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Collection Fehrmann Jules Vernes „Voyages extraordinaires*"Jules Verne - Short Stories (* Dieser Band ist nicht offizieller Bestandteil der VE) |
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Das Original:
Im deutschsprachigen Raum erschien die Kurzgeschichte unter anderem in diesen Büchern:
/2/ Originalfrontispiz oben rechts im Text „Le Docteur Ox“ von 1874 aus „Magasin d'Éducation et de Récréation“ Macé / Stahl / Verne; Paris 1874 20me volume S. 343 – CF/6601/
Quellen / Zitate aus „Drama in den Lüften“ (siehe oben):
/3/ ebenda, Seite 41 /4/ ebenda, Seite 42 /5/ ebenda, Seite 70 /6/ Illustration aus Verne: „Le Docteur Ox“, Hetzel & Cie Paris 1875; Les Voyages Extraordinaires; mit 212 Seiten CF /K0205/; Bildzitat von Seite 96 von Th. Schuler /7/ Bildzitat aus /1/ Seite 232 |
„Meister Zacharius“ (1854, 1874 in Buchform veröffentlicht)
Vor einer nicht näher definierten Zeit, die wahrscheinlich zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert angesiedelt ist, wohnt am Rande des Genfer Sees in der damals noch kleinen Stadt Genf der Uhrmachermeister Zacharius. Sein Haus und die Werkstatt ist auf einer kleinen Rhone-Insel im Zufluss des Sees gebaut, recht abenteuerlich auf schon ziemlich verrotteten Pfählen gegründet. Zacharius, Uhrmacher mit Leib und Seele, hat einige kleinere Erfindungen gemacht, die ihm als Mechaniker einen über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Ruf verschafften. Gerade seine von ihm entwickelte Ankerhemmung brachte ihn eine Anerkennung, die ihn mit Stolz, aber auch mit Überheblichkeit erfüllte. Seine Uhren, die sich durch eine hohe Genauigkeit und Präzision, gepaart mit künstlerischen Anspruch auszeichneten, waren die Grundlage für ein materiell recht abgesichertes Leben.
Er hatte sich eine ganz besondere Philosophie zu eigen gemacht, die er auch seinem Gesellen vermittelte wollte, der aber eine andere Einstellung zur Arbeit hatte als der Meister. So sprach Zacharius zu ihm: „... Du fühlst nicht, dass diese Metalle, die durch meine Genialität zum Leben erweckt wurden, zu pulsieren beginnen wie lebendiges Fleisch! Deshalb würde dich der Tod deiner Werke nicht umbringen, dich nicht!“ /3/ In seiner Verblendung bekannte er Aubert, dass er „.... hinter dem Geheimnis des Lebens gekommen bin (war), hinter der geheimnisvollen Verbindung zwischen Seele und Körper!“ /4/ In weiteren blasphemischen Äußerungen vergleicht er sich zunehmend mit Gott, dem er sich durch seine Arbeit und seinen Schöpfungen zumindest gleichgestellt sieht. Der zur Glaubensfrage erhobene Konflikt zerfrisst zunehmend Zacharius. Als dann auch noch die ersten Kunden kommen, die ihm seine inzwischen allesamt defekten Uhren zurückbringen, sieht er sich von der Welt missverstanden und er leidet zunehmend auch körperlich darunter. In dieser Phase taucht ein sonderbares Männchen auf, skuril beschrieben wie eine vermenschlichte Uhr. Dieses Männchen besuchte den Meister, verfolgte aber selbst unterwegs in der Stadt die Kinder. In welcher Beziehung stand es zu Meister Zacharius? Gérande war zutiefst beunruhigt, zumal das vor sich hin meckernden Männchen auch äußerte: „Gérande wird Aubert nie heiraten!“ Inzwischen schwant der Tochter, dass ihr Vater den rechten Glauben verloren hat. Sie beschließt, neben ihren alltäglichen Gebeten soll auch ein Besuch des Vater in der örtlichen Sankt-Peters-Kirche diesen läutern. Gerade vor diesem Zeitpunkt wurden die letzten vom Meister gebauten Uhren zu ihm zurückgebracht. Die Kunden waren rigoros: Sie verlangten ihr Geld zurück, da die Uhren unbrauchbar waren. So musste er sich im Laufe der Zeit von seinen bescheidenen Wohlstand trennen, Armut kehrte in das Haus ein. Der Tag kam und Gérande konnte ihren Vater zum Kirchenbesuch überreden, war er doch wirklich schon lange nicht mehr beim Gottesdienst gewesen, was natürlich von den Genfer Mitbürgern misstrauisch registriert wurde. Aber Zacharius ist nicht der demütige Kirchgänger. Voller Hochmut bleibt er in der Kirche stehen, die Worte von der Kanzel dringen nicht zu ihm. Da passiert etwas, was den Alten bis in sein Innerstes trifft: Die Kirchenuhr, bis dato noch genau gehend, bleibt in mitten des Gottesdienstes kurz vor zwölf Uhr stehen! Besinnungslos bricht der Greis zusammen. Nach Hause gebracht schwant ihm, das seine Zeit abgelaufen ist. Völlig geschwächt verspricht er Aubert die Hand seiner Tochter. Dann aber bäumt er sich auf. Er will nicht sterben! Einer Ahnung nachgehend durchblättert er seine Auftragsbücher. Alles Uhren wurden zurückgegeben, alle bis auf eine! In einer Art Fieberwahn bildet er sich ein, dass sein Leben an die Existenz dieser Uhr gekoppelt ist. Er muss sie wiederfinden!
Der schon mehrfach erhobene Zeigefinger Vernes wird nun in der Erzählung besonders deutlich. Die gesuchte Uhr, ein Meisterwerk der Uhrmacherkunst, wurde so gebaut, dass sie in regelmäßigen Abständen über eine sinnreiche Mechanik fromme Sprüche in einer Anzeige zum Besten gibt. Jetzt erscheinen aber blasphemische Aussprüche, wie zum Beispiel: „Der Mensch kann Gott gleich werden“. „Aubert und Gérande sahen sich verblüfft an. Das waren doch nicht mehr die orthodoxen Devisen eines katholischen Uhrmachers! Da musste schon der Satan mitgespielt haben!“ /5/ Wird dem Leser erst suggeriert, dass sich hinter Pittonaccio, dem wundersamen Männlein die Zeit verbirgt, wird jetzt die Parallele zum Teufel gezogen. Oder wird die Zeit als Teufelswerk angesehen? In einem furiosen Finale zerbirst die Uhr, Pittonaccio verschwand mit einer Gotteslästerung auf den Lippen im Boden und der Meister stirbt (siehe Bild rechts: Pittonaccio und der Meister in der Originalausgabe des Musee in der Sterbeszene /7/) Nachtrag: War dies nun eine katholische Geschichte über die existentielle Gefahr in die sich ein Mensch begibt, wenn er dem Glauben abtrünnig wird? Irgendwie erinnert mich der Ansatz der Kurzgeschichte doch an die damals kursierenden Traktätchen missionierender Weltverbesserer. Sah sich der Katholik Jules Verne dazu innerlich berufen? |
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Hinweis: Beschrieben werden nur in meiner Sammlung befindliche Bücher und Verfilmungen. Dargestellte Bücher sind Beispiele daraus. |
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© Andreas Fehrmann 03/04, update 8. Oktober 2008