Collection Fehrmann

Jules Vernes „Voyages extraordinaires*"

Jules Verne - Short Stories (* Dieser Band ist nicht offizieller Bestandteil der VE)


Die Erstausgabe enthalten in: Pitre-Chevalier: Musée des Familles, Paris – Bureaux de l'Administration rue Saint-Roch 29, Sammelband 1854 – 1855 (CF /6719/)


Oben: ARENA-Meistererzählungen:  Ein Winter im Eis, Nach einer alten Übersetzung bearbeitet und herausgegeben von Dr. Hans Küfner; 1. Auflage 1969, © by Arena-Verlag Georg Popp Würzburg; Illustrationen von Otmar Michel. Die Karte unten rechts im Text wurde diesem Buch entnommen. (CF /K1501/)


Neuauflage 2007: Eine Überwinterung im Eise & Martin Paz, Herausgegeben von Gerald Meyer im Verein zur Förderung des Literaturschaffens und des kulturellen Austauschs zwischen Deutschen und Polen e.V. Berlin; ISBN 3-940-6406-2. Basis ist die alte Hartlebenübersetzung. Die Illustrationen der Überwinterung wurden von mir aus CF /6719/ zur Verfügung gestellt. CF /K1502/

Bsp. unten: Aus der Reihe Abenteuer aus weiter Welt das Heft 11 / 1956; Verlag Neues Leben Berlin; Umschlagzeichnungen und Illustrationen von Eberhard Binder-Staßfurt; 66 Seiten;  CF /K1504/

Abenteuer aus aller Welt Heft 11

Quellen:

/1/  Musée des Familles; Sammelband 1854 – 1855 (CF /6719/)

/2/ Fakten und Zitat aus: Dr. J. Wiese Entdeckungsreisen am Nord- und Südpol; Neuer Allgemeiner Verlag Berlin; ca. 1910

/3/ Fakten und Zitat aus: Karen Farrington Atlas der der Expeditionen; Tosa Wien 2001

/4/ Quelle /1/ Bildzitat von Seite 161

/5/ ebenda, Seite 209

/6/ Bild rechts unten im Text: „Ein zertrümmertes Eisfeld im Polarmeer“ Die Mannschaft der im Eise eingeschlossenen Schiffe erkundet mit einer Schlittengruppe das Umfeld. (Quelle: Dr. Karl W. Braun Der Erdball, seine Entdecker und seine Wunder, URANUS-Verlag Berlin 1905)

/7/ Verne: Le Docteur Ox, Hetzel & Cie Paris 1875; Les Voyages Extraordinaires; mit 212 Seiten CF /K0205/; Bildzitat von Seite 177

/8/ Aus meiner Sammlung historischer Postkarten

Alle Quellen aus Collection Fehrmann

Eine Überwinterung im Eis (1855), auch Eine Überwinterung im EiseEin Winter im Eis, Eine Winterkampagne im Eis oder Eine Winterkampagne im Eise

Diese Kurzgeschichte unter dem Titel: Un hivernage dans les glaces in zwei Teilen, nämlich im April 1855 (Vol. 22 Nr. 6 ) und im Mai 1855 (Nr. 7) in der Zeitschrift Musée des Familles /1/ erstveröffentlicht.

Diese Monatszeitschrift „für die ganze Familie“ wurde zur Zeit des ersten Kontakts von Verne durch den Journalisten Pitre Chevalier (eigentlich Michel Chevalier) herausgegeben. Es gibt Vermutungen, dass er durch seinen Studienfreund Charles Wallut dort eingeführt wurde. 1861 schrieb er übrigens gemeinsam mit ihm die Komödie Un Neveu d'Amérique ou les deux Frontignac. Ähnlich wie das später von Pierre-Jules Hetzel herausgegebene  Magasin d'Éducation et de Récréation war es eine Periodika, die einem heren Bildungsziel und der Unterhaltung bürgerlichen Familien dienen sollte. Das Musée des Familles folgte wie einem Leitfaden den Ansichten und Vorstellungen katholischer Bildungsideale. So findet man belehrende und kurzweilige Geschichten, Gedichte, ja selbst Musikstücke, gemischt mit einem hohen Anteil von Reise- und Geschichtsbeiträgen. Beachtlich finde ich auch den hohen Anteil großformatiger und handwerklich aufwendiger Holzstiche, die die Zeitschriften zieren. Die weiter unten abgebildeten kompletten Seiten geben vielleicht einen Eindruck wieder. Die Ausgaben des Musée konnten als Einzellieferungen bezogen werden, um bei Bedarf ggf. eine individuelle Bindung vornehmen zu lassen, oder man bezog sie gleich als Sammelwerk eines Jahres. Vielleicht noch ein interessantes Detail am Rande: Über viele Jahre wurde Jules Verne in der der Zeitschrift vorangestellten Liste der COLLABORATEURS DU MUSÉE DES FAMILLES unter dem Namen Charles Verne geführt. Erst ab zirka 1862 taucht wieder die richtige Schreibweise seines Namens auf.

1874 wurde die Geschichte dann durch die Sammlung von Erzählungen Le Docteur Ox nochmals einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dabei erhielt sie eine stilistische Überarbeitung, ist also nicht mehr identisch mit der Erstveröffentlichung. Diese Kurzgeschichte ist in der  Complete Jules Verne Bibliography by Volker Dehs, Zvi Har'El & Jean Michel Margot unter II, 2. Short Stories Nr. 5 erfasst.

Die damalige Zeit hatte ihre Helden, die offensichtlich Verne zu dieser Erzählung inspirierten. „Keine Frage beschäftigte die wissenschaftlichen Kreise mehr als die, wo der Nordpol zu suchen und wie die Verhältnisse am Nordpol seien. Um diese Frage zu lösen, wurde besonders der Weg an der Westküste von Grönland entlang von den Amerikanern und Engländern gewählt um zum Pol vorzudringen...“ In aller Munde war die Expedition Sir John Franklins und seiner Männer, der am 18. Mai 1845 von Greehithe bei London mit seinem Schiff Terror und der Erebus zum Pol startete. (Quelle /2/). Er galt ab 1847 als verschollen, aber diverse Such- Expeditionen folgten ihm. „Die Rettungstrupps wurden von Franklin's zweiter Frau Jane finanziert. 1850 stieß man auf man auf drei Gräber, ein Hinweis auf die von Franklin gewählte Route....“. Erst 1857 stieß man auf verlässliche Informationen: Franklin war am 11. Juni 1847 gestorben (Quelle /3/). Ein Teil der Fakten finden wir als Ideen in der Geschichte wieder:

(Bilder: Titel des Teil 1 (links, Marie Cornbutte) /4/ und Teil 2 (rechts, Marie auf dem Hundeschlitten) /5/. Zum Vergleich dazu eine spätere Abbildung aus den Voyages Extraordinaires-Ausgaben rechts im Text mit der Seitenüberschrift: Marie bei ihrem Vater /7/)

Hafen DünkirchenDie Hafenstadt Dünkirchen (Franz.: Dunkerque - Foto links: Die Hafeneinfahrt ca. 1890 /8/ - alle Ortsangaben finden sich in der ganz unten abgebildeten Karte wieder) bildet den Hintergrund des Beginns unserer Geschichte. Der Pfarrer wird von der Messe abgehalten, denn der alte Schiffer Johann Cornbutte will eine Abmachung einhalten: Wenn sein Schiff „Jeune-Hardie“ aus dem Nordmeer zurückkommt, dann soll Trauung zwischen seinem Sohn Ludwig und seiner Nichte Marie sein. Während der Pfarrer die Messe durch seinen Vikar halten lässt, eilt er mit der inzwischen in Brautkleidern erschienenen Marie zum Hafen. Doch das einfahrende Schiff zeigt die Trauerflagge: Ludwig Cornbutte ist nicht mehr an Bord!

Der Obersteuermann André Vasling berichtet dem entsetzten Publikum was sich zugetragen hatte. In der Nähe des Maëlstrom (den wir später als Ort des Verschwindens der Nautilus in Zwanzigtausend Meilen unter den Meeren nochmals kennen lernen) bemerkte die Besatzung der „Jeune-Hardie“ Notsignale. Der Kapitän und zwei seiner Matrosen ließen sich mit der Schaluppe aussetzen um dem Schiff zu Hilfe zu eilen (dies ist der unlogischste Punkt der Erzählung: Entweder die Brigg hätte sich dem in Not geratenen Schiff weiter genähert, oder der Kapitän hätte eine Suchmannschaft unter einem Offizier oder Bootsmann zusammengestellt). Ergebnis: Die Drei tauchten nicht wieder aus Sturm und Nebel auf, so dass sie als verschollen und später als tot erklärt wurden.

Der Vater des Kapitäns will sich damit nicht abfinden. So stellt er eine Suchmannschaft für seinen Sohn und seine Kameraden zusammen. Mit dabei ist auch Marie, die sich an Bord einfordert. (Bemerkung: Es gibt noch eine anderes Buch Vernes, in dem die Frau eines Seemannes nach dem Verbleib ihres Ehemanns forscht: Mistress Branican). Als letzter Teilnehmer der Such-Expedition meldet sich der Obersteuermann Vasling. Dieser kommt dem Leser schnell verdächtig vor, buhlt er doch offensichtlich um das Wohlwollen von Marie. Eine mühsame Suche beginnt. Man verfolgt die gesamte Route, um dann in einer Bucht südlich der Insel Shannon zu überwintern. Dabei werden mit hohem Sachverstand die widrigen Umgebungsbedingungen und die Maßnahmen zum Schutz vor Schnee und Eis geschildert (Bild rechts /6/)

Eine Suchgruppe, die auf dem Eise in Richtung Norden nach den Vermissten sucht, wird nach vielen Widrigkeiten fündig. Der junge Kapitän wird, zusammen mit einem Kameraden und zwei düsteren Matrosen des havarierten Norwegers, gefunden. Zurück am im Eise eingeschlossenen Schiff, beginnt das eigentliche Drama. Vasling verbündet sich mit den raubeinigen Norwegern, um den jungen Cornbutte und seinen Anhang auszuschalten. Ziel ist es, die wenigen Vorräte für sich zu haben, seinen Widersacher Ludwig auszuschalten und Marie für sich zu beanspruchen. Eine Auseinandersetzung auf Leben und Tod beginnt......



Das Thema Schnee und Eis an den Polen beschäftigt Verne mehrmals in seinen Büchern: Dazu zählen: Reisen und Abenteuer des Kapitän Hatteras, das schon oben im Text erwähnte Buch Zwanzigtausend Meilen unter den Meeren;  Das Land der Pelze und  Die Eisspinx.




RETURN to Verne ListRETURN zurück zur Vorseite (RETURN)

Hinweis: Beschrieben werden nur in meiner Sammlung befindliche Bücher und Verfilmungen. Dargestellte Bücher sind Beispiele daraus.

Zur Seitenübersicht (Site - Map)



© fehrmann 11/02, letzte Aktualisierung 1. Sept. 2012