Collection Fehrmann

Jules Vernes „Voyages extraordinaires"

- Band VE 1 -




Oben: A. Weichert Verlag Berlin, ca. 1915-25 (nicht exakt zuordenbar, nutzt teilweise ältere Illustrationen. Kriegsausgabe aus teilweise alten Bunden?) Illustrationen (!): farbige Vollbilder von M. Wulff und zahlreiche Textillustrationen von H. Mützel (CF /0105/)- Buch unten: A. Weichert Verlag Berlin, ca. 1940, Serie „Meisterromane der Weltliteratur“ Band 140 (306 Seiten), gemeinsam mit den Erzählungen: „Ein Drama in Mexico“ und „Zehn Stunden auf Jagt“. Schutzumschlag illustriert von H. Tischler, ohne Textillustrationen. (CF /0102/)





Buch oben: © Verlag Neues Leben, Berlin 1975, B-Nr. 641 662 6, als Quelle /1/ im Text genutzt (CF /0103/)

Quellenangaben: (Die Systematisierung bezieht sich nur auf die Nutzung für diesen Beitrag)

/1/ Jules Vernes „Fünf Wochen im Ballon“, © Verlag Neues Leben, Berlin 1975, B-Nr. 641 662 6, Zitat Seite 12


/2/ Thomas Ostwald: „Jules Verne – Leben und Werk“, © Verlag A. Graff, Braunschweig 1978, 1982; Zitat Seite 20


/3/ Gianni Guadalupi: „Der Nil – Geschichte seiner Entdeckung und Eroberung“; Karl Müller Verlag Erlangen 2001; ISBN 3-86070-625-01; Seite 153 ff


/4/ Karen Farrington: „Atlas der Expeditionen“; © 2001 by Tosa Verlag Wien; Bildzitat von Seite 86; ISBN 3-85492-469-0

/5/ Jule Verne: „ Cinq semaines en ballon...“ J. Hetzel et Cie, Rue Jacob Paris; 1864 (CF /0112/)

/6/ ebenda Seite 109 „Vue de I'île Benga“

Fünf Wochen im Ballon“ (1863)

Die Originalausgabe erschien am 31. Januar 1863 unter dem Titel „Cinq semaines en ballon. Voyage de découvertes en Afrique par trois Anglais. Rédigé sur les notes du docteur Fergusson “ bei Pierre-Jules Hetzel in Paris. Siehe dazu links die Titelei einer frühen Ausgabe von 1864, noch ohne den erst später aufkommenden Zyklusnamen „Les Voyages Extraordinaires“ der dann immer über dem Titel gedruckt wurde /5/

Die Königliche Geographische Gesellschaft zu London ist voller Begeisterung: Dr. Samuel Fergusson macht einen Vorschlag, der alle Mitglieder euphorisiert. Und so kann man am Tag nach der Sitzung im „Daily Telegraph“ lesen: „Das Geheimnis der ungeheuren afrikanischen Einöden wird endlich offenbart werden: Ein moderner Ikarus wird uns die Lösung dieses Rätsels bringen, das die Gelehrten von sechs Jahrtausenden nicht zu lösen vermochten. Bis jetzt galt es als wahnsinniges Beginnen, ein nicht zu verwirklichendes Hirngespinst, die Nilquellen zu erforschen. ..... Ja, noch mehr ist von dem unerschrockenen Pionier der Wissenschaft, von Dr. Samuel Fergusson, zu erwarten: Er will nicht nur die Quellen des Nil entdecken, er wird auch alle die verschiedenen bisherigen Reisen miteinander verbinden.“ /1/

Technische Grundlage des „Ikarus“ ist ein teilweise „lenkbarer“ Ballon. (Hier gibt es Details zum lenkbaren“ Ballon „VICTORIA“) Startend in Ostafrika auf der Insel Sansibar, will Fergusson den Monsunwind ausnutzend, Afrika von Ost nach West überqueren. Mit dabei sind sein Freund, der Schotte Dick Kennedy, Großwildjäger und Globetrotter und als Dritter im Bunde, der Diener Fergussons – Joe. Aber es wird nicht nur eine einfache Überquerung Afrikas: Ein Abenteuer jagt das Andere. Dabei lernt der Leser, eingebettet in diese Story, die Geschichte der Entdeckung Afrikas sowie das Panoptikum der Flora und Fauna dieses Kontinents kennen. Durch eine geschickt angelegte Reiseroute können die Forscher, vorbei an den Nilquellen, den Tschadsee, die Wüste Sahara und den Dschungel im Gebiet des Nigers kennen lernen. Das sie dabei Probleme mit den Ureinwohnern bekommen und das das gesamte Vorhaben fast in einer Katastrophe geendet hätte, unterstreicht die Dramatik der Handlung. (Bild rechts /6/)

Um die Reiseroute unserer Helden zu verfolgen, empfehle ich einen Blick auf die Karte der Afrika-Überquerung. Die Reise beginnt im Osten auf der Insel Sansibar und sie endet im Westen am Strom Senegal (rein zufällig werden die Reisenden von französischen Soldaten gerettet ...)

Die Karte ist zweigeteilt auf den Seiten 180 und 181 der Hetzelausgabe zu finden, im Detail kann sie auf meiner Seite: Dr. Fergussons Reiseroutein auswertbarer Größe betrachtet werden.

Der Beginn der „Voyages extraordinaires“

Dieser Roman ist das erste von Verne veröffentlichte Buch - über Nacht ist er berühmt. Angelegt im Stile eines Tagebuchs, trifft es genau den Geschmack der Leser. Der Roman ist völlig neu in seiner Art und diese Mischung von Abenteuer, Wissenschaft und Technik begeistert sofort. All diese Elemente treffen wir auch in den späteren Werken Vernes wieder. „Fünf Wochen im Ballon“ ist der Beginn der Serie „Voyages Extraordinaires“ (VE, zu deutsch: Die außergewöhnlichen Reisen“). Dieser Name des Zyklus' wird aber erst zu einem späteren Zeitpunkt vergeben, daher ist er wie oben im Titel ersichtlich, noch nicht eingedruckt. Vierzig Jahre lang folgen Jahr für Jahr zwei weitere Bücher. Insgesamt gehören zu den VE vierundfünfzig Romane, die aber zum Teil mehrbändig aufgelegt wurden, so dass es im Endeffekt eine noch höhere Anzahl von Büchern geworden ist.

Zur Entstehung des Romans „Fünf Wochen im Ballon“

Fliegen ist, wie oft strapaziert, „ein uralter Menschheitstraum“. Die Faszination des Gedankens die Erde zu verlassen und sich in das „Luftmeer“ zu begeben hatte Verne schon früh erfasst. So griff er in einer Kurzgeschichte 1851 eine wahre Begebenheit aus der damaligen „Luftfahrt“ auf, die er zu der Geschichte „Ein Drama in den Lüften“ (original: „Un voyage en ballon“) wie sie später genannt wurde, umschrieb. Das Thema wir realer, als sein Freund, der populäre Fotograf Nadar mit praktischen Ideen und Projekten das „Fliegen“ greifbarer macht.

Nadar selbst glaubte an die Möglichkeit echte Flugmaschinen bauen zu können, er war Anhänger der Theorie „Schwerer als Luft“. Um dieses Vorhaben in die Wege zu leiten, ging er einen Umweg. So entschloss er sich Reklame „für ... die >Gesellschaft zur Förderung der Luftfahrt mittels schwerer-als-Luft-Maschinen< zu machen. Nadar finanzierte den Bau des Ballons >Le Géant< („Der Gigant“, Anm. A.F.) der innerhalb von nur sechs Wochen fertiggestellt wurde ...“ /2/. Mit ihm wollte er kommerziell nutzbare Rundflüge organisieren. Verne war von dieser Idee begeistert und er unterstützte das Vorhaben moralisch durch Publikationen und öffentliche Fürsprache. So gab es eine Parallelität der Ereignisse: Während Nadar die Aktivitäten zur Umsetzung seiner Ideen forcierte, erschien Vernes Romanerstling „Fünf Wochen im Ballon“. Am 31. Januar 1863 war es soweit, unter dem Titel „Cinq semaines en ballon. Voyage de découvertes en Afrique par trois Anglais. Rédigé sur les notes du docteur Fergusson “ kam das Buch bei Pierre-Jules Hetzel in Paris auf den Markt. Im gleichen Jahr des Erscheinens, am 4. Oktober 1863, konnte Nadars >Gigant< seine erste Fahrt unternehmen. (Bild: Nadar / eigentlich Félix Tournachon, lebte 1820 – 1910 / Im eigenen Atelier - selbstironische Darstellung im kleinen Studioballon)

Aber wenden wir uns wieder dem Roman zu. Neben der in mehreren Quellen nachzulesenden Inspiration durch Nadar, ist die damals aktuell anstehende Forschungsreise der Engländer Speke und Grant zur Erforschung der Nilquellen zu sehen. Da deren Expeditionsreise zeitungsbekannt war, muss sie auch von Verne beachtet worden sein. Seltsamer Weise taucht der Name Speke sogar im Roman auf (im 4. Kapitel, als die Forschungsreisen in Afrika gelistet werden). Aber hier wird Speke nur im Zusammenhang mit Burton und der 1857/58er Expedition, dem fehlgeschlagenen Versuch erwähnt. Der neue Versuch, der zum Zeitpunkt der Buchschreibung stattfand, wird nicht genannt. Wie sehen die Fakten zu Speke und Grant aus? „Am 27. April 1860 wurde der Anker gelichtet, und Mitte August erreichten sie über die Route am Kap der Guten Hoffnung Sansibar, wo sie mit wenig erfreulichen Neuigkeiten empfangen wurden: Im Landesinneren herrschte ein Zustand extremer Unsicherheit, immer wieder ereigneten sich zwischen den arabischen Sklavenhaltern und den schwarzen Stämmen Auseinandersetzungen.“/3/ Die erfolgreiche Expedition ist 1863, nach drei Jahren und 51 Tagen Abwesenheit von England zu Ende.

Die geschilderten Fakten scheinen mehr als nur zufällig auch im Verne-Roman aufzutauchen: Die Reiseroute von England über das Kap nach Sansibar (!) als afrikanischer Startort der Expedition und nicht zuletzt die politischen Umgebungsbedingungen in Afrika. Der Sachverhalt belegt den Arbeitsstil Jules Vernes: Aufmerksames Beobachten aller Fortschritte auf dem Gebiet der Forschung, Entdeckung und Technik. Dazu reichlich Phantasie, die sich nicht zuletzt in einer szenischen Vielfalt mit überraschenden Wendungen zeigt und das Ganze angesiedelt auf der größten verfügbaren Bühne: Unserer Erde in ihrer Gesamtheit.

Ergänzung: John Hanning Speke (1827 - 1864) Zooologe: Expedition 1858 zum Njanzasee und 1860 zu den Quellen des Nils, im Bild rechts im Text mit seinem Expeditionspartner James Augustus Grant (1827 – 1892), einem ehemaligen Offizier der britischen Indienarmee (Quelle: /4/)

Film 1

Fünf Wochen im Ballon: Verfilmung USA 1962

Film 2

Fünf Wochen im Ballon: Verfilmung Mexiko 1975

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Hinweis: Beschrieben werden nur in meiner Sammlung befindliche Bücher und Verfilmungen. Dargestellte Bücher sind Beispiele daraus.

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Copyright © Andreas Fehrmann - 07/00, letzte Aktualisierung 13. Nov. 2009