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Collection Fehrmann Jules Vernes „Voyages extraordinaires"- Band VE 52 - |
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/1/ Doppelausgabe
vom Verlag Hermann Michel, Berlin 35; Verlegt ca. 1930 mit
den alten Hartleben-Bunden: „Der Leuchtturm am Ende
der Welt“ von 1906 (CF /8302/) und „Ein Drama in
Livland“ von 1905 (CF /5204/). Der Michel-Verlag wählte
sogar die falsche Reihenfolge vom Erscheinen her im Bund. Mehr
zu den so genannten GELBEN PRACHTAUSGABEN auf meiner Seite
/2/ Brockhaus' kleines Conversations-Lexikon, F. A. Brockhaus, 4. Auflage, Leipzig 1888 /3/ Riga – Kaufstraße, Motiv von einer zeitgenössischen Postkarte ca. 1890 /4/ Originalillustrationen aus /1/ von Leon Benett von Seite 40 /5/ Jules Verne: „Maître du monde / Un drame en Livonie“ (Doppelband) Bibliotheque D'Education et de Recreation Paris 1904; mit diversen Chromotyphograhien; Bildbeispiel von Seite 97 (CF /5303/) |
Die Originalausgabe erschien am 20. August 1904 unter dem Titel „Un drame de Livonie“ bei Pierre-Jules Hetzel in Paris und 1905 bei Hartleben (siehe links, Bild /1/), wobei dieser das originale Frontispiz von Hetzel weiter nutzte. Hintergrundinformationen: Livland - Russische Ostseeprovinz 1721-1919 Das im Spätmittelalter „Livland“ genannte Gebiet des aus Deutschland agierenden Schwertbruderordens war in etwa das heutige Estland und Lettland. Nach einer polnischen Periode kam es 1721 durch Eroberungen Peter des Großen zu Russland. Es war eines der russischen Ostsee-Gouvernements. Der Brockhaus von 1888 schreibt dazu: „Livland, Lievland, Liefland, russisches Gouvernement an der Ostsee, nach den Liven benannt, 47029 qkm, 1.86.607, meist luth. Einwohner, in SW Letten, im NO Esten (die Dorfbewohner), in den Städten Deutsche (Adel und Bürgertum) und Russen (Beamte und Kaufleute); viel Wald und Getreideanbau, Hauptstadt Riga.“ /2/
Der als Mitglied einer heimlich agierenden antizaristischen Vereinigung nach Sibirien deportierte Wladimir Yanof konnte fliehen. Quer durch Russland hat er sich bis zur livländischen Grenze durchgeschlagen. Doch hier scheint ihn das Glück zu verlassen, beinahe wäre er einer russischen Grenzstreife in die Hände gefallen. Mit List und der Unterstützung Einheimischer kann er dann nach der Grenzpassage in einem Landgasthof unterkommen, dicht verfolgt vom Brigadier Eck und dessen Häschern.
Die Differenzen zwischen den Parteien werden immer größer. Auch die Kinder der Widersacher, Jean und Karl, beide Studenten in Dorpat, sind zutiefst verfeindet. Als Jean den Bankierssohn zu einem Duell herausfordern will, lehnt dieser ab: Mit dem Sohn eines Mörders kämpft er nicht! Was war passiert? Der vertrauenswürdige Bankangestellte Poch erhielt die Aufgabe, kurz vor seiner Hochzeit eine größere Summe Geldes über Land zu einem Kunden zu bringen. Mit in der Kutsche ist eine vermummte Gestalt, die aber anfänglich noch keine Beunruhigung mit sich bringt. Erst als nach einer Übernachtung im Gasthaus des Wirtes Kroff der Bote Poch am anderem Morgen in seinem eigenen Blute schwimmt, nimmt die Untersuchung ihrem Lauf. Die Vermutung das der unbekannte Reisende den Tod, und wie sich dann herausstellt auch den Raub zu verantworten hat, verstärkt sich und so beginnt die Fahndung (Bild rechts: Die Untersuchung am Wirtshaus /5/). Die geht auch ziemlich schnell in eine bestimmte Richtung: Wurde doch trotz Verkleidung der Lehrer Dimitri Nicolef erkannt. Bei einer Befragung will Nicolef nicht angeben, was er inkognito in der Nacht in der Kutsche und im Gasthof zu suchen hatte. Sein Gegenspieler und politischer Rivale Johausen forciert die Untersuchungen. Kroff, der Betreiber der Herberge hat ein einwandfreies Alibi. Aber es scheint auch alles zu passen: Das Motiv Nicolefs soll die fällige Schuldenzahlung sein, die dieser nicht leisten konnte und seine Anwesenheit am Tatort wollte er auch nicht begründen. Er konnte ja nicht zugeben, dass er durch eine unglückliche Fügung, den verbannten Schwiegersohn in spe, Wladimir Yanof, eben in dieser Nacht und in diesem Gasthaus nach einer Verabredung getroffen hatte. Dort wollte Nicolef ihm eine Geldsumme zukommen lassen, die er für ihn verwahrt hatte. Hier kreuzten sich nun die Wege der Personen....
Bemerkung: Um nicht die Spannung des Romans durch eine detailgetreue Schilderung zu nehmen, möchte ich nicht alle Details angeben. Nur so viel: Als Nicolef sich nach seiner Verhaftung und Anklage umbringen will, scheint es eindeutig zu sein: Dies ist ein Schuldeingeständnis und Nicolef ist ein Mörder. Ein politisch motivierter Justizirrtum nimmt seinen Lauf. Durch eine überraschende Lösung kann die Unschuld Nicolefs dann doch noch nachgewiesen werden, aber nur noch seine Name kann rehabilitiert werden. Der Roman ist eine gelungene Mischung aus Dramatik und der Schilderung des Lebens dieser baltischen Region. |
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/5/ Le Petit Journal Nr. 217 vom 13. Januar 1895: Die Degradierung von Dreyfus: Am 5. Januar 1895 wurde Kapitän Alfred Dreyfus feierlich degradiert, nachdem er im Dezember verurteilt wurde. /6/ Le Petit Journal Nr. 218 vom 20. Januar 1895: Dreyfus im Gefängnis |
Ergänzung: Geschrieben wurde dieser Roman bereits 1894, aber Jules Verne hielt ihn zehn Jahre lang zurück, um keine Parallelen zur damals in Frankreich gerade aktuellen „Dreyfus-Affäre“ zuzulassen. In dieser war ein untadeliger jüdischer französischer Artilleriehauptmann, Alfred Dreyfus (1859 – 1935), fälschlicher Weise der Spionage gegen Deutschland angeklagt und zu lebenslänglicher Deportation auf die Teufelsinsel verurteilt worden. Der Fall ist ein klassischer Fall von manipulierten Indizien, politischen Verstrickungen und letztendlich einem „Justizirrtum“. Details dazu sind links dem Dokument „Wegen Hochverrats verbannt“ von Laurence Chabert zu entnehmen /4/.
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Hinweis: Beschrieben werden nur in meiner Sammlung befindliche Bücher und Verfilmungen. Dargestellte Bücher sind Beispiele daraus. |
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© Andreas Fehrmann 07/00, update 18. Juni 2008