|

Jules
Verne Zitate sind wie gewohnt in blau
dargestellt.
Quellenangaben,
und vielleicht der Reiz etwas mehr darüber zu lesen? (Die
Systematisierung bezieht sich nur auf die Nutzung für
diesen Beitrag)
/1/
Dr. Max Popp: „Julius Verne und sein Werk“ 1909 ©
Fabri Verlag Ulm für die Ausgabe als Faksimile Reprint 1999
- ISBN 3-931997-08-1, Zitat von Seite 10 (CF /5503/), Zitat von
Seite 133
/2.1/
Jules Verne „20.000 Meilen unter den Meeren“;zitiert
aus Fischer Taschenbuchverlag Frankfurt am Main, 1997; Seite 131
/2.2/
ebenso, Seite 138
/3/
Jules Verne: „Paris im 20. Jahrhundert“; Paul
Zsolnay Verlag Wien 1996; S. 26
/4/
Walter Häntschel: Die Praxis des modernen Maschinenbaus,
Verlag C.A. Weller 1919, Band II, Seite 373
/5/
Jules Verne: „Robur der Sieger / Der Herr der Welt“;
Doppelband; Verlag Neues Leben 1986; Seite 39
/6/
ebenso, Seite. 130
/7/
Jules Verne: „Die Insel der Milliardäre“,
Diogenes Verlag AG Zürich 1985; Seite 83 und 84
/8/
Wilfried Feldenkirchen: „150 Jahre Siemens“;
Siemensforum München 19975, Seite 13
/9/
Jules Verne: „Mathias Sandorf“ Teil 1; Deutscher
Bücherbund GmbH & Co Stuttgart München, 1979;
Seite 195
/10/
Jules Verne: „Die Erfindung des Verderbens“; Verlag
Neues Leben 1982; Seite 87
/11/
Dr. Heinrich Samter: „Das Reich der Erfindungen“
1901; Reprintausgabe Gondrom Verlag GmbH, Bindlach 1998; Seite
240
Alle
Quellen aus Collection Fehrmann.
Bemerkungen
zu den Bildern:
#1#
Was hat der Illustrator Riou in der Maschinenhalle eigentlich
dargestellt? Er verknüpfte unterschiedlichste Elemente der
Technik miteinander. So finden wir: Zahnräder die im
Uhrenbau üblich sind (Großes Rad, untypisch für
Maschinenbau), eine elektrische Spule, Tragelemente, Kessel mit
Ventilen. Denn wie sollte er sich eine überdimensionierte
Batterieanlage vorstellen? Siehe dazu ergänzend das Bild
darunter: Druckluftkessel um 1900 (spiegelverkehrt) aus /4/
#2#
Und was sehen wir auf der Illustration von L. Bennett in der
Fabrik? Es handelt sich um eine
Zweifach-Expansions-Dampfmaschine. Diese riesigen Maschinen (wie
zu erkennen über mehrere Stockwerke gebaut) sind in den
90er Jahren des 19. JH typisch für den Antrieb der
aufkommenden Elektrizitätswerke gewesen. Siehe vergleichend
dazu das Bild darunter: Prinzipieller Aufbau der Maschine (aus
Bildatlas zu /4/).
|
MOBILIS
IN MOBILI
oder
die Suche nach dem idealen Antrieb
In
seinen „Voyages Extraordinaires“, oder
„Reiseromanen“ wie sie früher im
deutschsprachigen Raum genannt wurden, geht es natürlich
oft um die Fragen der Fortbewegung. Konsequent nutzen die Helden
Vernes alle damalig verfügbaren Möglichkeiten: Segel-
und Dampfschiff, die Eisenbahn und ganz beliebt bei ihm: Der
Ballon und ergänzend, das Luftschiff. Aber in diesem
Kapitel wollen wir uns nicht der Art des Fortbewegungsmittels,
sonder vor allem der Frage des Antriebs dieser, vor allem seiner
fiktiven Maschinen, zuwenden.
In
seinen ehedem unveröffentlichetem Roman
„Paris
im 20. Jahrhundert“ schildert Verne
schon 1863 verschiedene, damals unübliche
Antriebssysteme. So lernen wir die in Röhren mit Pressluft,
ähnlich einer Rohrpostanlage, funktionierende
Stadtbahnanlage der Pariser doppelgleisigen Ringbahn kennen.
Eine andere Variante stellt er für straßengebundene
Motorwagen vor: Der Gasverbrennungsmotor von Lenoir. Dadurch
nennt er die Fahrzeuge (in der deutschen Übersetzung)
„Gas-Cabs“. Neben dem Prinzip ist auch der
Brennstoff interessant: „Der
wichtigste Vorteil dieser 1859 erfundenen Maschine bestand
darin, dass sie Kessel, Feuerstelle und Brennstoff abschaffte;
eine kleine Menge Leuchtgas, das mit Luft vermischt, unter den
Kolben gleitet und durch einen elektrischen Funken entzündet
wurde, erzeugte die Bewegung; an den verschiedenen
Wagenstationen errichtete Gassäulen lieferten den
notwendigen Wasserstoff; jüngste Weiterentwicklungen hatten
das Wasser, welches eins dazu diente, den Zylinder der Maschine
abzukühlen, überflüssig gemacht.“
/3/ Dies ist wieder eine Beispiel Vernes, wie er ein vorhandenes
Prinzip aufnimmt und in seinen Gedanken breitenwirksam umsetzt.
Dabei beschreibt er quasi nebenbei die Funktion einer
Tankstelle, die es ja 1863 nicht einmal in der Ahnung gab –
wozu auch. Interessant ist, dass es aktuell Bestrebungen gibt,
ein flächendeckendes System von Flüssiggas-Tankstellen
zu errichten. Aber schauen wir uns diese Fahrzeuge der Phantasie
Vernes etwas näher an: „Diese/r
war also einfach konstruiert und leicht zu handhaben; der auf
seinen Sitz thronende Maschinist lenkte ein Steuerrad; ein unter
seinem Fuß liegendes Pedal erlaubte es ihm, die Gangart
des Fahrzeugs augenblicklich zu verändern.“
/3/ Neuzeitliche Maschinisten sollten darauf achten, dass die
Gangart ihrer Fahrzeuge immer den Straßenverkehrsvorschriften
angepasst ist!
Vielleicht
noch eine Ergänzung aus der Technikgeschichte: Der
kontinuierlich laufende und praxistaugliche Gasmotor hat einen
anderen uns allseits bekannten geistigen Vater: „Die
Erfindung des Gasmotors ist dem Kaufmann R. A. Otto
zuzuschreiben, der sich durch Selbststudium genügend
Kenntnisse angeeignet hatte, um an die Lösung des Problems
der Gasmaschine heranzutreten.“ /4/
Ein
paar Jahre später, nämlich 1869 und 1870, kamen die
drei Bände
„20.000
Meilen unter den Meeren“ heraus. In
diesem Roman läßt Verne seiner technischen Phantasie
freien Lauf. Nachfolgend wollen wir uns aber in diesem Beitrag
nur der Frage des Antriebs des U-Bootes zuwenden.
Revolutionär
war der Gedanke, die Nautilus komplett mit allen „Segnungen“
der Elektroenergie auszurüsten. Mit seiner immensen
Vorstellungskraft gestaltete er damit vor den Augen seiner
Leserschar die „Wunder der Nautilus“. Was könnte
Verne zu diesem Gedanken initiiert haben? Wie so oft, gibt es
auch auf diesem Gebiet Anregungen, die er aufgreifen konnte,
aber praktische Anwendungen fehlten weitestgehend. Nachfolgend
will ich vor allem den Stand der Technik aufzeigen, in wie weit
Verne davon profitiert hat, kann und will ich nicht nachweisen.
Aber zwischen Roman und Realität ergeben sich interessante
Vergleiche.
Vielleicht
erscheint das Hauptziel der Entwicklung der Elektrotechnik des
19. Jahrhunderts dem technischen „NUR-Anwender“
etwas kurios. So wurde vor allem an einer leistungsfähigen
Großmaschine zur Stromerzeugung geforscht, aber diese
sollte nicht zum Generationswechsel des „Riesen Dampf“
in der Antriebstechnik genutzt werden, sondern schwerpunktmäßig
wurde eine Stromquelle vor allem für die sich rasch
verbreitende elektrische Beleuchtung gesucht (siehe dazu
„Jules
Verne und die Elektrizität: Die Beleuchtung“).
Dies ist mit einer der Gründe, warum viele wegweisende, aus
heutiger Sicht praktische Erfindungen, etwas unbeachteter
blieben. Der in Sankt Petersburg lebende deutsche Physiker
Moritz Herrman Jacobi
(1801-1875) entwickelte 1838 einen mit galvanischen Elementen
fremderregten Elektromotor. Und eine der ersten praktischen
Anwendungen? Er baute ein 24 Fuß langes Boot, mit dessen
Elektroantrieb er mit vierzehn Personen auf der Newa fahren
konnte. Die Kraft des Motors trieb ein Schaufelrad. Den Motor
dürfen wir uns aber nicht als einen in der heutigen Bauform
bekannten Mechanismus vorstellen. Er bestand aus vier festen und
vier drehbaren Elektromagneten. „Die festen waren die
Feldmagnete, die beweglichen bildeten den Anker und der Strom,
welcher die Fahrbewegung hervorbrachte, er ward natürlich
aus einer Batterie entnommen.“ /11/. Als Energiequelle
nutzte er mehrere Grove-Elemente. Diese nach dem Engländer
Sir William Robert Grove benannte Elemente (dessen Idee heute in
der Brennstoff-Zellentechnologie eine Renaissance erfährt)
stellte eine völlig neue Idee der Energieerzeugung dar,
denn seine Zellen waren eine Umkehr der Elektrolyse. Da die
ersten Grove-Elemente allerdings Platin „opferten“,
waren sie unrentabel und mit der 1867 von Werner Siemens
gemachten Entdeckung des Dynamos (dafür wurde er später
geadelt), bestand auch kein Bedarf mehr an dieser Technik. Das
gleiche Schicksal wurde vielen anderen Elektro-Batterie- und
-Elemente-Systemen zuteil. Und derer gab es viele, denn wie
gesagt, nach der universellen Elektro-Energiequelle wurde
fieberhaft gesucht...
Das
von Siemens entdeckte dynamoelektrische Prinzip stellte dann in
Folge auch die Basis der von mehreren Technikern neu
entwickelten Elektromotore dar. Aber der überall präsente
Dampfantrieb, mit seinen riesigen Transmissionen in den
Werkhallen, verzögerte den Siegeszug des Elektromotors.
Erst Jahre später kam es zu ersten praktischen Anwendungen:
So gab es „1879 die erste elektrische (Schau-)Eisenbahn
auf der Berliner Gewerbeausstellung .., 1881 die erste
elektrische Straßenbahn der Welt in Berlin-Lichterfelde“
/8/. Erst nach und nach kam es zu Anwendungen in der Industrie.
Warum
dieser umfangreiche Exkurs? Erst jetzt können wir die Ideen
Vernes besser einordnen. Begeben wir uns also auf die Nautilus.
Das Antriebssystem wird im Kapitel XII sinnigerweise unter dem
Titel „Die Segnungen der Elektrizität“
beschrieben. Ich denke dieser Titel wiederspiegelt zutiefst die
Überzeugung Vernes. Denn wie lässt er Nemo sprechen:
„Es gibt eine mächtige, leicht
zu beherrschende und jederzeit verfügbare Energie, die sich
für alle Zwecke einsetzen lässt und das Leben hier an
Bord bestimmt. Sie erfüllt alle Bedürfnisse, sorgt
dafür, dass ich Licht habe, dass mir warm ist und dass
meine mechanischen Geräte funktionieren. Diese Energie ist
die Elektrizität.“ /2.1/. Die Philosophie der
Stromerzeugung liest sich dafür etwas komplizierter.
Vereinfacht von mir wiedergegeben: Dem Meerwasser wird Natrium
entzogen, dass dann mit Quecksilber in einem Bunsenelement Strom
erzeugt. Diese Natriumbatterien sollen laut Beschreibung sehr
effektiv sein. Da es sehr aufwendig ist Natrium zu gewinnen,
geschieht dies extern von der Nautilus in einem Stützpunkt
im Innern eines Kraters. Als eigentliche Quelle der Energie,
nämlich für die benötigte Hitze der
„Meerwasserentsalzung“, dient unter Wasser abgebaute
Steinkohle. Aber wieder zurück zum Antriebsprinzip: „Von
den Bunsenelementen braucht man nicht so viele, sie sind stark
und groß, was nach meinen Erfahrungen vorteilhafter ist.
Der gewonnene Strom fließt nach hinten, wo er über
mächtige Elektromagnete auf ein eigens konzipiertes System
von Hebeln und Zahnrädern wirkt, das dann die Bewegung auf
die Schraubenwelle überträgt.“ /2.2/
(Bild aus gleicher Quelle: „Die hell erleuchtete
Maschinenhalle“, Bild darunter siehe dazu Bemerkung #1# am
linken Seitenrand)
Aber
kurz nach der Veröffentlichung Vernes gab es einen
praktischen Nachweis der beschriebenen Funktionalität „fast
vor der Haustür“: „So war das Boot, welches
Trouvé auf der Pariser Ausstellung 1871 betrieb, mit
einer Bunsenschen Batterie von 12 großen Elementen
versehen, die zusammen 94 Kilogramm wogen. Zwei Kabel dienten
dazu, den Strom an den Schraubenmotor zu senden und zugleich das
Steuerruder zu regieren.“ /11 ebenda/
Verne
benötigt für sein Boot eine unter Wasser arbeitsfähige
Antriebskraft. Richtig erkennt er, dass die Elektrizität
dafür ideal geeignet ist. Während spätere U-Boote
ihre Akkuanlagen für die Unterwasserfahrt mit Schiffsdiesel
bei Überwasserfahrt aufladen, entscheidet er sich
naheliegend für idealisierte Batterien, deren
Energienachschub extern erzeugt wird. Was aber tun, wenn es noch
keinen praxistauglichen E-Motor gibt? Oder wenn einem die
Wirkungsweise der Versuche der Techniker verschlossen bleibt? In
Anlehnung der Arbeitsweise von Dampfmaschinen wird ein System
von Hebeln und Zahnrädern (z.B. Exenter- und Kurbel- oder
Planetengetriebe) mit Elektromagneten beschrieben. Aber nicht
die Umsetzung ist das geniale des Gedankens, sondern die
Prophezeihung, dass der elektrische Strom eine ideale
Antriebskraft darstellt! Wie oben erläutert, stand zum
Erscheinen des Buches in der Praxis diese Frage gar nicht zur
Debatte. Dabei geht er sogar noch einen Schritt weiter:
Konsequent in der Anwendung des Stroms beschreibt er auf der
Nautilus das Spektrum von Antrieb, Beleuchtung, elektrischer
Uhr, elektrische Geschwindigkeitsmessung (Elektro-Log),
Elektroherd, elektrische Destillation und
Warmwasseraufbereitung. Denn in den Badezimmern kann man an den
Hähnen Kalt- und elektrisch aufgeheiztes Warmwasser
entnehmen! Man stelle sich diesen Luxus zum damalig
gebräuchlichen Standard, selbst in gutbürgerlichen
Häusern, vor. Diese Bandbreite der Anwendungen halte ich
persönlich für eine der wirklich „seherischen“
Gaben des Schriftstellers.
Im
Roman „Mathias Sandorf“, erstveröffentlicht
1885, werden uns die Schnellboote des Doktor Antekirrt
vorgestellt. Während sie äußerlich den
spindelförmigen, vollgedeckten Schnellbooten der
Thornycroft-Werft ähneln, haben sie doch ein anderes
Innenleben. „Doch in einem wichtigen
Punkt unterschied sich Doktor Antekirrts Boot von den
Thornycroft-Schiffen: Während jene mit überhitztem
Wasserdampf als Antriebskraft arbeiteten, nutzte er die
Elektrizität. Er speicherte sie in mächtigen
Akkumulatoren, die er selbst konstruiert hatte und die seine
Schnellboote mit nahezu unbegrenzter Energie versorgten. Die
Fahrzeuge trugen sogar den Namen ihrer wunderbaren
Energiequelle: Sie hießen alle >Electric< und waren
nur zusätzlich nummeriert.“ /9/. Verne bleibt
bei seiner schon in „20000 Meilen unter den Meeren“
gefundenen Lösung, greift aber auf nicht näher
definierte Batterien zurück. Seine Begeisterung
für diese Energiequelle wiederspiegelt sich auch in der
Namensgebung, wie wir dem Zitat entnehmen können. Alle
weiteren Details einschließlich Bildmaterial zu diesen
Schiffen sind auf meiner Seite:
„Fahrzeuge:
Die Schnellboote ELECTRIC“ zu
finden.
Als
er sich elf Jahre später im Roman „Die Erfindung des
Verderbens“ wiederum eines schnellen und „kräftigen“
Bootes bedient, kommt der Ansatz erneut zum Tragen: Als sich der
Ingenieur Simon Hart, der durch den Seeräuber Ker Karraje
inkognito als Pfleger Gaydon zusammen mit dem Erfinder Roch auf
einem Segelschiff entführt wird, über die
Schnelligkeit des Schiffes wundert, lesen wir kurz darauf:
„Jetzt endlich fällt es mir wie
Schuppen von den Augen, jetzt endlich begreife ich, wie der
Schoner vorwärts gekommen ist. Ohne Segel, ohne Maschine.
Denn nun taucht der unermüdliche Schlepper auf, der die
>Ebba< gezogen hat. Nun schwimmt er an ihrer Seite. Es ist
ein Unterseeboot, wahrscheinlich durch elektrische Batterien
betrieben!“ /10/. In späteren Passagen wird
zwar noch die Entstehungsgeschichte des Bootes erläutert,
der Antrieb selbst bleibt aber nebulös.
Um
1895 waren die Grundlagen der Elektrotechnik mit den Systemen
der Energieerzeugung, -verteilung und -nutzung schon relativ
ausgereift. In seinem zu dieser zeit erschienenen Roman
„Die
Propellerinsel“ greift
er also auf vertrautere „Komponenten“ zurück,
als er deren Antriebssystem beschreibt: „Glücklicherweise
aber hatte zu dieser Zeit die Forschung schon solche
Fortschritte erzielt, dass den Einsatzmöglichkeiten der
Elektrizität, dieser Seele des Universums, keine Grenzen
gesetzt waren. Also entschied man sich, die Inseln mittels
elektrischer Energie fortzubewegen. Zwei Fabriken reichten aus,
um Dynamos von praktisch unbegrenzter Leistungsfähigkeit zu
betreiben, die Gleichstrom unter der relativ geringen Spannung
von 2000 Volt erzeugten und damit ein gewaltiges System von
Schiffsschrauben in der Nähe der beiden Häfen
(die Seiten an den schwimmenden Pontons – Anm. d. A.)
antrieben. Dank hunderter von Heizkesseln
– die mit Erdölbriketts anstatt Steinkohle beheizt
wurden“ ... “entwickelte
jeder Dynamo eine Leistung von fünf Millionen PS.“/7/
(Bild rechts aus /7/: „Eine der beiden Fabriken“;
Bild darunter siehe dazu Bemerkung #2# am linken Seitenrand)
Folgerichtig setzt er die jetzt inzwischen bekannten
Entwicklungen der Elektrotechnik ein.
Also
nichts Neues? Doch – denn früher war es üblich,
dass Schiffsantriebe, zuerst Dampfmaschinen, später auch
Schweröl- und Dieselmaschinen, direkt auf die Welle der
Schraube ihre Kraft übertrugen. Die Schiffsschraube war
sozusagen direkt an die Maschine gekoppelt.
Ausnahmen
bildeten nur die mit Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelten
U-Boote, die wie weiter oben schon beschrieben,
dieselelektrische Antriebe bekamen. Heutzutage nutzen moderne
Schiffsantriebe das schon damals von Verne beschriebene Prinzip
der Entkopplung von Energieerzeugung und Schiffsantrieb.
Dieselgeneratoren erzeugen in sogenannten
Maschinen-Generator-Sätzen Strom, der dann durch den
Einsatz von Umrichtern mit einer eleganten Drehzahlregelung den
elektrischen Antrieb ermöglicht. Eine schnelle Trennung
oder Abschaltung der Schiffsschraube/n ist dadurch ebenfalls
möglich.
Aber
nicht immer wird von Jules Verne alles und jedes Detail
beschrieben. Eleganter und unverfänglicher ist es, wenn man
nur die Wirkungen und den eventuellen Ursprung der Antriebskraft
beschreibt, so wir wir es schon weiter oben bei den
Schnellbooten >Electric< und dem U-Boot Ker Karrajes
gelesen haben. Damit kann man allen praktischen
Detaildiskussionen der Ausführbarkeit den Wind aus den
Segeln nehmen. So geschehen erneut in den Robur-Romanen.
So
setzt Verne im 1886 erschienenen Buch
„Robur
der Eroberer“ auch wieder auf den
Elektroantrieb, beschreibt diesen aber nur sehr verschwommen. So
können wir lesen: „Die
zum Vortrieb und um den Apparat in der Luft zu halten nötige
Kraft bezog Robur weder vom Wasserdampf noch aus komprimierter
Luft oder anderen Gasen, auch nicht aus Explosivstoffen, die ihm
die nötige mechanische Wirkung erzeugten, sondern aus der
Elektrizität. Übrigens hatte er keinerlei
Elektromotore an Bord seines Flugapparates, sondern weiter
nichts als Säuren und Akkumulatoren.“/5/
Zwischenbemerkung von mir: Hier hat sich in der deutschen
Übersetzung offensichtlich ein Fehler eingeschlichen.
Gemeint ist sicher das Fehlen von Dynamomaschinen zum Erzeugen
der Energie, denn Motore werden zum rotatorischem Antrieb der
vielen Luftschrauben benötigt. Aber weiter im Text. „Aber
wie sich diese Säuren zusammensetzten, das war Roburs
Geheimnis, genauso wie die Arbeitsweise der Akkumulatoren.“
... „Nur
eins stand fest: Seine Batterien waren von außergewöhnlich
hohem Wirkungsgrad, seine Säuren von fast absoluter
Widerstandskraft gegen verdunsten oder Gefrieren, und seine
Akkumulatoren lieferten ihm einen Strom wie keine anderen je
zuvor.“/5/
Ähnlich
verhält es sich bei der „Epouvante“, dem
universellen und amphiben Fahrzeug von Robur, im 1904
veröffentlichten Buch
„Der
Herr der Welt“. Als dieser mit
überhöhter Geschwindigkeit in den nordamerikanischen
Straßen gesichtet wird, wird das Ereignis wie folgt
beschrieben: „Auf
die Natur des Motors fehlte es an jedem Hinweis. Gewiss war nur,
und es wurde von allen Leuten bestätigt, dass dieser keinen
Rauch, kein Dampf, ebenso aber auch keinen Geruch nach Petroleum
oder einem anderen Mineralöl hinterließ. Man schloss
daher, dass es sich um einen durch Elektrizität
angetriebenen Apparat handelte, dessen in unbekannter Bauart
hergestellte Batterien einen fast unerschöpflichen Strom
abzugeben schienen.“ /6/ Doch selbst der
clevere Strock, der sich an Bord des Amphibienfahrzeuges
einschmuggelt, kann den Antrieb nicht ergründen. Seine
Version ist eine zentrale Dynamoanlage im Innern der Stützpunkts
Roburs, durch die er die leistungsfähigen Batterien der
„Epouvante“ auflädt. Interessant an dieser
Stelle: Während überall Automobile mit
Verbrennungsmotor ihren Siegeszug antraten, setzt Verne wieder
auf seine geliebte Elektrizität. Ihr traute er alle
Leistungen zu.
Heute profitieren wir wie
selbstverständlich in allen Bereichen des Lebens von der
„Electrizität“. Dabei sollten wir uns als Leser
der Werke Vernes bewusst werden, welch eines Glaubens an den
technischen Fortschritts es bedurfte, um diese breitenwirksame
Umsetzung schon im 19. Jahrhundert zu erkennen.
|