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Die Welt der Technik Jules Vernes: Fahrzeuge / Die Schnellboote „Electric“
(Vehicles: The Speedboats „ELECTRIC“)
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In seinen „Voyages Extraordinaires“, oder „Reiseromanen“ wie sie früher im deutschsprachigen Raum genannt wurden, geht es natürlich oft um die Fragen der Fortbewegung. Konsequent nutzen die Helden Vernes alle damalig verfügbaren Möglichkeiten, wobei Verne in seiner Kreativität noch ergänzende Varianten „erfand“. Unter der Rubrik FAHRZEUGE möchte ich daher einige, der Fantasie Vernes entsprungene Schöpfungen, vorstellen. Beginnen wir also ... |
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Jules Verne Zitate sind wie gewohnt in blau dargestellt.
Sir John Isaac Thornycroft, geboren am 1.2.1843 in Rom (Papstburg, heute Vatikan), gestorben am 28.6.1928 in Bembrigde / Isle of Wight /3/
Quellenangaben, und vielleicht der Reiz etwas mehr darüber zu lesen? (Die Systematisierung bezieht sich nur auf die Nutzung für diesen Beitrag) /1/ Jules Verne: „Mathias Sandorf“ Teil 1; Deutscher Bücherbund GmbH & Co Stuttgart München, 1979; Bild und Zitate von Seite 194/195
/2/ ebenda, Seite 228
/3/ Angaben aus: Encyclopedia Britannica 2003, On-Line-Service (ohne Bild)
/4/ „H.M.V.S. Londsdale (1882 – 1914), Bild 1905“; Quelle: Naval Historical Society on Maritime Archaeology Association Of Victoria, Inc. New Zealand
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und /6/ „H.M.V.S. Defender“ gebaut 1877; Quelle:
/7/ Hans Mehl: „Torpedoboote und Zerstörer“ © 1983 by Transpress VEB Verlag für Verkehrswesen Berlin, 1. Auflage; Zitat von Seite 15 /8/ ebenda, Seite 16 /9/ Brockhaus Konversationslexikon; 14. Auflage 1898, Band 16; Stichwort „Unterwasserboote“, Zitat Seite 109 Der Umrechnung im Text liegt immer zugrunde: 1 sm = 1,852 km
Hier
geht es zu meiner Beschreibung des Buches:
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Frage: Wie kommt man am schnellsten mit einem wassergebundenen Fahrzeug kreuz und quer über das Mittelmeer? Doktor Antekirrt im Roman „Mathias Sandorf“ zeigt es uns: Mit den Schnellbooten ELECTRIC. Wie
schon im Beitrag
Lassen wir durch Zitate Jules Verne selbst zu Wort kommen:
Zur Illustration der Beschreibung sollen Ausschnitte aus den schönen Stichen von L. Benett (oben /1/, rechts /2/) dienen. Ich versuchte der Frage nachzugehen, wie Jules Verne im Jahr 1884, also vor der Erstveröffentlichung des Buches gerade auf den Engländer Thornycroft kommt. Wieso hält er gerade dessen Entwicklung in seinem Buch erwähnenswert? Offensichtlich konnten sich die damaligen Leser unter Booten diesen Namens etwas vorstellen. Thornycroft machte zu dieser Zeit viele Schlagzeilen, denn er war als Marinearchitekt und Ingenieur in den 70er und 80er Jahren des 19. Jahrhunderts ziemlich schnell berühmt geworden. Er galt und gilt als Begründer der modernen Torpedoboottechnik, da er fundamentale Verbesserungen in der Schiffskonstruktion und der Maschinenausrüstung machte. Die von ihm gegründete Werft stellt noch heute unter seinem Namen Boote und Schiffe her. Torpedoboote wurden als „Gegenmaßnahme“ zum Angriff großer Kriegsschiffe entwickelt. „Die ersten unter diesem Gesichtpunkt entworfenen Torpedoboote wurden von der britischen Werft Thornycroft gebaut. Bereits 1876 übernahm die italienische Flotte ein 26-Tonnen-Boot und stellte es unter den Namen IBBIO in Dienst. 1877 stellte die Royal Navy ihr erstes Torpedoboot, die LIGHTNING, in Dienst. Das Boot hatte eine Wasserverdrängung von 27 t .... und lief 18 sm ..... Nach diesem Grundprojekt wurden bis zum Jahre 1883 etwa 250 Boote für viele Auftraggeber gebaut. Bei laufenden Verbesserungen stieg die Wasserverdrängung allmählich auf 50 t an. .... Die Boote erreichten eine Höchstgeschwindigkeit von 22 sm/h.“ /7/
Dies entspricht immerhin schon einer Geschwindigkeit von über 40 km/h ! Die sprichwörtliche Geschwindigkeit der neuen Bootsklasse, vielleicht auch Veröffentlichungen in der Presse, müssen Verne angeregt haben, eine Anleihe an der Entwicklung des Insel-Nachbar zu nehmen. Denn „1877 wurde in St. Denis bei Paris das erste französische Torpedoboot NO.1 in Dienst gestellt. Seine Wasserverdrängung betrug 102 t!“/auch 8/ . In Deutschland wurden zu gleicher Zeit ähnliche Boote in der Schichau-Werft in Elbing gebaut: Z.B. 1883 ein Torpedoboot Typ I mit 39 Meter Länge, oder das für Russland in Elbing gebaute Boot NOWOROSSISK (1886) mit 87,5 Tonnen und ebenfalls 39 Metern Länge (Angaben aus /7/). Warum trotzdem Thornycroft? Das nicht gerade eine deutsche Entwicklung als Vorbild genommen wurde, kann man leicht nachvollziehen. Nach dem Deutsch-Französischen-Krieg 1871 waren Die Beziehungen zum deutschen Nachbarn verständlicherwiese merklich abgekühlt. Weiterhin könnte ich mir vorstellen, dass einzelne Bilder der Thornycroft-Boote aufgrund der Vielzahl der Stapelläufe und auch des Einsatzes in verschiedenen Ländern zur damaligen Zeit eben einfach populärer waren. So liegt der Verdacht nahe, dass zumindest als Vorlage für die Illustrationen ein Bild / Foto der Briten gedient haben muss. Mehr zu diesem Thema weiter unten, zunächst beispielhafte Bilder der Boote, die einen interessanten Quervergleich von Realität und Fiktion zulassen:
Wie oben einleitend erwähnt, gab es aber auch 1883 schon Thornycroft-Boote mit bis zu 50 Tonnen Wasserverdrängung. Beispielhaft sei die 1883 von ihm gebaute SUCHUM, mit einer Tonnage von 65 Tonnen und einer Länge von 34,4 Metern genannt (Angaben aus /7/). Dies kommt den fiktiven ELECTRIC-Booten mit einer Verdrängung von 70 Tonnen auch näher, ebenso die damals schon bei einigen Booten erreichbaren 40 km/h. Jetzt aber ein Kuriosum: Da wir gerade beim Vergleichen sind, stellen wir doch mal die Angaben der „Defender“ mit denen der ELECTRIC gegenüber: Die ELECTRIC ist doppelt so lang wie die „Defender“. Also rein bildlich nicht vergleichbar. Aber jetzt kommt das Eigentümliche: Ich habe im oberen Bild Benetts /1/ die Größe des Matrosen mit 1,8 Meter angesetzt. Wenn ich diese im Verhältnis zur Länge des Bootes setze, erhalte ich eine Bootslänge von 19,6 Meter und nicht die Länge von Vernes beschriebenen 40 Metern! Auf Grund dieser Proportionen vertrete ich die Meinung, dass Benett sich nicht an den Beschreibungen des Textes von Jules Verne hielt, sondern dass er eine Bildvorlage von kleineren Booten der Royal Navy hatte, die er in seinen Stichen nutzte. Was haltet ihr von dieser These?
Zur Zeit der Entstehung des Romans „Mathias Sandorf“ gab es noch weitere interessante Ergebnisse in der Schiffsentwicklung. So wurden unter anderem Spieren- und Fischtorpedoboote gebaut, die teilweise auch in der Ausführung als halbtauchend ausgeführt wurden (d.h. Nur wenige Aufbauten ragten über die Wasseroberfläche. Klasssisches Beispiel: Das halbtauchende Spierentorpedoboot DAVID der Südstaatenflotte im amerikanischen Bürgerkrieg). Obwohl es keine richtigen U-Boote waren, wurden sie teilweise so benannt. Jetzt kommt die Überraschung, die Thomas in seinem Lexikon fand: „1888 erregten die Versuche in Toulon mit dem von dem Ingenieur Zédé konstruierten Unterwasserboot GYMNOTE Aufsehen; Motor ist eine elektrische Krebsmaschine von 55 Pferdestärken, mit der 9 – 10 Knoten Geschwindigkeit erzielt wurden. .... Das Manövrieren wurde durch eine in der Wasseroberfläche liegende Kuppel mit Glaslinsen, die das Ausguckhalten gestattete, wesentlich erleichtert.“ /9/ Und so schlussfolgert er, dass bestimmt schon vor dem Stapellauf Informationen von dieser Entwicklung an die Öffentlichkeit durchsickerten. Beim Arbeitsstil Jules Vernes, der alle verfügbaren Informationen der Bereiche Naturwissenschaft, Technik und Geographie sammelte, liegt der Verdacht nahe, dass auch er davon „Wind bekam“. Wenn also dieser Fakt, zusammen mit den oben beschriebenen Entwicklungsstand der Topedoboote gemischt wird, dann könnte in der Phantasie eines Jules Vernes doch die Idee zur Entwicklung der ELECTRIC-Boote naheliegend sein? |
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