wer die Verräter ihrer Sache waren. Jetzt wollten sie nicht mehr ihren Tod in Kauf nehmen, jetzt galt es die Verräter ihrer gerechten Strafe zuzuführen dazu musste man aber fliehen! |
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An dieser Stelle muss ich eine geologisch/geografische Besonderheit erläutern. Durch Pazin fließt der Fluss Pazincica, im Buch mit dem italienischen Sammelbegriff Foiba belegt. Der Fluss endet in der Schlucht unterhalb des Kastells als Oberflächenlauf und er verschwindet in einer unterirdischen Höhle, die Pazinska jama genannt wird. 130 Meter Höhendifferenz trennen die Mauern des Kastells vom in der Schlucht liegenden Fluss, dessen weiterer Verlauf noch heute ungeklärt ist. Die Pazincica ergießt sich in ein Labyrinth von unterirdischen Seen, die in regelmäßigen Abständen durch Hochwasser einen Rückstau bilden. Offensichtlich ist also nur ein enger Abfluss unterirdisch vorhanden.
Über diesen Abgrund ragt eine Seitenmauer des Wachturms, von einigen wenigen Fenstern durchbrochen. Würde ein Gefangener sich aus diesem Fenster hinausbeugen, dann würde er entweder voll Angst zurückweichen oder, von einem jähen Schwindel erfasst, in die Tiefe stürzen. Sein Körper würde an den Felsen zerschellen und von dem reißenden Strom erfasst werden, dem zur Zeit des Hochwassers niemand wiederstehen kann.
Diese Schilderung spiegelt genau den oben von mir vorgestellten Sachstand und das rechts von mir über die Brüstung fotografierte Bild kann keine bessere Illustration für die von Verne gegebene Beschreibung des Abgrundes sein. Trotz der abschreckenden Bedingungen gelingt es Mathias Sandorf und Stefan Báthory sich aus dem Fenster zu schwingen und am Blitzableiter die Zelle zu verlassen. Der Dritte wird von den Wächtern an der Flucht gehindert. Die Flucht geht zeitlich einher mit einem schrecklichen Unwetter, welches den Bach in der Schlucht zu einem reißenden Fluss werden lässt. Noch während die Beiden den Abstieg am Blitzableiter wagen, schlägt in der Nähe ein Blitz ein und Stefan stürzt die letzten Meter an Mathias vorbei in den Abgrund. Abwärts gleitend lässt auch er das Kabel los und er versucht seinen Kameraden im reißenden Fluss zu finden. In den Strudeln des Flusses gelingt es ihm den fast ohnmächtigen Kameraden im Wasser zu retten. |
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Die Beiden werden mit voller Gewalt in den unterirdischen Fluss gezogen. Dabei gelingt es Sandorf sich an einen im Wasser treibenden Baumstamm zu klammern. Auch Báthory kann er auf den Stamm ziehen. Bald bemerkt er, dass die Höhle so flach ist, dass er mit der Hand die vorbeigleitende Höhlendecke anfassen kann. Panik macht sich breit: Wird der Schlund immer enger?
Auch diese Lokalität gibt es. Es handelt sich um den Lim-Fjord (italienisch: Canon di Lema, kroatisch: Limski zaljev).
Das auf meinem Foto links dargestellte Ende des Fjordes (ganz links im Bild) hat einen kleinen Strand und dahinter befindet sich zur Landseite ein Parkplatz für Besucher. Also auch im Frühjahr oder nach Regenfällen, ist dort nicht mit einem Einfließen von Wasser zu rechnen. Davon ich ich mich persönlich überzeugt (ich hätte so gern wenigstens einen eingetrockneten Wasserlauf gefunden!) Nach rechts führt der Wasserweg zur Adria, der sich so wie in diesem Bild zu sehen ist, malerisch zum Meer hin auftut (Blick von der Seeseite in den Lim-Fjord).
Und spätestens an dieser Stelle müsst ihr wieder zum Buch greifen! Durch
den Jules Verne Club Pazin werden alljährlich im Sommer die
Jules Verne Tage organisiert. Im Juni 2001 wurde aus diesem
Anlass die Flucht vom Kastell bis zur Küste von
Laienschauspielern nachgestaltet. Unter reger Anteilnahme der
zahlreichen Besucher (die der Route zu Fuss, per Rad und per
Schiff folgten) konnte so ein Stück Literatur lebendig
gemacht werden. Einen Link zum Club findet ihr auf meiner
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CREDITS: An dieser Stelle danke ich Davor iovic für die sachkundige Führung durch seine Heimatstadt und dem Kastell Pazin. |
Alle Fotos © Andreas Fehrmann 8/2001, die Illustrationen von L. Benett sind der Erstausgabe entnommen, sie wurden allerdings WEB-gerecht beschnitten und in der Darstellung optimiert.
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Copyright © Andreas Fehrmann 08/01, update 24. August 2003