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A. Hartleben's Verlag: Verlagsgeschichte und Allgemeines zur Übernahme des Werkes von Jules Verne

Adolf Hartleben
Adolf Hartleben (1835 bis 1903), Collection Fehrmann

Quellenangaben:
/1/ Fakten aus Meyers Lexikon 1926; Bibliographische Institut Leipzig
/2/ Wessely, Daniela: Der Verlag von Carl Konegen in Wien unter Berücksichtigung der Verlagslandschaft im ausgehenden 19. Jahrhundert; Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie; Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien; Wien Mai 1997; Zitat von Seite 25

/3/ Rudolf Schmidt: Deutsche Buchhändler. Deutsche Buchdrucker. Band 2. Berlin / Eberswalde 1903, Wiedergabe von Teilen der Seiten 379 bis 382

Verlagsgeschichte A. Hartleben bis 1900 (PDF-Datei mit 385 KB)

/4/ Einige Fakten aus: Bruny, Martin: Die Verlagsbuchhandlung A. Hartleben. Eine Monographie, Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie. Geisteswissenschaftliche Fakultät, Universität Wien, Wien 1995 (aus Wikipedia)

/5/ Volker Dehs, Ralf Junkerjürgen Hrsg. Jules Verne – Stimmen und Deutungen zu seinem Werk, Schriftenreihe und Materialien der Phantastischen Bibliothek Wetzlar Band 75, 1. Auflage März 2005; CF /5708/; Zitat von Seite 267

/6/ Vortitelei zur Hartleben-Erstausgabe Von der Erde zum Mond von A. Hartleben's Verlag Wien Pest Leipzig 1874 CF/0401/

/7/ Max Popp: Julius Verne und sein Werk; A. Hartleben's Verlag 1909; Faksimile Fabri Verlag Ulm 1999; CF /5503/; Zitat Seite 1

/8/ Briefe und Werbematerial des Hartlebenverlages von 1895 bis 1911 aus meiner Sammlung; CF /21248/

/9/ Brief mit Freistempel aus dem Hartlebenberlag von 2000; CF /21249/





Verlagsgeschichte

Hartleben BriefeFür Freunde der Bücher von Jules Verne steht A. Hartleben’s Verlag (weiterhin Hartleben genannt) als Synonym für traditionelle deutschsprachige Verne-Ausgaben. Diese Verallgemeinerung würde aber der eigentlichen Bedeutung des Verlages nicht entsprechen. Zwar erlangte der Verlag Ende des 19. Jahrhunderts eine große Popularität durch deutschsprachige Ausgaben der Werke von Dumas und Verne, aber Hartleben stand vor allem für viele Standardwerke der Technik und der Naturwissenschaften, machte sich also als Sachbuchverlag einen Namen. So wurden bis vor dem ersten Weltkrieg jährlich fast einhundert Fachbücher pro Jahr neu aufgelegt. Aber blicken wir zurück zu den Anfängen des Verlages. (Briefe rechts: /8/)

Die Verlagsgeschichte begann 1803 mit einer Sortiments- und Verlagsbuchhandlung in Pest / Ungarn, gegründet von dem am 26. August 1778 in Mainz geborenen Conrad Adolf Hartleben. Er stand dem Verlag bis 1863 vor. /1/ Schon bald expandierte sein Geschäft und er verlegte seinen Hauptfirmensitz innerhalb der K&K Monarchie 1844 in das zentralere Wien. Ab 1844 firmierte man unter C.A. Hartleben’s Verlags-Expedition in Pest, Wien und Leipzig, da es zu ständigen Erweiterungen der Niederlassungen kam. Eine Verlagsbuchhandlung, „... welche bedeutende Werke auf den Gebieten der Geschichte, Geographie und Naturwissenschaft – speziell auch auf dem Gebiet der Technik – aufzuweisen hatte. Zu den Hauptaufgaben des Unternehmens zählten die Popularisierung der Wissenschaften und die Versorgung breiter Volksschichten mit guter Unterhaltungslektüre. Die Firma war die erste in Österreich, die Lieferungswerke zu günstigen Preisen herausgab." /2/ Nach dem Tod des Firmengründers am 5. April 1863 in Wien übernahm von 1863 bis 1869 der Großneffe Adolf Hartleben (1835 - 1903) die Geschäfte, 1869 abgelöst durch den Leipziger Eugen Marx (1844 -1918). Nach mehreren Strukturwechseln, auf die ich hier nicht weiter eingehen möchte, firmierte man dann in den 70er Jahren des 19. Jahrhundert unter A. Hartleben in Wien. Ab 1875 war der Geschäftssitz in der Walfischgasse 1 und Eugen Marx wurde Gesellschafter. Für weitere Details bitte ich die Quelle /3/ auszuwerten. Weitere Niederlassungen waren in der Singerstraße 12 und in der Seilerstätte 19. 

Hartleben Freistempel 2000Erst im hohen Alter übergab Eugen Marx 1918 die Firmenleitung an seinen Sohn Dr. Richard Marx (1885 – 1959) ab. Dieser leitete sie dann bis 1947. Nach einem kurzen Intermezzo bis 1950 durch Rudolf Wolfram übernahm ab 1950 bis zum Jahre 2000 Dr. Walter Rob die Firma, dessen Alleinbesitzer er ab 1954 war. Im Jahre 2000 wurde die Firmenleitung innerhalb der Familie weitergegeben. Die Firmierung lautete in dieser Zeit A. Hartleben, Inhaber Dr. Rob /4/ Schon seit 1947 war die Firma eine reine Handelsgesellschaft. Heute firmiert die Firma unter Buch und Papier Hartleben, den traditionsreichen Namen weiterführend. (Brief mit Freistempel aus dem Verlag vom 22.12.2000; /9/)

Verne bei Hartleben

Vielleicht muss zuerst mit der Legende aufgeräumt werden, dass Hartleben der deutschsprachige Entdecker Jules Vernes ist, oder das in dessen Haus die ersten deutschsprachigen Verne-Ausgaben erschienen. Denn schon vor den ersten Publikationen bei Hartleben gab es deutschsprachige Veröffentlichungen. Siehe beispielhaft dazu meinen Beitrag Ein Drama in Mexiko, in dem aufgezeigt wird, dass die erste Veröffentlichung im deutschsprachigen Raum 1857 in Stuttgart erfolgte.

Die Geburtsstunde der Verne-Bücher bei Hartleben schlug im Sommer 1873, als die ersten Verhandlungen zwischen den Verlagen von Pierre-Jules Hetzel und A. Hartleben erfolgten. „Der Kontakt zwischen Hetzel und Hartleben wurde durch den Leipziger Publizisten und Privatgelehrten Karl Lanz (1805 – 1874) hergestellt, der auch die Übersetzung einiger der ersten Verne-Titel übernahm und der die „Außergewöhnlichen Reisen“ an Hartleben in Serien verkaufte. /5/ Zur Serie des ersten Vertrages gehörten die Romane Von der Erde zum Mond, Reise nach dem Mittelpunkt der Erde, Zwanzigtausend Meilen unter'm Meer und Reise um die Erde in achtzig Tagen. Siehe dazu die Bilder weiter unten /6/. Die Reihe der Übernahme und die Publikation neuer Verne-Romane endete 1911, danach gab es nur noch Nachauflagen. In diesem Zeitraum wurden fast alle Verne Romane und selbst dessen Sachbücher zur Geschichte der Entdeckungen bei Hartleben verlegt. Ausnahmen bilden die Romane Das Wrack der Cynthia, Der Weg nach Frankreich und Cäsar Cascabel. Die Gründe dazu sind den jeweiligen Sonderseiten zu entnehmen. Während das stark von Michel Verne überarbeitete Werk Wilhelm Storitz Geheimnis als letzte Erwerbung 1911 noch verlegt wurde, wurden die Folgewerke, ebenfalls durch Michel überarbeitet, nicht mehr bei Hartleben veröffentlicht.

Vortitelei Vortitelei

Von Jules zu Julius Verne

Eine Eigenart der original bei Hartleben verlegten Verne-Romane war es, dass in der Titelei aus Jules Verne ein Julius Verne wurde. Vernes erster deutschsprachiger Biograph begründete dies so: „Kein ausländischer Schriftsteller ist in den deutschen Landen so populär geworden wie Jules Verne; es gibt wohl keinen Deutschen, der nicht wenigstens hätte von ihm reden hören. Der große französische Romantiker ist so völlig der unsere Geworden, daß wir mit vollem Recht ihn Julius Verne nennen dürfen, ganz als wäre er ein Deutscher von Geburt.“ /7/ Diese nachträgliche Argumentation hätte bestimmt Verne genauso wenig gefallen wie dessen Verleger Hetzel. Beide hatten noch deutliche Abneigungen gegen Deutschland als Auswirkung des Deutsch-Französischen Krieges 1871, als die Verhandlungen mit dem österreichischen Verlagshaus Hartleben 1873 begannen. Ich denke, mit einem Verlag direkt aus Deutschland wäre zum damaligen Zeitpunkt kein Vertrag zu Stande gekommen. In der Sekundärliteratur sind dazu gleich lautende Einschätzungen zu finden. Da die „Julius“-Schreibweise aber schon seit Beginn der Hartleben-Publikationen, also zu einem Zeitpunkt als Verne im deutschsprachigen Raum noch nicht so populär war, benutzt wurde, werden wir wohl eine stichhaltige Begründung für die Namensverfremdung nicht mehr erhalten. Interessant ist die Namensgebung bei der Nachnutzung in Nachauflagen anderer Verlage der in Überproduktion hergestellten Bunde der Hartleben-Ausgaben oder die Nachnutzung der Druckstöcke. Während bei letztgenannter Nutzung der kleinformatigen Vorlagen der Collection Verne im Hause Bibliographische Anstalt Adolph Schumann in Leipzig in der Edition Julius Verne's Reiseromane der Name ebenfalls verfremdet wurde, korrigierte man dies ab 1929 bei den großformatigen Neubindungen der alten Bestände der Serie Bekannte und unbekannte Welten im Hause Michel in Berlin. Diese Ausgaben sind umgangssprachlich (aber falsch) unter dem Begriff Gelbe Prachtausgaben bekannt. Dort wurde in der Buchgestaltung außen der Name Jules Verne aufgebracht, drinnen auf den alten Bunden und dem ursprünglichen Impressum steht noch Julius. Details, inklusive der Bilder der Bücher sind meiner Seite:  Bildliste der Titel bei Michel Berlin zu entnehmen.


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Copyright © Andreas Fehrmann – 9/2009, letzte Aktualisierung 5. Februar 2016