|
|
Zu Hause bei Jules Vernes in Nantes (1828 bis 1848) |
|
Jules Verne Zitate sind wie gewohnt in blau dargestellt.
Da ich nicht auf französischer Archive zugreifen konnte, habe ich diesmal besonders viele mir verfügbare Literaturquellen zitiert.
Quellenangaben, und vielleicht der Reiz etwas mehr darüber zu lesen? (Die Systematisierung bezieht sich nur auf die Nutzung für diesen Beitrag) /1/ Irene Martschukat: „Tal der Loire“; DUMONT-Reiseführer Köln 1995 ISBN 3-7701-3259-9; Seite 220 /2/ Jules Verne: „Kindheits- und Jugenderinnerungen“; Deutsch von Bernhard Krauth, aus: NAUTILUS Nr. 6, September 2005; Zitat von Seite 5 /3/
Volker Dehs: “Jules Verne – eine kritsche Biographie;
Pathmos 2005; Seite 19(Detailangaben siehe
/4/ Jules Verne: „Reise mit Hindernissen nach England und Schottland“; Paul Zsolnay Verlag Wien 1997 ISBN 3-552-04861-8; Seite 20.
/5/
Volker Dehs: „Jules Verne“ Rowohlt
Taschenbuch Verlag GmbH 1986; Seite 15 (Detailangaben siehe
/6/ siehe /2/ ebenda Seite 6
/7/ Souvenirs d'Enfance et de Jeunesse, Cahier de l'Herne Nr. 25 (Jules Verne). Paris 1974/1998 S. 59 (gefunden bei /5/)
/8/ Diese Informationen stammen aus dem Artikel „Nantes et Jules Verne“ von TERRESDECRIVAINS.COM vom 28. August 2003 (Stand 09/2005) siehe unten
/9/ siehe /5/ ebenda; Seite 102 /10/ und /11/ Archiv municipale de Nantes /12/ Die Postkartenmotive wurden auf Sammlerbörsen und Auktionen gefunden. Durch mich wurden sie mehrfach bearbeitet und teilweise beschnitten. /13/
Jean-Paul Dekiss (Hrsg.): „Jules Verne – Le poete de
la science“ Timée-Editions 2005; Seite 16 - Bild
bearbeitet; (Detailangaben siehe
/14/ Bildzitat vom Artikel “Nantes et Jules Verne” (Artikel 153) © TERRESDECRIVAINS.COM
Ergänzende Artikel / Dokumente:
|
„In Nantes spürt man bereits das Meer. An sonnigen blauen Tagen reflektieren die Kalksteinfassaden der Bürgerhäuser das gleißende atlantische Licht, und die stets ein wenig feuchte, schmeichelnde Luft bringt den Geruch der nahen See mit sich.“ /1/ schwärmt ein Reiseführer. In dieses Umfeld hinein wurde Jules Verne geboren. „Sohn eines Halb-Parisers und einer rein bretonischen Mutter, habe ich ein einer durch die Seefahrt belebten großen kommerziellen Stadt gelebt, die Ausgangspunkt zahlreicher langer Reisen ist. Ich sehe wieder die Loire, deren zahlreiche Nebenflüsse durch die Brücken verbunden sind.“ ... „Die Schiffe liegen am Kai in zwei oder drei Reihen. Andere fahren den Fluss hinauf oder hinab.“/2/ So beschreibt Jules Verne seine Geburtsstadt Nantes in seinen Jugenderinnerungen.
Kurz nach seiner Geburt entschlossen sich Jules Eltern zum Wohnungswechsel. Sie zogen zum Quai Jean Bart Nr. 2 in eine eigene Wohnung, direkt über der Rechtsanwaltspraxis von Pierre Verne. Kurz darauf wurde Paul, der Bruder von Jules geboren. Der heranwachsende Jules besuchte in seiner Schulzeit in Nantes die Schulen „l’école Saint-Stanislas“, das „Petit séminaire Saint-Sébastien“ am Livet und später das „Lycée Clémenceau“ (Gymnasium). 1846 begann er mit seinem Jurastudium in Nantes, um dieses dann ab 1848 in Paris fortzusetzen. Danach hatte er in Nantes nie wieder seinen Hauptwohnsitz. Von der ersten eigenen Wohnung zogen die Eltern erst elf Jahre später wieder weg. „1840 war die Familie des Anwalts – zum letzen Mal – umgezogen, wieder entlang der Loire und dann ein wenig stadteinwärts in die Rue Jean-Jaques Rousseau Nr. 6. Hier sollten es die Vernes mit der Zeit zu einer richtigen kleinen Kolonie bringen: In der Nr. 8 wohnten die Châteaubourgs, später Marie mit ihrem Mann, in der Nr. 13 Paul mit seiner Frau Berthe; direkt gegenüber, in der Rue Suffren Nr. 1, mietete sich Jules Verne samt Gattin während der Jahre 1877 und 1878 ein.“/3/
BILDER – links: Nantes, die Kais am Hafen – rechts: Chantenay, der Markt /12/ Die malerischen Umgebung seiner Jugend brachte Jules Verne im Roman „Reise mit Hindernissen nach England und Schottland“ den Lesern nahe (weitere Literatur-Verweise siehe unten). So beschrieb er die Region wie folgt: „Am Ende des Hafens von Nantes verbreitert die Loire sich auf majestätische Weise; ihre Wasserfläche besteht an dieser Stelle aus dem Zusammenfluß von acht oder neun Armen, deren gelbliche Fluten sich an den Bogen vieler Brücken gebrochen haben. Auf der linken Seite erstreckten sich friedlich die Insel und das Dorf Trentemoult, deren Bewohner ein recht auffälliges Äußeres besitzen, ihre alten Bräuche bewahrt haben und sich, wie es heißt, nur untereinander verheiraten. Zur Rechten stieß der Kirchturm von Chantenay seine lange Spitze in den abendlichen Nebel.“ /4/ In dieser Beschreibung tauchen neben Nantes gleich zwei geografische Namen auf, die in Beziehung zu Jules Verne stehen: Trentemoult ist der Geburtsort von Olive, dem Kapitän der „Saint Michel III“ und Chantenay wird zum festen Bestandteil im familiären Leben der Vernes, denn „1838 erlaubt die finanzielle Lage den Kauf eines Sommerhauses in Chantenay am südlichen Loire-Ufer, wo sich Jules und Paul ausgiebig austoben können“. /5/ Das Chantenay mit zur Prägung des jungen Jules beigetragen hat, lässt sich an den nachfolgenden Selbstzeugnissen erkennen: „Ich war noch keine zehn Jahre alt, als mein Vater ein Landgut am Rande der Stadt kaufte, in Chantenay. Was für ein schöner Name! Es lag auf dem Hang des rechten Loire-Ufers. Von meinem Stübchen aus sah ich den Fluss sich auf einer Strecke von zwei bis drei Lieues ausbreiten; zwischen den Wiesen, die während des Winters durch seine großen Überschwemmungen überdeckt waren.“ /6/ „Mangels Gelegenheit, auf dem Meere zu fahren, segelten mein Bruder und ich eben mitten durch das Land, durch Felder und Wälder. Hatten wir keinen Mast zum Hochklettern, verbrachten wir die Tage in den Gipfeln der Bäume! Jeder versuchte, sein Nest am höchsten einzurichten. Wir unterhielten uns, lasen, schmiedeten Reiseprojekte, während die vom Wind bewegten Äste die Illusionen des Schlingerns und Stampfens entstehen ließen.“ /7/
BILDER – links: Handzeichnung Vernes „La maison de campagne de la familie Verne“ /13/ - rechts: Das gleiche Haus heute /14/ Dieses Landhaus „Rue des Réformes sous l’église“ Nr. 9, beherbergt heute ein medizinisches Kabinett. Im 19. Jahrhundert konnte man noch im Park hinter dem Haus bis zur Loire hinunter gehen. /8/ Heute ist dieser Zugang verbaut und die Umbauten am Haus schaffen es, nur schwer eine Vergleichbarkeit mit dem alten Bild herzustellen. Welche nachhaltige Wirkung dieses Haus in Jules Vernes Jugenderinnerungen hatte, zeigt sich nach dem Tode der Mutter am 15. Februar 1887. „Selber schwer krank, kann Verne erst nach ihrer Beerdigung eine Reise antreten, um die Erbschaftsangelegenheiten zu erledigen und schweren Herzens das Haus in Chantenay zu verkaufen.“ /9/
Weiter
mit:
In Besinnung seiner Wurzeln lässt Verne die vorgenannten Orte in mehreren seiner Romane wieder „auftauchen“. So finden wir Beschreibungen oder Bezugnahmen von NANTES in: “Reise mit Hindernissen nach England und Schottland“, „Paris im 20. Jahrhundert“, „Die 500 Millionen der Begum“, „Robur der Sieger“, „Meister Antifers wunderbare Abenteuer“, „Der stolze Orinoko“, „Reisestipendien“, „Der Goldvulkan“. Weiterhin tauchen in vielen seiner Bücher Schiffe auf, die Nantes als Heimathafen haben. TRENTEMOULT in: “Reise mit Hindernissen nach England und Schottland“ und von Paul Verne in der Kurzgeschichte: „Von Rotterdam nach Kopenhagen ...“ CHANTENAY in: “Reise mit Hindernissen nach England und Schottland“, „Der stolze Orinoko“. Dieser Ort wird als Namensgeber von mehreren Schiffen in seinen Romanen verwendet. |
![]()
|
|
|
Copyright © Andreas Fehrmann – 10/05, update 4. Oktober 2005