Collection Fehrmann

Jules Vernes „Voyages extraordinaires"

- Band VE 47 -




© 1984 Pawlak Taschenbuchverlag, Berlin, Herrsching. ISBN: 3-8224-1078-0 - Nachdruck v. Verlag A. Hartleben, Inh. Dr. W. Rob, Wien I. Ungekürzte, nur orthographisch angepasste Ausgabe. Pawlaks Collection Jules Verne Band 78 und 79 (CF /4701/).

Wer die unten abgebildete Karte der Insel Neue Schweiz detailliert und komplett sehen möchte, der muss diesem internen Link folgen: KARTE: ILE NOUVELLE SUISSE


Diese Karte aus einer alten Hetzelausgabe: Seconde Patrie; Bibliotheque D'Education et Recreation, J. Hetzel & Cie Paris 1900 mit Chromotypographien (CF /4705/, Bild unten); Bildzitat von Seite 153. Hinweis: Die Karte ist im Original in s/w; Einfärbung von mir. Karte ist Bestandteil des Textes (fortlaufende Seitenzählung, während die Chromos eingefügt sind und keine Seitenzählung haben)

prächtige SECONDE PATRIE Ausgabe

Das zweite Vaterland (1900)

Die Originalausgabe erschien als erster Teil am 26. Juli 1900 und als Teil zwei am 19. November 1900, beide unter dem Titel Seconde patrie bei Pierre-Jules Hetzel in Paris. Die Bände wurden von George Roux illustriert (siehe dazu weiter unten: „Die Originalillustrationen“). Die frühe deutschsprachige Ausgabe erschien 1901 bei Hartleben (siehe rechts CF /4703/).

Dieser Roman wurde von Verne unter dem Zeichen der Rückbesinnung geschrieben. Wie auch schon bei anderen Romanen und Kurzgeschichten aus der Zeit von Mitte der Neunziger bis zu seinem Tode, greift er auf den Fundus seiner literarischen Erstlinge oder auf Lieblingsbücher seiner Jugend zurück. Was hat es mit dem Jugendbuch Jules Vernes auf sich? Der Versuch einer Beantwortung der Frage ist auf meiner Seite  Johann David Wyss - Der Schweizerische Robinson zu finden. Dieses Buch war ihm schon Inspiration bei Onkel Robinson - jetzt schrieb er es einfach weiter ...

Für den Leser der bereits Wyss gelesen hat, stellt sich anfangs Verwirrung ein. Habe ich das nicht schon gelesen? Vernes Roman beginnt wirklich mit einer Wiederholung der Schilderung des Schiffbruchs im Original und sogar die letzten Jahre des Vorgängers werden nochmals nacherzählt (Bild links: Rettung der notwendigsten Dinge aus dem Schiffswrack, Darstellung aus der alten Hetzelausgabe, Details siehe ganz unten). So ist die Inselgemeinde um die schweizerische Familie Zermatt inzwischen um die Schiffbrüchige Jenny und die englische Familie Wolston erweitert worden, denn Letztere ist durch eine englische Korvette auf die Insel gekommen (Bild unten: Gemeinsames Essen an Bord der Korvette, Bild aus einer alten Hetzelausgabe; Details siehe ganz unten) . Mit dem gleichen Schiff verlassen Jenny und Fritz - die sich verlobten - und sein Bruder Franz die Insel. Nach zirka einem Jahr wollen sie wieder zurückkehren. Was sich dann im ersten Band anschließt, ist schlicht weg die Beschreibung der weiteren Urbarmachung der Insel, wobei das praktische Ingenieurwissen Wolstons allen zu Hilfe kommt. Die Rückkehr der Englandbesucher zieht sich hin und die Lage verschlimmert sich durch das plötzliche Auftauchen von Eingeborenen, die mit kleinen Booten zur Insel „Neue Schweiz“ verschlagen wurden.

Im zweiten Teil des Romans sehen wir die Geschichte aus Sicht des jungen Paares, denn Jenny und Fritz haben inzwischen geheiratet. Mit Bruder / Schwager und einigen Freunden wollen sie nun zur Insel zurück. Da die planmäßige Abfahrt der Korvette durch eine Reparatur hinausgezögert wird, beschließen die Reisenden nicht länger zu warten. Man schifft sich auf ein anderes Schiff ein. Boshafter Weise wird dieses durch Meuterer an sich gerissen und die Reisenden werden mit dem Kapitän und seinen Getreuen in einem kleinen Beiboot inmitten des Indischen Ozeans ausgesetzt. Nach tagelanger Windstille können die Unglücklichen an einer unwirtlichen Insel, inmitten von Klippen und baumlosen Felsen landen. Dieser Felsgürtel macht den Zugang zur restlichen Insel unpassierbar. Die Lage spitzt sich dramatisch zu, als dann auch noch ihr Boot bei einem Sturm am Ufer zerschellt. Durch einem Glücksumstand begünstig findet man einen Höhlenweg durch den Felswall und kurz darauf stellen die Schiffbrüchigen fest, dass sie auf der „unfreundlichsten“ Stelle der „Neuen Schweiz“ gelandet sind (was dem geübten „Verne-Leser“ schon vorher klar war ...). Erfreut macht man sich auf den Weg zur Siedlung. Diese wurde aber inzwischen von den Wilden überfallen, die Zermatts und Wolstons mussten sich auf ein vorgelagertes Eiland retten. Man schafft es sich zu vereinigen, aber die Freude ist nur kurz: Die Eingeborenen stürmen das Eiland. In letzter Minute kommt die englische Korvette, die eigentlich nur mit Gütern und der Aufgabe die Insel für England in Besitz zu nehmen unterwegs war, und alle werden gerettet. Schlussszene: Die Kolonie blüht auf und hat nach kurzer Zeit über 2000 Bewohner.

Über dieses und andere Inselabenteuer von Jules Verne berichte ich auf der internen Seite: Robinsonaden bei Jules Verne. Und wie schon erwähnt: Hier gibt es Hinweise zur „Vorlage“ Johann David Wyss - Der Schweizerische Robinson

Illustration vom Original Seite 128/129Die Originalillustrationen des Buches: Das zweite Vaterland

Als ich in wieder einmal im 1864er Jahrgang des Magasin d'Éducation et de Récréation blätterte, sah ich mir unter anderem den Robinson Suisse von Wyss in der für Hetzel erstellten Übersetzung an. In der gleichen Ausgabe begann Vernes Vorabveröffentlichung seines Romans Hatteras. Aber zurück zum Robinson Suisse: Einige der Illustrationen machten mich stutzig. Wo hatte ich die schon gesehen? Richtig – in Vernes Roman Das zweite Vaterland. Nur das es eigentlich umgekehrt war. Zuerst waren sie im Robinson und dann wurden sie vom Hetzel-Verlagshaus einfach weiter genutzt. Dabei handelt es sich um die Bilder, die in Vernes Roman ab dem viertem Kapitel: Die Vergangenheit der Neuen Schweiz. - Ein Rückblick auf zehn Jahre eingefügt wurden. Interessant ist, dass dies in den Aussagen zu den Illustrationen keine Berücksichtigung findet. So wird in den französischen Büchern Seconde Patrie stets von 67, in einigen Quellen von 68 Illustrationen geschrieben. Das sind die, die von George Roux entworfen und von den Xylographen Clément, Duplessis, Froment, Guerelle, Hamel, Mathieu, Maylander, Pannemaker und Puyplat graviert wurden. Von den ebenfalls verwendeten Bildern von Yan'Dargent, die bereits von 1864 stammen, ist keine Rede. In diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, das die deutschen illustrierten Hartleben-Ausgaben von 73 Illustrationen im Titel sprechen, denn dort wurden die Ergänzungen mitgezählt. Dies ist auch die Zählwiese die sich der französische Autor Jauzac in seiner Bibliografie zu eigen gemacht hat, nämlich 65 Illustrationen von Roux, 6 von Yan'Dargent und ergänzt wird das Ganze von 2 Karten. Noch eine Bemerkung für die Kenner JEDER Illustration der Bücher Vernes: Mit vorgenanntem Zusammenhang sind nicht die zahlenmäßigen Abweichungen zwischen dem Vorababdruck von Seconde Patrie im Magasin vom 1. Januar 1900 und der später leicht zeitversetzt erschienenen Hetzel-Buchausgabe gemeint (dort sind zwei Bilder mehr im Magasin), sondern wirklich der Ursprung einiger Bilder.

Bildbeispiele: Oben links im Text das Original von Yan'Dargent im Robinson Suisse (Magasin 1. Halbjahr 1864; Seite 58), wieder zu finden u.a. bei Hartleben Das zweite Vaterland 1901 zur Illustrierung der Seite 50 mit der Bildunterschrift: „Die steigende Fluth trieb das Wasser dem Strande zu.“. Rechts im Text: Ein Beispiel der extra von Roux geschaffenen Bebilderung des Romans Das zweite Vaterland, hier in der Situation „nach einer vortrefflichen Malzeit an Bord“ (zu Seite 38). Links ein Beispiel der von Roux geschaffenen Chromotyphographien, die nur in den aufwändigeren franz. Ausgaben zu finden sind (Bild zwischen den Seiten 128 und 129; CF /4705/).

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Hinweis: Beschrieben werden nur in meiner Sammlung befindliche Bücher und Verfilmungen. Dargestellte Bücher sind Beispiele daraus.

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© Andreas Fehrmann 11/01, letzte Aktualisierung 25. Dez. 2011