Collection Fehrmann

Jules Vernes „Voyages extraordinaires"

- Band VE 3: Reise zum Mittelpunkt der Erde -

VERFILMUNGEN

© Bildmaterial: Walden Media



FILM 11






Oben: Das DVD-Cover USA 2008 © Walden Media - unten die deutschsprachige Ausgabe von 2009 durch © WARNER HOME VIDEO

deutschsprachige DVD 


Journey to the Center of the Earth (3D) / Reise zum Mittelpunkt der Erde: Verfilmung USA 2008

Originaltitel: Journey to the Center of the Earth auch unter Journey to the Center of the Earth 3D oder ... 3-D version, Regie: Eric Brevig; Buch: Michael D. Weiss und Jennifer Flackett; Laufzeit 93 Minuten Kinoversion, 92 Minuten DVD; Gedreht in Island und Montréal / Québec in Kanada. - Schauspieler: Brendan Fraser als Prof. Trevor Anderson; Josh Hutcherson als sein Neffe Sean Anderson; Anita Briem als Bergführerin Hannah Ásgeirsson; Seth Meyers als Professor Alan Kitzens; Jean Michel Paré als Max Anderson; Jane Wheeler als Elizabeth Anderson; Frank Fontaine als „Alter Mann“; Giancarlo Caltabiano als Leonard; Kaniehtiio Horn als nicht näher genanntes Mädchen und Garth Gilker als Sigurbjörn Ásgeirsson

Das Jahr 2008 brachte insgesamt drei Verfilmungen zum Thema „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ in den USA auf den Markt. Der erste Film Journey to the Center of the Earth unter der Regie von T.C. Scott wurde am 27. Januar 2008 im Fernsehen uraufgeführt, daher wird er auch mehrfach mit dem Produktionsjahr 2007 vorgestellt). Dann folgte die größte Anmaßung unter der Angabe, eine Verfilmung eines Verne-Werkes zu sein: Die Fernsehproduktion  Journey to the Center of the Earth, die auch unter Journey to Middle Earth in den Staaten lief. Ein Machwerk unter der Regie von David Jones und Scott Wheeler. Am 11. Juli 2008 wurde dann der nachfolgender Kinofilm unter der Regie von Eric Brevig erstaufgeführt, der auch als 3D-Version den Kinofreunden angeboten wurde. Die Grundlage der nachfolgenden FIlmbesprechung war die originale US DVD ohne 3D Effekt.

Professor Trevor Anderson ist ein Vulkanologe, der im Labor seines Bruders Max arbeitet. Dieser ist bereits seit zehn Jahren verschollen. Die Situation im Labor ist nicht gerade rosig: Es soll wegen mangelnder Finanzierung geschlossen werden. In dieser Situation soll Trevors 13jähriger Neffe Sean zehn Tage bei ihm verbringen, da seine Mutter Elizabeth, die Frau des verschollenen Bruders, sich vorbereitet, nach Kanada zu ziehen. Trevor, im Film das Klischee des trotteligen Professors bedienend, hat natürlich vergessen, dass Sean kommt, bis er durch seinen Anrufbeantworter daran erinnert wird. Als trotz Bedenken der Mutter der Junge bei Trevor verbleibt, so richtig überzeugt ist sie nicht von dessen Haushaltsführung, zeigt dieser ihm einige Andenken von seinem Vater. In einem kleinen Kasten hat er Erinnerungsstücke, unter anderem eine englischsprachige Ausgabe der „Reise zum Mittelpunkt der Erde“, stark kommentiert und mit Hinweisen versehen durch Max Anderson. Jetzt wird Sean neugierig, denn er hat keine Kenntnis, wie sein Vater verschwand. Gibt das Buch vielleicht eine Antwort? Beide blättern darin, finden unter anderem handschriftliche Zahlenkolonnen und geografische Angaben. Da wird Trevor stutzig: Gleiche Zahlen zu Vulkanaktivitäten hat er selbst im Labor ermittelt. Zeigt das Buch einen Lösungsansatz? Im Labor stellt findet er heraus, das der Weg nach Island zeigt. Aufgeregt will er sofort auf eine Expedition gehen, um die These zu untersuchen. Er beabsichtigt Sean zurück zu seiner Mutter zu senden, scheitert aber an dessen Protest. So starten beide in das Abenteuer. Ansatzpunkt ist der Vermerk, dass der isländische Vulkanologe Sigurbjörn Ásgeirsson mehr wissen soll. Als sie dessen Haus besuchen, kommen sie allerdings zu spät. Sie treffen nur seine Tochter Hannah an, er selbst ist verstorben. Sie bietet den beiden an, sie gegen Bezahlung zu führen, denn ihr Beruf ist Bergführer. Eintragungen ihres Vaters in einer französischen Ausgabe des Buches „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ zeigen den Weg: Es geht über den Snäffels Jökull in das Innere der Erde.

Als sie den erloschenen Vulkan bestiegen haben, beginnt ein Messinstrument am inneren Berghang des Vulkankegels wieder zu senden. Bei der Auswertung des Gerätes werden die drei durch einen Gewittersturm mit dicht einschlagenden Blitzen zur Flucht in eine Höhle gezwungen. Ein Blitzschlag macht durch einen Bergsturz den Eingang der Höhle unpassierbar, so das Trevor, Sean und Hannah den Weg in das Innere einschlagen (Szenenbild rechts oben von links: Trevor, Sean und Hannah; © Walden Media).  Sich anfangs vorsichtig vorwärts tastend, werden die drei immer mutiger, bis ihnen ein senkrecht abfallender Schlund Einhalt gebietet. Aber die gewitzte Bergführerin hatte vorsorglich mehrere hundert Meter Seil mit (!!!) und alle drei seilen sich parallel nebeneinander ab. Unten angelangt erreichen sie einen alten Berkwerksvortrieb, der noch mit entsprechenden Schienenmaterial und Loren ausgestattet ist. A la Indianer-Jones beginnt nun ein haarsträubende Abfahrt, todesmutig rasen sie in ein Achterbahn ähnliches Schienenlabyrinth, welches kontinuierlich nach unten führt. Nach einem halsbrecherischen Haltemanöver geht es diesmal unfreiwilliger Weise im freien Fall nach Einbrechen einer dünnen Zwischendecke senkrecht nach unten. Einsetzende Tropfenbildung und immer mehr zunehmende Nässe soll zwar die Illusion einer möglichen Bremsung geben, aber jedem Praktiker stehen bei solchen Filmumsetzungen die Haare zu Berge. Nach „Wasserung“ und Überwindung letzter Hindernisse gelangen die drei Reisenden endlich an ein unterirdische Meer, an dessen Ufer sie eine alte Lagerstelle entdecken. Dort finden Trevor und Sean das Expeditionstagebuch von Max Anderson und kurz darauf entdecken Hannah und Trevor auch dessen Leiche. Gemeinsam begraben sie ihn und Trevor liest dabei eine Tagebuchnotiz Max'ens vor, der in Gedanken immer bei seinem Sohn war, zumal die Eintragung sich auf den Geburtstag von Sean bezog.

Die nachfolgenden Notizen geben Trevor aber zu denken: Max hatte Zeitzyklen entdeckt, die eine periodische Erhitzung der sich in der Magma des Erdinnern befindlichen Gas- und Gesteinsblase in der sie sich gerade befanden, aufzeigt. Eine jetzt aktuell ansteigende starke Erhitzung drängt zur Eile, denn die Temperatur wird unerträglich werden. Dies bringt Trevor aber auch zum Lösungsansatz, wie sie wieder an die Oberfläche gelangen können: Sie müssen einen Geysir finden, der sie fahrstuhlartig nach oben bringen kann. Die Zeit drängt, in wenigen Tagen muss eine geeignete Stelle gefunden werden, denn der Temperaturanstieg wird auf 135 Grad prognostiziert. Dazu ist der unterirdische Ozean zu überwinden, was die drei mit einem Floss welches mit einer Art Lenkdrachen angetrieben wird, bewerkstelligen. An dieser Stelle beginnen die Wassermonster- und Saurierszenen, die dann selbst am späterem Festland immer haarsträubender werden. Fraglich nur, warum die angeblich zyklischen Erhitzungen nicht schon beim ersten mal die Fauna vernichtet haben. Aber naturwissenschaftliche Grundlagen sind nicht eben die Stärke dieses Filmes. Also weiter: Die nun folgenden Szenen der Saurierverfolgung und der Überwindung fragwürdigster geologischer Formationen lasse ich einfach mal aus. Als sich endlich Trevor und Sean in einem Fluss wieder finden, taucht jedenfalls genau im richtigen Zeitpunkt Hannah in einem Teil eines Saurierschädels paddelnd auf, um die beiden aufzunehmen. Nach einer Stromschnelle geht es senkrecht abwärts, bis sich genau lagerichtig die Schädelplatte mit den Reisenden in der Röhre verklemmt. Jetzt wird es eng: Unten steigt glutflüssige Lava auf, aber man hängt fest. Die Lösung könnte eindringendes Wasser geben, dies ist aber nach Erkundung des Vulkanologen hinter einer Wand. „Zufällig“ sind in dieser Wand unterhalb des „Schädelfahrzeuges“ Magnesiumeinschlüsse, die Trevor zünden kann. Die Wand bricht auf, das Wasser unterhalb der Schale fällt senkrecht nach unten und dies bildet eine Dampfwolke die die Schale nach oben treibt. Dadurch werden die drei aus dem Vesuv in Italien ausgeworfen. Aber wie gewohnt geht alles klar. Mit den mitgebrachten Diamanten aus der Unterwelt, Sean hatte sie heimlich aufgeklaubt, wird entstandener Schaden bei einem Weinbauern am Vesuv bezahlt, der größere Teil aber dient dazu, das von der Pleite bedrohte Labor der Andersons zu finanzieren. Denn gleich nach der Rückkehr (was man alles so in zehn Tagen erleben kann ...) in Amerika wird dies geregelt. Und - wie sollte es auch anders sein: Während des Abenteuers hatten sich Hannah und Trevor „gefunden“, die beide gemeinsam am letzten Tag vor dem offiziellen Besuchsende von Sean bei Trevor diesen verabschieden wollen. Dabei gibt Trevor Sean ein Buch über „Atlantis“, eine Drohung an die Zuschauer, dass es noch eine Fortsetzung geben könnte?

Nachbemerkungen: Ich habe als ursprüngliche Grundlage meiner Rezension die US-DVD verwendet, konnte also bei der ersten Bewertung nicht die 3D-Darstellung betrachten. Damit war aber offensichtlich der größte Charme des Filmes verloren gegangen. Die Kenntnis über die 3D-Darstellungen gab mir zwar die Erklärung dafür, warum so viel Sturzszenen und Berg- und Talfahrten im Film untergebracht wurden, aber ohne die 3D-Effekte wirkte der Film so wie er auch inhaltlich war: Sehr blass. Inzwischen habe ich auch die 3D-Kinoversion gesehen und ich besitze zusätzlich auch die deutschsprachige 3D-DVD-Variante. Der Film ist optisch attraktiver geworden, hat für Genre-Fans bestimmt auch einen höheren Unterhaltungswert, aber es ist eben nur mehr Show. Zur allgemeinen Umsetzung des Stoffes: Die anfängliche Begeisterung für den Ansatz einen Bezug zum Vernewerk zu finden, auch der Hinweis auf Vernians (die Freunde des Werkes von Jules Verne) und das Zeigen der Buchvarianten im Film, selbst die Buchzitate, konnten nicht meine „Zahnschmerzen“ über die einfach strukturierte Fabel und den haarsträubenden Fehlern und dem massenweise auftretenden biologisch-physikalisch-geologischen Unfug beseitigen. Und wenn ein Drehbuch nur als eine Aneinanderreihung von Stunt-Einlagen und kontinuierlichem „sich vorwärts bewegen“ gesehen wird, dann wird das Potential des Stoffes verschenkt. Am beeindruckendsten waren für mich die Landschaftsaufnahmen und die schauspielerische Leistung des jungen Josh Hutcherson als Neffe Sean Anderson. Der entwickelte sich im Film in seiner Rolle sehr überzeugend, ich denke wir werden ihn noch öfters wieder sehen.

Im Endeffekt ist es ein reiner Kinderfilm geworden, da der Film bei sehr jungem Publikum durchaus noch eine Chance hat. Ob diese Faszination „für Größere“ auch im Normalkino erreichbar ist, bezweifle ich. Es blieb also wieder mal bei einem Versuch, eine frische und annähernd werkskonforme Umsetzung zu schaffen. Ziel verfehlt! Übrigens: Für Zuschauer die einen Film mit sehr wachen Augen sehen und dabei besonders auf Fehler und Logikpannen achten, wird der Film eine wahre Fundgrube sein. Nur beim flüchtigen Erinnern fallen mir solche Dinge ein wie: Nutzung eines Mobil-Telefons im Erdinnern (was auf dem Weg dorthin übrigens richtigerweise nicht funktionierte), dass Saurier in Wüsten gelebt haben sollen, das Bergwerke in Vulkanen errichtet wurden – dann auch noch ohne jegliche exakte Vortriebsrichtung, dass hunderte Meter Seil in einen Rucksack passen sollen (für dessen Marke übrigens umfassend geworben wird) und und und. Die geologischen Dinge lasse ich mal lieber gleich beiseite ....

Buch

Die Reise zum Mittelpunkt der Erde - Buch und Übersicht der Verfilmungen


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Hinweis: Beschrieben werden nur in meiner Sammlung befindliche Bücher und Verfilmungen. Copyright © Andreas Fehrmann – 12/08, letzte Aktualisierung 24. Januar 2016

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