Deutschsprachige Editionen der Werke Jules Vernes -Teil 2

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Teil 2: Deutschsprachige Ausgaben von ca. 1940 bis Heute

mein LogoNachfolgend möchte ich eine Übersicht der bekanntesten deutschsprachigen Editionen im Sinne von größeren Erscheinungsreihen vorstellen. Bewusst habe ich keine Ausgaben eines Verlages ausgewählt, die nur zwei oder drei Titel auflegten. Meine Darstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Übersicht soll dem Leser, oder den Freunden der Bücher Jules Vernes die eine Sammlung aufbauen wollen, eine kleine Orientierung sein. Aus diesem Grunde sind nicht alle Reihen mit allen verfügbaren Informationen untersetzt, meist sind es nur Groborientierungen. Die Auswahl der vorgestellten Reihen erfolgte auch unter dem Gesichtspunkt der Auflagenstärke oder der heutigen Verfügbarkeit bzw. der Häufigkeit im Angebot der Antiquariate oder anderer Quellen.

Und hier ein Service für Sammler: Nützliche Hilfen und Hinweise gebe ich über den Ratgeber für Sammler deutschsprachiger Bücher von Jules Verne in konzentrierter Form weiter. Zum allgemeinen Nachschlagen von Fachbegriffen habe ich ein Glossar buchtechnischer & buchgestalterischer Begriffe mit Erläuterungen von Mängeln an Büchern zusammengestellt, da es öfters zu Fehlinterpretationen bei Buchangeboten kommen kann.

Sammler, die Beispiel-Exemplare nicht bildlich dargestellter Reihen haben, oder die anderweitig mit Hintergrundinformationen dienen können, sind aufgerufen, mir erweiternde Hinweise oder Links zur Informationsbeschaffung via E-Mail zuzusenden. Aber getreu meinen selbstauferlegten Gestaltungsregeln, möchte ich keine Werbung unterbringen oder Links zu Händlern oder anderen gewerblichen Interessenvertretern auf meinen Seiten einbauen. Da ich meine Sammlung von Fakten, Hintergrundinformationen und Büchern zum Thema Jules Verne, ebenso wie meine WEB-Auftritt, unter den Sammelbegriff COLLECTION FEHRMANN gestellt habe, bitte ich, Verwechselungen im Sprachgebrauch mit Buchreihen zu vermeiden. Die bei den Beispielbüchern angegebenen CF/xxxx/ - Registraturen sind die Exemplarnummern meiner Sammlung.

    Buchreihen aus den 40er und 50er Jahren

    .... sind mir leider nicht bekannt. Nach meinem Kenntnisstand sind meist nur Einzelbücher verlegt worden. Also beginnen wir ganz bescheiden mit kleineren Serien oder Editionen





Das Beispielbuch ist von 1958/59. DANKSAGUNG: Vielen Dank an Michael Heep, der mir die ersten Informationen zukommen ließ und an Stefan Marniok, der gut ergänzen konnte,

    HIRUNDO-Bücher

    Buchformat: Oktav (14,3 x 20,7 cm)

    HIRUNDOAb der Mitte der 50er Jahre, konkret von 1955 bis 1961, wurden in der Reihe der HIRUNDO-Bücher sechs Bände von Jules Verne aufgelegt, die durch teilweise vorhandene Doppelausgaben insgesamt neun Verne-Romane beinhalteten. Ausgestattet waren die Bücher mit modernen, gefälligen Zeichnungen, wie im linken Bildbeispiel von von H.J. Tripp.


Diese kleine Serie bestand aus den nachfolgenden Werken: Bd. 4 - Die Reise zum Mittelpunkt der Erde; Bd. 6 – In 80 Tagen um die Welt; Bd. 16 – Der Kurier des Zaren; Bd. 29 - Fünf Wochen im Ballon; Bd. 46 – 20.000 Meilen unter dem Meer und Bd. 66 – Die Reise zum Mond und um den Mond als Doppelausgabe. Die Bücher wurden jeweils von Kurt Lorenz bearbeitet. Die Seitenzahlen schwanken zwischen 160 bis 317 Seiten. Der Druck erfolgte in Kleins Druck- und Verlagsanstalt GmbH in Lengerich (Westf.)









Beispielbuch: Der Donaulotse; Bd. 80 von 1964; CF/8701/

    Verlag Neues Leben: Kompass-Bücherei

    Buchformat: TB, klein-Oktav (11 x 17,5 cm)

    KOMPASSDiese DDR-Taschenbuchreihe des Verlag Neues Leben Berlin legte in der Zeit von 1962 bis 1983 insgesamt zwölf Bücher von Jules Verne auf. Die Taschenbuch-Serie selbst war angelegt als eine Sammlung von Abenteuerliteratur, die das Spektrum: Klassiker der Abenteuerliteratur, Reise-, Kriminal- und Sciencefiction-Romane umfasste. Durch diese Streuung der Thematik sprach man eine breite jugendliche Leserschaft an. Das Erscheinungsbild über all die Jahre war außen im Kopfbereich stets der Namenszug der Reihe: KOMPASS mit unterschiedlicher Gestaltung und Farbgebung. Alle Taschenbücher waren laufend nummeriert. Der Schriftzug im inneren der Bücher differierte. Mal ist von „Kompass-Bücherei Band xx“ zu lesen, manchmal auch von „Kompass-Bücherei Band xx“. Bei WEB-Recherchen sollte an beide Schreibweisen berücksichtigen.

Von Jules Verne wurden unter anderem aufgelegt: Band 58, Band 65, Band 80, Band 120 usw. - eben immer mit großen Lücken, also keine Verne-Edition im engeren Sinne. Den Lizenznummern der Ausgaben, die später durch ISBN ersetzt wurden, ist zu entnehmen, dass sie in einem Fall die Basis der späteren großen Leinenausgaben (siehe weitere Details dazu weiter unten: Jules Verne – Neues Leben) des gleichen Verlages dienten. Eine bebilderte Übersicht aller Ausgabe ist hier zu finden: Verne als KOMPASS-TB











Beispielbuch: Bd. 20 Die Gebrüder Kip / Das Land der Diamanten, 1968; CF/5001/



DANKSAGUNG: Vielen Dank für die ergänzenden Hinweise und für das Bildmaterial an Oliver Wurl

    BÄRMEIER & NIKELVerlag Bärmeier & Nikel: Die große Jules Verne Ausgabe in 20 Bänden

    Buchformat: klein-Oktav (11 x 18 cm)

BÄRMEIER & NIKELDiese Reihe des Verlags Bärmeier & Nikel, Frankfurt/M (B&N), erschien in den Jahren 1966 bis 1968 mit 20 Bänden, obwohl in ersten Anzeigen eine Ankündigung einer Edition von geplanten 22 Bänden erfolgte. Siehe dazu weiter unten das Beispiel-Impressum einer früheren Ausgabe. Die Bücher waren im Taschenbuchformat gehalten, aber solide in schwarzes Leinen gebunden. Verwendet wurde holzfreies Papier mit dem Nachdruck von jeweils 40 bis 50 Holzstichen der alten Originale. Jedes Buch hatte einen Schutzumschlag. Je zwei Romane bildeten ein Buch, welche zu Beginn der Edition einzeln verkauft wurden. Dabei wurde jedes Buch für 10,- DM angeboten, was aufgrund der Verarbeitung ein moderater Preis war. Die Alternative von DIOGENES, siehe weiter unten, kostete damals pro Band bis zu 12,- DM. Die höheren Bände der ersten original B&N-Ausgaben hatten auf der hinteren Umschlagklappe einen Bon. Für sechs Bons erhielt man ein Jules-Verne-Plakat. Man konnte aus vier Motive im Format DIN A1 eine Auswahl treffen. Sieh dazu das Bild rechts. Allen Ausgaben und Varianten ist eigen, dass der ursprüngliche Text Vernes stark bearbeitet wurde. Der Umstand, dass zwei Romane in ein kleinformatiges Buch passen, sollte den Leser schon stutzig machen. Der Verlag B&N druckte schon bei den ersten Büchern die Aussage ein: „Für diese Ausgaben wurden die Texte neu übersetzt und eingerichtet. Copyright und alle Rechte an dieser neuen Textgestaltung liegen beim Verlag ....“. Damit ist wenigstens die Schuldfrage für den gewissenlosen Umgang mit dem Originaltexten geklärt. Eine der Ursachen der damals als zeitgemäß bezeichneten Übersetzungen, war die Förderung des damaligen „Jungautors“ Wolf Wondratschek durch den Mitherausgeber Hans A. Nikel.

    BÄRMEIER & NIKEL
    Etwas später wurde die Edition unter dem Verlag R. Löwit in Lizenz herausgegeben, eine Variante die heute unter Sammlern als die populärere dieser Ausgaben gilt. Zu erkennen sind diese Ausgaben an den Vermerken im Impressum: Entweder „Lizenzausgabe R. Löwit – Wiebaden; Gesamtherstellung Mladinska Knjiga, Ljubljana Jugoslawien“ oder „Lizenzausgabe R. Löwit – Wiebaden; Papier, Druck und Bindung: Salzer-Ueberreuter, Wien“. Der Herausgeber Löwit wertete die Serie im Vergleich zu B&N nochmals optisch auf: Die originalen B&N Bücher hatten auf dem Leinenrücken noch einen gelben Aufdruck Verne und die Bandzählnummer. Unter Löwit wurde der Schriftzug in Gold gestaltet. Gleichzeitig bot man die 20 Bände in Schubern, auch Kassetten genannt, an. Wie schon bei den B&N Originalen waren je zwei Romane in einem Band – aber jetzt bildeten je vier der Bände eine Kassette. Diese war mit römischen Zahlen von I bis V versehen. Weitere Details kann man der Listung des weiter unten stehende Links „Verlag Bärmeier & Nikel ...“ entnehmen.

    Trotz der Kürzungen war diese Reihe sehr beliebt, vor allem da sie auch unbekanntere Werke Vernes publizierte. Das nach vielen Jahrzehnten auch endlich wieder ein Teil der Originalillustrationen, wenn auch in meist in nicht so guter Qualität, angeboten wurde, trug ebenfalls zur Beliebtheit der Bücher bei. Eine Listung der Bücher habe ich hier auf meiner Seite: Verlag Bärmeier & Nikel Frankfurt/M: Die große Jules Verne Ausgabe in 20 Bänden (1966 bis 1968) vorgenommen. Da zeitgleich mit dem Erscheinen bei B&N bei DIOGENES die nachfolgend vorgestellte Reihe von Verne-Büchern herauskam, schrieb DIE ZEIT „... der Leser hat tatsachlich eine Wahl: Bärmeier & Nikel hat seinen Verne beträchtlich gekürzt, um ihn als Action-Autor vorzustellen, Diogenes läßt den seinen vollständig. Wer vor allem „Handlung" will, wird zu den knallgelben B & N -Bänden greifen; wer lieber selber entscheidet, welche Partien eines Buches ihm nicht gefallen, zu der dezenteren Diogenes-Ausgabe. Beide Editionen aber haben einander genützt: Erst die doppelte Werbung hat das Interesse des Publikums in diesem Maß geweckt, ja, das Kuriosum der Verdoppelung an sich schon hat sich als werbewirksam erwiesen.“ (Zitat: „Wenn Zwei das Gleiche machen“ DIE ZEIT, 30.09.1966 Nr. 40 - 30. September 1966)





Beispielbücher: Links oben: Schutzumschlag des Buches Das Karpathenschloß von 1973 und rechts oben der Schutzumschlag von Die Leiden eines Chinesen ... von 1967. ücher unten: Zwei Jahre Ferien; Diogenes Verlag AG Zürich; 1973 ISBN 3-257 00932 6; CF /3213/ und Das erstaunliche Abenteuer der Expedition Barsac; dto. 1978; ISBN 3-257 00966 6; CF /9003/



DANKSAGUNG: Vielen Dank an Matthias Markmann, der mir das Bildmaterial der Schutzumschläge und weitere Informationen zukommen ließ. Vielen Dank auch für die Ergänzenden Hinweise an Oliver Wurl. Bei Matthias Claus bedanke ich mich für die Schenkung des unten zu sehenden Buches Zwei Jahre Ferien.

    DIOGENES: Sammlung klassischer Abenteuer

    Buchformat: klein-Oktav (11 x 18 cm)

    DIOGENESDIOGENESIm Rahmen des Zyklus' Sammlung klassischer Abenteuer beim Diogenes Verlag Zürich, in dem u.a. die Autoren Leblanc, Haggart und Le Fanu erschienen, wurden im Zeitraum von 1966 bis 1973 insgesamt 19 Bände von Jules Verne herausgebracht. Vom Erscheinungsbild handelt es sich um braune Leinenbände im Klein-Oktav-Format, die jeweils unterschiedlich gestaltete Schutzumschläge hatten. Eine Ausnahme bildet das 1969 erschienene Buch Reise um den Mond. Der damals aktuellen Mondlandung geschuldet erschien es in einem silberfarbenen Schutzumschlag, der unter Sammlern als „Space-Umschlag“ getitelt wird. Auch die 3. Auflage von Von der Erde zum Mond hatte diesen Umschlag. Zusätzlich wurde bei beiden Bänden auf dem Schmutztitel ein silberfarbener Hinweis eingeklebt: "Im Jahr des Mondes 1969 folgten die Astronauten Armstrong, Collins und Aldrin Jules Vernes ersten Mondfahrern Ardan, Nicholl und Barbicane". In der Verlagszeitschrift Das Tintenfass erschien dazu 1969 eine Sondernummer, von der unten links die Titelzeile der Seite 1 zu sehen ist. Insgesamt hatte die Ausgabe 6 Seiten.

    Die Ausgaben hatten keine Zähl- oder Editionsnummern und der Umfang der Bücher beschränkte sich auf insgesamt 19 Bände, obwohl, wie aus Werbehinweisen in den Büchern hervorgeht, weitere Titel geplant waren. So wurde u.a. noch ... Hatteras beworben. Noch 1969 wurde von insgesamt 50 Bänden geschrieben. Die Bücher die auf sorgfältig übersetzten Manuskripten aufbauten, bildeten später die Grundlage der Taschenbuch-Edition des gleichen Verlages. Details dazu siehe weiter unten. Eine Listung der Bücher habe ich auf meiner Seite: Diogenes Verlag Zürich: Jules Verne, Sammlung klassischer Abenteuer (Ausgaben von 1966 bis 1973) vorgenommen.

    Logo

    Nach den oben genannten Ausgaben gab es noch eine Art Ergänzung. Im Zeitraum von 1973 bis 1978 erschienen als so genannte Diogenes Sonderbände die Ausgaben: Zwei Jahre Ferien, Die großen Seefahrer und Entdecker (als Die großen Seefahrer des 18. und 19. Jahrhunderts vorangekündigt) und Das erstaunliche Abenteuer der Expedition Barsac. Die Gestaltung erfolgte durch unterschiedlich gefärbte Leinenbände und individuellen Schutzumschlägen, wie unten in den Beispielen zu sehen ist. Dadurch wurde die Attaktivität der Ausgaben erheblich erhöht. Das Buchformat hatte abweichend von der Grund-Edition die Größe: 13 x 20 cm.

    DIOGENES SonderDIOGENES Sonder 



Beispielbuch: Die 500 Millionen der Begum; Bd. 10, 1969; CF /1801/

    Fischer Taschenbuch Verlag: Jules-Verne-Werke in 20 Bänden

    Buchformat: TB, klein-Oktav (10,5 x 18 cm)

    FISCHER 20Der Fischer Taschenbuch Verlag Frankfurt/M verlegte im Zeitraum von 1968 bis 1971insgesamt 20 Romane Jules Vernes. Dabei handelt es sich um die schon weiter oben kritisierten stark gekürzten Ausgaben des Verlages Bärmeier & Nikel. Wenn man die jeweils als ein Taschenbuch aufgelegten dünnen Heftchen vor sich hat, dann merkt man auch als Laie wie dürftig das Ergebnis ist. Wer es zum Beispiel schafft Keraban der Starrkopf, in den unterschiedlichsten Leinenausgaben um die 350 Seiten stark, in ein Taschenbuch von zirka 150 Seiten zu zwängen, der muss schon eine gewisse Kaltblütigkeit gegenüber dem Urheber des Werkes zeigen. Ein kleines Trostpflaster sind eventuell noch die spärlichen, im Text eingebauten Reproduktionen alter französischer Holzschnitte. Trotz der aufgezeigten Mängel schaffte es diese Edition, durch die kleinen Preise und der hohen Auflage das Werk Jules Vernes den jugendlichen Lesern nahezubringen. Daher ist diese Ausgabe durchaus als prägend für das Leseverhalten im Zeitraum der Endsechsiger im westlichen Teil Deutschlands anzusehen. Die gleiche Wirkung hatte im Ostteil Deutschland die nachfolgende Edition des Verlages Neues Leben.

    Vom Erscheinungsbild sind die Bücher ziemlich markant: An der oberen Kante haben sie einen gelben Streifen mit der Verlagsbezeichnung. Alle Titel sind mit einer Fotocollage, die dem damaligen Zeitgeschmack geschuldet etwas grell ist, versehen.

    Eine Listung der Bücher habe ich auf meiner Seite: Fischer Taschenbuch Verlag Frankfurt/M: Jules Verne – Werke in 20 Bänden (1968 bis 1971) vorgenommen.

    Verlag Neues Leben Berlin: Jules Verne (großformatige Reihe)

    Buchformat: groß-Oktav (17 x 23,5 cm)

    NL groß Spannend Erzählt - KomplettansichtNL groß Spannend ErzähltDer Verlag Neues Leben (auch NL genannt), Berlin (DDR) brachte im Zeitraum von 1971 bis 1990 eine Reihe von 28 Jules Verne Bände erstmalig in einem einheitlichen Gestaltungsbild heraus. Da diese teilweise in Doppelbänden erschienen, z.B. Von der Erde zum Mond / Reise um den Mond oder Robur der Sieger / Der Herr der Welt konnte man insgesamt 33 Romane Jules Vernes in dieser Reihe erwerben. Eine bebilderte Listung der Bücher habe ich auf meiner Seite: Verlag Neues Leben Berlin: Jules Verne (Groß-Oktav-Ausgaben 1971 bis 1990) vorgenommen. Die Entstehungsgeschichte der Bücher lässt sich über einen längeren Zeitraum verfolgen. Auf Grundlage der damaligen Lizenznummern, die der Registratur und wahrscheinlich auch der Freigabe zu Druck der Bücher dienten, aber auch an den Auflagen-Nummern kann man erkennen, dass einige Vorlagen der Reihe bereits aus den 50er Jahren stammten. Selbst zwei Vorläufer aus der Taschenbuchreihe KOMPASS sind inhaltlich und gestalterisch in die Reihe eingeflossen. Die ersten Bücher in der neuen Gestaltungsform ab 1971 basierten auf Ausgaben der Jugendbuchserie SPANNEND ERZÄHLT. Unter diesem Label wurden Abenteuerbücher aus aller Welt, ergänzt durch nationale Autoren herausgegeben. Am Beispiel des Buches Die geheimnisvolle Insel möchte ich kurz die „Evolution“ des Buches erläutern. Oben links ist die Ausgabe von 1965/66, der 1. und 2. Auflage zu sehen. Sie wurde als Band 61 der Reihe SPANNEND ERZÄHLT gestaltet, in Leinen mit Schutzumschlag (CF/1207/). Ab der 3. Auflage 1971 entfiel der Schutzumschlag und die Ausgabe gab es in Halbleinen oder starkem Karton. (Bild rechts; CF/1208/) aber mit gleicher Gestaltung. Ab Mitte der 70er Jahre wurde die Ausgabe mit identischem Inhalt und gleichen Illustrationen in die Reihe Jules Verne des Verlages aufgenommen. Dabei erhielt sie das neue, jetzt einheitliche Layout der Serie. Zu erkennen an dem meist, aber nicht immer, dunklen Körper der Bücher, dem markanten Schriftzug Jules Verne und auf der Rückseite stets einheitlich mit dem Portrait Vernes und einer Kurzbiographie. Siehe dazu ein Beispielbuch unten links: 5. Auflage 1979; CF/1209/, übrigens ein Buch was auch in späteren Auflagen in anderen Farbgebungen aufgelegt wurde.

    NL großNL groß PaperbackWas währe noch zu bemerken? Nur wenige Bücher basieren auf eine extra für den Verlag Neues Leben angefertigte Übersetzung. Daher hat diese Edition einen markanten Mangel: Es sind meist gekürzte Ausgaben von unterschiedlichsten Bearbeitern oder Überarbeitungen alter, aber nicht so optimaler Übersetzungen aus dem Weichert-Verlag und nur wenigen, aber besseren Vorlagen von A. Hartleben's Verlag. Meist wurden die alte Übersetzungen stilistisch modifiziert und generell wurden sie der damaligen modernen Rechtschreibung angepasst. Wenn ab den 80er Jahren der Vermerk „nach einer alten Übersetzung bearbeitet von Manfred Hoffmann“ erscheint, dann ist dies kein Übersetzer, sondern das ist der „Beschaffer“ von Originalvorlagen, der diese sogar von Privatsammlern auslieh, um sie so dem Verlag als Vorlage zur Bearbeitung zur Verfügung zu stellen.

    Die Bände besitzen keine Zählnummern und einige Romane wurden in späteren Auflagen gekürzt. Dies ging meist mit neuer Titelgestaltung oder einer anderen Farbgebung des Buch-Korpus’ einher. Bücher dieser Reihe waren, auch aufgrund fehlender Alternativen, die beliebtesten Verne-Ausgaben auf dem Gebiet der damaligen DDR.

Zur künstlerischen Gestaltung: Die Illustrationen wurden stets von unterschiedlichen, aber regionalen Künstlern ausgeführt. Reproduktionen alter Stiche der Hetzel- oder Hartlebenausgaben kamen nie zum Einsatz. Wenn ältere Ausgaben des Verlags NL, die ursprünglich noch nicht in der neuen Reihe integriert waren, Illustrationen beinhalteten, dann wurde dieser Buchschmuck übernommen. Die Illustratoren gestalteten auch die Bildtafeln des Titels. Leider hatte man aus meiner Sicht auch Gestaltern eine Chance gegeben, die sich in das Werk Vernes nicht hineinversetzen konnten. So gibt es Bücher, die recht skuril und fast pop-artig illustriert wirkten, was den Büchern vielleicht nicht immer gut tat.

Eine weitere Besonderheit im Erscheinungsbild irritiert heutzutage auch einige Sammler: Einen Teil der Serie gibt es mit dem Aufdruck buchclub 65. Was hatte es damit auf sich? Der buchclub 65 war, wie der Name es schon sagte, eine Buchgemeinschaft in der DDR - die Einzige! Sie wurde 1965 gegründet. Mitglieder kauften die Bücher nicht wie heute in Filialen, sondern nur über den Versandhandel im Direktbezug. Als Abonnent erhielt man jeden Monat ein Buch zu ermäßigten Preisen. Dazu gab es immer für ein Jahr im vor aus einen Vorschlag mit 12 Büchern. Da die nicht immer gefielen, gab es noch eine Liste mit 12 Alternativen, so genannten Austauschbänden, zur Auswahl. Da die Bücher preiswerter als regulär einzeln gekaufte Bücher waren, nahm man die schon bestehenden Druckstöcke/-vorlagen um diese mit geringfügigen Modifikationen erneut zu nutzen. Die Veränderungen waren die Aufdrucken buchclub 65 auf der Titelei und auf dem Buchrücken. Also Buchfreunde: Keine gesonderte Edition!

Beginnend kurz vor den 80er Jahren und verstärkt in diesen, gab es nochmals ein neues Erscheinungsbild. Wahrscheinlich aus Einsparungsgründen wurden die Bände als Paperback in gleicher Größe, aber mit nicht strapazierbarem dünnen Pappeinband angeboten. Anfang als etwas preiswertere Alternative für den Käufer gedacht, wurde ab Mitte der 80er Jahre diese Gestaltungsform bei Nachauflagen fast zum Standard. Siehe dazu beispielhaft etwas weiter oben rechts den Doppelband Die Reise um die Erde in 80 Jahren und Die Reise zum Mittelpunkt der Erde in der 8. Aufl. 1984 (CF/0307/). Die Titelgestaltung wurde dazu nochmals überarbeitet. Im Ergebnis entstanden ziemlich spartanisch aussehende Bücher, die heutzutage auf dem Trödelmarkt verramscht werden. Die großformatige Serie Jules Verne des Verlages endete mit dem Buch Die seltsamen Leiden des Herren Kin-Fo. Das Schicksal dieses Buches wollte es, dass das Erscheinen in Zeiten der Währungsunion 1990 stattfand. Viele DDR-Bürger sahen andere Sachen als Verne-Bücher, die sie jetzt für D-Mark erwerben wollten. Hatten vorherige Ausgabe einen Preis von 7,50 bis 10,50 Mark der DDR, kostete dieses Buch beim Erscheinen über 14 DM. Aus diesem Grunde wurde über die Hälfte der Auflage nicht verkauft. Diese Restexemplare wurden an den Verlag zurückgegeben und später dann recycelt. Dies ist der Grund dafür, dass dieses Buch relativ schwer auf dem antiquarischen Büchermarkt beschaffbar ist.

Schon vor dem Erscheinen des letzten Bandes dieser Ausgabe, wurde im gleichen Verlag die kleinformatigere „marmorierte“ Ausgabe herausgegeben. Die Groß-Oktav-Bände bildeten meist die Grundlage für die ab 1986 neu aufgelegte Reihe. Siehe dazu weiter unten: Verlag Neues Leben Jules Verne – Ausgewählte Werke in Einzelausgaben





Beispielbuch: Die Leiden eines Chinesen in China 1972; CF/1903/

    Edito Service Genf: Freizeit - Bibliothek (17 Bände)

    Jules-Verne-Reise-und-Abenteuer-Romane (1971-1973)

    Buchformat: Oktav (12 x 19,5 cm)

    EDITOSo wie gerade beim Verlag Neues Leben beschrieben, haben auch Ausgaben anderer Verlage einen langen und nicht enden wollenden Weg. Die Reihe des Diogenes Verlages Sammlung klassische Abenteuer wurde als Nachdruck in ansprechender Bindung von Edito im Zeitraum von 1971 bis 1973 nochmals aufgelegt. Die Entscheidung war richtig, da dadurch die sorgfältigen und ungekürzten neuen Übersetzungen von Diogenes übernommen wurden. Die Auswahl der aufgelegten Werke ist nicht nachvollziehbar, da sie willkürlich erscheint . Siehe dazu die Listung der Bücher im nachfolgenden Link. Der Umfang dieser Edition ist nicht identisch mit dem Umfang der Vorlage. Die Bücher sind in einer attraktiven blauen Kunstlederbindung erschienen, die durch einem aufgesetzten, in Gold geprägten Kopf Vernes ergänzt wurde. Einige Bände sind mit umfangreichen Vorworten versehen. Generell sind alle mit den Bildern der französischen Alt-Ausgaben gestaltet worden.

    Eine Listung der Bücher habe ich auf meiner Seite: Edito Service Genf: Freizeit-Bibliothek (1971 bis 1973) vorgenommen.











Beispielbücher von links: detebe 64/XVII: Die Gestrandeten, 1977; CF/8801/; Mitte: detebe-Klassiker 21243: Die Insel der Milliardäre, 1985; CF/4101/; Rechts: detebe-Klassiker 21237: Das erstaunliche Abenteuer der Expedition Barsac, 1984 (Ausgabe 1995); CF/9001/

    Diogenes Verlag: Jules Verne (Diogenes Taschenbuch)

    Buchformat: TB, klein-Oktav (11,5 x 18 cm)

    Diogenes Diogenes Diogenes

    Der Diogenes Verlag Zürich gibt seit 1974 im Rahmen seiner breit angelegten Taschenbuchreihe die unterschiedlichsten Werke Vernes heraus. Dabei wandelten sich im Laufe der Zeit die Erscheinungsbilder und leider auch die Systematiken der Buchnummerierung, also die Bandnummern. So ist es schwer eine Übersicht aller Bände zu geben, zumal dieser Verlag sein Sortiment noch ständig erweitert. Einheitlich kann man den Herausgebern bescheinigen, dass sie sehr sorgsam mit dem Textmaterial der Originale umgingen. Basis dazu waren wohl anfangs die oben genannten Bücher der Sammlung klassische Abenteuer, die dann zunehmend durch andere Werke ergänzt wurden. Die Gestaltung der Bücher erfolgte auf Grundlage der alten Holzschnitte der französischen Erstauflagen. Eine Listung der Bücher habe ich auf meiner Seite: Diogenes Verlag Zürich: Jules Verne (detebe, Ausgaben von 1974 bis heute) vorgenommen.











Beispielbücher: Oben – Clovis Dardentor; Bd. 71 Pawlak, 1984; CF/4301/; Unten: Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer; Lizenzausgabe von 1984 der Buchclubs; CF/0606/

    Pawlak: Collection Jules Verne

    Buchformat: TB, klein-Oktav (11,5 x 18 cm)

    PAWLAKSo wie links im Buchbeispiel zu sehen ist, wurde diese Reihe einheitlich gestaltet. Die Taschenbuchreihe des Manfred Pawlak Verlages Berlin / Herrsching ist mit 100 Bänden die im deutschsprachigen Raum wohl vollständigste Edition. Alle Copyright beziehen sich auf 1984 in jeder Ausgabe. Basis der Reihe war die alte Hartleben Edition, die noch ergänzt wurde. Auf Grund der Vollständigkeit der Werke zählt die Reihe zu den preiswerten und gern gesammelten Büchern, wenn man einen möglichst großen Fundus von Verne-Ausgaben besitzen möchte. Alle im Bücherschrank stehenden Exemplare sehen gleich stark aus, was man durch eine geschickte Aufteilung der Seitenformate geschafft hat. Vielleicht war das auch der Grund, warum auch diese Reihe einen kleinen Wermutstropfen hat: Wahrscheinlich aufgrund der Restriktionen des Taschenbuchformates wurde einige Ausgaben umfangreicher gekürzt. Ein weiterer Knackpunkt: Vielleicht um die magische Zahl 100 zu erreichen, hat man einen Band der Hartlebenvorlage den Lesern vorenthalten. So sind die Bände 96 und 97 identisch mit den Teilen 1 und 2 des Buches Die Schiffbrüchigen des Jonathan. Aber der im Original noch vorhandene Teil 3, komplett ab Kapitel 5 des Romans fehlt.

    PAWLAK bei BUCHCLUBDas Erscheinungsbild ist stets einheitlich blau. Auf dem Titel sind Bildzitate alter Stiche französischer Altauflagen zu erkennen, die aber nicht immer zum Inhalt gehören müssen. Der Buchrücken ist an der Oberseite mit der Nummer innerhalb der Collection und einem markanten Bildnis von Jules Verne und am unteren Buchrücken mit dem Pawlak-Logo geschmückt. Eine Listung der Collection ist in der Anlage jedes Buches vorhanden, so dass man sich einen guten Überblick verschaffen kann. Hier folgend die Listung der Bücher auf meiner Seite: Pawlak Taschenbuch Verlag Berlin, Herrsching: Collection Jules Verne (1984)

    Die Betreuung der Reihe oblag Thomas Ostwald. Dieser veröffentlichte 1978 das Buch Jules Verne – Leben und Werk. Dieses Buch wurde in einer Neuauflage, eben für diese Edition, gestalterisch der Pawlak-Serie angeglichen. Dadurch galt sie als offizielles Begleitbuch der Serie. Siehe dazu Quelle /5504/ meiner Seite: Hintergrundinformationen..., dort sind ergänzende Details zu „erlesen“ und beide Varianten als Bildbeispiele zu sehen.

    Bertelsmann Buchclub und andere: Collection Jules Verne

    (Buchbeispiel rechts) Es sieht aus wie eine optische Täuschung, aber es ist eine andere Edition: Mehrere Ausgaben der Pawlak-Reihe wurden für den Bertelsmann Buchclub, der Deutschen Buchgemeinschaft und für die Buchgemeinschaft Donauland (Wien) in einem rotem Erscheinungsbild nachgedruckt. Unterscheidungsmerkmale sind die Farbgebung, das fehlende Pawlak-Logo, der Wegfall der Zählnummer des Bandes (auch innen) und das Fehlen der Gesamtübersicht der Ausgaben im Anhang des Buches.





Links: Faltblatt des Bertelsmann Buchclubs 1992; Buchbeispiel: Mathias Sandorf 1979 Deutscher Bücherbund GmbH & Co. Stuttgart München. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlages A. Hartleben. Inh. Dr. Walter Rob, Wien 1; mit den Originalillustrationen von L. Benett; CF/2703/)

Bertelsmann Buchclub und andere: Bekannte und unbekannte Welten. Abenteuerliche Reisen

    Buchformat: groß-Oktav (17 x 24,5 cm)

    Buchclub FlyerBeispiel BuchclubEin interessantes Projekt realisierte der Deutsche Bücherbund Stuttgart / München und die angeschlossenen Buchgemeinschaften ab ca. 1978 bis 1985 (in den jeweiligen Clubs unterschiedlich) und dann Anfang der Neunziger nochmals: Eine Wiederauferstehung der alten Hartleben'schen Ausgaben, umgangssprachlich meist als „Reprint“ getitelt, was aber inhaltlich falsch ist. Es sind weder die Texte der Altausgaben noch eine Übernahme des Originalsatzes in Schrift und Bild. Daher sind die Bücher auch deutlich am modernen Satz der Texte zu erkennen. Da in den verschiedenen Buchgemeinschaften eine unterschiedliche Anzahl von Büchern aufgelegt wurde, (teilweise auch neue Zusammenstellungen, die es so bei Hartleben nicht gab, kann ich eine genaue Anzahl der Bände pro Buchclub nicht angeben. Sie schwanken je nach Gemeinschaft zwischen 29 und 35 Bände.

Diese Bücher sind aufwendig ausgestattet und schön gestaltet. Man erkennt an ihnen genau, warum ein Buchbinder eben Buchbinder heißt. In optischen Gestaltung des Buchrückens und der Deckel hat man versucht, das Original nachzuempfinden. Im Innenleben sind die Reproduktionen der ganzseitigen Stiche gut gelungen. Das Beste was es bis dato nach Hartleben auf dem deutschsprachigem Buchmarkt gab.

    Da ich regelmäßig Rückfragen zu diesen Editionen hatte, habe ich eine Sonderseite mit allen Details der alten Originale und die der nachempfundenen Ausgaben der Buchclubeditionen zusammengetragen. Zu finden sind die Informationen auf der Seite: Die Hartleben-Prachtausgaben: Die Originale und die Buchclubeditionen im Vergleich

    Durch die Herausgeber wurden zwei optisch unterschiedliche Varianten verlegt: Es gibt Ausgaben, die eine reliefgeprägte Halbleinen-Einbandgestaltung haben, auf denen auch die im Original vorhandenen Goldprägungen nachempfunden worden sind. Spätere Varianten kommen ohne Relief und ohne Goldprägung aus, denn dort wurde die Prägung weg gelassen und das Gold in gelblicher Farbe einfach aufgedruckt. Weitere Details sind in der oben angesprochenen Detailseite zu finden. Den Versuch einer Listung der Bücher vom Bertelsmann Buchclub habe ich auf meiner Seite: Neugestaltet: Bekannte und unbekannte Welten ... 1992 – 1994 gemacht.







Beispielbuch: Mrs. Branican; Bd. 14 von 1991; CF/3601/

    Verlag Neues Leben Berlin: Jules Verne - Ausgewählte Werke in Einzelausgaben (kleinformatige Reihe)

    Buchformat: Oktav (12 x 19,5 cm)

    NL kleinWie schon oben in der Jules Verne - Reihe des Verlags Neues Leben Berlin angesprochen, begann der Verlag ab 1986 eine neue Jules Verne Reihe herauszugeben. Bis 1989 wurde diese Reihe in hoher Auflagenzahl verlegt. Als 1990 aus dem damaligen VEB-Verlag durch Umstrukturierung eine GmbH wurde, hatte sich die Marktsituation grundlegend geändert. Zwar hatte die Edition bis dahin schon den Umfang von zehn Bänden erreicht, danach waren die Auflagenstärken aber bedeutend geringer. Dies ist der Grund dafür, dass von den Bänden eins bis ca. neun der Gebrauchtmarkt überschwemmt ist, die Folgebände aber rarer sind. Zur Gestaltung: Die alten 24 cm hohen Bücher wurden auf 19 cm „Normalgröße“ gebracht und mit einem neuen einheitlichen Layout versehen. So wie links dargestellt sehen alle Bücher aus: Basis ist ein weißer Kartoneinband mit blauer Schrift, eingehüllt wie dargestellt mit einem stets marmorierten Schutzumschlag und einem zu den Innen-Illustrationen passenden Titelbild. Die ersten Bücher wurden vom Satz her übernommen, wobei der Umfang der Illustrationen gekürzt wurde. Genau wie die großformatige Serie hat auch diese Edition einen markanten Mangel: Es sind wieder die meist gekürzten Ausgaben von unterschiedlichsten Bearbeitern oder Überarbeitungen alter, nicht so werksgetreuer Übersetzungen aus dem Weichert-Verlag. Selten wurden die besseren Vorlagen von Hartleben genutzt und nur vereinzelt eine eigene Übersetzung. Bot man anfangs auch recht voluminöse Einzel-Bände wie z.B. Kinder des Kapitän Grant an, wurden später umfangreichere Romane in zwei Bände aufgeteilt.

    Neu war die jetzt vorhandene durchgehende Bandzählung der Edition. Die Reihe wurde mit dem wirtschaftlichen Ende des Verlages gegen Ende der 90er Jahre eingestellt, Restexemplare wurden bis 2001 im Handel angeboten. Die kurz nach dem Einstellen der Serie geforderten Preise von Wiederverkäufern für die letzten Jahrgänge, entsprechen nicht der Qualität der Übersetzungen und des materiellen Wertes der Bücher. Oft sind die Preise rein spekulativ, sie sollten von Lesern nicht akzeptiert werden. Eine Listung der Bücher habe ich auf meiner Seite: Verlag Neues Leben Berlin: Jules Verne - Ausgewählte Werke in Einzelausgaben (Oktav-Ausgaben, von 1986 bis 2001) vorgenommen. Eine Wandlung der alten Ausgabe in eine neue Reihe ist bildlich gut an diesem Buch erkennbar: Abenteuer dreier Russen und dreier Engländer in Südafrika





Beispielbuch oben: Der Archipel in Flammen; ISBN 3-596-28930-0 Fischer Taschenbuchverlag Frankfurt am Main, Juni 1987, Neu übersetzt und eingerichtet von Martin Doehlemann und Hans-Jürgen Wagener. 144 S. mit ganzseitigen Illustrationen

Beispielbuch unten: Der Herr der Welt ... ISBN 3-89350-627-6 Genehmigte Lizenzausgabe für Weltbild Verlag GmbH Augsburg 1994 © by B & N Bücher & Nachrichten (Bärmeier & Nikel) Verlags-GmbH & Co KG Frankfurt am Main; CF/5302/

    Fischer Taschenbuch Verlag: Die große Jules-Verne-Ausgabe in 33 Bänden

    Buchformat: TB, klein-Oktav (10,5 x 18 cm)

    FISCHER 33Anknüpfend an seine 20-bändige Reihe von 1968 bis 1971 startete der Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt / M 1987 eine Neuauflage, die dann auf 33 Bände erweitert wurde. Sie basiert wieder auf die Bärmeier & Nikel Lizenzen, die schon 1968 bis 1971 Basis der Fischer-Taschenbücher waren. Diese Edition ist mit den gleichen Einschränkungen zu sehen, die ich schon oben gegeben habe. In der Regel kann man davon ausgehen, dass der Inhalt um ca. 30 % zusammengekürzt wurde und viele Verne-untypische, modische Redewendungen eingefügt wurden. Es ist schade, dass gerade diese verstümmelten Versionen solch eine Verbreitung gefunden haben. Auch diese Ausgaben sind wieder sehr auffällig in der Farbgebung gestaltet. Eine Listung der Bücher habe ich auf meiner Seite: Fischer Taschenbuch Verlag Frankfurt/M: Jules Verne – Werke in 33 Bänden (ab 1987) vorgenommen.

FISCHER 33

    Der Edition erging es dann so ähnlich wie den weiter oben vorgestellten Pawlak -Taschenbüchern. Im fast gleichem Gewand kamen sie nur ein paar Jahre später wieder auf den Buchmarkt. Die offensichtlich nicht tot zu kriegenden Textvorlagen erlebten nochmals 1994 eine Renaissance. Der Weltbildverlag Augsburg legte die Taschenbücher wieder auf, ebenfalls wieder auf Basis der Bärmeier und Nikel-Lizenzen. Rein optisch handelt es sich um die gleichen Ausgaben wie die der vorgenannte Fischer-Edition, nur mit kleinen Abweichungen in der Erscheinung: Das Fischer-Logo ist vom Titel verschwunden und auf dem Buchrücken ist im unterem Teil Weltbild Verlag eingedruckt. Auf der Rückseite ist wie bei Fischer der körperlose Jules Verne am Ballon hängend dargestellt. Die Bände haben keine Zählnummern. Beide Varianten der Taschenbücher werden heutzutage auf dem Bücher-Gebrauchtmarkt verschleudert. Meine Empfehlung: Trotz des Billigangebotes sollte man auf bessere Übersetzungen zurückgreifen um ungetrübten Lesespaß zu haben.



Bemerkung: Die Version des Bd. 11849 scheint noch nicht ganz dem Original zu entsprechen, da sie auf einer Übersetzung und „Einrichtung“ der 6/1970er Ausgabe durch Wolf Wondraschek entspricht. Beipielbuch links: Zwanzigtausend Meilen unter den Meeren (CF/0603/): ISBN 3-596-13376-9, 1997, 3. Auflage 2000; Rechts: Ausgabe März 2003; ISBN 3-596-15714-5)

    Fischer Taschenbuch Verlag: Bibliothek der klassischen Abenteuerromane (Neuübersetzungen)

    Buchformat: TB, Oktav (12,5 x 19 cm)

    FISCHER neuFISCHER neuUnd jetzt kommt die Rehabilitation des Fischer Taschenbuch Verlages. Mit den neuen Ausgaben im Rahmen der BIBLIOTHEK DER KLASSISCHEN ABENTEUERROMANE machte Fischer einen großen Schritt nach vorn: Mit ungekürzten Übersetzungen und mit sämtlichen (!) Illustrationen der französischen Hetzel-Ausgaben erhalten die Verne-Freunde Bücher, die dem Original weitestgehend entsprechen. Aus meiner Sicht das Beste, was ein Taschenbuch bieten kann. Zirka ab dem Jahr 2000 handelt es sich nach Angaben des Verlages um ungekürzte Neuübersetzungen.

    Die Titel dieser überarbeiteten Taschenbuch-Edition habe ich auf meiner Seite: Fischer Taschenbuchverlag Frankfurt/M: Jules Verne – Neuübersetzungen (ab 1992 bis heute) gelistet. Diese Reihe wird noch fortgesetzt. 2002 wurden die Ausgaben im Titelbild überarbeitet, das markante Fischer-Logo sollte als Orientierung dienen. Links ist das Erscheinungsbild der Bücher zu sehen die durch Restbeständen bis 2002 verkauft wurden. Rechts ist der gleiche Roman in der jetzt gebräuchlichen optischen Form, hier aus dem Jahre 2003, zu sehen. Wie mir eine Mitarbeiterin des Verlages schrieb, sind die Bandzählnummern identisch mit der 5-er Gruppe der ISBN-Nummer, die wie folgt aufgebaut ist: Länderkennziffer, Verlagskennziffer = 596 für Fischer, Titelkennziffer, bei Fischer gleich Bandnummer und einer Prüfziffer ohne Bedeutung. Also links Band 13376 und rechts Band 15714.

Beispielbuch links: Die Reise zum Mittelpunkt der Erde; Patmos Verlag GmbH & Co KG Artemis & Winkler Verlag Düsseldorf und Zürich; 2005; 424 Seiten; ISBN 3-538-06972-7; (CF /0311/) - im Bild rechts: Der  Schuber mit den 5 Romanen mit insgesamt 2276 Seiten, herausgegeben 2008, unter ISBN 3-538-06361-3 WWL Winkler Weltliteratur: Die Klassiker von Jules Verne (Neuübersetzungen)

Buchformat: TB, Oktav (12 x 19,5 cm)

Beispiel WWL Artemis VerneWWL Verne SammelausgabeIn der PATMOS Verlagsgruppe, zu der Artemis und Winkler gehören, erschienen in der Blauen Reihe der Winkler Weltliteratur (WWL) fünf Ausgaben von Jules Verne, die im Gesamtangebot als Die Klassiker von Jules Verne bezeichnet wurden. Es handelt sich durchweg um sehr sorgfältige Neuübersetzungen die von Volker Dehs, Sabine Hübner und Claudia Kalscheuer angefertigt wurden. Die Bücher erschienen im Zeitraum von 2003 bis 2008. Die im gängigen Leseformat Oktav gehaltenen Bücher sind mit sämtlichen Illustrationen der französischen Originale ausgestattet. Ein weiteres Ausstattungsmerkmal neben den guten Übersetzungen sind die in jeden Buch beigefügten Nachworte, Zeittafeln und Ergänzungsmaterialien, wie z.B. begleitende Zeitdokumente und Fremdtexte.
Die kleine Reihe umfasst: die fünf Romane: Reise zum Mittelpunkt der Erde, In 80 Tagen um die Welt, Von der Erde zum Mond, Reise um den Mond und 20000 Meilen unter dem Meer.

Nachtrag: So sehr ich mich über die wriklich gute Qualität der Bücher gefreut habe, so richtig glücklich war ich mit der Titelauswahl des Projektes nicht. Wenn schon aufwändige Neuübersetzungen angefertigt werden, warum dann zum vielleicht zwanzigsten Male (in den letzen Dekaden) eine weitere Auflage der schon allseits bekannten "Klassiker"? Es gibt so viele zu unrecht fast vergessene Romane von Verne, die bestimmt begeisterter von den Lesern aufgenommen worden wären. Schade ....



Beispielbuch: Von der Erde zum Mond, Band Nr. 1 – 2005; Er konnte als Werbeexemplar zum Versandpreis erworben werden. Dies ist der Grund, warum dieser Band am häufigsten auf dem Gebrauchtmarkt vorhanden ist. (CF/0407/)

    Weltbild Sammler-Edition JULES VERNE

    Buchformat: groß-Oktav (17 x 24,5 cm)

    2005, im Jahr des 100. Todestages von Jules Verne, begann die Verlagsgruppe Weltbild Augsburg eine speziell für Sammler geschaffene Verne-Edition aufzulegen. Die Ausführung oblag dem Melzer Verlag Neu Isenburg. Durch Druck und buchbinderische Verarbeitung in Slowenien konnten der Leserschaft hochwertig verarbeitete Bücher zum moderaten Preis angeboten werden. Die Gestaltung der Ausgaben ist bewusst altertümlich gehalten, ohne aber die berühmten Vorbilder nachzuahmen. Man versuchte solide Übersetzungen zu verwenden, nutzte aber meist schon vorhandene preiswerte rechtefreie Übersetzungen, die nicht immer so optimal waren. Der Kompromiss ist aber für den Leser noch akzeptabel. Zur Illustration wurden die Stiche alter Hetzel-Ausgaben genutzt. Diese wurden nachträglich koloriert, um die Darstellung attraktiver zu machen. Leider ging dabei manchmal der antike Charme der Vorlagen durch eine etwas zu grelle Farbgebung verloren. Durch hochwertiges Papier und einer scharfen Wiedergabe der Stiche heben sich die Illustrationen aber merklich von vielen anderen Publikationen mit Nachnutzung der Holzstiche positiv ab. Die Reihenfolge der Ausgaben ist nicht mit der chronologisch geschaffenen Reihung oder anderen bekannten Editionen vergleichbar. Die Zusammenfassung von mehrteiligen Bänden zu einem Buch, bzw. die Aufteilung auf mehrteilige Bücher, erscheint willkürlich.

    Eine Listung der Bücher habe ich auf meiner Seite: Weltbild Sammler-Edition JULES VERNE (2005 bis 2007) vorgenommen.

Beispielbücher rechts stehend: Der Leuchturm am Ende der Welt, Abenteuer des Kapitän Hatteras - Band 1 und Eine Idee des Dr. Ox
Die Reihe Jules Verne vom Salzwasser Verlag

Buchformat:  Oktav (14,8 x 21 cm)

Salzwasser BeispieleSalzwasser BuchqualitätAls im Jahre 2011 vom Salzwasser Verlag Paderborn angekündigt wurde, dass eine Neuauflage der Verne-Romane herausgegeben werden sollte, war die Erwartungshaltung der Verne-Leser sehr hoch. Leider wurden sie auf ganzer Breite enttäuscht. Völlig konzeptionslos in der Gestaltung – fehlende Bandzählnummern, fehlendes Editionslayout, teilweise schlechte Qualität der Titelbilder – und nicht überragend in der Textqualität, wurden die Bücher völlig überteuert an den Markt gebracht. Als Grundlage der Texte dienten leicht modifizierte Hartleben-Vorlagen und teilweise wurden Weichert-Texte nachgenutzt – neue Übersetzungen sucht man vergebens. Diese hätten ggf. noch als Argument für die Preisgestaltung herhalten können. Aber rechtefreie Texte ohne Illustrationen in kartonierten Paperback-Ausgaben die an BoD erinnern zwischen 25 bis 70 Euro anzubieten, dies erschütterte die Lesegemeinde. Dazu kommt noch, dass die Kurzgeschichten Vernes, die im Original als Anhang einiger Romane verlegt wurden, jetzt separat in einer Buchstärke von 40 oder 80 Seiten auch völlig überteuert erhältlich sind.

Noch ein Wort zur äußeren Gestaltung der Bände: Wie in meiner Bildmontage links zu sehen ist, sind die Titelillustrationen eine bunt zusammengewürfelte Mischung aus Frontispizen alter französischer Ausgaben, Titel französischer Hetzel-Ausgaben oder die Nutzung von willkürlich ausgesuchten Innen-Illustrationen Hetzels. Gerade die Nachnutzung der Ispize mit französischen Titeleindrucken hat offenbar viele Internet-Buchverkäufer inspiriert, die Bücher auch noch mit dem Zusatz: „in Französisch“ zu versehen, was zusätzlich bestimmt einige französische Leser geärgert haben wird.

Obwohl Ende 2011 bereits 54 Titel, dabei auch mehrbändig gesplittete Romane erhältlich waren, empfehle ich diese Edition nicht. Erst wenn die Fantasiepreise der Romane erheblich (!) reduziert werden, sollte man über den Erwerb der Ausgaben nachdenken.

Die Reihe Jules Verne vom NIKOL Verlag

Buchformat:  Oktav (13,2 x 19,2 cm)

NIKOL VerlagIm Jahre 2013 begannn der Hamburger Verlag NIKOL eine kleine Reihe von Jules Verne Ausgaben aufzulegen. Gestalterisch gab man sich einige Mühe: Fest gebunden, eine ansprechende Einbandgestaltung und eine an den Originalstichen angelehnte Illustrierung. Das Ganze wurde zu einem fairen Preis angeboten und die Lesegemeinde freute sich über das neue Projekt.

Doch der anfänglichen Freude über das Erscheinen einer neuen Jules Verne Reihe, folgte die schon oft einsetztende Ernüchterung. Nach einigen Romanen war schon wieder Schluß. Auch  Rückfragen beim Verlag halfen nicht. Vielleicht lag es am Konzept der Titelauswahl: Schon wieder eine Reihe die mit den meistpublizierten Büchern Vernes begann: Von der Erde zum Mond, Reise um den Mond, Reise um die Erde in 80 Tagen, Fünf Wochen im Ballon, 20.000 Meilen unter dem Meer und die Reise zum Mittelpunkt der Erde. Eine Ausnahme machte nur der Titel: Das Karpatenschloss. Es gab zwar noch einen Versuch in einem Dreifachband mit den Werken: Reise zum Mittelpunkt der Erde, Reise um die Erde in 80 Tagen und Das Karpatenschloss - aber damit kann man nicht den Markt gewinnen. Ich vermute das die Grundlage dieser Entscheidungen die rechtefrei verfügbaren Texte waren. Dabei wurden leicht modifizierte Hartleben-Vorlagen genutzt. Nicht die schlechteste Entscheidung in Sachen Textqualität, aber diese Bücher überschwemmten schon in anderen Varianten den Buchmarkt. Und die Bilder? Diese sind in der Wiedergabequlität nicht sehr befriedigend, denn sie sind zu dunkel und die Details sind unscharf. Durch mehrere Vernianer wurde daher vermutet, dass eventuell die farbigen Vorlagen eines weiter oben genannten Verlages in Schwarz-Weiß umgesetzt wurden. Leider fehlte den Bildern auch noch die Zurodnung zum laufenden Text.

Im Jahre 2015 wurde die kleine Reihe nochmals um die Titel  Der Kurier des Zaren, Die 500 Millionen der Begum und Der Leuchtturm am Ende der Welt erweitert. Sollte es doch noch eine größere Edition werden? Diskussionen dazu sind im Gange ....

Was auf jeden Fall bleibt, ist ein akzeptables Preis-Leistungsverhältnis und damit die Möglichkeit die nächste Lesegeneration an Jules Verne heranzuführen. Die Älteren sind ja bereits anderweitig versorgt ...

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