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Jules Verne Bücher in der DDR
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/1/ Nachzulesen in NAUTILUS Nr. 9 vom Oktober 2006; Herausgegeben vom deutschsprachigen Jules Verne Club; Seite 8 - 10. - CF /6743/ ![]() |
Die Reihen des Verlag Neues Leben Berlin
Bis zum Jahre 1971 brachte der Verlag Neues Leben (kurz: NL) diverse, meist mehrfach kopierte und einzel-lizensierte Nachdrucke in kompletter, aber eben oft auch gekürzter Form von Jules Verne heraus. Schon diese zeigten, dass es sich bis auf wenige Ausnahmen, nicht um neue Übersetzungen handelte. Nur wenige Bücher basieren auf eine extra für den Verlag Neues Leben angefertigte Übersetzung. Ausnahmen sind z.B. die Neuübersetzungen des Romans Die Kinder des Kappitän Grant von Walter Gerull-Kardas oder des Mathias Sandorf durch Pauline Schneider. Kennzeichnend für die frühen Jahre des Verlages sind Arbeiten von Dorothea Rahm (wobei bei ihr nicht klar hervorgeht, ob sie auch übersetzte) und anderen, die dann aber nur stilistische Anpassungen alter Texte vornahmen. Anfang der 70er Jahre entschloss man sich eine neue, einheitlich gestaltete Reihe Jules Verne herauszugeben. Wie einleitend erwähnt hatte diese Edition einen markanten Mangel: Es sind meist gekürzte Ausgaben von unterschiedlichsten Bearbeitern oder Überarbeitungen alter, aber nicht so optimaler Übersetzungen aus dem Weichert-Verlag und nur wenigen, aber besseren Vorlagen von A. Hartleben's Verlag. Meist wurden die alte Übersetzungen stilistisch modifiziert und generell wurden sie der damaligen modernen Rechtschreibung angepasst. Wenn ab den 80er Jahren der Vermerk „nach einer alten Übersetzung bearbeitet von Manfred Hoffmann“ erscheint, dann ist dies kein Übersetzer, sondern das ist der „Beschaffer“ von Originalvorlagen, der diese sogar von Privatsammlern auslieh, um sie so dem Verlag als Vorlage zur Bearbeitung zur Verfügung zu stellen. Dies bestätigte der Verne-Sammler Jürgen Bodt †, der Hoffmann kennenlernte und ihm die Romane: Kein Durcheinander (1983), Die Schule der Robinsons (1984), Die Familie ohne Namen (1985) Monsieur Cabidoulin und die große Seeschlange (1985), Robur der Sieger (1986), Der Herr der Welt (1986), Die letzte Fahrt der Chancellor (1988), Abenteuer von drei Russen und drei Engländern in Afrika (1989) und Die seltsamen Leiden des Herrn Kin-Fo (1990) zur Verfügung stellte. Bei der vorherigen Aufzählung habe ich die Erscheinungsjahre in Klammern gesetzt und verwendet wurden die NL-Roman-Titel. /1/ Typisch für die Zeit und der Situation: Als Dank bekam Bodt jeweils ein neu gedrucktes Belegexemplar der Reihe NL brachte im Zeitraum von 1971
bis 1990 eine
Reihe von 28 Jules Verne Bände erstmalig in einem einheitlichen
Gestaltungsbild heraus. Die Größe der
Bücher war einheitlich groß-oktav mit 17 x23,5 cm. Da diese
teilweise in Doppelbänden erschienen,
z.B. Von der Erde zum Mond / Reise um den Mond oder Robur
der Sieger / Der Herr der Welt konnte
man insgesamt 33 Romane Jules Vernes in dieser Reihe erwerben. Eine bebilderte Listung der Bücher habe ich auf meiner Seite: Die Entstehungsgeschichte der Bücher lässt sich über einen längeren Zeitraum verfolgen. Auf Grundlage der damaligen
Die Bände besitzen keine Zählnummern und einige Romane wurden in späteren Auflagen gekürzt. Dies ging meist mit neuer Titelgestaltung oder einer anderen Farbgebung des Buch-Korpus’ einher. Bücher dieser Reihe waren, auch aufgrund fehlender Alternativen, die beliebtesten Verne-Ausgaben auf dem Gebiet der damaligen DDR. Zur künstlerischen Gestaltung: Die Illustrationen wurden stets von unterschiedlichen, aber regionalen Künstlern ausgeführt. Reproduktionen alter Stiche der Hetzel- oder Hartlebenausgaben kamen nie zum Einsatz. Wenn ältere Ausgaben des Verlags NL, die ursprünglich noch nicht in der neuen Reihe integriert waren, Illustrationen beinhalteten, dann wurde dieser Buchschmuck übernommen. Die Illustratoren gestalteten auch die Bildtafeln des Titels. Leider hatte man aus meiner Sicht auch Gestaltern eine Chance gegeben, die sich in das Werk Vernes nicht hineinversetzen konnten. So gibt es Bücher, die recht skuril und fast pop-artig illustriert wirkten, was den Büchern vielleicht nicht immer gut tat.
Eine weitere Besonderheit im Erscheinungsbild irritiert heutzutage auch einige Sammler: Einen Teil der Serie gibt es mit dem Aufdruck buchclub 65. Was hatte es damit auf sich? Der buchclub 65 war, wie der Name es schon sagte, eine Buchgemeinschaft in der DDR - die Einzige! Sie wurde 1965 gegründet. Mitglieder kauften die Bücher nicht wie heute in Filialen, sondern nur über den Versandhandel im Direktbezug. Als Abonnent erhielt man jeden Monat ein Buch zu ermäßigten Preisen. Dazu gab es immer für ein Jahr im vor aus einen Vorschlag mit 12 Büchern. Da die nicht immer gefielen, gab es noch eine Liste mit 12 Alternativen, so genannten Austauschbänden, zur Auswahl. Da die Bücher preiswerter als regulär einzeln gekaufte Bücher waren, nahm man die schon bestehenden Druckstöcke/-vorlagen um diese mit geringfügigen Modifikationen erneut zu nutzen. Die Veränderungen waren die Aufdrucken buchclub 65 auf der Titelei und auf dem Buchrücken. Also Buchfreunde: Keine gesonderte Edition! Beginnend kurz vor den 80er Jahren und verstärkt in diesen, gab es nochmals ein neues Erscheinungsbild. Wahrscheinlich aus Einsparungsgründen wurden die Bände als Paperback in gleicher Größe, aber mit nicht strapazierbarem dünnen Pappeinband angeboten. Anfang als etwas preiswertere Alternative für den Käufer gedacht, wurde ab Mitte der 80er Jahre diese Gestaltungsform bei Nachauflagen fast zum Standard. Siehe dazu beispielhaft etwas weiter oben rechts den Doppelband Die Reise um die Erde in 80 Jahren und Die Reise zum Mittelpunkt der Erde in der 8. Aufl. 1984 (CF/0307/). Die Titelgestaltung wurde dazu nochmals überarbeitet. Im Ergebnis entstanden ziemlich spartanisch aussehende Bücher, die heutzutage auf dem Trödelmarkt verramscht werden. Die großformatige Serie Jules Verne des Verlages endete mit dem Buch Die seltsamen Leiden des Herren Kin-Fo. Das Schicksal dieses Buches wollte es, dass das Erscheinen in Zeiten der Währungsunion 1990 stattfand. Viele DDR-Bürger sahen andere Sachen als Verne-Bücher, die sie jetzt für D-Mark erwerben wollten. Hatten vorherige Ausgabe einen Preis von 7,50 bis 10,50 Mark der DDR, kostete dieses Buch beim Erscheinen über 14 DM. Aus diesem Grunde wurde nicht mal die Hälfte der Auflage verkauft. Die Restexemplare wurden an den Verlag zurückgegeben und später dann recycelt. Dies ist der Grund dafür, dass dieses Buch relativ schwer auf dem antiquarischen Büchermarkt beschaffbar ist. Inzwischen ist es ein Spekulationsobjekt geworden. Geforderte Preise widerspieglen meist nicht den realen Handelswert. Schon vor dem Erscheinen des letzten Bandes dieser Ausgabe, wurde im gleichen Verlag die kleinformatigere „marmorierte“ Ausgabe herausgegeben. Die Groß-Oktav-Bände bildeten meist die Grundlage für die ab 1986 neu aufgelegte kleinformatigen Reihe die ich unten vorstelle. Unterschiedliche Verne-Romane in den Editionen Aber die Werke sind im Umfang zwischen den beiden Editionen nicht deckungsgleich. So gibt es den Roman Mistress Branican nur in der kleinen Ausgabe bei NL, dafür fehlen in der Reihe der kleinen Ausgabe die Romane Die seltsamen Leiden des Herren Kin-fo, Familie ohne Namen und Hector Servadacs Weltraumreise. |
| Verlag
Neues Leben Berlin: JULES VERNE - ausgewählte Werke in Einzelausgaben
(kleinformatige Reihe)
Wie oben rechts zu sehen: Die Gestaltung der Buchrücken
ist gewöhnungsbedürftig. Da das Verneportrait immer proportional der
Rückenbreite eingebunden wurde, ist es stets in einer anderen Größe
gedruckt. Da die Bandzählnummern direkt unter dem Rückentitel
standen, bilden auch diese im Regal eine "Zitterpartie". Jetzt habe ich
im Regal eine ein Meter breite Edition stehen, deren Rücken wie eine
seismische Kurve aussehen. Das war dillettantisch... Die Rückseiten des
Schutzumschlages wurden nicht einheitlich gestaltet. Sie sind teilweise
ohne EIndruck, manchmal mit einer kurzen Zusammenfassung des Inhaltes
zu finden. Genau wie die großformatige Serie hat auch diese Edition einen markanten Mangel: Es sind wieder die meist gekürzten Ausgaben von unterschiedlichsten Bearbeitern oder Überarbeitungen alter, nicht so werksgetreuer Übersetzungen aus dem Weichert-Verlag. Selten wurden die besseren Vorlagen von Hartleben genutzt und nur vereinzelt eine eigene Übersetzung. Bot man anfangs auch recht voluminöse Einzel-Bände wie z.B. Kinder des Kapitän Grant an, wurden später umfangreichere Romane in zwei Bände aufgeteilt.
Eine
Listung der Bücher inclusive aller Titelansichten habe ich auf meiner
Seite: Bild
rechts: Ein Teil der Frontansichten der Edition |
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Copyright © Andreas Fehrmann – 2/2026 letzte Aktualisierung 17. Februar 2026