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 Oben:
Fischer Taschenbuchverlag GmbH, Frankfurt am Main © Verlag
Bärmeier & Nikel, Frankfurt am Main 1967, Band JV 10,
JV10-280-ISBN-3-436-01252-1, neu übersetzt (und gekürzt
!!) v. L. Beier (CF /1801/) - Buch unten: © Verlag Neues
Leben, Berlin 1976, 1. Auflage, L-Nr. 303(305/94/76) CF /1802/

/1/ ©
Librairie Hachette Paris; Collection Hetzel / Les Voyages
Extraordinaires „Les cinq cents millions de la Bégum“,
ca. 1918 (CF /1805/)
/2/ Jean
Demerliac:
„L'Odyssee Jules Verne“ Albin Michel, Arte Editions,
Paris 2005; Bildzitat von Seite 82 – CF /5713/
/3/ Ostwald, Th.:
Jules \/erne — Leben und Werk, Zitat von Seite 136 -
Details zur Unterlage siehe
Quelle
/4/ .
/4/ Bildzitat aus
/1/ Seite 133 in Referenz zur Seite 130 (in der Kasematte)
/5/ Julius Verne:
„Die fünfhundert Millionen der Begum“ Verlag A.
Hartleben's Wien Pest Leipzig 1881; Zitat von Seite 93
/6/ K. K.
Österreichisches Central-Comité der Weltausstellung
zu Paris 1867 (Hrsg.): „Bericht über die
Welt-Ausstellung zu Paris im Jahre 1867 (Band 2): Werkzeuge und
Maschinen (IV)“; Verlag Wilhelm Braumüller, Wien 1869
- Bildzitat von Seite 453 - Mit freundlicher Genehmigung der
Universitätsbibliothek Heidelberg (Schrb. v. 23.01.2008 Hr.
Jens Dannehl)
/7/ D.
Von Henk: „Zur See“, Hamburg 1892, Verlagsanstalt
und Druckerei AG; Bildzitat von Seite 65 „Krupp'sche 40 cm
Kanone in hoher Rahmenlafette mit hydraulischer Rücklaufbremse
auf dem Schießplatz bei Meppen“
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„Die 500
Millionen der Begum“ (1879)
 Die
Originalausgabe erschien am 18. September 1879 unter dem Titel
„Les cinq cents millions de la Bégum“ bei
Pierre-Jules Hetzel in Paris (übrigens gemeinsam in einem
Band mit:
„Révolté
de la Bounty“). Buch rechts /1/.
Interessant ist die Entstehung des Romans. Hetzel kaufte nämlich
die Grundidee des Buches als Manuskript von Pascal Grousset
(1844 – 1909) (Siehe Bild links /2/). Unter dem Titel
„L'Héritage de Langevol“ (Das
Langevol-Vermächtnis) hatte Grousset die Auseinandersetzung
der von einem Deutschen straff geführten Industriestadt mit
einer französischen Idealstadt, genannt „Hygeia“,
beschrieben. Jules Verne erhielt den Stoff zur Überarbeitung,
die dann noch ziemlich umfangreich war. Eine noch intensivere
Nachnutzung von Materialien Grousset's fand im Roman
„Das Wrack
der Cynthia“ statt. Weitere Details sind
dort nachzulesen.
Wie
schon mehrfach bei Verne als Stilmittel genutzt, ist der
„Aufhänger“ der Geschichte eine
Erbschaftsangelegenheit. 500 Millionen, das Vermögen einer
indischen Prinzessin, warten auf einen Erben: Als Erbfolger wird
der „nette“ französische Arzt Dr. Sarrasin
ermittelt, der sein Glück noch gar nicht fassen kann.
Sofort schmiedet er große Pläne: Er möchte mit
dem Geld eine moderne und blühende Stadt, nach streng
hygienischen Gesichtspunkten errichten. Doch plötzlich
meldet sich noch jemand, der Anspruch auf die Millionen erhebt:
Es ist der deutsche Professor Schultze. Auch er ist voller Pläne
und auch er will eine Stadt bauen. Doch diese steht völlig
konträr zu den Vorstellungen des anderen Erben: Schultze
baut ein Stahlimperium auf, eine Industrieansiedlung nach
Krupp'schen Muster: Waffenschmiede für Geschütze und
Kanonen.
Nach kurzer
Zeit sind die Pläne Realität geworden: Der sauberen
und idealisierten Stadt France-Ville steht in unmittelbarer Nähe
der düstere und Unheil verkündende Ort Stahlstadt
gegenüber. Es dauert nicht lange und ein Konflikt bahnt
sich an. So verwundert es auch nicht, als Schultze eine
Riesenkanone mit einem geheimnisvollen Geschoss auf seinen
vermeintlichen Gegner richtet - der Musterstadt droht Gefahr.
Eine
letzte Chance sieht der junge elsässische Ingenieur Marcel
Bruckmann. Er kann sich in Stahlstadt einschleichen und das
Vertrauen des Professors gewinnen. Doch ihm droht Gefahr, denn
der „Vater“ der Riesenkanone und der Geheimwaffe
lässt keinen Mitwisser zu. Doch Marcel kann heimlich
fliehen. Sofort versucht er in France-Ville „Entwarnung“
zu geben – eine direkte Bedrohung durch das Riesengeschoss
besteht nicht – die Flugbahn wurde falsch berechnet.
Schultze macht ernst und läßt France-Ville
beschießen. Marcel hatte recht: Der Schuss verfehlt und
geht „in die Luft“.
Kurz
darauf wird es ruhig um Stahlstadt, Gerüchte das Schultze
Bankrott ist kursieren und aus der Stadt kommen keine
Lebenszeichen mehr. Als Bruckmann mit einem Freund das Rätsel
lösen will, findet er Schultze nur noch tot vor. Er hatte
ein Geschoss entwickelt, welches keinen Schaden an Gebäuden
anrichten, aber durch eine „Vereisung“ das Leben
auslöschen sollte (die Wirkung erinnerte mich in fataler
Weise an die in den letzten 70er/80er Jahren diskutierte
Neutronenbombe). Durch einen Defekt an der Waffe hatte sich der
Erfinder in seiner Schaltzentrale selbst gerichtet.
Die
Entstehungsgeschichte dieses Romans ist etwas ungewöhnlich:
Der Verleger Hetzel kaufte die Romangrundlage und deren Rechte
dem im Londoner Exil lebenden Franzosen André Laurie ab.
Diesen nicht veröffentlichte Entwurf mit dem Titel:
„L'Heritage de Langévol“ (Das
Langevol-Vermächtnis) sandte er 1878 an Jules Verne. Nach
dessen Überarbeitung entstand dann „Die 500 Millionen
der Begum“.
Einige
Kritiker sehen in der Schilderung der Stadt von Schultze die
Vorwegnahme einer Beschreibung eines faschistoiden Systems, und
wirklich hat die Szenerie etwas beklemmendes. Dazu trägt
auch bestimmt die ständigen Waffenbedrohung von Schultzes
Diktatur und die im Roman agierenden „Typen“ Arminus
und Sigimer bei, die sofort an spätere Rassenfanatiker und
deren installierte Mechanismen der Gewalt erinnern. „In
diesem Roman kommt überdeutlich Vernes Ablehnung gegenüber
dem deutschen Wesen, das er mit dem Militarismus eng verbindet,
zum Ausdruck. Die Wurzel für dieses Verhalten lag sicher in
den Ereignissen des deutsch-französischen Krieges, den
Jules Verne ja aus nächster Nähe erleben mußte.“/3/
Die
Riesenkanone Schultzes
  Schultze,
der in Marcel einen potentiellen Mitstreiter sieht, zeigt dem
jungen Mann selbstzufrieden sein Imperium. Schließlich
gelangen in die so genannte Kasematte, in der eine riesige
Vernichtungswaffe steht. (Bild links /4/) „Dieses
Granitbauwerk, dessen Festigkeit auf den ersten Blick
einleuchtete, bedeckte eine Art Kasematte mit mehrfachen
Schießscharten. In der Mitte derselben stand eine
ungeheure Kanone aus Gußstahl. »Sehen Sie hier!«
sagte der Professor, der bisher den Mund nicht mehr aufgethan
hatte. Es war das größte Belagerungsgeschütz,
das Marcel je gesehen, als Hinterlader eingerichtet und
mindestens 300.000 Kilogramm schwer. Der Durchmesser seiner
Mündung erreichte einundeinhalb Meter. Das Ungethüm
mit seiner auf Rollen laufenden Stahl-Laffete war doch so leicht
zu regieren, daß ein Kind zu seiner Bewegung hingereicht
hätte so ausgezeichnet arbeitete der sinnreiche
Mechanismus. Hinter der Laffete hielt eine gewaltige Feder den
Rückstoß des Geschützes auf und diente
gleichzeitig dazu, dasselbe nach jedem Schuß wieder in
seine vorige Lage zu bringen. »Und welche
Perforationskraft besitzt dieses Geschütz? fragte Marcel,
den ein solches Meisterstück unwillkürlich in
Erstaunen setzte. Auf zwanzigtausend Meter durchbohren wir mit
einem Vollgeschoß eine vierzigzöllige Platte wie eine
Butterschnitte!“ /5/
Wie
schon einleitend erklärt, basierte die ursprüngliche
Geschichte auf eine Idee von Grousset. Die ernsthafte
Auseinandersetzung der widersprüchlichen Kräfte und
die detailreichen Beschreibungen der Waffensysteme sind
Schöpfungen von Verne. War die o.g. Beschreibung nun aber
auch eine Phantasie Vernes? Die Geschossart war eine Idee des
Autors. Aber die Dimensionierung der Kanone hatte fast eine
Entsprechung in der Realität. Auf der 1867 in Paris statt
gefundenen Weltausstellung wetteiferten die Nationen um eine
möglichst überzeugende Darstellung der kommerziellen
und der wissenschaftlich-technischen Errungenschaften. Dazu
gehörte zum damaligen Selbstverständnis auch der
Wettstreit der Industrienationen, möglichst gigantische
Waffen zum Beweis eigener Stärke auszustellen. Neben
Frankreich und England wurde dies auch von Deutschland
wahrgenommen. Besonders beindruckend war die Ausstellungsfläche
von Krupp, der neben seinen riesigen Schmiedehammern auch
moderne Waffensysteme zur Schau stellte. Dazu rechts oben, neben
der Romanillustration, ein Bild von der Pariser Weltausstellung
1867 /6/. Was lag für Verne näher, als bei einer
Beschreibung einer Waffe die an die Entwicklung von Krupp
angelehnt sein sollte, eine allgemein zugängliche Quelle
für die Riesenkanone nach Krupp'scher Bauart zu benutzen?
Verne war bekannt für sein Quellenstudium und der Ablage in
seinem riesigen Zettel-Karteikasten-System. So vermute ich, dass
die damaligen Publikationen, denn das „Säbelrasseln“
gehörte zum Umgangston der Militärs, auch bei ihm
Eingang fanden. Details zum Bild der Weltausstellung /6/: 1.000
pfündige Hinterladungs-Kanone (1.000 ist das gussstählerne
Hohlgeschoss-Gewicht, also 500 Kg) zur Armierung eines
Küsten-Forts mit einem Rohrgewicht inklusive des
Verschluss' von 100.000 Pfund, also 50.000 Kg, wobei ich keine
Gewichtsangaben zur Lafette gefunden habe. Die Angaben vom
Verne'schen Geschütz a la Schultze sind aber nicht so
illusorisch. So habe ich in einer Quelle von 1892, also nicht
lange nach der Romanentstehung, ein Beispiel gefunden, welches
noch gewaltiger ist. Diesmal ist es ein Schiffsgeschütz:
„... das oben veranschaulichte Krupp'sche 40 cm Rohr hat
eine Gesamtlänge von 10 m und mit dem Gewicht ein 720 000
Kg: das der Oberlafette beträgt 12 400 kg, das des Rahmens
32.600 Kg. Mit einer Ladung ..... wird eine Panzergranate von
775 Kg ...“ verschossen. /7/. Rüstung hat schon immer
gigantische Steuermittel verschlungen ... und das mit welchem
Ziel? Hoffen wir also, dass in der Realität stets die
„France-Ville“-Vertreter die Oberhand behalten.
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