|
Quellen:
/1/ Jean
Demerliac:
„L'Odyssee Jules Verne“ Albin Michel, Arte Editions,
Paris 2005; Bildzitat von Seite 82 – CF /5713/
/2/
Jules Verne et André Laurie: „L’Épave
du Cynthia“ Pierre-Jules Hetzel - Bibliotheque
D'Education et de Recreation Paris, Ausgabe 1885 - CF /8201/
/3/ Max Popp:
Julius Verne und sein Werk; A. Hartleben's Verlag Wien und
Leipzig 1909; Zitat von Seite 97 – CF /5503/
/4/ Volker Dehs:
„Jules Verne – Eine kritische Biographie“;
Artemis & Winkler 2005; Zitat von Seite 277 - CF /5513/
/5/ aus /2/,
Bildzitat von Seite 54

|
„Das
Wrack der Cynthia“ (auch: „Der Findling vom Wrack der
Cynthia“, eigentlich: „L’Épave du
Cynthia“ - 1885)
Der
Roman „L’Épave du Cynthia“ wurde 1884
von André Laurie (dem Pseudonym von Pascal Grousset
1844 – 1909, siehe Bild links /1/) geschrieben und er
erschien 1885 in einem Band mit 22 Kapiteln unter der angegebenen
Autorenschaft von Jules Verne und ihm. Die Reihenfolge der
Veröffentlichungen war wie folgt: Eine
Vorab-Veröffentlichung gab es unter dem genannten Titel im
„Magasin ...“ Band 41 vom 1. Januar 1885 bis zum Band
42 am 15. November 1885. Leicht zeitlich versetzt erschien
„L’Épave du Cynthia“ Ende des Jahres
1885 mit 266 Seiten und 27 Illlustrationen von George Roux (siehe
/2/, es ist genau dieses Exemplar) bei Pierre-Jules Hetzel in
Paris. Das Buch wurde nicht in die Voyages Extraordinaires
integriert, was auch dem Vortitel zu entnehmen ist, dort fehlt
die bekannte Kopfzeile, sowie dem Buchformat (ca. 22 x 16 cm =
8°). 1886 erschien dann eine 342-seitige Ausgabe im „in-18
Format“ (ca. 27 x 19 cm), ebenfalls von Roux illustriert.
Das Verne als Autor genannt wurde, ist eine reine
Marketing-Maßnahme der damaligen Zeit gewesen. Hetzel als
Verleger wollte vom Bekanntheitsgrad Vernes profitieren. Das dies
kein Geheimnis war, wusste schon der Verne-Biograph Popp 1909 zu
berichten: „Nur einen Roman hat Verne in Mitarbeit mit
einem anderen Schriftsteller verfaßt, es ist dies die
ausgesprochene Jugenderzählung »Der Findling vom Wrack
der Cynthia«.“ /3/, was aber so nicht ganz korrekt
war. Denn Vernes Mitarbeit war wesentlich geringer. So lesen wir
bei Volker Dehs: „Einer persönlichen Notiz von
Louis-Jules Hetzel (Anmerkung A.F: Dem Sohn des Verlegers
Pierre-Jules Hetzels) zufolge sollte >L’Épave du
Cynthia< in die Reihe der >Außergewöhnlichen
Reisen< integriert werden, sobald der Erfolg dies
gerechtfertigt hätte – doch dieser blieb aus ( ... ).
Groussets erhaltenes Manuskript zeigt, dass sich Vernes
Korrekturen wie bei Marcels Geschichtswerken zum Großteil
auf Kürzungen und sprachlichen Verbesserungen beschränkten;
von einer persönlichen Zusammenarbeit der beiden Autoren
kann also auch in diesem Fall keine Rede sein.“ /4/. Um
noch mal auf Popp zurück zu kommen: Seine Aussage
widerspiegelte den damaligen Wissensstand. Inzwischen ist auch
bekannt, dass Vernes Werk
„Die
500 Millionen der Begum“ auf
einer Vorlage von Grousset's basieren. Weitere Details sind auf
vorgenannter Seite nach zu lesen. Aufgrund der nur geringfügigen
Beteiligung von Jules Verne an der „... Cynthia“
wurde das Werk in der
“Complete
Jules Verne Bibliography by Volker Dehs, Zvi Har'El & Jean
Michel Margot“ unter
X. Apocrypha, Nummer 2 erfasst. Das Buch wurde noch nicht
in deutscher Sprache verlegt.
Um
den norwegischen Jugendlichen Erik Hersebom ranken sich
Geheimnisse. Der mit einer bemerkenswerten Intelligenz
ausgestattete Erik wurde in jungen Jahren vom Fischerehepaar
Katrina und Maaster Hersebom als Findelkind im Alter von nur
wenigen Monaten aufgenommen. Wie durch ein Wunder war dem
Untergang des Schiffes „Cynthia“ lebend entkommen.
Aber welcher Nationalität gehört er an? Rein vom
Äußerlichen unterscheidet er sich schon von den
nordländischen Völkern. Als er in das schulfähige
Alter kommt, hebt er sich merklich vom Intellekt der anderen
Fischerkinder ab. Glücklich und wohlbehalten wächst er
in der Familie Hersebom auf (Bild links: Erik auf seinem
Stammplatz im Kreise der Familie. Vanda, die Tochter Hersebom's
schenkt ihm ein /5/).
Aber die
Begabung Eriks spricht sich herum und so nimmt sich der wohl
habene Doktor Roff Schwaryencrona Eriks an, um ihm in Stockholm
eine höhere Ausbildung zu ermöglichen. Durch den Doktor
gefördert nimmt er eine medizinische Ausbildung auf, aber im
Herzen hat er andere Ambitionen. Zum einen zieht es ihn in die
Ferne und außerdem möchte er das Rätsel seiner
Herkunft lösen. So geht Erik später zur See.
Wie durch ein
Wunder scheint es einen Zeugen des damaligen Untergangs der
„Cynthia“ zu geben: In New York erfährt Erik,
dass es einen Iren Patrick O'Donoghan geben soll, der zu
damaliger Zeit unter Heuer auf dem Schiff war. Aber wo kann man
ihn finden? Durch einen norwegischen Forscher wird Erik auf die
Spur gebracht. Sie soll zur Insel Liakow quer durch das polare
Eis nach Sibirien führen... Als Eriks Mäzen
Schwaryencrona davon erfährt, beschließt er, den
Jungen bei seiner Suche zu unterstützen. So rüstet er
das Expeditionsschiff „Alaska“ mit aus, welches die
Nord-West-Passage erforschen soll. Da dies auch das Ziel Eriks
ist, kann man dies miteinander verbinden und Erik heuert als
Offizier an. Aber das Glück scheint den jungen Mann zu
verlassen, denn auf den Zeugen wird ein Attentat verrichtet. Der
Amerikaner Tudor Brown scheint berechtigtes Interesse daran zu
haben, dass es keinen Zeugen des Unglücks gibt. Aber auch er
stirbt bei der Auseinandersetzung und so verliert Erik die
scheinbare Spur zur Lösung seine Geheimnisses.
Doch der Autor
hat eine Lösung parat: Wie durch ein Wunder melden sich nach
der Schilderung der dramatischen Ereignisse in den Druckmedien
die letzten Blutsverwandten Eriks: Seine Mutter und sein
Großvater leben noch in Paris! Und so findet zusammen, was
zusammen gehört (siehe linkes Bilddetail im Frontispiz).
Aber das Finale wird noch theatralischer: Der inzwischen zum
reichen Erben gewordene Erik kann die Tochter seiner Zieheltern,
Vanda Hersebom in seine Arme schließen. Vorhang zu!
|