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Collection Fehrmann Jules Verne im Theater- Wie wird man ein Autor von Theaterstücken? Was war los um und auf den Pariser Bühnen des 19. Jahrhunderts? - |
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Quellenangaben und Hinweise zu den verarbeiteten Informationen und dem verwendeten Bildmaterial: /1/ Victor Hugo (26. Februar 1802 bis 22. Mai 1885), bearbeitetes Motiv nach einer Fotographie von Etienne Carjat 1876 (Format beschnitten) /2/ Alexandre Dumas der Ältere (Dumas père), eigentlich Alexandre Davy de la Pailleterie (24. Juli 1802 bis 5. Dezember 1870), nach einer zeitgenössischen Aufnahme (Format beschnitten) /3/ und /8/ Otto Schneidereit „Operette A – Z“ Henschelverlag Berlin 1978 10. Auflage; L-Nr. 414.235/22/78; Zitat von Seite 259 /4/ Lothar Schwab und Richard Weber. „Theaterlexikon“; Cornelson Scriptor; Frankfurt a.M. 1991; ISBN 3-589-20893-7; Zitat von Seite 309 /5/ Bernhard Grun: „Kulturgeschichte der Operette“; VEB Lied der Zeit Musikverlag Berlin 1967; Zitat von Seite 240 /6/ Gemälde von Eugene Charles Francois Guerard: „Schlange vor dem Theatre de l'Ambigu-Comique“; Die Entstehungszeit war nicht genau ermittelbar. Ich schätzte sie auf ca. 1870. /7/ Hermann Heinz Wille: „Sternstunden der Technik“, URANIA-Verlag Leipzig-Jena-Berlin 1986, S. 134 /8/ siehe /3/ /9/ Bildmotiv nach einer zeitgenössischen Postkarte, durch mich bearbeitet und teilweise beschnitten.
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Die Themen Jules Verne und das Theater sind unmittelbar mit Paris verbunden. Hier fand er seine Vorbilder, hier sah er das pulsierende Leben - hier war die Stadt der Theater! Dazu möchte ich einleitend eine kleine Situationsbeschreibung geben, um ein Gefühl für den historischen Hintergrund zu vermitteln. Paris zur Zeit Jules Vernes Als Jules Verne im Herbst 1848 nach Paris kam, war die Stadt noch voller Unruhe. Im Februar war es zu Protesten gekommen, nachdem der König ein geplantes Bankett zur Reform des Wahlrechts verboten hatte. Daraus entwickelten sich Unruhen die eine revolutionäre Entwicklung annahmen. Während der Februarrevolution 1848 kam es zu heftige Straßen- und Barrikadenkämpfen zwischen den Aufständischen und den königlichen Truppen, in dessen Folge König Ludwig Philipp abdankte und ins Exil nach England floh. Es wurde eine provisorische Regierung eingesetzt und die Republik wurde ausgerufen. Im Juni 1848 kam es zu einem erneuten Aufstand, der aber nach heftigen Kämpfen von der französischen Armee und der Nationalgarde blutig niedergeschlagen wurde. Jetzt begann sich das Leben zu normalisieren. Die zweite Französische Republik wurde ins Leben gerufen und Prinz Charles Louis Napoléon Bonaparte (Napoléon III.) wurde Präsident. Die Demokratie fand aber ein jähes Ende, als mit einem Staatsstreich 1851 die Nationalversammlung aufgelöst wurde. Kurz darauf, nämlich 1852 wird Napoléon durch ein Plebiszit zum "Kaiser der Franzosen durch die Gnade Gottes und den Willen der Franzosen". Die Diktatur bedeutet starke Einschnitte, so wird u.a. die Pressefreiheit aufgelöst und viele Demokraten gehen für lange Zeit in das Exil. Zu diesen gehörte übrigens auch Pierre-Jules Hetzel.
Die geschichtlichen Ereignisse tangieren den jungen Verne nur, er lebt in einer „kleinen bürgerlich-studentischen Normalwelt“. Nantes war zwar nicht gerade ein unbedeutender Ort, aber Paris übertraf alles an öffentlichem Leben, Wissenschaft und Kultur. Zum Ärger seines Vaters widmete der Studiosus der Rechte mehr Zeit dem Studium der Literatur, dem „Durchackern“ seiner Lieblingsschriftsteller und seinen Schreibversuchen als dem Studium der Rechte. Seine ersten Schreibversuche, man kann sie bis in das „zarte“ Alter von zwölf Jahren zurückverfolgen, wurden stark geprägt durch Victor Hugo (1802 bis 1885, siehe Bild /1/), Vorbilder wie Balzac oder Dumas, oder den Autoren seiner Jugendbücher wie Defoe oder Wyß.
Bereits kurz nach seiner Ankunft
in Paris gelangte der euphorische junge Verne durch Beziehungen
in einen literarischen Zirkel. In Gedanken sah er sich schon als
Schöpfer gefragter Theaterstücke. Seine
Schreibversuche, denn er hat noch keine fertigen Ergebnisse
vorzuweisen, gelangen allerdings nicht an das Licht der
Öffentlichkeit. Dazu zählen aus der Zeit von 1847 bis
1849 die uns vorliegenden historischen Dramen
Der Weg zum Theater
Die Auflistung seiner Bühnenstücke, ob unveröffentlicht oder aufgeführt, lassen Kontinuität erkennen. Die Arbeiten für das Theater ziehen sich wie ein roter Faden durch sein literarisches Werk. Ab den 70er Jahren gab es dabei gab es dabei auch noch einen Nebeneffekt: Die Umsetzung einzelner Werke seines Romanzyklus’ der „Voyages Extraordinaires“ auf die Bühne stellte eine willkommene Ergänzung seiner durch den Exklusivvertrag mit Hetzel doch ziemlich reglementierten Einkünfte dar. Als Triebfeder für die Theaterarbeiten ist dieser Grund aber auszuschließen.
Als Verne kurz nach seiner
Ankunft in Paris die beiden Dumas' kennen lernte, sieht er sich
seinem Ziele etwas näher. Denn eines hatte er schon von
Anfang an erkannt und geschickt genutzt: Vieles im Kunstbetrieb
bewegte sich nur durch Empfehlungen, Beziehungen oder diskreten
„Nachhilfen“. Als er 1849 begann das Lustspiel
Warum war jetzt die Zeit Reif für eine Aufführung eines Stückes von Jules Verne? Lag es nur an Dumas, der ihn protegierte? Ich glaube es war nicht unwesentlich dabei, dass Verne das Genre seiner „Schreiberei“ änderte. Leichtere Unterhaltung war inzwischen gefragter und leichter auf die Bühne zu bringen als die bis dato recht anspruchsvolle Ausrichtung seiner Stücke. Nach Zensur und Reglement
Die Lockerung der Genehmigungspraxis führte dann ab Mitte der 60er Jahre zu einer Zunahme von Theaterneugründungen. Mit der Zunahme der Spielstätten änderte sich schleichend auch die Ausrichtung der Genre und des Anspruchs. „Im übrigen war das Theater des 19. Jahrhundert ein reines Unterhaltungstheater und Erbauungstheater (geworden), d.h. ein Theater, in das man aus harten Wirklichkeit flüchten und in dem man Ablenkung und Geselligkeit finden konnte. Neben Klassiker-Aufführungen bestritten hauptsächlich banale Unterhaltungsstücke das Repertoire. Insbesondere das Salonstück, das im Milieu des Bürgertums spielte und nicht selten Pariser Lebensform- und Art zur Schau stellte, hatte Hochkonjunktur. Den Hauptanteil machten Dreiecks- und Verwechselungsgeschichten aus ....“/4/. Diesen Trend bediente Verne mit seinen Vaudeville, Komödien und später auch mit komischen Opern. Den Unterhaltungsgeschmack bedienend, passten dazu auch die späteren Umsetzungen seiner „Voyages Extraordinaires“, denn sie waren keine harte Kost für die Zuschauer. So wurde Franz Steiner, ein Wiener Theaterdirektor wie folgt eingeschätzt : „.... Spektakelstücke wie eine Dramatisierung von Jules Verne „Reise um die Erde in 80 Tagen“ mit Schlangenbeschwörern, Elefanten und Flugakrobaten; Sittenbilder, Possen: >Jedes Genre ist erlaubt – nur nicht das langweilige!< war seine Devise – eine Devise, mit der er reich wurde.“/5/ (Das Bild weiter oben im Text steht nicht in Zusammenhang mit den Textinhalten. Es zeigt eine Besucherschlange vor dem „Theatre de l'Ambigu-Comique“, etwa in der Zeit von 1870. In diesem Theater wurde Vernes Michel Strogoff 1887 uraufgeführt /6/).
Das Theater war für das Bürgertum eine feste Größe in der Unterhaltung geworden. Wer es sich leisten konnte, nahm am „Amüsierbetrieb“ Theater teil. Um den Unterhaltungsanspruch immer besser zu erfüllen, galt es aber nicht nur die Darbietung attraktiver zu machen, auch der Anspruch an die Bühnentechnik und an die bauliche Ausstattung der Häuser war gewachsen. So war gerade das Theater einer der Orte, an der zum Beispiel neue Methoden der Beleuchtung sehr schnell zur Anwendung kamen. Traditionell hatte man im Theater indirektes Öl- oder Kerzenlicht im Einsatz. Anfang des 19. Jahrhunderts ging man zum Gaslicht über und im Jahre 1849 nutzte man zum ersten mal das elektrische Bogenlicht. „Nach der Uraufführung von Meyerbeers >Der Prophet< an der Pariser großen Oper im Jahre 1849 berichteten die Zeitungen ausführlicher als über das Bühnenwerk über die Bühnenbeleuchtung, eine >elektrische Sonne<, die blendend helles Licht ausstrahlte....“ /7/ Die unterhaltende und gesellige Funktion des Theaters wird besonders durch seine neuen Theaterbauten gekennzeichnet: „Beispielgebend war der Neubau der Pariser Grand Opera, eröffnet 1875, in dem Foyers, Wandelgänge, Treppenhäuser und Salons den weitaus größeren Raum einnahmen, wohingegen dem eigentlichen Theatervorgang, Bühne und Zuschauerraum, nur ein winziger Platz in der Mitte des Gebäudes vorbehalten blieb“ /8/. (Bild /9/ zeigt den Treppenaufgang in der Pariser Oper). Das eigentliche Theaterereignis ist Mittel zum Zweck, es ist eine Möglichkeit sich selbst zur Schau zu stellen, zu Repräsentieren und um seine gesellschaftliche Stellung zu demonstrieren. Diese Umgebungsbedingungen sollten wir uns vor Augen halten, wenn wir uns nachfolgend die Inhalte des Theaterschaffens von Jules Verne etwas vertiefend ansehen. Dazu lade ich die Besucher dieser Seite recht herzlich ein. Vorhang auf! |
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Copyright © Andreas Fehrmann – 02/06, update 7. Juni 2009