Collection Fehrmann

Jules Vernes „Voyages extraordinaires"

- Band VE 50 -




Buch oben: „Die Gebrüder Kip“, gemeinsam mit „Das Land der Diamanten“ © Verlag Bärmeier & Nikel, ca. 1980, keine ISBN-Angabe, DIE GROSSE JULES VERNE AUSGABE IN 20 BÄNDEN, Band 20 (stark gekürzt wie FISCHER; CF /5001/). Pawlak ist auf jeden Fall mehr zu empfehlen.

Bild rechts oben im Text: Frontispiz und Titel der Hartlebenausgabe von 1903 mit 61 Abbildungen von Roux, davon ein Beispiel rechts unten von Seite 409 (CF /5004/)

Die Gebrüder Kip“ (1902)

Die Originalausgabe erschien 1902 in zwei Bänden unter dem Titel „Les Frères Kip“ bei Pierre-Jules Hetzel in Paris. Und zwar Band I am 21. Juli 1902 und Band II am 10. November 1902.

Das neuseeländische Schiff „James Cook“ wird der Schauplatz eines Dramas, in welchem Jules Verne das maritime Umfeld mit einer spannenden Handlung, ähnlich einem Kriminalstück, verwoben hat. Der an Bord befindliche irische Quartiermeister Flig Balt und der englische Matrose Vin Mod hecken einen Plan aus, um mit roher Gewalt in den Besitz der Schiffes zu kommen. Mitleidlos wird bei einem Landgang der Kapitän Harry Gibson ermordet und beraubt und die Meuterer versuchen danach in Richtung der Südseeinseln zu flüchten. Aber es gab Zeugen des Verbrechens. Dies sind die vor diesen Ereignissen aufgenommenen zwei Schiffbrüchigen von der „Wilhelmina“, zwei holländische Brüder aus Groningen.

Aber die Flucht ist erfolglos und so müssen sich die Verursacher verantworten. Die Schurken haben dazu schon eine Lösung parat: Sie beschließen den Mord an dem Kapitän den holländischen Brüdern Karl und Pieter Kip anzulasten. Dies gelingt auch, die Gebrüder scheinen verloren. Durch die Falschaussagen werden die Beiden zum Tode verurteilt, ein Urteil welches später aber durch eine „Begnadigung“ zu lebenslanger Zwangsarbeit gewandelt wird. Aber der Eigner des Schiffes, der Reeder Hawkins, glaubt an die Unschuld der Kip's. Unterstützung erhält er dabei durch Nat, dem Sohn des toten Kapitäns Gibson. Dieser ist begeisterter Fotograf. Beide waren anwesend als der tote Kapitän gefunden wurde. Die Leiche wurde damals geborgen und eine Wundschau wurde durchgeführt. Gleichzeitig wurde zwei Detailaufnahmen vom Kapitän gemacht. Ein Brustbild und ein Bild vom Kopf. Erst danach wurden die Augen des Toten geschlossen (#1). Genau diese Verfahrensweise sollte aber zur Schlüsselszene des Romans werden.

Als Nat einige Zeit später das Porträt seines Vater betrachtet und als er vor Rührung das Bild küssen möchte, wird er stutzig. Er ergreift eine Lupe, die ansonsten von den Fotografen zum Nachretuschieren von Kleinigkeiten auf den Platten benutzt wird. Auf der vergrößerten Netzhaut im Hintergrund der Augen des Kapitäns haben sich die Mörder Flig Balt und Vin Mod eingebrannt! Damit ist die Unschuld der Gebrüder Kip zweifelsfrei erwiesen (siehe dazu rechts die Illustration).

Bemerkungen: #1) Gerade diese Verfahrensweise macht die Idee der Überführung durch den fotografischen Nachweis am unwahrscheinlichsten. Denn das Schließen der Augen von Gestorbenen nach dem Eintritt des Todes oder nach dem Auffinden eines Leichnams gehört zu den am weitesten verbreiteten Sterbe-Riten im abendländischen Kulturkreis. Dadurch ist das Schließen der Augen erst nach der Untersuchung ein ziemlich gewagtes Konstrukt. Aber der Lösungsansatz ist trotz aller dichterischen Freiheit ein gelungener „Aha“-Effekt.

Auch in diesem Roman gibt es wieder eine Besonderheit in der Namensgebung und in den Beziehungen zur Realität. Denn in der Geschichte trifft die „James Cook“ mit der „Assomption“ aus Nantes unter Kapitän Foucault zusammen. Dies ist das Schiff und der Kapitän, mit dem Jules Verne seinen´widerspenstigen Sohn Michel am 3. Februar 1878 auf die Reise in Richtung Indien schickte.

Film 1

Die Gebrüder Kip: Verfilmung CSSR (Tschechien) 1979 Filmtitel: Bratři Kipové

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Hinweis: Beschrieben werden nur in meiner Sammlung befindliche Bücher und Verfilmungen. Dargestellte Bücher sind Beispiele daraus.

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© Andreas Fehrmann 09/01, update 11. April 2008