|
|
Collection Fehrmann Jules Vernes „Voyages extraordinaires*"(*Dieser Band ist nicht Bestandteil der VE) Postum veröffentlicht |
|
QUELLEN: /1/
/2/ Verne: Le Secret de Wilhelm Storitz Collection Hetzel Paris 1910 (Doppelausgabe mit „Hier et Demain“) mit Vermerk Copyright 1910, by J. Hetzel 220 Seiten + 248 Seiten; Illustrationen von George Roux mit Chromotyphographien (siehe /3/) - CF /8903/ /3/ Bildzitat aus /2/ von Seite 25 /4/ Verne: Das Geheimnis des Wilhelm Storitz Piper Verlag GmbH München 2009; ISBN 978-3-492-26692; Vorwort von Franz Rottensteiner; (CF /8904/); siehe ganz unten /5/ Ferenc Badics: Az Osztrák-Magyar Monarchia Irásban és Képben - A Bácska Budapest 1891; Ausschnitt aus einem Stich von Imre Greguss; ca. 1880
|
„Wilhelm Storitz' Geheimnis“ (1910**); auch „Das Geheimnis des Alchimisten Storitz“
1. Die Version von Michel Verne „ ... Also komme, sobald Du nur kannst, mein lieber Heinrich! Ich erwarte Dich mit größter Ungeduld! Die hiesige Gegend ist herrlich und gerade diese Region des südlichen Ungarns ist wie geschaffen, das Interesse eines Ingenieurs zu fesseln. Nur von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, wirst Du die Reise hierher nicht zu bereuen haben. Mit den herzlichsten Grüßen Markus Vidal.“ So schrieb der
Maler Markus (Marc) seinem Bruder Heinrich (Henri, Henry) nach
Frankreich, um diesen zu einer Reise nach Ungarn zu bewegen.
Damit setzt sich eine Geschichte in Gang, die sich vielleicht
noch mit den mysteriösen Dingen von Vernes
Trotzdem dieser Aktion bleibt Myra verschwunden. Storitz hat ihren Aufenthaltsort mit in sein Grab genommen. Herrmann kann oder will nichts sagen. Da geschieht ein Wunder: Myra meldet sich in der Villa des Vaters. Die Freude über die Rückkehr währt aber nur kurz, denn Myra ist unsichtbar! Sie war gar nicht entführt worden, sondern sie lag ohnmächtig und unsichtbar durch Storitz' Hand in ihrem Bett! Der immer noch verliebte Marc heiratet jetzt die unsichtbare Myra, alle scheinen sich mit dem Schicksal der Unsichtbarkeit abgefunden zu haben. Nach einiger Zeit wird Myra schwanger. Bei der nicht ungefährlichen Entbindung verliert sie sehr viel Blut. Und da passiert das eigentliche Wunder: Durch diesen „Aderlass“ scheint die Konzentration Storitz' Wundermittels gesunken zu sein – Myra wird wieder sichtbar 2. Die Originalversion von Jules Verne Im Jahre 2009 war
dann auch im deutschsprachigen Raum Premiere: Die von der
Société Jules Verne erstmals 1985 wieder entdeckt
und verlegte Originalversion wurde vom Verlag Piper unseren
Lesern angeboten (/4/; siehe Bild ganz unten links). Die
Grundfabel der Geschichte ist ähnlich, wie sollte es auch
anders bei einer Überarbeitung sein. Mit dem jetzt
vorliegendem Buch hat der Roman wieder seine Ursprünglichkeit
erhalten. Was sofort auffällt, ist die dem Vater eigene
umfangreichere Ausschmückung mit geographischen Details,
die „Schwarz-Weiß-Malerei“ der Figuren und die
zeitliche Einordnung der Romanhandlung. Aber der Reihe nach: Der
Straffung der Erzählung waren in Michels Variante einige
Reiseetappen und geographische Ausschmückungen zum Opfer
gefallen. Der jetzt wieder ursprüngliche Text lässt
eine genaue Lagebestimmung der fiktiven ungarischen Stadt Ragz
zu. Siehe dazu meine Ausführungen:
Der Zeitraum von 1880 bis 1895 schien Sohn Michel nicht passfähig zu sein zur Grundidee. Dazu gehört vor allem die recht abergläubische Bevölkerung von Ragz und der Bürger von Spremberg, der Heimat der Familie Storitz. Da in den Beschreibungen Storitz' Vater Otto in die Richtung des Kabbalismus und der Hexerei gestellt wird und selbst der Sohn, offiziell Chemiker, als Scharlatan und Alchimist gilt, war die Zeitepoche wirklich fragwürdig. Daher siedelte Michel die Handlung einhundert Jahre früher an. Dies widerspiegelt sich auch in den Illustrationen (siehe oben rechts) und natürlich im Umfeld. Während Michel seinen Reisenden mit einem mit Postpferden bespannten Reisewagen Paris verlassen lässt, um ihn dann mit dem Warenschiff „Dorothea“ Donau-abwärts fahren zu lassen, reist bei Jules der Held mit dem Zug aus Paris um dann mit dem Dampfschiff „Matthias Corvin“ seinem Ziel entgegen zu fahren. Weitere Differenzen ergeben sich in der Darstellung der Konfliktsituationen, vor allem aber im Schluss des Romans. Jules Verne sah keine Möglichkeit nach Vernichtung der geheimnisvollen Reagenz die Sichtbarkeit Myras wiederherzustellen. Der Angetraute der Unsichtbaren kann nur auf eine Lösung in ferner Zukunft hoffen. Dies befriedigte Michel Verne nicht. Wie oben beschrieben, gestaltete er für die Leserschaft ein befriedigenderes Ende. Bemerkungen: In der Literatur gab und gibt es mehrere Versionen von Geschichten über unsichtbare Menschen. Die Beschreibung des Phänomens „Unsichtbarkeit“ wird aber unterschiedlich gehandhabt. Unabhängig von der technisch-medizinischen Machbarkeit dieses Zustandes, hat Verne aber ein großes logisches Problem in seiner Darstellung. Denn er ist ein Vertreter der Version: Alles was der Mensch am Leibe trägt, wird nach dem Wandlungsprozess des Menschen auch unsichtbar. Wie kann die Einnahme einer Reagenz dazu führen, das die Dinge außerhalb des Körpers ebenso unsichtbar werden? Spätestens wenn die unsichtbare Myra die Wäsche gewechselt hätte, dann hätten zumindest die neuen Sachen sichtbar gewesen sein müssen. Hm .... Noch ein Denkanstoß von mir: Es war mir gelungen nachzuvollziehen, welcher reale Ort der Lagebeschreibung der ungarischen (fiktiven) Stadt Ragz zugrunde lag. Was hat aber Verne bewegt, seinen „Negativhelden“ Storitz aus einem realem Ort, aber in völliger Provinzlage Deutschlands, kommen zu lassen? Schon beim erstmaligen Lesen des Romans „stolperte“ ich bei der Frage nach der Herkunft von Storitz über den Satz: „Warum hat er seine Vaterstadt Spremberg verlassen? Warum hat er, ein Preuße aus dem nördlichen Deutschland, sich hier mitten unter Ungarn niedergelassen, ....?“ Wie kam Jules Verne auf diese Kleinstadt? Denn es gibt in Deutschland nur ein Spremberg, gelegen im Süden Brandenburg, in der Nähe von Cottbus. Wem fällt dazu etwas ein? |
|
|
|
![]()
|
|
|
Hinweis: Beschrieben werden nur in meiner Sammlung befindliche Bücher und Verfilmungen. Dargestellte Bücher sind Beispiele daraus. |
|
|
Copyright © Andreas Fehrmann - 01/01, letzte Aktualisierung 28. Mai 2010