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Der „Hausverleger“ Jules Vernes: Pierre-Jules Hetzel (The publisher Pierre-Jules Hetzel)
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Quellennachweise: /1/ MAGASIN D'ÉDUCATION ET DE RÉCRÉATION 22. Jahrgang 1886; 2. Halbjahr, Bildzitat von Seite 1 (CF /6605/) /2/ ebenda, Bildzitat von Seite 3, von mir stark nachbearbeitet (eingefärbt, beleuchtet ....) /3/
Volker Dehs in
/4/ Hinweis: Die vollständige Anschrift lautete: „J. HETZEL ET Cie, EDITEURS, 18, RUE JACOB, PARIS /5/ Hetzel Grab auf dem Friedhof Cimetiere de Montparnasse – Paris, © by David Conway /6/ MAGASIN D'ÉDUCATION ET DE RÉCRÉATION 24. Jahrgang 1888; 1. Halbjahr, Bildzitat von Seite 192 (CF /6615/)
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Pierre-Jules Hetzel (1814 - 1886) Literat und Verleger
Aber trotz schöner Anfangserfolge gingen die Geschäfte nicht gut. Am Vorabend der 48er Revolution war er nahe dem Ruin. Er suchte sich andere Aufgaben. Infolge seiner politischen Aktivitäten wurde er in der „zweiten Republik“ mit hohen Ämtern betraut. So nahm er nach und nach die Funktion des Kabinettschefs von Lamartine ein, wurde später Sekretär des Generals Cavaignac und er arbeitete im Auswärtigen Amt. Napoleon III erzwang sich durch einen Staatsstreich am 2. Dezember 1851 diktatorische Vollmachten und er ließ sich im Dezember 1852 zum Kaiser der Franzosen ausrufen. Seine extremen Reaktion auf politische Gegner führte schon 1851 zu einer Flucht der Anti-Napoleonisten, wollte diese nicht deportiert werden oder in französischen Gefängnissen landen. Auch Hetzel flüchtete aus Frankreich, er kam in Brüssel unter. Dort in Belgien wurde er unter anderem der Hauptherausgeber von Victor Hugo, der dort ebenfalls im Exil lebte.1859 kehrte Hetzel das erste mal wieder nach Frankreich zurück, aber erst 1861 fasste er endgültig in Paris Fuß. Im Folgejahr nahm er dann seine Verlegertätigkeit wieder auf. Als neue Zielgruppe hatte er Kinder und Jugendliche entdeckt, für die bis dato eigene Literatur nur in Ansätzen vorhanden war. Pierre-Jules Hetzel hatte aber auch eigene schriftstellerische Ambitionen und neben den Namen den er sich als erfolgreicher Verleger des 19. Jahrhunderts machte, wurde er unter dem Pseudonym P.-J. Stahl als Schriftsteller bekannt. Diesen Namen wählte er 1840, in einer Zeit, als er mit Alfred de Musset und Tony Johannot zusammen arbeitete. Bekannter
wurde er jedoch durch seine publizistische Tätigkeit. Das
schriftstellerische Werk Jules Vernes kann von diesem
Publizisten nicht getrennt werden. Als Verne, inspiriert von dem
Ballonabsturz eines Freundes, seinen ersten Roman
Mit „Fünf Wochen im Ballon“ beginnt Jules Vernes Sternstunde als Literat. Hetzel erkannte den Wert des Autors und er reagierte entsprechend. „1865 wird Verne als exklusiver Hausautor unter Vertrag genommen: Für ein Monatsgehalt von 750 Francs soll er jährlich drei Romane verfassen. (Der Vertrag wurde später auf 1000 Francs für 2 Romane pro Jahr erhöht.) Das Verne trotzdem zum reichen Mann wird, hat er neben seinen Romanen, auch den äußerst erfolgreichen Theateraufführungen zu verdanken. 1867 bringt Hetzel in einer großformatigen illustrierten Reihe die »Voyages extraordinaires« (Außergewöhnlichen Reisen) heraus, die Vernes Arbeit einen programmatischen Charakter geben.“ /3/
Pierre-Jules Hetzel ging mit
Jules Verne eine Verleger-Autoren „Zweckehe“ ein.
Diese wurde, wie oben erwähnt, am 11. Dezember 1865 durch
die vertragliche Bindung Hetzel – Verne besiegelt. Die
„Schreibpflicht“ die daraus erwuchs, hatte
allerdings auch ihre Tücken: Man kann beim Werksstudium (so
nenne ich großzügiger Weise meine Art des gründlichen
und wiederkehrenden Lesens...) erkennen, dass dabei auch einige
"Lückenfüller" entstanden, Schnellschüsse,
die der verlegerischen Verpflichtung dienten, die aber Zeit
schaffen mussten um größere Bücher
vorzubereiten. Die prächtig gestalteten Ausgaben der
„Voyages Extraordinaires“ wurden bald zum
Markenzeichen des Verlagshauses „Hetzel et Cie.“
(siehe /4/ ). Geschäftsorientiert wie Hetzel war, lag immer
ein Erscheinungsdatum der jährlich zweimal erscheinenden
Prachtausgaben vor dem Weihnachtsgeschäft (Details siehe in
(Bild links: Hetzel in einem Stich: 1876; Quelle /2/) Die „Institution“ Hetzel hatte aber nicht nur das Recht der exklusiven Veröffentlichung der Werke Vernes, Hetzel nahm auch direkten Einfluss auf die Manuskripte. Es bildete sich eine Bindung, die weit über die eines Verleger–Autoren-Bezugs hinausging. So hat Verne nachweislich bei Hetzel „Orientierungen“ zum Schreiben erhalten. Gleichzeitig pflegte er zu ihm freundschaftliche Beziehungen und er bat ihn auch in privaten Fragen um Rat. Verne-Kritiker bemängeln oft, das Verne sich kritiklos den Änderungswünschen, meist aus Verkaufsorientierung, unterwarf. Bereits beim ersten Band, den berühmten „Fünf Wochen im Ballon“ kam es vor Veröffentlichung schon zur Überarbeitung aufgrund von Hinweisen Hetzels. Die enge Zusammenarbeit der Beiden ist öfters Gegenstand von Grundsatzbetrachtungen oder Ausführungen zur französischen Literatur geworden. So ist bei der Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Helene Harth zu lesen, dass die Zusammenarbeit Hetzel-Verne und deren daraus entstandenen Werke auch unter dem Aspekt eines erheblichen Defizits naturwissenschaftlicher Bildung in Frankreich zu sehen war. Dieses galt es aufzuholen. Dazu wurden den jungen Menschen „fiktional eingekleidete Informationen über die großen geographischen, naturwissenschaftlichen und technischen Entdeckungen des 19. Jahrhunderts zur Verfügung gestellt“. Dies bestätigend mache ich ergänzend geltend, dass trotz der hehren Ziele nicht zuletzt der ökonomische Erfolg eine Triebkraft Hetzels war. Auch für Verne war es eine existenzsichernde Allianz. Obwohl in der Sekundärliteratur oft zu lesen ist, dass Verne nicht unerhebliche Mittel durch seine Bühnenstücke verdiente, war der Vertrag mit Hetzel für ihn eine sichere „Bank“. Der materielle Erfolg machte Verne unabhängiger und er war in der Lage zu reisen, oder sich solche Dinge wie die Jachten „St. Michel“ zu leisten.
Die
Verlagsgeschäfte wurden nun endgültig von Hetzels Sohn
weitergeführt. Im Jahre 1914 wurde der Verlag von Hetzel
jr. an Hachette verkauft. Dieses Haus übernahm dann die
Nachfolge der Erstauflagen der postum erschienenen Verne-Werke
(z. B. 1919 mit
LINK-Empfehlung: Eine
sehr informative französische Seite mit mit den Werken
Jules Vernes bei Pierre-Jules Hetzel findet man unter
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Copyright © Andreas Fehrmann - 09/00, letzte Aktualisierung 3. Januar 2010.