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Die rechts im Text genutzte
Dissertation Die
Belebtheit des Stils in der Darstellungsart des Jules Verne.
(Detailangaben siehe
Quelle CF /5706/
)

Die Originalfußnoten von Gerda Schmökel, die auch
rechts im Text wieder zu finden sind:
-
Cf.
Allotte de la Fuye, Jules Verne p. 28 und dazu: Literaturblatt f. Germ.
Und rom. Philologie 1930, Rezension von Wurzbach pag. 42
-
Allotte
de la Fuye a.a.O. Pag. 35
-
All. De
la Fuye pag. 61
-
All. De
la Fuye pag. 87
-
Cf.
Allotte de la Fuye pag. 123 „Cet inconnu de genie venait de créer le
roman schientifique“, ferner Topin pag. 376
-
Brisson
pag. 116
-
Ebenda
pag. 113
-
a. a.
O. Pag. 190
-
Cf. A.
Brisson a. a. O. Pag. 111
-
ebendort
pag. 112
-
Cf.
All. de la Fuye a. a. O. Pag. 58
-
Topin
pag. 382
-
ebenda
pag. 391
-
Bastard
pag. 53
-
Fuye
pag. 197
Die
Originalangaben für sekundäre Literatur, auf der sich die vorgenannten
Fußnoten beziehen:
Allotte
de la Fuye: M.
Jules Verne, sa Vie, son Oeuvre. Paris 1928 (siehe dazu
meine Quelle Nummer
CF /5523/,
in der das Buch vorgestellt wird)
Bastard,
George: Jules
Verne, sa Vie, son Oeuvre. Revue de Bretagne Tome 35/36.
1905
Brisson,
Adolphe: Portrait
intimes: M Jules Verne. Quatrième Série. Paris 1899
Topin, Marius: Romanciers Contemporais, XIX: M.
Juels Verne. Paris 1876
Hinweise zum verwendeten Bildmaterial:
Alle auf dieser Seite befindlichen Bilder (außer
das Foto von P. Lanczak) sind aus unterschiedlichsten Quellen der mir
vorliegenden Sekundärliteratur von 1909 bis 1986 oder dem WEB entnommen
worden. Ein Besitzer der Urheberrechte konnte nur selten zweifelsfrei
festgestellt werden. Aus diesen und rein ästhetischen Gründen habe ich
alle Bilder nachbearbeitet und verfremdet. Damit sind im Sinne des UrhG
neue Bilder entstanden. Auf eine Angabe der Quellen der Basisbilder
wird daher verzichtet.
Im Text genannte Personen:

Pierre Verne

Sophie Verne

Honorine Verne

Paul Verne

Michel Verne
Ergänzende
Artikel und Beiträge zum Leben Jules Vernes:
Einen „weißen Fleck“ in der Verne
Biographie / Bibliographie hat ein junger Literaturwissenschaftler
erkundet. Eine der ersten Quellen der deutschsprachigen
Sekundärliteratur zu Jules Verne hat Gerd Schubert in ungarischen
Publikationen des Jahres 1873 entdeckt. Gerade die „noch frischen“
biografischen Informationen (u.a. auch Hintergrundinformationen zu
seiner Yacht „Saint Michel“), die gespickt mit allerlei Anekdoten sind,
machen den Reiz des Beitrages Jules Verne im Ungarischen Lloyd
(externer Link) vom 28.2.1873 aus.
Umfangreiche Artikel und Essays zum
Leben und Schaffen Jules Vernes sind in meinem Archiv zu finden.
CREDITS / Dank:
Ich danke an dieser Stelle Peter Lanczak, der mich
mit Informationen und Bildmaterial unterstützte.
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Die Familie Verne
Jules Verne
wurde am 8. Februar 1828 als Sohn von Pierre Verne
(1799 – 1871) und dessen Frau Sophie Allotte de la Fuÿe
(1801 – 1887) geboren. Am 24. März 1905 beendet er sein arbeitsreiches
Leben. Diese nüchternen Eckdaten sind von einem arbeitsreichen und
kreativen Leben erfüllt. Darüber gibt es diverse Biographien zu denen ich eine umfangreichere Listung auf meiner Seite: Hintergrundinformationen
und Quellen zu Jules Verne vorgenommen habe. Zur Geschichte der Familie
Verne, also zu den Vor- und Nachfahren Jules Vernes, habe ich in eine
umfassende Genealogie erarbeitet. Diese ist hier aufrufbar: Genealogie
VERNE. Nachfolgend mache ich den
Versuch, ergänzend zu den vorgenannten professionellen Biographien, das
Leben Jules Vernes „internet-gerecht“ zu skizzieren. Eine Lektüre der
Biographien in Buchform kann der nachfolgende Beitrag aber nicht
ersetzen. Als Studienanregung und als Hintergrundinformation biete ich
neben der Ausarbeitung dieser Seite noch die Druckversion einer Biographie an: Die Faszination der Ferne: Jules Verne. Diese Ausarbeitung aus dem Jahre 2006 hat den Umfang von vier Seiten A4.
Jules
Vernes Leben und Werk
Für die nachfolgende WEB-Biographie
habe ich, anders als bei der oben angebotenen druckbaren
Kurzbiographie, einen etwas ungewöhnlichen Weg gewählt: Basis der
Ausarbeitung ist die 1933 an der Hohen Philosophischen Fakultät der
Universität Rostock durch Frau Gerda Schmökel verteidigte Dissertation Die Belebtheit des Stils in der Darstellungsart des Jules Verne.
(Detailangaben siehe
Quelle CF /5706/
)
Aus der Einleitung zur Gesamtarbeit zitiere ich den Abschnitt Jules
Vernes Leben und Werke. Diese Passagen sind nachfolgend kursiv
dargestellt. Dazu habe ich die Originalschreibweise der alten Unterlage
beibehalten. Ergänzt habe ich vertiefende Verbindungen (Links) zu den einzelnen Themen
und sachlich vertiefende Informationen die mir sinnvoll erschienen. Interne Links mit meinen Beiträgen sind in der
Schriftart „fett“ dargestellt. Gleichzeitig habe ich
Angaben korrigiert, die sich nach dem heutigen Stand der Arbeit seiner
Biographen neu darstellen. Alle ergänzenden Angaben sind am
Standardschriftbild (also nicht kursiv) erkennbar. Das gesamte
Bildmaterial ist nicht aus vorgenannter Quelle.
Nantes an der
Loire-Mündung ist die Heimatstadt Vernes; dort wurde er am 8. Februar
1828 geboren. Er war das erste Kind des Rechtsanwaltes Pierre Verne und
dessen Gattin Sophie, geb. Allotte de
la Fuye. Ihm folgten noch vier andere Geschwister, von
denen der um ein Jahr jüngere Bruder Paul ihm innerlich im späteren
Leben am nächsten gestanden hat. Eine glückliche Kindheit ist es, die
Verne in Nantes verlebte. Das Haus seiner Eltern stand auf einer Insel
in der Loire (Insel Feydeau), und das Kind konnte
von hier aus das Kommen und Gehen der Handelsschiffe beobachten, deren
Segel fern am Horizont auftauchten und immer größer wurden, bis das
Schiff in den Hafen einfuhr, oder umgekehrt langsam in der Ferne dem
Blick entschwand. (Bild oben: Der Binnenhafen von Nantes im
frühen 19. Jahrhundert. Weiterführende Informationen und Bilder auf
meiner Seite: Verne
in Nantes)
Er beobachtete das Leben
und Treiben auf den Schiffen, das Ein- und Ausladen der Waren, lief
zwischen den Verkaufsständen hin und her, an denen man Bananen,
Apfelsinen, Kokosnüsse, Ananas, Muscheln feilhielt, sah die großen
Säcke mit Kaffee oder Tee, die Käfige mit den Affen oder Papageien –
all das bunte, vielgestaltige Leben einer großen Seestadt nahm dem
Knabe in immer neuen Farben in sich auf. Als er gar eines Tages aus dem
Fenster der Badeanstalt seine Angel werfen und fischen darf, träumt er
sich weit hinaus aufs Meer, auf ein riesiges Schiff; wenn bei stärkerer
Flut das Wasser die Insel höher umspülte, bildete er sich ein, daß sie
gleich den Eisschollen mit fortgerissen würde – später erzählt er von
der Angst, aber auch dem brennenden Wunsch, den er bei dieser
Vorstellung empfunden hätte. Zweifellos sind diese ersten
Kindheitseindrücke aus der Natur und dem bewegten, nie rastenden Leben
des Hafens von entscheidender Wirkung auf seine Vorstellungskraft und
auf die Richtung seiner Phantasie geworden. (Zum Bildmaterial:
Es gibt definitiv keine Jugendbilder von Jules Verne. Das Bild rechts
Text wird in unterschiedlichen Quellen als Jugendbild von Jules und
Paul benannt und genutzt. Es ist aber ein Bildnis von den Cousins der
Beiden. Es sind die Söhne von Sophies Schwester Louise).
Seinen ersten Unterricht
bekam Verne bei Mme Gambain. Ihr Mann war nach vierwöchiger Ehe als
Kapitän zur See gegangen und niemals zurückgekehrt. Das war vor 30
Jahren geschehen; doch die Lehrerin Vernes hofft noch immer auf die
Heimkehr ihres Gatten und erzählt ihrem Schüler von ihrem Kummer, ihren
Gedanken und Hoffnungen. Auch diese Erzählungen fallen bei dem Knaben
auf fruchtbaren Boden,
1834 kam Verne auf das
„Petit-séminaire de Saint-Donatien“. Seine Eltern wechselten ihren
Wohnsitz und zogen nach dem kleinen ländlichen Chantenay unweit von
Nantes. In dieser Zeit versuchte es Jules einmal, erfüllt von
Begeisterung für Meer und Schiffahrt und von Sehnsucht nach Abenteuern
getrieben, sich als Schiffsjunge anheuern zu lassen. Tatsächlich war er
schon ein Stückchen unterwegs, als sein Vater ihn zurückholte. Er
musste dann versprechen: „Je ne voyagerai plus qu'en réve“.1) Volker
Dehs schreibt dazu, dass diese Geschichte die von Allotte de la Fuye -
der ersten Biographin Vernes - nieder geschrieben wurde, nicht
nachweisbar ist. Diese Anekdote gehört mit zur Legendenbildung um
Verne, welche bereits damals einsetzte. Interessant ist, das es das bei
ihr beschriebene Schiff>Coralie< auf dem der junge Jules
gelandet sein soll, wirklich gab. Später besuchte Verne das
„Lycée royal“, er war kein besonders begabter Schüler, fiel dafür aber
durch seine lebhaften Spiele in den Pausen auf, bei denen er alle
Mitschüler mitriss. Nach Vollendung der Schulzeit arbeitete er zunächst
als junger Baccalaureatus (unterster akademischer Grad,
vielleicht vergleich bar mit einem Abiturient) im Büro seines
Vaters und ging dann nach Paris, um sein erstes und zweites
juristisches Examen zu machen, Es ist eine Zeit mutlosen Schwankens und
der inneren Unsicherheit; sein Bruder wurde Seemann und am liebsten
wäre Verne mitgefahren; andererseits fühlte er sich mehr als zur
Juristerei zu Literatur und Musik hingezogen. Alles aber blieb noch
ungewiß, seine Stimmung wird deutlich durch ein Wort, das er in dieser
Zeit sprach: „Ce pauvre homme qu'on apelle Jules Verne“.2)
Siehe dazu auch meine Seite Verne
in Paris. Der Zwanzigjährige wird
durch einen Onkel in einige Salons eingeführt, und hier lernt er A.
Dumas Père (Alexandre Dumas der Ältere) kennen.
Das wird ein Wendepunkt: Durch Dumas und andere Freunde wird er zu den
ersten literarischen Arbeiten angeregt, gewinnt Beziehungen zum Theater
und macht seine ersten dramatischen Schritte in Pailles
rompues, einem
Stück, das unter Beihilfe Dumas Fils (Alexandre Dumas der
Jüngere) 1850 mit einigem Erfolg aufgeführt wurde. Für die
politischen Ereignisse der Jahre 1848 hat Verne wenig Interesse;
Theater und Musik sind nun seine Leidenschaft, letztere verstärkt durch
seine Freundschaft mit dem Musiker Hignard (Arestide Hignard
1822 bis 1898. Die historischen Hintergründe im Frankreich dieser Zeit
und der Weg Vernes zum Theater habe im Beitrag: Jules Verne im Theater
erläutert.). (Ein Angebot seines Vaters, nach Beendigung
seiner Studien einen Posten in Nantes anzunehmen, schlägt er aus, so
daß er sich nun gezwungen sieht, sich finanziell auf eigene Füße zu
stellen. Er bleibt so von geldlichen Schwierigkeiten nicht verschont,
aber die Rechtswissenschaft reizt ihn nun gar nicht mehr; jetzt ist es
neben der Literatur die Naturwissenschaft, die ihm anzieht. Er macht
die Bekanntschaft mit Aragon's, der am Kolorado gewesen war, um dort
Gold zu graben, aber als Blinder zurückgekehrt war. Seine Erzählungen
regten Verne aufs stärkste an – ihre Reflexe finden sich in dem
späteren Roman La
Jangada. Auch sonst fehlt es ihm nicht an
Freunden; er gehörte einem Kreise junger Leute an, die sich wöchentlich
trafen und den Namen „Onze sans-femmes“ trugen. Während er hier
allerdings kaum literarische Anregungen erhielt, wurde er stark
beeinflusst durch E. A. Poe's Erzählungen phantastischer Art, die er
damals wohl im Urtext las. Durch sie angeregt, versuchte er sich an
zwei kleine Novellen, „Les premiers navires de la marine mexicaine“ ( Ein
Drama in Mexiko )
und „Un voyage
en Ballon“ (
Ein
Drama in den Lüften), kehrte aber dem Theater
noch nicht ganz den Rücken. Vielmehr fand er 1852 endlich eine
Stellung, und zwar als Sekretär am Théatre Lyrique, das damals unter
der Leitung von Sévestre stand (Jules Seveste und Émile
Perrin). Trotz der reichlichen Arbeit, die ihm dieser Posten
einträgt, findet Verne Zeit zu weiterer literarischer Tätigkeit; es
entstehen eine Reihe von Novellen, Komödien und Operetten, auf deren
Titel wir nicht weiter eingehen brauchen. Eine endgültige Form findet
Verne in ihnen noch nicht, sie sind bald überholtes Ergebnis des
Suchens und langsamen Weiterfindens, des vorsichtigen Tastens nach
derjenigen Schreibbart, die sich ihm als die für ihn geschaffene
enthüllen soll, die in seinem Unterbewußtsein als die ihm ureigene
schlummert. Wie eine Vorahnung erscheint uns die Antwort Vernes auf die
Frage seines Vaters, welche literarische Schule er sich zuwenden wolle,
der Romantik oder der Klassik: „En fait d'école, je crois bien n'étre
que la mienne“.3) Tatsächlich braucht er 12 Jahre, um von den ersten
Anfängen seiner schriftstellerischen Tätigkeit bis zur Veröffentlichung
seines ersten naturwissenschaftlichen Romanes zu gelangen.
1855 trug sich Verne mit
Heiratsabsichten, er fuhr nach Hause, verdarb sich aber die geplante
Verbindung durch eine leichte ironische Bemerkung und kehrte gänzlich
gebrochen nach Paris zurück. Sein Wunsch nach eifrigerer Tätigkeit in
den Gebieten seines Interesses, sein Drang nach Freiheit ließ sich ihn
seinen Posten als immer schwerere Bürde empfinden, und als Sévestre
starb, gab er im Oktober 1858 seine Stellung am Théatre Lyrique auf.
Nun konnte er sich voller Eifer seiner schriftstellerischen Tätigkeit
widmen, neben ihr den naturwissenschaftlichen Studien; und die
Verbindung von Literatur und Wissenschaft beginnt sich schon jetzt
anzubahnen: Eine Vorliebe für technische Ausdrücke ist bereits in
dieser Zeit deutlich erkennbar. 4)
Im Mai 1856 fährt Verne
zur Hochzeit eines Freundes nach Amiens und verliebt sich dort in die
Schwester der Braut, Honorine-Anne-Hébé Morel, eine junge Witwe mit
zwei Kindern. Diese Beziehung bringt ihm neuen Antrieb und neue
Lebenskraft. Er sieht sich nach einer sicheren Stellung um; mit von
seinem Vater bereitgestelltem Gelde übernimmt er eine Wechselbank in
Paris, und im Januar 1857 findet in ganz kleinem Kreise, da Verne
größere Feierlichkeiten scheute, die Hochzeit statt. Verne ist
glücklich. (Bild links: Jules (oben mittig) und Honorine
(unter seinem Arm) bei einem Ausflug in Provins, nach unterschiedlichen
Quellenangaben zwischen 1860 und 1861).
Trotz seiner neuen
Tätigkeit, die ihn an die Börse führt, läßt er aber seine literarischen
Arbeiten nicht zu kurz kommen; mit seinem Freunde Hignard zusammen
schreibt er eine Operette: „L'Auberge des Ardennes“, eingehend
beschäftigt er sich wieder mit Poe, den er bis auf die materiellen
Schlüsse fast in allem lobt. Nur findet er zuweilen eine zu geringe
Beobachtung der naturwissenschaftlichen, vor allem physikalischen
Gesetzte. Immerhin fühlt er sich Poe doch so verwandt, daß er später
sogar dessen nicht fertiggestellte Erzählung “Arthur Gordon Pym“
vollendet – eine Tat, die er in dieser Zeit immer noch von anderen
erwartete. Dies war 1897 mit dem Roman Die
Eissphinx . 1859 macht er –
kostenlos – seine erste größere Reise, die ihn zusammen mit Hignard
nach Schottland führt; auf dem Rückweg wird in London ein kurzer
Aufenthalt genommen. Daraus
entsteht später der Roman Reise mit Hindernissen nach England und
Schottland die
er 1859 bis 1860 schrieb, welche aber erst 130 Jahre später ihre
Erstauflage hatte.
1861 führ er mit einem
Bruder Hignards nach Skandinavien, eine Reise, die starken Eindruck auf
ihn machte. Noch lange träumt er von den Eiswüsten und düsteren Meeren,
die ihm auch bei der Darstellung späterer Romane vorschweben.
Im selben Jahre noch trat
Verne in Beziehungen zu dem Physiker Tournachon, der unter dem
Pseudonym Nader bekannt war. (Korrekt: Nadar, eigentlich Félix Tournachon,
lebte 1820 – 1910, Bild links im eigenen Atelier - selbstironische
Darstellung im kleinen Studioballon).
Diesem schwebte das
Projekt eines Luftballons vor, das er verwirklichen zu können hoffte. (Die
Hintergründe und die Beziehung zwischen Nadar und Verne habe ich im
Beitrag Der
lenkbare Ballon Victoria
dargestellt.) Verne
läßt sich von seinen Ideen ganz gefangennehmen; seine rege Phantasie
malt sich den Ballon aus, im Geist unternimmt er schon weite Fahrten
mit ihm, deren geträumte Erlebnisse er niederzuschreiben beginnt: Sie
sollten ihm den Stoff zu seinem ersten bedeutenden Roman geben. 1862
begab sich Verne mit dem fertigen Manuskript zu dem Verleger Hetzel, der unter dem Pseudonym P. J.
Stahl gleichfalls schriftstellerisch tätig war. Dieser rät ihm, das
Werk noch zu kürzen; dann aber erscheint Neujahr 1863 der erste in der
Reihe der naturwissenschaftlichen Romane Vernes: „Cinq Semaines en
Ballon“ ( Fünf
Wochen im Ballon); er eröffnete zugleich
die „Folge der abenteuerlichen wunderbaren Reisen“.
Der Zyklusname der
„Außergewöhnlichen Reisen“ (Voyages Extraordinaires) wurde allerdings
durch Hetzel erst 1867 eingeführt, als die Veröffentlichungen in den
Magazinen und die kleinformatige Reihe durch die großformatige
illustrierte Reihe abgelöst wird. Deshalb auch die verwirrende Reihung
der ersten vier Bücher. Details dazu kann man der meiner Bibliographie
entnehmen. Jetzt
hatte Verne seine Form gefunden. Vom Lustspiel und der Operette war er
über die Novelle zum Roman gekommen, und hier offenbarte sich seine
schriftstellerische Fähigkeit und der Flug seiner Phantasie.
Der Roman wurde in kurzer
Zeit in alle europäischen Sprachen übersetzt; Verne, bisher unbekannt,
war mit einem Schlage populär und konnte als der Schöpfer einer neuen
Gattung innerhalb der Prosaliteratur, des wissenschaftlichen Romans
gelten. 5) Nun ist der Quell erschlossen, und alles was vorher noch im
Keimen gewesen war, gewinnt jetzt Form und Gegenständlichkeit. Ein
Roman schließt sich in fast ununterbrochener Folge an den anderen.
Hetzel, der den ersten wie die meisten anderen der Verneschen Romane in
seinem neugegründeten „Magasin d'Êducation et de Recréation“
veröffentlicht, schließt mit ihm einen Vertrag auf zwanzig Jahre, nach
dem er ihm für die Lieferung von zwei Romanen im Jahr 20 000 Francs
jährlich ausgezahlt werden. Und wiederum ist Verne glücklich. Er fühlt
sich jetzt in seinem Element und arbeitet fast ohne Unterbrechung, da
er so alleine Befriedigung findet. 6) Er wird geschildert als eine
große stattliche Erscheinung mit blauen Augen und dunklem Haar, er hat
die „Haltung eines vornehmen Ingenieurs“ wie Brisson sagt. 7) Seine
Gesundheit ist gut, nur zuweilen hindern ihn nervöse
Krampferscheinungen an der Arbeit, die aber bald vorüberzugehen pflegen.
In kurzer Zeit folgen seinem ersten
Werke andere: „Aventures du Captaine Hatteras“ ( Reisen und Abenteuer des Kapitän
Hatteras ), in dem er seine Eindrücke von
der Skandinavienreise verwendet, „Voyage au Centre de la Terre“ ( Reise zum Mittelpunkt der Erde
), „De la
Terre à la Lune“ (
Von
der Erde zum Mond ) und „Autour de la Lune“ ( Die
Reise um den Mond ).
Das Großstadtleben beginnt
Verne bei seinem wissenschaftlich-literarischen Arbeiten zu stören; so
zieht er nach kurzem Aufenthalt in Auteuil (wo er 1864
hinzog), einem Vorort von Paris, 1866 nach Crotoy, einem
kleinen Fischerdorf an der Somme-Mündung. Dort wohnte er in
der Straße „Chemin de grande Communication“ (heute „Rue Jules Verne“).
Dort recherchierte Peter Lanczak vor Ort. Fakten und
Hintergrundinformationen aus der Zeit 1864 bis 1871, Vernes Aufenthalt
in Le Crotoy, findet ihr extern in „Jules
Verne in Le Crotoy“. (Links im Bild seht ihr das
„MAISON VERNE“ in Le Crotoy. Dieses Bild hat mir Peter zur Verfügung
gestellt.) Meine Ausarbeitungen dazu, mit ergänzendem Bildmaterial ist
zu finden auf Zu
Hause bei Jules Verne in Le Crotoy..
1867 unternimmt er zusammen mit
seinem Bruder eine Reise nach Amerika auf dem Schiff Great
Eastern. New-York, einige andere Städte
und der Niagarafall werden besucht. Daneben regt diese Reise Vernes
Interesse für den Schiffbau an: aus ihren Notizen entsteht der Roman
„Une Ville Flottante“( Die
schwimmende Stadt ). Bald nach seiner
Rückkehr kauft sich Verne eine kleine Yacht, „Saint Michel“, die er
später noch durch zwei jeweilige bessere ersetzte. Details
dazu findet ihr auf der Seite “Die
SAINT MICHEL I, ein Schiff aus Le Crotoy“. Ich habe dazu vertiefend die
Seite „Jules Verne – maritim: Seine
Jachten SAINT MICHEL I, II & III
geschaffen. Mit
der Saint Michel I fährt er nach Paris, von
niemanden gestört, sich ganz versenkend in seine Träumereien auf dem
Wasser, das er in allen Farbtönen beobachtet und beschreibt.
Mit Ausbruch des Krieges
1870, für den Verne sich nicht begeisterte, zieht seine Familie nach
Amiens, er selbst wird Küstenwächter in Crotoy. Wiederum benutzte er
die Zeit der Ruhe und des Ungestörtseins zu eifriger
schriftstellerischer Arbeit. Während der Besetzung Amiens durch die
preußischen Truppen hält sich Vernes Familie – er hat einen Sohn (Michel Verne wurde am 3. August 1861 geboren.
Er starb am 5. März 1925 ), während die beiden
Kinder der ersten Ehe seiner Gattin entstammen – bei seinen Eltern in
Chantenay auf. Nach Friedensschluß, im Jahre 1872, schlägt Verne seinen
Wohnsitz endgültig in Amiens auf (korrekt: 1871. Siehe dazu
meinen Beitrag: Jules
Verne in Amiens). Dort lebt er in stiller
Zurückgezogenheit, die nur noch einige Male durch Reisen unterbrochen
wird. Nach Paris hat er sich nie mehr begeben. Details zu
Jules Verne in Amiens sind zu entdecken bei C.Larchers
Site: Jules Verne un écrivain d'Amiens.
C. Larcher, der selbst
in Amiens wohnt, hat vor allem viele Bilder zusammengetragen. Jules
Verne ist in Amiens mehrmals umgezogen. Zuerst wohnte er im Bolevard
Guyencourt, zog 1872 in den „44 Boulevard Longueville“ um dann im
Oktober 1882 in das größere Haus der „2 Rue Charles-Dobois“ zu ziehen.
Vor diesem Haus steht Verne mit seinem Hund Satellit im nachfolgendem
Bild.
Im selben Jahre erscheint der beste
und am weitesten verbreitete Roman den Verne schrieb, „Le Tour du
Monde“ (
Reise
um die Erde in 80 Tagen ). Er hatte einen ungeheuren Erfolg
und wurde unter Mitwirkung von Ennery auch für die Bühne umgearbeitet.
Die Spanne von diesem Jahre bis zum Jahre 1886 umfaßt Vernes
eigentliche Ruhmeszeit. In Amiens genoß er großes Ansehen; zweimal gab
er einen großen Ball, zu dem eine Unmenge von Gästen eingeladen war.
Das waren Augenblicke, in denen Verne aus sich herausging und selbst
wie verkleidet war; aber „au fond il reste un timide“, wie De la Fuye
sagt. 8) 1878 unternahm Verne auf seiner neuen Motoryacht mit seinem
Bruder, Hetzel Fils und einem anderen Freunde eine Seefahrt, die ihm
nach Spanien, Portugal und bis nach Algerien führte; im Frühling 1886
finden wir ihn auf einer Reise nach Norwegen, Irland und Schottland,
die ihn die Ost- und Nordsee zeigte; 1884 lernt er auf einer großen
Mittelmeerfahrt Gibraltar, Bône und Malta kennen. Seine Yacht gerät
dabei in einen schweren Sturm, sodaß man zurück den Landweg über Rom,
Florenz und Venedig nimmt. Vieles hat Verne auf diesen Reisen kennen
gelernt, was er später in seinen Romanen verwendete. Wir treffen ihn
oft an einsamem Strand, in den Anblick des Meeres versunken. Da
schwelgt er in seinen Phantasien; oder er sitzt zurückgezogen in seiner
Kajüte und schreibt weiter an seinen Werken. So tritt uns immer klarer
und deutlicher umrissen das Bild vor Augen, das den fertigen Mann Verne
darstellt: Ein ruhiger, korrekter zurückgezogener Mensch, der mehr in
seinen Träumen als in der Wirklichkeit lebt und dem das Erleben auf
Reisen oder im heimischen Wirkungskreise nicht Inhalt, sondern nur
Anstoß ist, es in das Gebäude seiner Gedanken, Träume, Phantasien
einzufügen und auf ihn weiterzubauen.
Mit dem Jahre 1866 (offensichtlicher
Schreibfehler, es muss 1886 heißen) trat ein offensichtlicher
Wandel in Vernes Wesen ein. Der bisher vom Glück Begünstigte wurde von
der Härte des Lebens angefaßt: Die Kugel, die ein Geisteskranker auf
ihn abschoß, traf ihn in den Fuß, er mußte sich einer schwierigen
Operation unterziehen, längere Zeit liegen und konnte dann nur noch
langsam gehen. Dies ist die diplomatische Umschreibung
dessen, dass der Unfall innerhalb der Familie Verne passierte. Denn
damit ist das Attentat vom 9. März 1886 gemeint. Der geistig verwirrte
Neffe Gaston Verne schoss Jules Verne in den Fuß. Schwer trug
er an dem zur gleichen Zeit erfolgenden Tode seiner Mutter (am
15. Februar 1887 starb die Mutter in Nantes) – sein Vater war
schon 1870 gestorben (korrekter: Pierre
Verne starb am 3. November 1871 in Nantes) – und
seines Freundes und Verlegers Hetzel (er starb am 17. März
1886 in Monaco) . Verne ist danach wie verändert; seine
schriftstellerische Kraft ist zwar noch nicht versiegt, läßt aber an
Schwung der Phantasie stark nach. Er verkauft seine Yacht und
verkapselt sich ganz in das Leben eines Provinzlers von Amiens. Er wird
in den Gemeinderat gewählt und er widmet sich dieser neuen Tätigkeit
mit peinlicher Genauigkeit.
 Jules Verne wurde am 13. Mai 1888
das erste Mal in den Stadtrat von Amiens gewählt. (Bild oben: AMIENS –
Le Cirque: Als 1888 Jules Verne Verne in den Stadtrat gewählt wird, hat
er seinen ersten öffentlichen Auftritt am 23. Juni 1889 mit einer Rede
zur Eröffnung des städtischen Zirkus. ( Quelle
CF /5501/ auf Seite 104); Bild links: Jules Verne
im Stadtrat). Dort arbeitete er im Bereich Kultur bis 1903. Wissenschaftliche
Gesellschaften zählen ihn zu ihrem Mitglied, so die „Sociéte de
Géographie“, die „Académies des sciences, des lettres et des arts
d'Amiens“, die „Sociéte d'Horticulture de Picadie“ und die „Sociéte de
l'Esperanto“. Mehr noch als früher verläuft jetzt sein Leben in
bestimmter Regelmäßigkeit.
Jeden Vormittag nach dem
Frühstück verläßt er sein Haus, um Zeitungen zu lesen, pünktlich
nachmittags um 3 Uhr erscheint er bei seinem Bäcker, um dort seine
schon bereitgestellt Tasse warme Milch zu trinken, nie versäumt einer
eine Gemeindesitzung. Er sagt selbst von sich: „Je ne suis qu'un
provincial“. 9)
Noch immer aber ist er
schriftstellerisch tätig und sein Geist frisch; 10) er steht im regen
Briefwechsel mit seinem Bruder, teilt ihm seine Gedanken und Einfälle
mit und fragt ihn gelegentlich nach neuen Entdeckungen. Es ist jetzt
allmählich die Zeit gekommen, da viele seiner Ideen Wirklichkeit
werden. Mit Interesse verfolgt Verne die Reise des Jean Chaffanjon, der
die Quellen des Orinoko aufsucht; auf Grund der Reiseberichte, die
jener ihm schickte, entsteht ein neues Buch: „Le superbe Orénoque“ ( Der
stolze Orinoco).
Um die Jahrhundertwende
nehmen die Kräfte des jetzt 72 jährigen zusehends ab. Trotzdem rafft er
sich immer von neuem wieder auf; doch schließlich tritt eine Lähmung
der ganzen rechten Seite ein. Alles nimmt Anteil an der Krankheit
Vernes, als man von dem Ernst seines Zustandes hört. Am 20. März
erfährt ganz Frankreich voller Teilnahme und Trauer die Todesnachricht
seines populärsten Schriftstellers. Dies muss korrigiert
werden, denn Jules Verne starb am 24.
März 1905 um 08:00 Uhr in Amiens nach seinem zweiten Diabetesanfall. Er
wurde am 28. März 1905 in Madeleine-Friedhof in Amiens bestattet. Bild
links: Der Trauerzug durch Amiens auf einer zeitgenössischen Postkarte.
Weitere Details auf Abschied nehmen von Jules Verne
Werfen wir nach dieser
Skizze des Lebens Jules Vernes noch einen Blick auf die äußere Form
seines außerordentlich umfangreichen Schrifttums – allein rund 60
Romane gehen auf ihn zurück! Die Handlung die er bringt, ist nicht sehr
verwickelt, sondern verläuft in einfachen Bahnen; sie ist teilweise in
eine Rahmenerzählung eingekleidet. Immer zeigt Verne den Menschen im
Kampfe mit der materiellen Welt, „Toute son oeuvre est un duel entre la
raison et les forces aveugies“. 11) Die Lösung der Situation entspringt
oft irgend einer wissenschaftlichen Tatsache, die in Anwendung gebracht
wird. 12) Die Gefahren, die seine Helden zu überwinden haben, sind aber
meistens so groß, daß ihre Kräfte dementsprechend übersteigert und sie
selbst mehr oder weniger begeistert werden müssen den Gefahren Herr zu
werden. Denn dies setzte sich Verne immer als Ziel. 13) Dieses
regelmäßig eintretende happy end, die glückliche Lösung, soll unter
Beweis stellen, daß der Mensch sich durch Verwertung seiner Kräfte und
wissenschaftlichen Kenntnisse die materielle Welt dienstbar machen
kann; 14) man könnte Verne als den idealistischen Schriftsteller der
Wissenschaft und Technik bezeichnen. Unter den Personen seiner Romane
finden wir durchweg drei Typen: Den Vertreter der intelligenten Kraft,
dessen Freund und Begleiter als den Urheber fröhlicher Einwürfe, der
weniger gelehrt ist, und als dritten den Vertreter der materiellen,
körperlichen Kraft und des Gehorsams, den treuergebenen Diener. Die
Frau spielt keine bedeutende Rolle, indes findet sich als Abschluß nach
glücklich überstandenen Fährnissen oft die Verbindung eines Paares
durch Heirat, dessen Liebe zueinander schon vorher angedeutet ist.
Verne kann so mit gutem Recht betonen, daß seine Bücher die beste Moral
verfolgten. 15)
Verne hat neben den wissenschaftlichen
Abenteuerromanen, auf die als allein maßgeblichen und typischen sich
unsere Untersuchung gründet, den Novellen und den dramatischen Werken
noch rein geographische Arbeiten geschrieben, die sein
wissenschaftliches Streben erneut unter Beweis stellen. Dieses sowohl
wie seine anderen Wesenszüge spiegeln sich nun auch in Stil und Sprache
seiner Romane wieder, denen wir uns nunmehr in Einzeluntersuchungen
zuwenden wollen.(.....)
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