Die Geheimnisvolle Insel - The Mysterious Island

Versuch einer Rekonstruktion (I)

Informationen zu Buch und Verfilmungen sind meinen Seiten: Voyages Extraordinaires: Band 12 – Die Geheimnisvolle Insel zu entnehmen.

Prolog: Wenn man einen Roman als Jugendlicher liest und dreißig Jahre später dieses bereits stark abgenutzte Buch noch immer durchblättert oder liest, dann muss es eine besondere Faszination ausüben. So geht es mir mit dem Roman Die Geheimnisvolle Insel. Die ursprüngliche Spannung ist zwar gewichen, aber inzwischen besucht man gute Bekannte, zeitlose Freunde – die Helden des Buches. Alle Textzitate von J. Verne sind nachfolgend BLAU dargestellt.







QUELLEN

Die Bildzitate wurden folgenden Quellen meiner Collection antiquarischer Sachbücher entnommen

/1/ Dr. Karl Braun: Der Erdball, URANUS-Verlag Berlin, 1905

/2/ M. Reymand: Das Weltall, Deutsche Volksbibliothek Berlin, 1900

/3/ A. Hummel: Das Leben der Erde, Verlag F. Fleischer Leipzig, 1870

/4/ G. A. Richter: Die Wunder der Urwelt, Verlag W. Herlet, Berlin, 1912

/5/ R. Bommeli: Die Geschichte der Erde, Verlag von J.H.W. Dietz Nachf., Stuttgart, 1898





























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Über den von Sturm gepeitschten Wogen des Stillen Ozeans treibt ein Ballon mit vier Männern, einem Jungen und einem Hund. Es besteht kaum noch Hoffnung auf Rettung. Aller Ballast, selbst die Gondel, ist abgeworfen worden, um den nicht flugfähigen Ballon wenigstens für einige Meilen noch über Wasser zu halten. Die Passagiere klammern sich mit letzter Kraft an das Netzwerk. Da rief ein kräftige Männerstimme: >Land! Land!< .... Ob es eine Insel oder festes Land war, vermochte keiner der Passagiere zu sagen, denn sie wussten nicht einmal, nach welchem Teile der Welt der Orkan sie gerissen hatte. Aber mochte nun dieses Land bewohnbar sein oder nicht: Man musste es zu erreichen suchen – um jeden Preis!

Beginnend mit dieser Textpassage, wird eine der berühmtesten Inseln der Weltliteratur vorgestellt - Die Geheimnisvolle Insel, später von den Schiffbrüchigen des Romans Lincolninsel getauft.

Wie aber müssen wir uns die Insel vorstellen? Beschrieb doch die Phantasie Jules Vernes eine Insel, die ein Schmelztiegel aller möglichen Landschaftsformen, deren Vegetation und eines phantastischen Spektrums der irdischen Fauna darstellte.

Kartenmaterial

Karte links: So konnte man in den deutschen Erstausgaben die Lincolninsel sehen. Es handelt sich um eine von mir aufbereitete Bearbeitung der Umschlagillustration der Hartleben's Verne Ausgabe Wien, 12/1875 bis 05/1877. In den Proportionen scheinen die in einigen Übersetzungen beschriebenen Verhältnisse nicht direkt passfähig zu sein, wenn man alle Maßangaben der Bücher auf die Karte überträgt. Haben sich die von mir bemerkten Abweichungen durch eine mangelnde werkgetreue Übersetzung eingeschlichen? Die Basiskarte wurde nämlich von Jules Verne selbst gezeichnet. In der nächsten Karte, siehe dazu die verkleinerte Darstellung rechts, sind die gleichen Konturen zu erkennen, aber die Legende und die Beschriftung der Örtlichkeiten ist in Druckbuchstaben vorgenommen worden. Die vorherige linke Karte scheint offensichtlich die Handskizze zu dem Stich der Edition Hetzel zu sein. Die daraus entstandene offizielle Hetzelkarte habe ich gut auswertbar auf meiner Ergänzungsseite dargestellt: KARTE der LINCOLNINSEL.

Doch lassen wir die Helden des Buches etwas zur Insel sagen: Ich glaube mich nicht zu täuschen, wenn ich den Umkreis der Insel auf höchstens hundert Meilen schätze. ..... so hatte die Insel annähernd die Größe von Malta im Mittelmeer; dabei war sie aber bei weitem regelloser und viel reicher an Vorgebirgen, Buchten, Busen oder Creeks. Ihre seltsame Gestalt fiel auf dem ersten Blick auf .... und als man die Umrisse gezeichnet hatte, meinte man, sie gleiche einem phantastischem Tiergeschöpf, einer Art Riesenflossenfüßer, der auf der Oberfläche des Stillen Ozeans eingeschlafen sei.

In der linken Darstellung, einer Art Vogelperspektive haben wir wieder einen Interpretationsversuch, die Insel darzustellen. Ein Blick aus der Luft soll die Gestalt der Insel verdeutlichen. Auch hier gibt es wieder Probleme, denn die Illustratoren scheinen nicht die Originalkarte gekannt zu haben bzw. sie haben den Text nicht detailliert ausgewertet. Selbst wenn man die Insel dreht, kann man die beschriebenen Details in der links abgebildeten Zeichnung von Horst Bartsch und Hille Blumfeldt (Verlag Neues Leben Berlin,1971 Die Geheimnisvolle Insel) nicht wieder erkennen.

Doch lassen wir Jules Verne selbst die Insel beschreiben, haben doch die Schiffbrüchigen des Romans gleich in den ersten Kapiteln die höchste Erhebung des Eilandes erklommen um die Gegend in Augenschein zu nehmen. Eine Besonderheit der Insel, denn als solche wurde sie sofort erkannt, ist das Rettungseiland, welches nur durch einen Kanal von einer halben Meile vom eigentlichen Festland getrennt ist. Schon dadurch müssen in allen Karten die Proportionen enger gefasst werden. Als nun der Berg erklommen ist, wird die Erscheinung so wiedergegeben: Der östliche Teil des Ufers, auf dem die Ballonbrüchigen gelandet waren, bildete einen weiten Bogen und umschloss eine Bucht, die im Südosten in ein spitzes Kap auslief, das Pencroff auf seiner ersten Forschungstour nicht hatte sehen können, weil es durch eine Landspitze verdeckt war. Im Nordosten sperrten zwei andere Vorgebirge die Bucht, und dazwischen grub sich ein schmaler Golf, der mit dem Rachen eines Riesenhais Ähnlichkeiten hatte.

Wie schon weiter oben angesprochen, habe ich mehrere deutsche Versionen unterschiedlicher Verlage nach Textstellen untersucht, die auf die Gegebenheiten der Landschaft und deren Abmessungen Bezug nehmen. Aus den so unter dem Gesichtspunkt der Topographie durchgelesenen Büchern habe ich ständig Skizzen und Bemaßungsangaben niedergeschrieben. Bewusst ohne die oben genannten Zeichnungen der Hartlebenausgabe oder der Edition Hetzel als Vorlage zu nehmen, hatte ich dann in Folge aus meinen Notizen die nebenstehende rechte Zeichnung entworfen. Nach Vergleich mit der von Verne gezeichneten Karte ist es offensichtlich, dass sich die Proportionen unterscheiden. Wahrscheinlich korrespondieren die Meilenangaben meiner deutschsprachigen Übersetzungen der von mir genutzten Bücher nicht mit den „originalen“ Gegebenheiten. Nach Anfertigung meiner Skizze habe ich dann nochmals kontrollgelesen, um die Entfernungsangaben zu überprüfen. Den Grund der Abweichungen konnte ich allerdings nicht ermitteln.

Jetzt möchte ich zu einer Expedition zur Lincolninsel einladen. Damit wir uns das Ganze besser vorstellen können, will ich ein paar passende Bilder dazu liefern.

Ich habe bewusst keine Originalillustrationen gewählt, die ich leicht aus meinen Beständen der diversen Verne-Editionen kopieren könnte, die auch im Netz oft kopiert zu finden sind, sondern ich habe in meinem Bestand antiquarischer Bücher geblättert, um Übereinstimmungen zu finden. Damit wollte ich neue Sichtweisen auf die literarische Vorlage anbieten. Versuchen wir also die Insel zu erkunden.

Die Erkundung der Insel


Starten wir vom Rettungs-Eiland. Von dort lassen wir unseren Blick Richtung Festland schweifen: Die gegenüberliegende Küste öffnete sich zu einer weiten Bucht, die im Süden in einer scharfen Spitze auslief.... Der Insel war ein Sandstrand vorgelagert, der aus einem mit schwärzlichen Felsstücken durchsetzten Sandstreifen bestand.... dahinter türmte sich ein senkrecht abfallender Granitwall....In nordwestlicher Richtung, ganz am ... Ende der Küste, leuchtete hoch über dem Plateau, von den Sonnenstrahlen beschienen, in einer Entfernung von wenigstens 7 Meilen ein weißer Gipfel: eine Schneekappe, die irgendeinem hohen Berg bedeckte.“ (Bild links /1/)


Die gesamte Küste war äußerst bizarr geformt. Die unterschiedlichsten Landschaftsformationen lösten sich ab. Auf diesen Bildern könnte der Weg zum Kap Klaue dargestellt sein: Zwischen der Stelle, an der sich die Kolonisten jetzt befanden, und dem Hintergrund der gewaltigen Bucht bestand das Ufer aus einem breiten ... Strand, sodann aus einem höchst unregelmäßigen, in scharfen Spitzen ins Meer vorspringenden Felsrand und endlich aus einer Reihe schwärzlicher Felsen, die sich zu einem malerischen Gewirr als Abschluss des Kaps häuften. (links Bildquelle /2/, rechts /1/) An dieser Stelle fanden die Kolonisten bei einer Expedition in einer Bucht Kisten und Fässer, zusammengebunden als Strandgut. Details dazu könnt ihr auf meiner Seite: Die Lincolninsel – Das geheimnisvolle Strandgut nachlesen.



Jetzt folgen wir den Kolonisten, denn so haben sie sich inzwischen genannt, auf ihrem Ausflug auf dem Gnadenbach. Nachdem sie mit ihrem neugebauten Boot vom Meer beginnend diesen erkundeten, ließ das dichte Grün langsam nach. ... die Fahrt ging weiter den Fluss hinauf. Es schien, als lichte sich der Wald in der Richtung des Fernen Westens. Die Bäume standen dort weniger dicht und hin und wieder sogar einzeln; aber eben darum gediehen sie auch so prächtig. ... Die Tour wurde wenigstens noch zwei Meilen fortgesetzt. Der Weg führte durch ein Gebiet, das dicht mit hohen Eukalypten bestanden war... Der Fluss hatte sich sein stark gewundenes Bett jetzt zwischen hohen grünen Ufern ausgehöhlt und war nun des öfteren von hohem Grase und scharfen Felsen durchsetzt, die die Fahrt ziemlich erschwerten. (Bild links /1/). Ein Stück weiter Flussaufwärts gab es Probleme. Die Ufer wurden immer höher, und der Fluss hatte sein Bett schon im Bereich der Vorberge des Franklinberges ausgehöhlt; die Quelle konnte nicht mehr fern sein, da alle Gewässer vom südlichen Berghang den Fluss speisten ....

Es dauerte nicht mehr lange, da sah man dicht hinter der letzten Biegung, die der Fluss machte, einen Wasserfall durch die Bäume schimmern. Hier stieß das Boot auf Grund, und bald war es in der Nähe des rechten Ufers an einem Stamm festgebunden. (Bild rechts /3/)

Ein weiteres landschaftliches Kleinod war der Grantsee. Er wird wie folgt beschrieben: Es war eine Szenerie, des Sehens wert! Die Wasseroberfläche mit einem Umfang von nahezu sieben Meilen und einer Oberfläche von annähernd zweihundert Hektar war rings von verschiedenartigen Bäumen eingeschlossen. (Bild links /4/)


Wenn man die Insel nach Westen entlang des Wasserfallbachs durchquerte, gelangte man durch die Wälder des Fernen Westens wieder an die Küste. Dort gab es auch eine Überraschung: „Kurz darauf traten die Kolonisten aus dem Wald heraus und sahen die westliche Küste der Insel vor sich. Doch welch ein Gegensatz zwischen dieser Küste und der östlichen, auf die sie der Zufall geworfen hatte! Hier ragte keine Granitwand empor, es gab keine Klippen und Riffe, ja nicht einmal einen Strand. Der Wald selbst bildete das Ufer, und seine sich über die Fluten neigenden Bäume wurden von den Wogen gepeitscht. (Siehe dazu Bild unten links aus /4/)

Das Granithaus


Aber die Kolonisten brauchten auch eine sichere Unterkunft. Diese schufen sie sich mit dem Granithaus. Details dazu findet ihr auf meiner Seite Rekonstruktion (II): Das Granithaus. Einen Lageplan des Granithauses und einen Schnitt durch das Plateau zur schönen Aussicht kann man meiner Seite Der prinzipielle Aufbau des Granithauses entnehmen.

Weiteres Kartenmaterial und andere Details der Insel:

Das Granithaus und dessen Umgebung habe ich in einer Detailkarte auf meiner Seite Karte des Grantsees dargestellt. Dort ist eine genaue Einordnung der Örtlichkeiten zu erkennen. Wollt ihr noch die Vermessung des Plateaus zur schönen Aussicht miterleben? Dann bitte meine Seite Die Vermessung der Plateauhöhe besuchen!



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Copyright © Andreas Fehrmann 01/01, letzte Aktualisierung 9. Januar 2010