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Collection Fehrmann Jules Vernes „Voyages extraordinaires"- Band VE 39 - |
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© 1984 Pawlak Taschenbuchverlag, Berlin, Herrsching. ISBN: 3-8224-1064-0 - Nachdruck v. Verlag A. Hartleben, Inh. Dr. W. Rob, Wien I. Ungekürzte, nur orthographisch angepasste Ausgabe. Pawlaks Collection Jules Verne Band 64 und 65 Band 2, ISBN 3-8224-1065-9 (CF /3901/ und /3902/).
Quellenangaben (Die Systematisierung bezieht sich nur auf die Nutzung für diesen Beitrag) /1/ Verne / Hetzel / Mace: Magasin d'Éducation et de Récréation Band 57 und 58 – 1. und 2. Halbjahr 1893; Bildzitat von Léon Benett Seite 236; CF /6618/ /2/ ebenda, Chromotypgraphie von Seite 113 Die weiter unten gezeigten Illustrationen von Benett wurden im Format beschnitten und optimiert. /3/ Harms: Länderkunde von Europa; List & Bressendorf Leipzig 1922; Bildzitat von Seite 310 (Der obere Killarney-See in Südwest-Irland) /4/ Interview in der Pittsburgh Gazette (1902); gefunden in Volker Dehs: Jules Verne Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH 1986; Seite 109; CF /5501/ alles aus Collection Fehrmann |
Die Originalausgaben erschienen im Jahre 1893; Band I am 2. Oktober und Band II am 20. November , beide unter dem Titel P'tit Bonhomme bei Pierre-Jules Hetzel in Paris. Die Bände wurden von Léon Benett illustriert. Eine Vorabveröffentlichung erfolgte im Magasin d'Éducation et de Récréation im Band 57 und 58 vom 1. Januar bis zum 15. Dezember 1893 (siehe auch Illustrationen weiter unten). Rechts eine deutschsprachige Ausgabe von 1895 bei Hartleben (CF /3903/).
Der Löscheinsatz (Bild rechts in Farbe (!) - /2/) wird von einer durch Zufall vorbei reisenden Schauspielerin beobachtet, die Findling als „Spielzeug“ in ihre Obhut nimmt. Ausstaffiert wie eine Puppe hat er jetzt keine existentiellen Nöte mehr. Aber seinen Freund Grip hat er verloren! Der Laune der Schauspielerin folgend wird Findling in der Rolle als Waisenkind publikums- und werbewirksam in ein Schauspiel integriert. Da der vierjährige aber Probleme hat, Schauspiel und Realität zu unterscheiden, wird die Vorstellung ein Fiasko. In seinem Kostüm als Armenjunge verlässt er dass Theater um draußen auf der Straße die Freiheit zu suchen. Durchfroren und hilflos wird er von der gerade bei einer Versorgungsfahrt befindlichen Farmerfamilie McCarthy mitgenommen, um dann in der Farm von Kerwan ein zu Hause zu finden. Das Farmerehepaar Martin und Martine, ihre Söhne Pat, der Seemann ist und Murdock und Sim die auf der Farm arbeiten und deren Großmutter, sind jetzt auch seine Familie. Aber Findling gibt die ihm entgegengebrachte Wärme auch zurück. So hilft er bei leichten Arbeiten, hütet die Schafe und führt über alle Tätigkeiten, vor allem aber über alle zählbaren Dinge der Farm Buch. Als Lohn für seine Hilfe hat er sich je Tag einen Kieselstein ausbedungen, den er wie einen Schatz in einer Tonkruke unter seinem Bett sammelt. Als er mit sieben Jahren als Taufpate für das Patenkind Jenny fungieren soll, tauft man ihn selbst kurz vorher, um den Ansprüchen der Kirche zu genügen. Dabei erhält er den Namen Edit, der sich aber nicht durchsetzt, auch später wird er von allen immer Findling genannt. Doch nach etwas über drei Jahren ist die bis dato schönste Zeit seines Lebens vorbei. Nach Missernte und Naturgewalten kann die Familie McCarthy nicht mehr die Pachtzins für die Farm zahlen. In der Zeit als Findling von seinem eigenen letzten „Notgroschen“ aus dem Nachbarort eine heilsame Tinktur für die um das Leben ringende Großmutter holen will, stirbt die diese und zeitgleich wird die Familie vom Hof gejagt und das gesamte Anwesen wird von den Häschern des Landlords unbewohnbar gemacht. Als Findling zurückkommt steht er fassungslos vor den leeren Ruinen der Farm. Als er über Land zieht um die McCarthys zu finden, schlägt er leider die falsche Richtung ein, er verliert sie vollends aus den Augen.
Während er den Weg in die nächst größere Stadt, nach Cork einschlägt, rettet er beherzt den siebenjährigen (!) Bob, der sein jammervolles Leben in einem Fluss beenden wollte. Die beiden tun sich zusammen und Findling wird der Beschützer Bobs.
Jetzt hat sich das Blatt für Findling gewendet. Er kann expandieren.
Der Schluss ist schnell erzählt: Findling hat die Familie McCarthy ausfindig gemacht. Nach erfolgloser Ausreise nach Australien sind sie mit dem letzten Geld nach Irland zurückgekommen (wobei mir diese Lösung als die Unglaublichste erschien ...). Findling bestellt sie zur ehemaligen Farm und als Dank zahlt er ihnen für jeden Kieselstein den er erhielt als Gegenleistung ein Pfund. Damit kann sich die Familie eine Farm kaufen und alles ist zum guten Ende gekommen.
Nachbemerkungen: Sprach ich schon oben die Ähnlichkeit zu den Romanen von Charles Dickens an, so scheint diese nicht zufällig entstanden zu sein. Offensichtlich hat Verne den dramatischen Stil des von ihm verehrten Schriftstellers nachempfunden. Den Namen des Autoren finden wir in mehreren Romanen Vernes wieder, selbst im „Findling“ wird er erwähnt, als es um die Sprechweise des aristokratischen Lord Pibornes geht. Weitere Erwähnungen von Charles Dickens fand ich in der „Reise nach Schottland“, in Claudius Bombarnac und in Reisestipendien. Und er sagt selbst von sich: „Wie Sie wissen, bin ich ein leidenschaftlicher Bewunderer von Dickens. Ich finde, daß er alles hat: den Geist von Sterne, den ich ebenso oft lese und von dem ich auch ein großer Bewunderer bin; die Erhabenheit und Gefühle von echtem Schrot und Korn, und Personen, Personen, Personen, Personen, daß man um den Verstand kommt! Kolossal, einfach kolossal, wie unser Balzac war er ....“ /4/ Der Roman Findling wurde von Jules Verne in seiner Phase der Rückbesinnung geschrieben. So wie er in diesem Roman einen Hommage an Dickens schreibt, setzt er später mit der Eissphinx Edgar Allan Poe, und mit dem Zweiten Vaterland Johann David Wyss ein Denkmal. Zur Besinnung auf seine Lieblingsschriftsteller kommt aber auch sein inzwischen bekannter und ausgefeilter Schreibstil, den er bereits in anderen Romanen erprobte. Davon kann er sich auch nicht mehr lösen. Er schreibt mit dem Findling zwar einen sozialkritischen Roman, aber trotz Bemühen bleibt es eine Schilderung, die plakativ ist und in der selbst die Armut nur als stilistisches Element erscheint. Zwischen den Zeilen ist immer heraus zu lesen: Es wird schon gut gehen. Trotzdem bin ich froh, dass der Roman von Jules Verne geschrieben wurde, rundet er doch damit sein Gesamtschaffen mit einer Beschreibung der Schattenseiten des Lebens ab. |
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Hinweis: Beschrieben werden nur in meiner Sammlung befindliche Bücher und Verfilmungen. Dargestellte Bücher sind Beispiele daraus. |
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© Andreas Fehrmann 03/01, update 10. Sept. 2009