Collection Fehrmann

Jules Vernes „Voyages extraordinaires"

- Band VE 34 -


Beispielbücher:


Buch oben: Verlag Neues Leben, Berlin 1983, 2. Auflage 1984, L-Nr.: 303(305/214/84 – CF /3402/); Buch unten: Fischer Taschenbuchverlag GmbH, Frankfurt am Main, Lizenzausgabe des Verlages Bärmeier & Nikel, Frankfurt am Main 1967 (stark gekürzter Text); 280-ISBN 3 436 01253 x (CF /3401/)




Quellen:

/1/ Dehs: Jules Verne – Eine kritische Biographie; Artemis & Winkler 2005; CF /5513/; Seite 496 Anmerkung 220

/2/ Verne Kein Durcheinander; A. Hartleben's Verlag 1893, Wien, Pest, Leipzig; Bekannte und unbekannte Welten 56. Band; CF /3405/, Bildzitat von Seite 72

/3/ Verne Sans dessus dessous; Bibliotheque D'Education et de Recreation J. Hetzel Paris; 18. Nov. 1889; Ausgabe mit Chromotyphographien; CF /3407/, Bildzitat von Seite 89

/4/ Zitat aus /2/, Seite 125

Kein Durcheinander (1889), auch: Der Schuß am Kilimandscharo

Die Originalausgabe erschien am 7. November 1889 unter dem Titel Sans dessus dessous bei Pierre-Jules Hetzel in Paris. Es gab von diesem Roman keine französische Vorabveröffentlichung. Das französische Wortspiel des Titels ließ sich leider nicht direkt in das Deutsche übertragen. Siehe dazu die Anmerkung ganz unten. Die Titelgebung soll auf einen Vorschlag Luis-Jules Hetzel (Hetzel jr.) zurück gehen. Verne hatte die Arbeitstitel Der moderne Titan, Die auf den Kopf gestellte Welt und Die Begradigung der Erdachse erwogen (Information aus /1/). Die erste deutschsprachige Ausgabe erschien bei Hartleben's Verlag Wien, Pest, Leipzig in der Collection Verne Band 56 im November 1891. Die erste deutschsprachige großformatige illustrierte Ausgabe aus der Reihe Bekannte und unbekannte Welten ... folgte 1893 (siehe rechts /2/).

Die Herren des Gunclubs machen wieder von sich reden (Bild links unten: Der Präsident des Clubs Barbican; Illustration von G. Roux, /2/), wobei sie erst nach einer anderen spektakulären Aktion in Erscheinung treten: Der bis dato noch unerforschte Teil des Nordpols steht zur Versteigerung an. Eine weltweite Ausschreibung sichert der ganzen Welt gleiche Chancen zu. Die Nationen entsenden Vertreter, die ihre Rechte wahrnehmen sollen. Doch die „North Polar Practical Association“, eine Bietergemeinschaft aus den USA überrundet alle. Als sich herausstellt, dass sich hinter dieser Firma Barbican & Cie verbirgt, also der Artilleristenclub, da gibt es die ersten Verwirrungen. Die Diskussion wird aber dann in Folge nochmals angeheizt, als bekannt wird, dass sich unter dem nordpolarem Eis mächtige Steinkohlelagerstätten verbergen sollen. Da diese aber in der eisigen Lage nicht zugänglich scheinen, hält sich der Neid der unterlegenen Bieter in Grenzen. Doch schnell tritt die ganze Tragweite des geplanten Unternehmens zu Tage.

Barbicane als ChromotypographieDenn den Strategen des Klubs ist es in den Sinn gekommen, die Erdachse zu verlagern. Wenn man diese so verschieben würde, dass der Nordpol in wärmeren Regionen käme, dann würde das Poleis abschmelzen. Auf diese größenwahnsinnige Idee ist T. Maston gekommen, ein amerikanischer Ingenieur und Sekretär des Gunclubs. Diese wandelnde Rechenmaschine ist eine kuriose Erscheinung. Aufgrund von früheren Sprengstoffversuchen trägt er statt der rechten Hand einen Eisenhaken und selbst seine Schädeldecke ist aus einer Art Gummiwerkstoff. Er hatte sich schon bei der vorangegangenen Mondreise des Clubs als technischer Vordenker mit Bravour geschlagen. Mit Besessenheit widmet er sich jetzt den neuen Berechnungen, denn durch eine geschickte Aufstellung eines Riesengeschützes und einem definierten Abschuss eines Geschosses soll die Erdachse in die vom Club gewünschte Position gerückt werden. Fieberhaft beschreibt er seine Tafeln, nur gestört von der etwas schrulligen reichen Witwe Evangelina Scorbitt, die nicht ohne Ziel seinen Umgang pflegt. Etwas genervt versucht er sich die Dame vom Leibe zu halten. Als sie ihn wieder eimal besuchen möchte, versucht Maston sie am Telefon, heute würden wir Wechselsprechanlage dazu sagen, abzuwimmeln. In diesem Augenblick schlägt der Blitz in die Anlage ein und Maston wird in seine Berechnungen geschleudert (siehe Bild rechts /3/). Zum Glück war im außer ein paar Blessuren nichts passiert, da sein Eisenhaken den Strom gut ableitete. Kurz darauf konnte er seine Formeln wieder herstellen, obwohl ihn seine Verehrerin auch dabei nervte.

Inzwischen setzt der Protest der gesamten Menschheit gegen das Vorhaben ein. Aber die Klubmitglieder lassen sich nicht von ihrem Wahnsinn abbringen. Aufgrund des befürchteten Durcheinanders tritt weltweit eine Art Untergangsstimmung ein. Die Artilleristen bauen ihre Riesenkanone in Form eines unterirdischen Schachts am Fuße des Kilimandscharos und der geplante Schuss wird abgefeuert. Aber o Wunder: Nichts passiert! Es stellt sich heraus, dass durch einen Rechenfehler, denn in einer Formel fehlen mehrere Nullen, die ganze Sache schief gehen musste. Man kann es schon ahnen: Ursache war die Panne mit dem Blitzschlag und die dann fehlerhafte Korrektur der Unterlagen. Trotz der mathematischen Pannen gibt es noch ein überraschendes Happy End, in dem auch die Witwe zum Zuge kommt ... nur der Mathematik schwört Maston für die Zukunft ab.

Anmerkungen: Und hier kann man über die weiteren Abenteuer des Gunclubs nachlesen: Die Reise zum Mond und Reise um den Mond.

Die Schwierigkeiten der Übersetzung des Titel „SANS DESSUS DESSOUS“, der im Original einen tieferen Wortsinn hat, ist den alten Hartleben-Ausgaben durch den Übersetzer eingefügt worden: „In der That, ihr Unternehmen rechtfertigte sehr wohl den Titel dieses Werkes. Heißt derselbe nicht richtiger »Kein Durcheinander« (Sans! [ohne] Durcheinander) wie »Köpfe, in denen Alles durch einander geht (Sens = Sinne, Köpfe. Wieder ein nicht zu verdeutschendes Wortspiel. D. Uebers.), weil es dabei kein Oben und kein Unten (also ein richtiges Durcheinander) und, nach dem Ausdrucke Alcide Pierdeux's, einen allgemeinen Mischmasch geben sollte?“ /4/

 NACH OBEN - SEITENANFANG

RETURN to Verne ListRETURN zurück zur Vorseite (RETURN)

Hinweis: Beschrieben werden nur in meiner Sammlung befindliche Bücher und Verfilmungen. Dargestellte Bücher sind Beispiele daraus.

Zur Seitenübersicht (Site - Map)

© Andreas Fehrmann 07/00, letzte Aktualisierung 1. Januar 2016